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Madame Kaudel's Gardinenpredigten

Douglas Jerrold: Madame Kaudel's Gardinenpredigten - Kapitel 14
Quellenangabe
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typenarrative
authorDouglas Jerrold
titleMadame Kaudel's Gardinenpredigten
publisherVerlag von Otto Wiegand
printrunAchte Auflage
editorFriedrich Gerstäcker
year1879
translatorFriedrich Gerstäcker
illustratorLudwig Loeffler
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130215
projectid14b71891
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Siebenundzwanzigste Predigt.

Madame Kaudel kehrt in ihr Geburtsland zurück. Kaudels unmännliches Benehmen, indem er sich geweigert hatte, für seine Frau einige Kleinigkeiten zu schmuggeln.

Der Himmel weiß wie selten es geschieht, daß ich Dich um etwas bitte, Kaudel; wenn ich es aber wirklich einmal thue, dann kann ich mich auch darauf verlassen, daß es mir verweigert wird. Natürlich – ich bin ja Deine Frau. – Jeder andere Mann auf dem Boot konnte sich wie ein wirklicher Ehemann betragen, ich aber mußte sehen wie ich allein durch kam. Doch eine Närrin bin ich, daß ich mich noch darüber wundre, das sollt' ich wenigstens jetzt gewohnt sein, das ist nichts Neues mehr.

Jeder andere ordentliche Mann konnte für seine Frau ein paar Kleinigkeiten durchschmuggeln, ich möchte aber eben so gut allein in der Welt stehen, das wäre gerade dasselbe. Nicht einmal ein elendes halbes Dutzend seidener Strümpfe wolltest Du für mich in Deinen Hut nehmen, während alle Andern in Spitzen und Gott weiß was ordentlich eingewickelt waren.

Was ich mit seidenen Strümpfen wollte? Aha! also dahin ist es gekommen. Es gab einmal eine Zeit, Kaudel, wo etwas auf meinen Fuß gehalten wurde, ja, und auf den Knöchel auch; wenn aber eine Frau erst einmal verheirathet ist, dann fällt das natürlich Alles weg – o versteht sich von selbst.

Nein, ich bin kein Cherub, Kaudel, sage das nur nicht, ich weiß recht gut, was ich bin. Wenn es aber nur Mamsell Betsenberger gewesen wäre, für die hättest Du schon geschmuggelt, o mit dem größten Vergnügen; ja – der stehen auch seidene Strümpfe ganz vortrefflich, aber –

Du wolltest, Mamsell Betsenberger wäre im Mond? Nein, Kaudel, das ist Verstellung – das wünschest Du Dir nicht, das sagst Du nur so, da guckt Deine Heuchelei wieder durch. Sie wäre mir übrigens eine Person für den Mond – gerade die rechte; glänzender würde er auch nicht durch sie, so viel weiß ich. – Und wie betrugst Du Dich als Du merktest, daß mich die Zollbeamten anstarrten als wenn sie mich mit ihren Blicken durchbohren wollten? schändlich – unverzeihlich! Du wurdest roth und drehtest und wandtest Dich und sprangst von einem Bein auf's andere, als ob ich wirklich ein Schmuggler gewesen wäre.

Das war ich auch! und wenn ich es gewesen wäre, Du hättest der Letzte sein sollen, der sich so betrug.

Du konntest Nichts dafür? Puh – und Du nennst Dich einen Mann – einen Mann der Charakter und Willensstärke hat. Einer der Herren der Schöpfung – konnte Nichts dafür – Gott steh' mir bei. Ich mag aber thun was ich will um zu sparen – das ist immer mein Lohn.

