Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Friedrich Theodor Vischer >

Lyrische Gänge

Friedrich Theodor Vischer: Lyrische Gänge - Kapitel 117
Quellenangabe
typepoem
booktitleLyrische Gänge
authorFriedrich Theodor Fischer
year1888
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
addressStuttgart, Leipzig, Berlin, Wien
titleLyrische Gänge
pages387-394
created20030129
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1888
Schließen

Navigation:

An einige große Häuser.

           

Der Croupier war euch recht, weil er ein Pompier war;
Doch hattet ihr bereits bis in das dritte Jahr
Den Brand zu Haus gelöscht und wahrlich nur zu sehr!
Ihr brauchtet ja den Pompier nicht mehr.

Freilich der Edle sprach so ein gemüthlich Wort:
»Fried' ist das Kaiserreich! Regiert nur ruhig fort!« –
Man grüßet, man besucht, man küßt, umarmet sich,
Zum Bruder wird der Bruder Liederlich.

Da greift er aus und holt aus dem Verehrer-Chor
Des Nordens Bären sich, den Lässigsten, hervor –
Er war es, der zuletzt ihn zu begrüßen kam –;
Er haut und trifft und legt ihn wirklich lahm.

»Auch recht! Von alter Furcht sind wir befreit; nur zu!
Die Bärentatze ab! So hat man bessre Ruh'!« –
Jetzt wird man erst recht fett und manches stolze Haus
Sitzt mit dem Parvenu bei Wein und Schmaus.

Da kommt ein Tag, da spricht zu Oesterreich der Schelm:
»Wart', du bemoostes Haupt! Ich rüttle dir den Helm!«
Mit Wälschland schlägt er los für Völkerrecht und Wohl,
Klopft an den Götzen: horch! und er war hohl.

Der Götze, halbzerklopft – o, der versöhnt sich, o
Gibt her den Vetter für den Thron von Mexiko,
Senkt den Gemordeten still in die Kaisergruft
Und bleibt gut Freund mit dem Theaterschuft.

Da stürzet Preußen her! – »Jetzt komm zu Hülfe, jetzt!
Den Wälschen hat es gar mir an die Ferse gehetzt,
Nur schnell!« Venedig gibt man in die Hand des Wichts;
Er nimmt's und schenkt's dem Wälschen und thut Nichts.

Hernach kommt eine Zeit: auf seinem eignen Sitz
Wird es ihm durmelich; er denkt: je nun, beim Blitz!
Auf Preußen hau' ich jetzt und den Nordbund hinein,
Es wird wohl auch ein hohler Götze sein.

Er läßt sich hetzen, hetzt und spielt Komödie so gut,
Daß der Franzose ruft: wir opfern unser Blut,
Daß wir den Croupier und Lulu, seinen Sohn,
Noch fürderhin besitzen auf dem Thron!

Er bricht den Krieg vom Zaun; jedoch ein Strafgericht
War es für Preußen auch; es hatte mit dem Wicht,
Eh' es auf Oestreich schlug, gewisse Munkelei'n,
Daß er zum Siegespreis nicht sage nein.

Ein Glück nur, daß es nicht ein hohler Götze war!
Und, was noch hübscher ist, wie er mit seiner Schaar
Behaglich übern Rhein so will spazieren geh'n,
Sieht er, o weh! ganz Deutschland vor sich steh'n.

Der Michel hebt die Faust und treibt mit frohem Muth
Ihm in die Fratze tief den gerapsten Kaiserhut,
Und es erhellt zum Schluß der ganzen Mummerei,
Daß er der hohle Götze selber sei.

Nun aber guckt zurück, schaut euch noch einmal umb!
Warum bedurft' es denn mit diesem Kaiserthumb
Des Umstands gar so viel? Ihr war't berathen tumb!
Von Anfang war's doch klar: er ist ein Lump.

 << Kapitel 116  Kapitel 118 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.