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Madame Kaudel's Gardinenpredigten

Douglas Jerrold: Madame Kaudel's Gardinenpredigten - Kapitel 19
Quellenangabe
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typenarrative
authorDouglas Jerrold
titleMadame Kaudel's Gardinenpredigten
publisherVerlag von Otto Wiegand
printrunAchte Auflage
editorFriedrich Gerstäcker
year1879
translatorFriedrich Gerstäcker
illustratorLudwig Loeffler
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130215
projectid14b71891
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Zweiunddreißigste Predigt.

Madame Kaudel spricht sich über Hausmädchen und Mädchen im Allgemeinen aus, und erwähnt dabei Kaudels schändliches Betragen (vor zehn Jahren).

Habe nur keine Angst, Kaudel, kein Wort gedenke ich heute Abend weiter zu sagen, denn ich bin müde, und will, wenn es möglich ist, schlafen. Nach dem, was ich an diesem Tage auszustehen gehabt, und mit meinem Kopfschmerz dazu, vergeht Einem wohl das Sprechen ohnedies.

Ob ich nicht schon wieder mein Fläschchen mit dem Riechsalz drinnen auf dem Kaminsims habe stehen lassen – Auf dem Kaminsims drinnen, gleich wenn Du in's Zimmer kommst rechts, auf der ersten Ecke – man kann gar nicht fehlen; – in einem kleinen grünen Fläschchen ist's – gleich vorne an. – Ja da liegst Du wie ein Felsblock und rührst Dich nicht; ich könnte hier zehnmal verderben und zu Grunde gehen, ehe Du Dich bewegtest. – Oh mein armer Kopf; aber der könnte bersten und wieder zusammen heilen, was kümmerte das Dich.

Ja wohl, das ist Dein Mitgefühl für mich. Ich verlange das Riechsalz und Du sagst, es wäre Nichts besser für Kopfschmerzen als Ruhe; ich gedenke aber nicht ruhig zu sein, das brauchst Du nicht zu hoffen. Und machst Du es nicht jedesmal so mit Deiner armen Frau, o ich kenne Dich schon – ja ich kenne Dich, Kaudel. Du glaubst auch, ich soll wegen dem Ding, der Käthe, ruhig sein, wegen Deinem Liebling; aber ich will doch einmal sehen, ob ich nicht meine eigenen Dienstboten fortschicken kann, wann es mir gefällt. Und müßte ich alle Arbeit allein thun, die soll wenigstens nicht länger unter einem Dache mit mir hausen.

Ich kann's ihr ordentlich an den Augen ansehen, wie sie mit jedem Tage stolzer wird; o ja, Kaudel – ich sehe sehr viel, wenn ich auch nichts davon erwähne, aber die Augen kann ich nicht zumachen, die muß ich wenigstens offen behalten. Freilich, für meinen Seelenfrieden wär's vielleicht besser gewesen, wenn ich blind wäre, aber – Nein, Kaudel – sage das nicht – sage nicht, ich wäre eine alberne Frau – Du glaubst wohl, ich hätte die Rebecca vergessen?

Ich weiß daß es zehn Jahre sind, seit sie bei uns diente, was hat das aber hiermit zu thun? So etwas ist nicht weniger wahr, weil es alt ist, nein – wahrhaftig nicht; und Dein damaliges Betragen, Kaudel, vergesse ich nicht, und wenn es hundert Jahre her wäre. Was?

Dann würde ich immer eine Thörin bleiben? das hoffe ich auch, Kaudel, das hoffe ich wirklich; meine Augen gedenke ich in meinem eigenen Hause offen zu behalten, so lange ich lebe. – Denke nur nicht daran jetzt einzuschlafen; da Du die Rebecca wieder auf's Tapet gebracht hast, sollst Du mich auch jetzt aushören. Ich wundere mich nur, daß Du ihren Namen noch zu nennen wagst –

Du hast ihn nicht genannt? Das bleibt sich ganz gleich, denn ich weiß leider gut genug was Du denkst – wenn Du auch nicht sprichst. Du behauptest übrigens wohl noch immer, Du hättest ihr damals nicht zugetrunken?

Nie im Leben? Ja – das hast Du mich stets versichert, zehn lange Jahre habe ich aber darüber nachgedacht und gegrübelt und mit jedem Tage bin ich fester davon überzeugt worden, daß es wahr ist – Und zu der nämlichen Zeit – sei nur so gut und erinnere Dich einmal daran – wurde unser kleiner Jacob noch getragen. Ich hätte mir wirklich aus der ganzen Sache nicht so viel gemacht, wenn Du nicht dieser Kreatur in einer Zeit zugetrunken hättest, wo unser Kind kaum aus den Windeln war.

Nein, Kaudel – ich bin nicht toll – ich träume auch nicht; ich habe Dich aber auf der That dabei ertappt und die schändliche Heuchelei, die falsche, treulose List, mit der Du es thatest, die macht die Sache in meinen Augen erst so schlimm, so unverzeihlich. Ich hatte Dich im Auge wie das Geschöpf hinter meinem Stuhle stand und Du Dein Glas zu mir aufhobst und »Margareth« sagtest; nachher sahst Du in die Höhe und nicktest »Deine Gesundheit«, um mich glauben zu machen, Du hättest blos mit mir gesprochen; aber ich merkte wie Du zu dem frechen Ding hinaufblinztest und sie anlachtest – und das hinter meinem eigenen Rücken; während unser Jacob noch nicht einmal seine Füßchen gebrauchen konnte.

