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Madame Kaudel's Gardinenpredigten

Douglas Jerrold: Madame Kaudel's Gardinenpredigten - Kapitel 18
Quellenangabe
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typenarrative
authorDouglas Jerrold
titleMadame Kaudel's Gardinenpredigten
publisherVerlag von Otto Wiegand
printrunAchte Auflage
editorFriedrich Gerstäcker
year1879
translatorFriedrich Gerstäcker
illustratorLudwig Loeffler
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130215
projectid14b71891
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Einunddreißigste Predigt.

Madame Kaudel beklagt sich bitterlich, daß Kaudel ihr »Vertrauen« gemißbraucht habe.

Nun Kaudel, so viel sag' ich – Dir erzähl' ich Nichts wieder, darauf kannst Du Dich verlassen. Mach' nur keinen Spektakel, ich will gar nicht, daß Du leidenschaftlich werden sollst, so viel sag' ich Dir aber: nie im Leben erfährst Du wieder eine Sylbe von mir. Das ist gewiß. – Nein – wenn Mann und Frau nicht eins sein können, dann hört Alles auf. Oh, Du weißt recht gut was ich meine, Kaudel – Du hast mein Vertrauen aber auf eine wirklich schändliche, unverzeihliche Art und Weise mißbraucht und ich könnte Dir das noch fünfzig Mal wiederholen und immer wieder vorwerfen. Nie werd' ich mit Dir wieder auf den alten Fuß kommen, auf dem wir bisher gestanden haben – nie, und der kleine Zauber – es war freilich nicht viel – der bis jetzt noch das eheliche Leben umgeben hat, ist fort – für immer fort. Ja – der Mehlthau ist heruntergewischt von der Pflaume, ganz herunter.

Sei nur nicht noch solch ein Heuchler, Kaudel – frage mich nur nicht noch: »was ich meine?« Madame Badekraut ist hier gewesen und zwar mehr in der Gestalt des bösen Feindes als in der einer ordentlichen anständigen Frau und – ich zittere noch, wenn ich daran denke – Du kennst meine Nerven – ja, Kaudel, ich hatte Nerven, als ich Dich heirathete, und ich sollte denken, sie wären seit der Zeit auf die Probe gestellt worden. Nun Du hast das wenigstens zu verantworten. Die Badekraut's wollen sich scheiden lassen, sie nimmt die Mädchen und er die Knaben und das Alles blos Deinetwegen. Wie Du Deinen Kopf ruhig auf das Kissen legen und an Einschlafen denken kannst, ist mir ein Räthsel.

Was Du gethan hast? Nein, Kaudel, daß Du die Frage noch an mich zu stellen wagst, das setzt der ganzen Sache die Krone auf. Gethan? Mein Vertrauen hast Du gemißbraucht. – Meine vertrauensvolle Zärtlichkeit, mit der ich mich als Frau und Gattin zu Dir hinneigte (Thörin die ich war), hast Du benutzt und jetzt dadurch ein glückliches Paar für immer getrennt.

Nein, ich schwatze nicht in den Wolken, Kaudel, ich rede in Deinem Bett, und das ist gerade mein Unglück.

Ja, Kaudel, ich werde mich im Bett aufrichten wenn es mir beliebt, und ich denke gar nicht daran einzuschlafen, bis ich über die ganze Sache eine Erklärung habe, denn Madame Badekraut soll diese Ehescheidung nicht vor meine Thüre legen, so viel weiß ich. Du wirst doch nicht leugnen daß Du gestern Abend im Klub warest? Nein, Kaudel, so schlimm Du bist – (und wenn Du auch mein Mann bist, so kann ich Dich doch deßhalb nicht für einen guten Mann halten, ich versuche zwar mein Bestes es zu thun, es geht aber doch nicht) – so schlimm Du bist, so kannst Du doch nicht leugnen daß Du im Klub warest. Wie?

Du leugnest es auch nicht? Da sag' ich eben – das kannst Du auch nicht – jetzt beantworte mir also diese eine Frage: Was hast Du, vor der ganzen Welt da, über Badekraut's Backenbart gesagt?