Ja, Kaudel, ich werde auf diese Art sparen, aber wie viel? erfährst Du nicht von mir, ich kenne Deinen schmutzigen Geiz, Du wärst im Stande es mir nachher wieder vom Hausstandsgelde abzuziehen. Das geht Dich auch nichts an, woher ich all' das Geld habe, um so viele Sachen zu kaufen. Das Geld gehörte mir, und es ist auch nicht an Puddingen gespart; aber die Frau, die ihr Bischen am meisten zusammenhält, von der wird auch immer am wenigsten gehalten; nur die großen Damen, die werden geachtet und auf Händen getragen. Wenn ich Dich zu Grunde richtete, Kaudel, ja dann würdest Du anfangen mich zu schätzen. – O ich kenne Euch Männer.

Ich will aber nicht schlafen. Du hast gut reden, kaum liegst Du im Bett, so schläfst und schnarchst Du wie eine Ratte, so kann ich aber nicht schlafen – mein Geist hält mich munter. Und das noch dazu heute Abend, wo ich mich wirklich so glücklich, so vergnügt und zufrieden fühle, da soll ich meinem Herzen nicht einmal mit ein paar Worten Luft machen.

Nein, Kaudel. – Ich kamt nicht im Stillen denken. Wenn es aber nur diese Mamsell Betsenberger wäre, der könntest Du schon zuhören. Oh rede was Du willst, ich spreche doch, und nun gerade. Es kam mir überhaupt etwas mehr als sonderbar vor, daß sie auch auf dem Damm war wie das Boot landete. Die hat sich nach Dir den ganzen Morgen mit einem Teleskop umgesehen, das ist sicher; keck genug wär' sie dazu. Und wie sie feixte und grinste als sie mich kommen sah, und konnte nachher auch noch sagen: »wie fett ich geworden wäre« – unverschämtes Ding das – O ja, der wär' es recht gewesen, wenn sie mich visitirt hätten – darum lachte sie auch nur so. – Ich wollte aber, ich hätte zwei von meinen kleinen, lieben Mädchen mitgenommen; denke Dir nur wie viel Sachen ich um die hätte herumnähen können.

Nein, ich brauche mich deshalb nicht zu schämen, Kaudel, ans unschuldigen Kindern Schmuggler zu machen; je unschuldiger sie aussahen, desto besser und vortheilhafter war das. Da kommst Du aber schon wieder mit Deinen Grundsätzen angestolzt, Grundsätze – als ob das nicht schon im Menschen läge, schmuggeln zu wollen. Das wird uns sicherlich angeboren. – Hübsch angeführt hab' ich sie aber heute, das muß wahr sein – Spitzen und Sammet und seidene Strümpfe und andere Sachen, ohne die Gläser und Karaffen.

Nein, Kaudel, ich sah nicht so aus als ob mir eine Adresse mit einem daraufgemalten Glas Noth gethan hätte, damit mich die Leute nicht zerbrächen. Das ist wieder einer von Deinen Witzen wie Du sie nennst, die solltest Du aber für die aufbewahren die sich etwas daraus machten. Ich schenke sie Dir.

Was ich überhaupt verdient habe? Nein, Kaudel, das erfährst Du nicht, Du nicht. O ja – ich weiß recht gut, wie viel Geld es Dich gekostet hätte, wenn ich visitirt wäre, das wußt' ich aber schon daß sie das nicht sollten. Und Du wolltest nicht schmuggeln – o nein, Du hieltest das nicht der Mühe werth – o Du hast das Pulver erfunden, Kaudel, ha – ha – ha!

Was ich zu lachen habe? Oh, Du weißt das nicht? so ein pfiffiger, scharfsichtiger Mann und weiß' das nicht? ha – ha – ha. – Nun gut, ich will es Dir sagen. Sieh', ich wußte im Voraus, wie ungefällig und häßlich Du immer gegen Deine arme Frau bist, da hab' ich Dich denn schmuggeln lassen, Du mochtest wollen oder nicht.

Wie? Wie Kaudel? ha – ha – ha – wie Du im Kaffeehaus warest, nahm ich Deinen großen Ueberrock, und wenn ich nicht zehn Ellen vom besten Sammt unter das Futter genäht habe, so will ich eine schlechte Frau sein. Du hättest Dich nur sehen sollen, Kaudel, wie unschuldig Du aussahest, als die Zollbeamten immer um Dich herumgingen, o, Kaudel, das war ein wirklicher Genuß – nur Dein Gesicht zu sehen.