Der Himmel möge mir verzeihen? Nein, Kaudel, Dir solltest Du das wünschen, ich bin sicher genug, ich wahrhaftig – aber für Dich solltest Du den Himmel anflehen. Das ist auch wieder nicht wahr. Ich würde keinem Heiligen Böses nachreden, Kaudel, und ich habe auch dem Mädchen keinen schlechten Namen wegen gar Nichts gemacht – das ist Beides falsch. O ja – ich weiß wohl, daß sie mich damals wegen dem was ich gesagt hatte, verklagte, und Du Strafe für »meine Zunge«, wie Du es nanntest, bezahlen mußtest, ich erinnere mich noch recht gut daran, das geschah Dir aber ganz recht – ganz recht, Kaudel. Hättest Du sie nicht angelacht, und ihr nicht zugetrunken, so wäre das Alles nicht vorgefallen, giebst Du Dich aber mit solchem Volke ab, so mußt Du auch darunter leiden. Du hättest Dich nicht beklagen dürfen, und wenn die Advokatenrechnung noch einmal so groß gewesen wäre.– Ehrenerklärung – als ob die noch eine Ehre zum Erklären gehabt hätte – Ehrenerklärung.

Und jetzt, Kaudel, bist Du noch ganz derselbe Mann wie vor zehn Jahren. Was? und das hoffst Du auch noch?

Schämen solltest Du Dich; in Deinem Alter, und mit den herangewachsenen Kindern um Dich her.

Wovon ich rede? Ich weiß wohl wovon ich rede, und Du müßtest es ebenfalls wissen, wenn Du nur eine Idee von Herz in der Brust trügest, was Dir aber gänzlich fehlt.– Wie ich heute sagte, ich wollte die Käthe fortschicken, meintest Du, sie wäre ein ganz guter Dienstbote und ich würde nicht leicht einen besseren finden; ich weiß auch wohl warum Du Käthen für gut hältst; weil Du glaubst, sie wäre hübsch, was übrigens gar nicht der Fall ist, aber das genügt Dir. Mädchen übrigens, die für ihr Brod arbeiten, sollten gar nicht hübsch sein – Schöne Dienstboten – ja weiter fehlte mir gar nichts – Dinger, die mit ihren Gesichtern herumgehen, als ob sie ein Hauch verderben könnte. Und leider weiß ich, was für ein schlechter Mann Du bist. Du brauchst nicht zu leugnen, das hilft Dir Nichts, denn ich habe es neulich mit meinen eigenen Ohren gehört, wie Du zu Betsenberger sagtest, Du könntest häßliche Dienstboten nicht ausstehen. Ich frage Dich, Kaudel, hast Du das gesagt, oder hast Du es nicht gesagt?

Es ist möglich? Und Du wirst nicht roth bei einem solchen Geständniß? Kaudel, Deine Grundsätze sind schrecklich genug das Blut einer armen Frau in Eis zu verwandeln.

O ja; das hast Du schon oft gesagt, und es gab einmal eine Zeit, wo ich Dir vielleicht geglaubt hätte, jetzt kenn' ich Dich aber besser. Du magst hübsche Dienstboten gerade so gern leiden, wie hübsche Statuen und hübsche Gemälde und hübsche Blumen, oder sonst etwas Anderes aus der Natur – bloß nur, wie Du sagst, daß sich die Augen daran weiden können. O ja, ich kenne Deine Augen, ich weiß was sie vor zehn Jahren gethan haben, wie der kleine Jacob noch nicht einmal laufen konnte. – Und wenn es vor tausend Jahren gewesen wäre, Kaudel, das ist einerlei, in meinem Gedächtnisse bleibt es so frisch als wie von gestern, und ich will nie davon zu reden aufhören.

Du glaubst es, denn Du kennst mich? nun warum fragst Du also noch? – Und die Käthe sollte ich im Hause behalten, wo ich nicht genug Porzellan und Steingut für sie anschaffen kann? Das Mädchen zerbricht Alles was ihr unter die Hände kommt und – Kaudel – es ist schlimm genug, daß ich, Deine Frau, das sagen muß – aber sie bräche auch mein Herz, wenn ich die Augen nicht offen behielte. Was ist aber ein ganzes Tafelservis von blauem Porzellan gegen ihre schönen blauen Augen – Ja, Kaudel, ich weiß, das sind Deine Gedanken, wenn Du sie auch nicht laut werden läßt.

Oh Du brauchst nicht da zu liegen und zu stöhnen, denn glaube nur ja nicht, daß ich Rebecca je im Leben vergesse. Ja wohl – jetzt kannst Du Rebecca verwünschen, aber damals hast Du sie nicht verwünscht, Kaudel, nein, damals wahrhaftig nicht – oh, ich weiß es wohl.

» Margareth – Deine Gesundheit!« – wie Du nur noch den Muth haben kannst, mir in's Gesicht zu sehen. –

Du siehst mir nicht in's Gesicht? Um so mehr Schande dann für Dich. Das sage ich Dir aber, entweder verläßt Käthe das Haus, oder ich gehe – wer soll es sein, Kaudel, wie?

Es ist Dir einerlei? Deinetwegen alle Beide? Das glaub' ich, Kaudel, aber nein, so wirst Du mich nicht los; doch das Geschöpf – O Du magst toben und fluchen so viel Du willst.

Du hast nicht im Sinne noch ein Wort zu sagen? Sehr gut das, überhaupt gilt das auch Nichts, was Du sagst; aber ihr Vierteljahr ist am nächsten Dienstag um, und dann soll sie fort. Ein Suppenteller und eine Schüssel ging heute in Stücken. Ein Suppenteller und eine Schüssel – und den Kopfschmerz den ich dabei habe; die Hirnschale möchte mir platzen; ich werde aber auch in dieser Welt nie wieder gesund werden. – Ein Suppenteller und eine Schüssel –


»Sie schlief ein,« sagt Kaudel, »die arme Käthe mußte aber am nächsten Dienstag wirklich fort.«

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