Hier ist gar Nichts zu lachen, Kaudel, – wenn Du die arme Frau heute gesehen hättest, so müßtest Du ein kieselsteinernes Herz haben, um lachen zu können. Was hast Du von seinem Backenbart gesagt? frag' ich Dich. Hast Du nicht allen Leuten dort erzählt, er färbte ihn? Hast Du nicht das Licht an ihn gehalten um, wie Du sagtest, »den Schimmer zu zeigen?«

Ja wohl hast Du? Nun siehst Du –, aber die Leute, die in den Wirthshäusern ihre Witze reißen, kehren sich nicht daran, wenn auch die Herzen bei der Gelegenheit mit entzwei gehen. Badekraut ist wie ein Dämon nach Hause gekommen, hat seine Frau ein »schlechtes Weib« genannt, geschworen nie wieder mit ihr zu Bette zu gehen und, um ihr zu beweisen daß er Ernst mache, die ganze Nacht auf dem Sopha geschlafen. Er sagt, das wäre das theuerste Geheimnis; seines Lebens gewesen und sie hätte es mir, und ich Dir wieder erzählt und so wäre es jetzt an das Tageslicht gekommen. Was sagst Du?

Badekraut hätte Recht? ich hätte es Dir erzählt? Das weiß ich, die arme Badekraut vertraute mir das aber neulich nur und ein paar Freundinnen an, als wir ganz vergnügt bei einer Tasse Thee zusammen saßen, und wo sie gerade zufällig darauf zu sprechen kam, wie lange ihr Mann jeden Morgen bei seinem Backenbarte säße; die gute Frau glaubte ja doch wahrhaftig nicht daß das je weiter erzählt würde. Wie?

Dann hätte ich auch kein Recht gehabt Dir etwas davon zu sagen? Also das ist der Dank für das Vertrauen das ich Dir bewiesen habe; so werde ich dafür belohnt. – – Und die arme Badekraut – trotz ihrer Heftigkeit that sie mir doch wie sie fort war leid, recht von Herzen that sie mir leid. Was sagst Du?

Es wäre ihr Recht geschehen? sie hätte den Mund halten sollen? Ja wohl – das ist die Art wie Du Deine Tyrannei immer ausüben willst; wenn es auf Dich ankäme, so brächten die armen Frauen ihre Lippen nie von einander. Was?

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O ja – das ist eine sehr hübsche Rede – sehr hübsch, und die Frauen sollten sich deßhalb vielmals bei Dir bedanken; aber kein wahres Wort ist drinnen, nicht die Probe. Nein, Kaudel, wir Frauen kommen nicht zusammen um an unseren Männern kein gutes Haar zulassen, wie kleine Kinder, die ihre Puppen ausschneiden und ausnehmen. Das sind Deine alten Redensarten, ich weiß aber daß Du gerade der letzte sein solltest, der so etwas von seiner Frau dächte. Natürlich hör' ich viel von anderen Männern, ich kann mir aber doch die Ohren nicht zuhalten, wenn ich's auch manchmal gern thäte; nie sag' ich jedoch ein einziges Wort von Dir – nie im Leben; und wer hätte wohl die meiste Ursache dazu? Nun, Du wirst es wohl gut genug wissen, denn jemand Anderes weiß es ebenfalls. Da sitze ich aber, still wie das Grab und sage kein Wort; nur in der Brust trag' ich's, Kaudel, auf dem Herzen liegt es mir schwer, sehr schwer, da soll es jedoch auch mit mir begraben werden. Heraus kommt es nicht.

Ich weiß übrigens was Du von den Frauen denkst. Ich horchte einmal zu, wie Du Dich mit dem Mosje Betsenberger unterhieltest und keine Ahnung hattest, ich hörte jedes Wort was Du sprachst – wenn Du auch damals nicht mehr viel von Dir selber wußtest. »Lieber Betsenberger,« sagtest Du, »wenn ein paar Frauen mit einander an zu plaudern und schwatzen fangen, so klatschen sie alle Fehler ihrer Eheherrn« – schöner Herr der Du bist – »alle Fehler in einen großen Klumpen zusammen, wie es die Kinder mit ihren Kuchen und Aepfeln machen, um ein ordentliches Fest davon zu feiern« – eh?

