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Madame Kaudel's Gardinenpredigten

Douglas Jerrold: Madame Kaudel's Gardinenpredigten - Kapitel 10
Quellenangabe
typenarrative
authorDouglas Jerrold
titleMadame Kaudel's Gardinenpredigten
publisherverlag von Otto Wigand
yearo.J.
translatorFriedrich Gerstäcker
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140402
projectid2a5123a6
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Achte Predigt

Kaudel ist Freimaurer geworden und Madame Kaudel hierüber nicht allein empört, sondern auch neugierig.

Kaudel! – Kaudel! Du kannst doch unmöglich schon schlafen; höre Kaudel, was ich Dir sagen wollte; sieh' – wir können die Sache ganz unter uns und vollkommen ruhig abmachen, aber ich bin endlich mit mir in's Reine gekommen – Kaudel ich bleibe nicht länger bei Dir. Entweder erfahre ich jetzt Alles haarklein, was Du heute Abend getrieben hast, oder ich verlasse morgen das Haus.

Da hört meiner Meinung nach der Ehestand auf, wenn das Vertrauen zwischen Mann und Frau aufhört; sobald ein Mann einmal ein Geheimnis hat, und will es nicht mit der Frau theilen, dann ist auch die Liebe vorbei. –

Schöne Geheimnisse müssen das übrigens sein, wenn sie die Frau nicht einmal wissen darf. Sicherlich keine Geheimnisse für anständige Personen.

Nun komm, Kaudel, sieh' – laß uns nicht zusammen streiten, sei vernünftig, und sage, was Ihr da heute vorgehabt habt. Wahrscheinlich war's lauter Unsinn, und es ist in der That nicht deßhalb, als ob ich mir viel daraus machte es zu erfahren, aber wissen möcht' ich's doch gern. Nun komm, sei gut, Kaudelchen.

Es ist gar nichts? nein, Kaudel, das weiß ich besser, so dumm bin ich nicht; ich weiß wohl, daß es Viel ist, aber erzähle mir auch etwas davon. Sieh', Kaudel, ich könnte Dir gar Nichts verschweigen, ich müßte Dir Alles sagen, davon bist Du auch überzeugt. – Nun? –

Kaudel, Du bist störrisch genug, um eine Heilige zu ärgern; glaube nur ja nicht, daß ich Dich jetzt schlafen lasse, ich denke gar nicht d'ran. Meinst Du denn überhaupt, ich würde Dich je ruhig hingehen und ein Freimaurer werden lassen, wenn ich nicht ebenfalls das Geheimniß erfahren sollte? Nicht daß es etwa groß des Erfahrens werth wäre; darum will ich's aber gerade wissen.

Gut – ich kann mir schon denken was es ist, Du brauchst mir's gar nicht zu sagen. Das Geheimniß ist das: Eure armen Weiber schlecht zu behandeln und zu tyrannisiren; weiter nichts als Sclaven aus ihnen zu machen, das ist die ganze Bescheerung. Ja, es muß 'was Derartiges sein, Ihr würdet Euch sonst nicht schämen, es bekannt werden zu lassen. Was recht und gut ist, braucht nie im Geheimen und Dunkeln abgemacht zu werden.

Ihr seid nicht im Dunkeln? das bleibt sich ganz gleich; es ist eine Beleidigung für eine Frau, wenn ihr Mann Freimaurer ist, und sie nichts davon wissen läßt; aber leider Gottes erfährt sie's doch, wenigstens einen Theil davon, denn schöne Ehemänner sind das nachher. O ja, ein Theil vom Geheimniß ist das, sich mehr um die ganze übrige Welt als um ihre Frauen und Kinder zu bekümmern. Ich sollte übrigens denken, ein richtiger Mann hätte schon genug zu Hause zu sorgen, ohne sich noch viel mit der übrigen Welt, die ihn eigentlich gar nichts angeht, zu befassen.

Wahrscheinlich nennen sie Dich nun auch Bruder Kaudel. Ein schöner Bruder, das muß wahr sein. Putzt sich heraus mit einer Schürze an, wie ein Chausseearbeiter, denn weiter seht Ihr doch nichts ähnlich. Ich möchte nur wissen, weshalb Ihr die Schürze vorbindet, 'was Ordentliches hat das sicher nicht zu bedeuten, das ist gewiß. Na, ich sollte für ein oder zwei Tage Königin sein, weiter wollt' ich Nichts, den Freimaurern aber und dem andern Unsinn macht' ich ein Ende, darauf kannst Du Dich verlassen.

Nun komm, Kaudel, wir wollen uns nicht zusammen zanken – wie? Du hast doch keine Schmerzen, Kaudelchen? komm, sag' was sind das Alles für Heimlichkeiten? Nun, was liegst Du da, und lachst? Ich bin aber wirklich eine Närrin, daß ich mir nur die Mühe gebe solches Unsinns wegen.

