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Maaß für Maaß

William Shakespeare: Maaß für Maaß - Kapitel 40
Quellenangabe
typecomedy
booktitleMaaß für Maaß; oder: Wie einer mißt, so wird ihm wieder gemessen.
authorWilliam Shakespeare
translatorChristoph Martin Wieland
year1992
publisherHaffmans Verlag
addressZürich
isbn3-251-20140-9
titleMaaß für Maaß
pages3-148
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zwölfte Scene.

(Der Palast.)

Angelo. Escalus.

Escalus. Jeder Brief den er geschrieben hat, widerspricht dem vorhergehenden.

Angelo. Seine Handlungen sehen dem Wahnwiz nur allzu gleich. Der Himmel gebe, daß sein Verstand nicht angegriffen seyn möge! Und warum sollen wir ihm vor dem Thor entgegen kommen, und unsre Aemter dort niederlegen?

Escalus. Das kan ich nicht errathen.

Angelo. Und warum sollen wir eine Stunde vor seinem Einzug ausruffen lassen, daß wofern irgendjemand sich durch einen ungerechten Spruch beschwert zu seyn glaube, er seine Bitte auf der Strasse übergeben solle?

Escalus. Für dieses sagt er uns seine Ursache; seine Absicht ist, allen Klagen auf einmal abzuhelfen, und uns fürs künftige gegen Beschwerungen sicher zu stellen, die hernach keine Kraft mehr gegen uns haben sollen.

Angelo. Gut; ich bitte euch, laßt den Ausruf morgen bey Zeiten geschehen; ich will euch in euerm Hause abholen: Lasset es alle diejenige wissen, denen es zusteht, ihm mit uns entgegen zu gehen.

Escalus. Ich werde nicht ermangeln, mein Herr; lebet wohl.

Angelo. Gute Nacht.

Diese That entmannet mich gänzlich, macht mich unfähig zum Denken, und ungeschikt zu allem was ich thun soll? Eine geschändete Jungfrau! Und von wem? Von demjenigen, der das Gesez wider solche Verbrechen in seiner ganzen Strenge gelten machte. Allein, ausserdem daß ihre zärtliche Schaamhaftigkeit sich nicht wird überwinden können, den Verlust ihrer jungfräulichen Ehre selbst auszuruffen, was würde ihr Zeugniß gegen mich vermögen? Was ich auch sagen mag, so kan ich allemal ihrem Nein troz bieten. Mein Ansehen ist zu groß, zu befestigt, als daß irgend eine Beschuldigung von dieser Art an mir haften könnte, und nicht mit Schaam auf denjenigen zurückfiele, der meinen Ruhm anhauchen wollte – – Ich hätte ihn leben lassen, wenn ich nicht besorgt hätte, seine hizige Jugend möchte dereinst seine beleidigte Ehre rächen, ohne sich mir für ein Leben verbunden zu halten, das er mit einer solchen Schande erkauffen mußte. Und doch wünschte ich, daß er noch lebte! Himmel! Wie unglüklich sind wir, wenn wir nur einmal unsrer Pflicht vergessen haben! Wie schnell reißt uns eine böse That zur andern fort! Und wie wenig bleiben wir Meister über das, was wir wollen oder nicht wollen!

(Geht ab.)

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