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Lyrische Gänge

Friedrich Theodor Vischer: Lyrische Gänge - Kapitel 72
Quellenangabe
typepoem
booktitleLyrische Gänge
authorFriedrich Theodor Fischer
year1888
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
addressStuttgart, Leipzig, Berlin, Wien
titleLyrische Gänge
pages387-394
created20030129
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1888
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Ein fernes Grab.
(An C. A. S. †)

         

In fremder Erde ward es dir zu ruh'n,
Im Eiland, das die Volkskraft muß bewachen,
Mit dämmebauend nimmer müdem Thun
Beschützen vor des Meeres offenem Rachen.

Kein schlechtes Bett! Ein ehrenwerther Grund,
Um den so mannhaft stetig wird gerungen,
Daß er als Raub in diesen finstern Schlund
Vom Wogenschwall nicht wird hinabgeschlungen!

Die Augen drückte Kindeshand dir zu,
Wortkarges Volk, arbeitsam, ernst, gediegen,
Empfing dich gastlich, senkte dich zur Ruh –
Doch weiß ich, wo du lieber möchtest liegen:

Im stillen Dörfchen, fern am Neckarstrand,
Dort wo die Berge, die gestreckten, blauen,
Durch weiche Luft in's segensreiche Land
Auf sangreich heitres Volk herüberschauen.

Im Dörfchen an der Rebenhügel Saum,
Im Obstbaumschatten traulich angelehnt,
Wohin du dich im Wachen und im Traum,
Vom Loos verbannt, dein Leben lang gesehnt.

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