Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Friedrich Theodor Vischer >

Lyrische Gänge

Friedrich Theodor Vischer: Lyrische Gänge - Kapitel 98
Quellenangabe
typepoem
booktitleLyrische Gänge
authorFriedrich Theodor Fischer
year1888
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
addressStuttgart, Leipzig, Berlin, Wien
titleLyrische Gänge
pages387-394
created20030129
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1888
Schließen

Navigation:

»Sie haben ihren Lohn dahin.«

       

    Herr Spilling ist so klug und tief:
Die ganze Welt scheint ihm naiv.
Sein Augengläschen eingriffen,
Das wie ein Mikroskop geschliffen,
Durchschaut er jeglich Ding auf's Haar
Und Alles, Alles ist ihm klar.
Ein Lächeln weilt auf seinen Zügen,
Die Ironie ist sein Vergnügen.

    Nun ist zwar der Ironiker
Natürlich kein Platoniker,
Doch nebenher sentimental,
Er seufzt um das Ideal
Und immer sagt sein müder Blick:
Die Welt ist schlecht, es gibt kein Glück.

    Auf dieser Welt kein Glück? Ei wie?
Dein Glück ist ja die Ironie.
Wenn du dich allzeit lustig machst,
Mundwinkel zuckst und witzelnd lachst

    Oh Andern, welche wie ein Kind
Ganz ohne Ursach' lustig sind,
So wohnt ja Lust, Lust über Lust
In deiner königlichen Brust;
Der Selbstgenuß ist doch nicht klein,
Der einzig weise Mann zu sein!
Drum geh'
Mit deinem Weh!
Klag' nicht um vorenthaltnen Lohn!
Er steht nicht aus, du hast ihn schon.

 << Kapitel 97  Kapitel 99 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.