Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Friedrich Theodor Vischer >

Lyrische Gänge

Friedrich Theodor Vischer: Lyrische Gänge - Kapitel 35
Quellenangabe
typepoem
booktitleLyrische Gänge
authorFriedrich Theodor Fischer
year1888
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
addressStuttgart, Leipzig, Berlin, Wien
titleLyrische Gänge
pages387-394
created20030129
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1888
Schließen

Navigation:

Nachts an der Engelsbrücke.

     

Der Tiber rauscht, der Tiber rauscht
    Vorbei am dunkeln Saume,
Das Ufer mit den Wassern tauscht
    Gespräche halb im Traume.

Hab' viel geseh'n, hab' viel geseh'n,
    So raunt die breite Welle,
In Stücke wird noch Manches geh'n,
    Was prangt an dieser Stelle.

Sieh auf, sieh an, sieh staunend an,
    So mahnt es von der Brücke,
Zu Peters Dom, zum Vatikan
    Schau' hin mit frommem Blicke!

Da spritzt empor, da schäumt empor
    Die Flut am Pfeilerbogen:
»Hab' keinerlei Respekt davor,
    Man hat zu viel betrogen.

Ob Priester alt, ob Priester neu,
    Ob Augurn oder Pfaffen,
Die junge wie die alte Spreu
    Denk' ich noch wegzuraffen.

Doch sag' ich frei, doch sag' ich frei:
    Einst hat mir's baß gefallen,
Geringer war die Heuchelei
    In Heidengötterhallen.

Bei Jovis Bart, bei Jovis Bart,
    Es waren andre Zeiten,
Als ich die alte Männerart
    Noch sah zum Forum schreiten.«

Sie fließt dahin, sie fließt dahin
    Im bleichen Mondesschimmer,
Leis grüßt sie im Vorüberziehn
    Der Coclesbrücke Trümmer.

Sie kann sich nicht, sie kann sich nicht
    Beim Gruße lang verweilen,
In's Meer, so weit, so frei, so licht,
    Muß sie hinuntereilen.

In's All, in's All, in's offne All,
    Hinaus in's Grenzenlose!
Versinkt doch auch der Erdenball
    Zuletzt im Weltenschoße.

 << Kapitel 34  Kapitel 36 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.