Du willst mich das Geheimniß also nicht wissen lassen? Du willst es für Dich behalten, so? Nun, Kaudel, dann muß ich Dir nur eins sagen. Du weißt, es hält ungemein schwer, mich zu reizen und aufzubringen, es hält sehr schwer, und nicht etwa, daß ich mir aus dem Geheimniß selbst etwas machte, nein, wahrhaftig, ich möchte keinen Knopf d'rum geben, es zu erfahren, aber die Verachtung kränkt mich, Kaudel – die überlegte Bosheit ärgert mich, die einen Mann dazu treibt etwas für sich zu behalten, wovon er seiner Frau sein ganzes Leben lang kein Wort sagt.

Mann und Frau sollen eins sein. – Ja wohl – das möcht' ich einmal sehen wie das möglich wäre, wenn der Mann ein Freimaurer ist, wenn er ein Geheimniß auf dem Herzen hat, was ihn und seine Frau auseinander hält. Ihr Männer macht die Gesetze, und seht Euch auch schon deshalb vor, daß Ihr Alles so einrichtet wie es Euch zu Euren Karten paßt; wenn das nicht wäre, so müßte eine Frau das Recht haben sich scheiden zu lassen, wenn ihr Mann unter die Freimaurer geht; denn dadurch behält er sich einen Eckschrank in seinem Herzen, einen geheimen Winkel in seinen Gedanken vor, in dem seine arme Frau nicht aufräumen und nachsehen darf.

Kaudel, ich lasse Dich eine ganze Woche nicht schlafen, Du sollst keine Viertelstunde Ruhe haben, bis Du mir etwas davon erzählst. Nun komm, sei doch nicht so brummig, Kaudelchen, Du weißt ja doch, wie lieb ich Dich habe. – Sieh' Kaudel, ich wüßte nichts auf der Welt, was ich Dir abschlagen könnte, davon bist Du auch überzeugt, solltest es wenigstens sein und ich wünsche nur, daß ich ein Geheimniß wüßte. Es lebt ja Niemand auf der ganzen Welt, dem ich es lieber anvertrauen möchte, als gerade Dir, meinem lieben Mann; es würde mich rein elend machen, wenn ich es für mich behalten müßte; das weißt Du auch, nicht wahr, Kaudelchen?

Hat es schon je einen solchen Mann gegeben? Mann? nein wahrhaftig, Du bist gar kein Mann, ein Wütherich, ja, Kaudel, ein herz- und gefühlloser Barbar bist Du, wenn Du mir mit so wenigen Worten Deine Liebe auf eine so klare und schöne Art beweisen könntest, und es doch nicht thust.

Ich habe ja gar Nichts dagegen, daß Du ein Freimaurer bist, Kaudel, nicht das Mindeste, nein, ich glaube sogar daß es etwas ganz Gutes und Nützliches ist, nur daß Du ein Geheimniß daraus machen willst, das kränkt mich; aber – nicht wahr? – Du sagst es mir? Deiner Margareth, nicht wahr Kaudel, der sagst Du's?

Nein? Du willst nicht? Du bist ein Barbar, Kaudel, das ist, was Du bist.

Ich weiß aber wohl warum Du Nichts sagen willst – Du schämst Dich, daß sie Dich so zum Narren gehabt haben, und magst es jetzt nur nicht eingestehen, weiter ist's Nichts, und das jetzt noch, in Deinem Alter – ein Familienvater – schämen solltest Du Dich in Dein Herz hinein, Kaudel. Wahrscheinlich wirst Du nun auch jeden Abend in die Loge, wie sie's nennen, laufen wollen, nicht wahr? o ja – Loge; das mag ein schöner Platz sein, wo sie keine Frauen hineinlassen. Hübsche Sachen mögen da vorgenommen werden; und dann nennt Ihr euch einander Brüder; o ja, nichts als Brüder, dann seid Ihr ja auch Verwandtschaft genug beisammen, und braucht Euch an die andere gar nicht mehr zu kehren. – Ich weiß aber wohl, weshalb die ganze Freimaurerei ist; es soll nur eine Entschuldigung sein daheim von Euren Frauen und Familien mit guter Manier fortzukommen, damit Ihr ungestört trinken und hochleben könnt – das ist das Geheimniß. Und nachher auch noch Frauen zu kränken, sie so zu behandeln, als wenn sie nur untergeordnete Geschöpfe wären, denen man kein Vertrauen schenken könnte und dürfte; das ist das ganze Geheimniß, weiter Nichts.

Nun komm – Kaudel, laß uns nicht mit einander streiten; ja, ich weiß wohl, daß Du Schmerzen hast, armer Kaudel; nun komm, lieber, bester Mann – KaudelKaudel – »Weiter erinnere ich mir Nichts mehr,« schreibt Kaudel, »denn hier schlief ich, dem Himmel sei Dank, ein.«

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