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Luthers Sprichwörtersammlung

Martin Luther: Luthers Sprichwörtersammlung - Kapitel 46
Quellenangabe
typetratate
authorMartin Luther
titleLuthers Sprichwörtersammlung
publisher Weimar Hermann Böhlaus Nachfolger
year1900
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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43. Nicht ist ynn die augen gut

Wa III 1016 Nichts 29; er vermuthet, daß das erste Wort Nichts heißen solle; es sehe aber aus wie Nacht. Indessen steht unzweifelhaft Nicht (= Nichts) da. Vgl. 37 Nichts ist gut für die Augen, nur nicht für den Magen (oder: aber bös für Beutel, Maul und Magen). Wa bemerkt dazu: »In Pommern: Dröge Nicht (Dähnert, 328 b). Nichts ist gut für die Augen, dem Mund wills aber nit taugen (Chaos 646). Der Sinn des Sprw. beruht auf einem Wortspiel. Das kleinste Stäubchen verursacht den Augen schon Unbequemlichkeit; sie ertragen nichts Fremdes. Der Magen dagegen fordert Speise und Trank; er will aufnehmen, die Augen nicht. In dem ersten Theil des Sprw. wird durch Nichts ein Arzneimittel gemeint, nihilum album, deutsch: Weißes Augennichts. Es ist ein Zinkkalk und wird als austrocknendes Mittel angewandt. Da es nun Fälle geben kann, wo solche Mittel erforderlich sind, so kann man von diesem Nichts sagen, daß es gut für die Augen ist. In seiner andern Bedeutung ists aber desto übler für den Magen.« – DWb 7, 727 Nichts u. 1,809 Augennicht: Das ist ein weißer, metallischer Ruß, der sich über Öfen ansetzt, in welchen Kupfer, Messing oder Glockenspeise geschmelzt wird und gut für die Augen sein soll. – Das Sprw. enthält ein Wortspiel mit Nichts (nihil). – H. Schrader, Aus d. Wundergarten der deutschen Sprache (1896) Nr. 26 macht den Sprichwörtersammlern und schließlich auch dem DWb den Vorwurf, daß sie nichts zur Erklärung des wunderlichen Spruches oder Namens brächten. Mit welchem Recht, möge man aus dem Angeführten ersehen. Seiner eingehenden Untersuchung entnehme ich, daß oxydiertes Zink, da es sich als ein ganz leichtes weißes, flockiges, in der Luft umherfliegendes Pulver darstellt, von den Alchymisten Nix alba genannt worden sei. Eine hieraus bereitete Zinksalbe sei als Augensalbe benutzt worden. Nix alba sei als weisses Nichts (mundartlich Nix) übersetzt und schließlich von den Apothekern wieder in das lateinische Nihilum album verwandelt worden. Das Zinkoxyd sei innerlich genommen giftig und Erbrechen erregend. Schmeller I 1720 hat: der Nichts, onychitis, Galmeyflug, hchd. Nicht. Diese Erklärung weist Schrader ab.

In Wittenberg habe ich die Ra oft als scherzhafte Entgegnung gehört, wenn man auf die Frage: Was hast du bekommen? Was hast du gegessen? die Antwort erhielt: Nichts. In Luthers Schriften finde ich sie nur in dem 2. Commentar z. Galaterbriefe, nach Vorlesungen Luthers lat. hg. von Rörer zu Cap. 5, 9: Minutissima festuca in oculo offendit oculum. Hinc Germani dicunt de remediis oculorum: Nichts ist in die augen gut (Tom. lat. Viteb. V 410 a). – Zu diesem Sprw. aber in seiner Doppelsinnigkeit scheint ein anderes altes, von Luther wiederholt gebrauchtes Sprw. Veranlassung gegeben zu haben: Non patitur lusum fama, fides, oculus (Tom. lat. Viteb. V 410 b). Vgl. EA 38, 155 Denn in der ganzen Welt nichts Zarteres ist als das Gewissen, wie im Sprichwort gesagt wird: Zucht, Ehre, Glaube und Auge kein Scherzen leidet. – Auch bei Emser (Neudr. 32, 16): Dann es eyn alt Sprichwort ist, das der glaub vnnd das oug keyn schimpft oder schertz erleiden möge. – Simplic. III 340, 31 so ist das alte Sprichwort mehr als genugsam wahr, dasz der Glaub, das Aug und die Jungfrauschafft den geringsten Schertz ohne Schaden nicht vertragen könne. – Hierher gehören auch Sprw., die allein auf das Auge gehen. Schmeller I 50 Auge: ez ist nichts so klain, ez tuo in den augen wê. Wa I 174 Auge 150 Kranke Augen darf man nur mit dem Elnbogen reiben. – Eine boshafte Verdrehung des Sprw. scheint zu sein Simplic. II 72, 27: Den Schneidern thut nichts Gestohlenes im Aug wehe.

Über den Zusatz Ex quo constat etc. vgl. Nr. 44.

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