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Lyrische Gänge

Friedrich Theodor Vischer: Lyrische Gänge - Kapitel 50
Quellenangabe
typepoem
booktitleLyrische Gänge
authorFriedrich Theodor Fischer
year1888
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
addressStuttgart, Leipzig, Berlin, Wien
titleLyrische Gänge
pages387-394
created20030129
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1888
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Nunc pluat!

(Nach einer alten Devise.)

             

Ein Adler flog empor
Hoch, höher, bis hinan, wo fürchterlich
Aus ew'gem Schnee
Die letzten, wildgezackten Alpenhörner ragen.
Da sah er hangen über sich
Ein zweites, schrecklicher gethürmtes
Gebirg von Wetterwolken,
Schwarz, dicht und breit und schwer, zum Bersten satt.
Es drohet Stürme, Güsse, Ströme, Stürze
Von Regen, Hagelkieseln, die das Haupt,
Die breiten Schwingen ihm zerschmettern,
An die Felsennadeln ihn spießen, oder halbzerfetzt
Zu Thal ihn schleudern werden.
Er sieht's und schießt hindurch,
Steil, kerzengrad, dem Pfeile gleich,
Von straffer Sehne stracks emporgeschnellt.
Schon schwebt er über der schwarzen Wand
Im Blau, im strahlenden Aethermeer,
Er schaut der Sonn' in's blitzende Flammenauge,
Er schaut hinab und spricht:
Nun mag es regnen!

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