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Madame Kaudel's Gardinenpredigten

Douglas Jerrold: Madame Kaudel's Gardinenpredigten - Kapitel 4
Quellenangabe
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typenarrative
authorDouglas Jerrold
titleMadame Kaudel's Gardinenpredigten
publisherVerlag von Otto Wiegand
printrunAchte Auflage
editorFriedrich Gerstäcker
year1879
translatorFriedrich Gerstäcker
illustratorLudwig Loeffler
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130215
projectid14b71891
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Madame Kaudel's Gardinenpredigten.

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Erste Predigt.

Kaudel ist mit einem Freunde im Wirthshaus gewesen.

O ja – o ja wohl – das ist ein vortreffliches Leben für einen verheiratheten Mann – eine wahre Musterwirthschaft; und das müssen sich die Frauen, die armen, schwachen, zarten Wesen, Alles gefallen lassen. Wenn sie's aber nur wüßten, wenn sie nur die Hälfte von dem wüßten was ich weiß, sie würden sich vorsehen, ehe sie sich für ihr ganzes Leben an einen Mann bänden.

Eine Frau muß zu Hause bleiben, muß sich placken und quälen und der Mann geht indessen hin wohin es ihm beliebt; – ja wohl – das ist, seiner Meinung nach, ganz in der Ordnung. Ein wahres Aschenbrödel sollte die Frau sein, während der Mann in Schenken und Bierstuben herum trinkt und singt.

Du singst nicht? woher soll ich das wissen, sagen kannst Du's wohl, wer Dich aber nur hören könnte; dort bist Du sicherlich, wie gewöhnlich, immer unter den Schlimmsten.

Jetzt wird's nun wohl jede Nacht in's Wirthshaus gehen; wenn Du aber glaubst daß ich aufbleibe und warte bis Du zu Hause kommst, Kaudel, dann irrst Du Dich doch gewaltig. – Nein wahrhaftig – und ich stehe auch nicht aus meinem warmen Bett auf um Dich hereinzulassen, und Susanne darf noch viel weniger unten bleiben.

Ich könnte die Thüre offen lassen? Ja – weiter fehlte gar

Nein, der Ruß macht mich nicht glücklich, Kaudel, und er verlängert auch mein Vergnügen nicht; was aber mehr ist – Du bist ein gefühlloser Mann, daß Du mir so etwas sagen kannst. Du bist schlimm genug daß sich eine Frau in ihr Grab wünschen möchte – es ist wahrhaftig wahr. Und was Du dabei Deinen Söhnen für ein herrlich Beispiel giebst. Weil wir heute ein Bischen waschen und gerade kein heißes Mittagsessen haben (denn wer giebt den Wäscherinnen heißes Essen?) und weil Dir nicht Alles so ganz nach der gewohnten Bequemlichkeit war, da mußt Du gleich wie besessen im Hause herumfahren und das kalte Hammelfleisch verfluchen. – Du weißt wohl gar nicht was das Pfund Hammelfleisch jetzt kostet, oder Du würdest nicht die herrliche Gottesgabe verfluchen als ob Du ein Lord wärest. Was?

Du hättest nicht geflucht? Das kannst Du jetzt recht gut behaupten, ich weiß aber wohl wann Du fluchst und manchmal thust Du es, ohne daß Du es selber merkst. Aber nein, da muß der Herr fluchen, seinen Hut aufstülpen, wie wahnsinnig aus dem Hause stürzen und in ein Wirthshaus rennen um da zu essen. Einen schönen Begriff müssen die Leute von Deiner Frau bekommen, wenn sie sehen daß Du außer dem Hause ißt – eine schöne Idee von unserer Wirtschaft. Was, Kaudel?

Du willst das jedesmal thun, wenn ich wasche? Gut, Kaudel – sehr gut. Wir wollen aber doch sehen, wer das zuerst müde werden wird, denn das sag' ich Dir, eher wasche ich alle Tage und wenn's nur jedesmal ein Strumpf wäre. Das sieht Dir aber ganz ähnlich – unter die Füße möchtest Du alle die treten, die anderer Meinung sind als Du.

