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Maaß für Maaß

William Shakespeare: Maaß für Maaß - Kapitel 13
Quellenangabe
typecomedy
booktitleMaaß für Maaß; oder: Wie einer mißt, so wird ihm wieder gemessen.
authorWilliam Shakespeare
translatorChristoph Martin Wieland
year1992
publisherHaffmans Verlag
addressZürich
isbn3-251-20140-9
titleMaaß für Maaß
pages3-148
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Vierte Scene.

Escalus. Kommt zu mir her, Meister Bierzapfer, wie ist euer Name, Meister Bierzapfer?

Harlequin. Pompey.

Escalus. Meister Pompey, ihr seyd ein Stük von einem H** Wirth, ob ihr es gleich hinter dem Bierzapfer versteken wollt. Seyd ihr's nicht? Kommt, sagt mir die Wahrheit, es wird euch nicht desto schlimmer gehen.

Harlequin. In gutem Ernst, Gnädiger Herr, ich bin ein armer Kerl, der gerne leben möchte.

Escalus. Wie wollt ihr leben, Pompey? Von der H** Wirthschaft? Was dünkt euch zu dieser Handthierung? Ist es eine gesezmäßige Begangenschaft?

Harlequin. Wenn das Gesez sie gestattet, Gnädiger Herr.

Escalus. Aber das Gesez gestattet sie nicht, Pompey; dazu soll es in Wien nimmermehr kommen.

Harlequin. Hat Euer Gnaden vielleicht im Sinn, alle jungen Leute in der Stadt verschneiden zu lassen?

Escalus. Nein, Pompey.

Harlequin. Wahrhaftig, gnädiger Herr, so werden sie nach meiner einfältigen Meynung nicht davon abzuhalten seyn; wenn Euer Gnaden den H** und den lüderlichen Mannsleuten wehren wird, so habt ihr nicht nöthig die Kuppler und Kupplerinnen zu fürchten.

Escalus. Dafür sind hübsche Anstalten im Werk; es ist nur um Köpfen und Hängen zu thun.

Harlequin. Wenn ihr nur zehn Jahre nach einander alle die sich in diesem Stüke verfehlen, köpfen und hängen lassen wollt, so werdet ihr in Zeiten Commißion für mehr Köpfe geben müssen; wenn dieses Gesez zehen Jahre in Wien gehalten wird, so will ich das schönste Haus in der Stadt das Stokwerk für drey Kreuzer miethen; wenn ihr so lang lebt, das zu erleben, so sagt, Pompey hab es euch vorher gesagt.

Escalus. Grossen Dank, Pompey, und, um eure Propheceyung zu erwiedern, so sag ich euch hiemit gleichfalls, laßt mich keine Klage mehr wider euch hören, worüber es seyn mag, auch nicht über längern Aufenthalt in dem Hause, wo ihr gewesen seyd; hör ich das mindeste, Pompey, so will ich euch in euer Lager zurük schlagen, und ein strenger Cäsar gegen euch seyn; aufrichtig zu sprechen, Pompey, ihr hättet verdient, daß ich euch ein wenig abpeitschen liesse; und hiemit, Pompey, gehabt euch für dißmal wohl.

Harlequin. Ich danke Euer Gnaden für den guten Rath; ich werde ihm folgen, wie das Schiksal, und Fleisch und Blut es erlauben werden – – (für sich) Sapperment! Ein dapfrer Mann läßt sich nicht sogleich aus seinem Handwerk peitschen.

(Geht ab.)

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