Ein schändlicher Streich wär' das? einer Frau unwerth? ich könnte mir nicht viel aus Dir machen? Als ob ich Dir das nicht schon dadurch bewiesen hätte, daß ich Dir zehn Ellen Sammet anvertraute. Du kannst aber sagen, was Du willst, ich habe das Geld gespart und auf Dank ist bei Dir so nie zu rechnen. Alles habe ich gerettet, Alles mit einander, nur die eine schöne englische Novelle, die nahmen sie mir ans der Hand und schnitten sie in lauter kleine winzige Stückchen.

Das geschah mir recht? So? und Du weißt wie selten ich mir ein Buch kaufe. Wenn ich aber in Frankreich ein Buch für den zehnten Theil von dem kaufen kann, was sie hier unverschämt genug sind dafür zu fordern, so –

Und wenn sie's stehlen, das geht mich Nichts an, das ist ihre Sache. Als ob überhaupt in einem Buch etwas wäre das man stehlen könnte. Wann gehn wir denn jetzt wieder nach Hause, Kaudel?

Unsere Zeit ist noch nicht um? und was thäte das? Selbst wenn wir unsere Wohnung eine Woche länger bezahlen müßten, was noch nicht einmal nöthig ist, könnten wir das indessen im eigenen Hause leicht wieder ersparen. Du bist aber ein so sonderbarer, eigenwilliger Mann, und Dein Haus ist der letzte Ort, an den Du denkst. Ich werde aber kein Auge mehr zuthun können; die Furcht daß unterdessen etwas daheim vorfällt, wird mich wach halten. In der letzten Woche sind allein drei Feuer gewesen und die hätten eben so gut bei uns sein können. Soviel ist ausgemacht, den Platz hier hätt' ich gerade satt genug, es ist auch kaum mehr möglich, Dich aus alle den Spielhäusern zu halten, Kaudel; das wird ordentlich Leidenschaft bei Dir. Was für ein schönes Beispiel giebst Du nur dabei Deinen Kindern! Und wenn Du dann noch wenigstens etwas gewönnest, aber nein – im Leben nichts. – O doch – ja wohl – beinah' hätt' ich das ja vergessen – eine Nadelbüchse hast Du einmal gewonnen, die Du gleich an Ort und Stelle und vor meiner Nase dieser Mamsell Betsenberger schenktest. Schöne Aufführung das, für einen verheiratheten Mann, jungen Mädchen Geschenke zu machen, und solchen Mädchen noch dazu. Nadelbüchsen – als ob sie je eine Nadel in die Hand nähme.

Wenn ich noch länger hier bleibe, so werde ich vor lauter Angst krank, so viel ist sicher. Kein Mensch im Hause daheim wie die Frau Henkel, und Gott weiß es, was das für ein Geschöpf im Wirthschaftführen ist. Erst in der letzten Nacht hat mir geträumt, ich sähe unsere Katze, die mager wie ein Gerippe herumginge, und der Kanarienvogel läge starr und steif im Bauer auf dem Rücken und streckte die kleinen Beinchen gerade hinaus. Nein, Kaudel, Du weißt daß ich mich nie wohler fühle als wenn ich zu Hause bin, und dennoch bist Du von hier nicht wegzubringen. Der eigene Herd, das ist mein Platz, und wenn es auf mich ankäme, nicht eine Stunde verließ' ich den.

Wenn jetzt Diebe bei uns einbrächen, was könnte die Henkeln gegen sie machen? Also, nicht wahr, Kaudel, am nächsten Sonnabend fahren wir wieder nach Hause – nicht wahr? o wenn ich nur erst dort wäre! nicht wahr, am Sonnabend, Kaudel?


»Was ich geantwortet habe, weiß ich nicht mehr,« schreibt Kaudel, »am nächsten Sonnabend waren wir aber wieder an Bord des »Red Rover«.

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