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Lyrische Gänge

Friedrich Theodor Vischer: Lyrische Gänge - Kapitel 140
Quellenangabe
typepoem
booktitleLyrische Gänge
authorFriedrich Theodor Fischer
year1888
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
addressStuttgart, Leipzig, Berlin, Wien
titleLyrische Gänge
pages387-394
created20030129
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1888
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Bald.

               

Es währt noch eine kurze Weile,
Daß du durch diese Straße gehst
Hinauf, herab die lange Zeile,
Und manchmal grüßend stille stehst.

Bald wird der ein' und andre sagen:
Den Alten sehen wir nicht mehr,
Er gieng an kalt und warmen Tagen
Doch hier sein Stündchen hin und her.

Es sei! Des Lebens volle Schalen
Hab' ich geneigt an meinen Mund,
Und auch des Lebens ganze Qualen
Hab' ich geschmeckt bis auf den Grund.

Gethan ist manches, was ich sollte,
Nicht spurlos lass' ich meine Bahn.
Doch manches, was ich sollt' und wollte,
Wie manches ist noch ungethan!

Wohl sinkt sie immer noch zu frühe
Herab, die wohlbekannte Nacht,
Doch wer mit aller Sorg' und Mühe
Hat je sein Tagewerk vollbracht!

Schau' um dich! Sieh' die hellen Blicke,
Der Wangen jugendfrisches Blut,
Und sage dir: In jede Lücke
Ergießt sich junge Lebensfluth.

Es ist gesorgt, brauchst nicht zu sorgen;
Mach' Platz, die Menschheit stirbt nicht aus,
Sie feiert ewig neue Morgen,
Du steige fest in's dunkle Haus!

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