Du erinnerst Dich nicht mehr daran? aber ich desto genauer, ich habe auch nicht vergessen wie viel Brandy noch in der Flasche war, als Betsenberger endlich fortging. Es wäre in der That merkwürdig wenn Du Dich noch auf etwas besinnen könntest, was an heut Abend passirt ist. Und jetzt hast Du Mann und Frau von einander getrennt und ich soll die Schuld tragen. Du hast nicht allein Unfrieden und Zwietracht in ein stilles Haus gesäet, nein, auch mein Vertrauen als Dein Dir angetrautes Weib schändlich gemißbraucht und mir den Beweis geliefert, daß ich mich in Zukunft in Nichts mehr auf Dich verlassen kann. – Ja, Kaudel, Alles was ich weiß muß ich von jetzt an in der eigenen Brust verschließen, denn ich kenne keinen Menschen auf der Welt weiter, dem ich mein Herz so öffnen könnte. Ich habe mich von nun an als ein einsames, alleinstehendes Wesen zu betrachten.

Nein, Kaudel, versuche mir nicht einzuschlafen, das hilft Dir nichts. Das weißt Du? desto besser, so will ich nur noch diese eine Frage an Dich thun.

Was? Du hast auch eine Frage an mich zu richten? Ganz recht, Kaudel, – frage nur, ich brauche keine Angst zu haben katechisirt zu werden; nie habe ich eine Sylbe von irgend etwas fallen lassen, das ich als Frau hätte geheim halten sollen. Nie! Was?

Ich soll nicht vergessen was ich gesagt habe? nein, Kaudel, komm nur gerade heraus mit dem, was Du mich fragen willst.

Nein, Kaudel, Du sollst mich nicht schonen – sprich gerade heraus. Was hast Du?

Wer den Leuten gesagt hätte daß Du einen falschen Vorderzahn im Munde trügest? und das ist Alles? nun Gott sei uns gnädig – als ob das nicht alle Welt sehen könnte. Ich weiß wohl daß ich es nur einmal, auch bei Badekraut's, erwähnt habe, übrigens glaubte ich damals, jedermann wisse das ohnedies, und bann, Kaudel, wurde ich auch noch dazu gereizt; ja, Kaudel, ordentlich mit Gewalt und Bosheit dazu getrieben. Es war an demselben Tag bei Badekraut's wie von den Backenbärten der Männer gesprochen wurde. Als wir mit denen fertig waren, sagte jemand etwas über Zähne, worauf denn Mamsell Betsenberger – ein Geschöpf das nur dazu auf der Welt zu sein scheint den Frieden von Familien zu untergraben, und die auch da war; und hätte ich das nur vorher gewußt, so wäre ich gar nicht hingegangen.– Nein, Kaudel, ich schweife nicht ab und komme gleich auf den Zahn. Das ist also das ganze Entsetzliche, was Du gegen mich hast; allerdings etwas Fürchterliches. – Nun also, Jemand sprach von Zähnen und Mamsell Betsenberger fing an mit einem ihrer verlockenden Lächeln – Feixen wäre besser gesagt – von Dir zu reden und meinte, »Herrn Kaudels Zähne wären die weissesten, die sie noch in ihrem ganzen Leben gesehen hätte.« Natürlich kochte mir dabei das Blut, denn das konnte keine Frau ruhig hinnehmen und ich kann da gesagt haben: »Ja, sie sind recht gut; wenn aber ein junges Mädchen die Zähne eines verheirateten Mannes rühmt, so weiß sie vielleicht nicht daß einer derselben von einem Elephanten ist.« So eine Unverschämtheit. Die Mamsell hatte übrigens genug für den Abend.

Ich sehe jedoch in welcher Laune Du heute Nacht bist, Kaudel. Du hast Dich bloß zu Bett gelegt um zu streiten und kannst Dich darauf verlassen daß ich die letzte bin, die Dir hierin Deinen Willen thut. Soviel weiß ich aber, daß Du, nach dem schrecklichen Unheil was Du bei Badekraut's angerichtet hast, mein Vertrauen nicht wieder mißbrauchst; nein Kaudel, im Leben nicht.


Kaudel schreibt noch: »Sie schien nach diesen Worten geneigt einzuschlafen, und ich hütete mich daher wohl, einen so guten Vorsatz zu stören.«

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