Höre, Kaudel, Du brauchst nicht zu schreien als ob das Haus brennte, oder ich stehe auf. Es ist wahrhaftig schrecklich daß ich kein Wort sagen darf, ohne daß Du einen solchen fürchterlichen Lärm machst.

Du hast nicht geschrieen? dann möcht' ich wissen was Du schreien nennst; die Leute müssen Dich im Nachbarhause gehört haben. Nein, Kaudel, das hilft Dir Nichts – gute Worte nützen Dir gar Nichts, ich bin nicht die Närrin mehr, die ich in früheren Zeiten war; jetzt weiß ich's besser. Am Tag willst Du mich auf jede abscheuliche Art behandeln, und Abends soll ich dann noch nicht einmal ein einziges Wort reden dürfen, weil Du thust als ob Du müde wärest. Schämst Du Dich nicht, Kaudel?

Warum ich nicht außer dem Hause waschen lasse? Das hast Du mich jetzt schon wenigstens tausend Mal gefragt – aber es hilft Dir Nichts, Kaudel, also gieb Dir keine Mühe weiter. Was sagst Du?

Madame Betsenberger hätte gesagt, es wäre ebenso billig? Bitte – was geht mich denn Madame Betsenberger an? ich denke doch, Kaudel, daß ich auch ohne Madame Betsenbergers Rath für meine Familie sorgen kann. Madame Betsenberger – ja wohl – weiter gar Nichts. Ich wollte nur, sie besuchte mich einmal, daß ich ihr das so recht selbst sagen könnte, wie ich's für sie auf dem Herzen habe. Ja wohl, Madame Betsenberger. O ja wohl – sie muß das viel besser verstehen wie ich – o viel besser. –

Nein, Kaudel. Ich will aber nicht den Mund halten. Ich sollte wenigstens denken, daß ich Herrin meiner eigenen Wäsche sein könnte; und nachdem ich Dir so lange Jahre eine solche Frau gewesen bin, ist es mehr als grausam, ist es abscheulich von Dir daß Du mich auf eine solche Art behandelst. Außer dem Hause waschen – weiter fehlte mir Nichts, und ich sage Dir auch: es ist nicht so billig, ob Du's nun bei'm Dutzend oder einzelnen Stück waschen läßt. Ich habe Alles versucht und berechnet, und ich spare jede Woche wenigstens zehn Silbergroschen. – Was sagst Du?

Lumpige zehn Groschen? O, Kaudel, ich hoffe zu Gott, daß Du nie Noth leiden solltest, da Du auf solche Art und Weise von Groschen sprichst.

Nun thue mir nur den Gefallen und rede mir nicht in einem fort von Deiner Bequemlichkeit und ärgere mich nicht noch mehr mit solchen Fragen, als ob Deine Zufriedenheit und Ruhe keine zehn Groschen werth wäre; das hat gar Nichts hiermit zu thun; so machst Du's aber immer; wenn ich von einer Sache rede, so fängst Du von einer anderen an – ihr Männer seid Euch alle gleich. Uebrigens bitte ich den gestrengen Herrn zu bedenken, daß zehn Groschen in der Woche im Jahr siebzehn Thaler und acht Groschen macht und nimm die Summe für – meinetwegen dreißig Jahr und –

Nun Du brauchst nicht zu stöhnen, Kaudel, ich glaube schwerlich daß es so lange dauern wird; o nein; lange vorher ehe die Zeit kommt, wirst Du wohl schon Jemanden anders haben, der für Dich wäscht. Wär's nicht der armen Kinder wegen, so sollt' es mir auch ganz einerlei sein, wie bald das geschähe. Du kennst mich aber, Kaudel, und so – für diesmal gute Nacht.


»Ihr im Stillen herzlich für ihr Schweigen dankend,« sagt Kaudel, »wollte ich eben einschlafen, als sie mich noch einmal mit dem Ellbogen in die Seiten stieß und sagte: Das will ich Dir übrigens jetzt bemerkt haben, daß es morgen wieder dasselbe kalte Hammelfleisch giebt. Nicht eher etwas Warmes, bis das verzehrt ist. Und dann war dies auch nur ein kurzer Waschtag – am Mittwoch waschen wir wieder.«

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