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Maaß für Maaß

William Shakespeare: Maaß für Maaß - Kapitel 33
Quellenangabe
typecomedy
booktitleMaaß für Maaß; oder: Wie einer mißt, so wird ihm wieder gemessen.
authorWilliam Shakespeare
translatorChristoph Martin Wieland
year1992
publisherHaffmans Verlag
addressZürich
isbn3-251-20140-9
titleMaaß für Maaß
pages3-148
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Fünfte Scene.

(Das Gefängniß.)

Der Kerkermeister und Harlequin.

Kerkermeister. Hieher, Bursche, könnt ihr einem Mann den Kopf abschlagen?

Harlequin. Wenn der Mann ein Junggeselle ist, Herr, so kan ich's; wenn er aber ein Ehemann ist, so ist er seines Weibes Haupt; und ich kan unmöglich einem Weibsbild den Kopf abschlagen.Der Spaß ligt hier in einem Wortspiel, das sich nicht übersezen läßt.

Kerkermeister. Laßt eure Schäkereyen, Herr, und gebt mir eine gescheidte Antwort. Morgen früh sollen Claudio und Bernardin sterben; wir haben hier in diesem Gefängniß einen öffentlichen Scharfrichter, der einen Gehülfen nöthig hat; wenn ihr euch entschliessen wollt, dieser Gehülfe zu seyn, so wird es euch von euern Fesseln frey machen; wo nicht, so macht euch gefaßt eure volle Zeit im Gefängniß auszuhalten, und bey eurer Entlassung eine unbarmherzige Tracht Prügel mit auf den Weg zu bekommen; denn ihr wißt, daß ihr ein stadtkündiger H** Wirth gewesen seyd.

Harlequin. Herr, ich bin ein unehrlicher H** Wirth gewesen; doch, das ist nun vorbey, und man redt nicht gerne davon; ich bin es zufrieden, nun ein ehrlicher Henker zu werden; es wird mir ein Vergnügen seyn, einigen Unterricht von meinem Herrn Collegen zu erhalten.

Kerkermeister. Holla, Abhorson! Wo ist Abhorson?

Abhorson kommt.

Abhorson. Ruft ihr mir, mein Herr?

Kerkermeister. Hier ist ein Kerl, der euch morgen bey Hinrichtung der Verurtheilten helfen will; wenn ihr es gut findet, so vergleicht euch mit ihm für ein Jahr, und behaltet ihn hier bey euch; wo nicht, so braucht ihn für diesesmal, und laßt ihn wieder seines Weges gehen. Er kan sich nicht beschweren, daß er mit euch in die gleiche Linie gestellt wird; er ist ein H** Wirth gewesen.

Abhorson. Ein H** Wirth, mein Herr? Pfui, er wird unsre Kunst in einen bösen Ruf bringen.

Kerkermeister. Geht, geht, und macht euch keinen Scrupel; ihr wägt gleich viel; eine Feder würde die Wagschalen verrüken.

(Er geht ab.)

Harlequin zu Abhorson.
Ich bitte euch, mein Herr, mit eurer Erlaubniß, nennt ihr eure Beschäftigung eine Kunst?

Abhorson. Ja, Herr, eine Kunst.

Harlequin. Mahlen, Herr, hab ich sagen gehört, ist eine Kunst, und da eure H**, welche sich sehr gut auf das Mahlen verstehen, Mitglieder meiner Zunft sind, so ist also bewiesen, daß meine Beschäftigung eine Kunst ist; aber was für eine Kunst – – im Hängen seyn sollte, wenn ich gehenkt würde, kan ich mir nicht vorstellen – –Hier ist, nach Herrn Warbürtons Anmerkung, eine ziemliche Lüke im Original, welche auch die zwey Reden, die noch übrig sind, ganz unverständlich macht. Es verlohnt sich der Mühe nicht, diese Scene ergänzen zu wollen, da sie selbst nach Warbürtons darauf übelangewandter Arbeit ein abgeschmaktes Gewebe von albernen Wortspielen bleibt.

Der Kerkermeister kommt zurük.

Kerkermeister. Seyd ihr mit einander übereingekommen?

Harlequin. Herr, ich bin entschlossen, sein Knecht zu seyn; denn es däucht mich, ein Henker zu seyn ist ein bußfertigeres Gewerbe als ein H** Wirth zu seyn; er bittet öfter um Verzeihung.

Kerkermeister. Macht euern Blok und euer Beil zu rechte, bis morgen um vier Uhr.

Abhorson. Komme mit, H**bube, ich will dir zeigen wie du dich zu deinem neuen Handwerk anschiken must; folge mir.

Harlequin. Ich bin sehr lehrbegierig, Herr; und ich hoffe, wenn ihr etwann Gelegenheit bekommen solltet, mich für euch selbst zu gebrauchen, ihr werdet mich eifrig finden; Eure Gewogenheit für mich verdient wahrhaftig keine geringere Dankbarkeit von meiner Seiten.

(Sie gehen ab.)

Kerkermeister. Ruft Claudio und Bernardin hieher; mit dem einen hab' ich Mitleiden; mit dem andren, der ein Mörder ist, nicht ein Jot, und wenn er mein Bruder wäre.

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