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Luthers Sprichwörtersammlung

Martin Luther: Luthers Sprichwörtersammlung - Kapitel 325
Quellenangabe
typetratate
authorMartin Luther
titleLuthers Sprichwörtersammlung
publisher Weimar Hermann Böhlaus Nachfolger
year1900
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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325. Wen der T(eufel) schenden wil, henget er den mantel vmb

Vgl. Wa IV 1093 Teufel 803 Wem der teufel schaden wil, dem hengt er ein langen Mantel an (K. Hofmann, Deutsche Sprichwörtersammlung a. d. 14. Jahrh., Sitzungsber. D. k. bair. Acad. d. Wissensch. Bd. 2 1870. 36, 127). V 1763 Teufel 1744 Wen der teufel schenden wil, dem hengt er ein langes chlaid an (Serapeum, XXIX 116).

Luther hat das sonst bei ihm wohl nicht nachweisbare Sprw. durch eine beigefügte zeigende Hand hervorgehoben. Ich vermuthe, daß unter dem Mantel oder langen Kleide, womit der Teufel schändet oder schadet, vor allem Mönchskutte und Pilgermantel zu verstehen sei. Jener legte die Kirche solche Heiligkeit bei, daß vornehme Leute sich in ihr begraben ließen, um selig zu werden. DWb 5,189. Das Volk freilich urtheilte anders. Der Teufel selbst erscheint im grauen Mönchskleid, um Dr. Faust zu verführen. Es wurde auch von Bettlern und Betrügern getragen. Seb. Brant (Zarncke S. 120) sagt:

Tum procul obiectis mantellis atque cucullis
Lolhardi in turpi veste brevique patent.

Murner, NB 25,64 Nolharten und blotzbrieder
Wollen kutten tragen yeder.

Es konnte sich wohl in dem Sprw. die Volksmeinung aussprechen, daß mancher, der um selig zu werden ins Kloster gegangen war, das Mönchskleid vom Teufel zum Verderben seiner Seele erhalten habe. Auch das entsprach ja allgemeiner Anschauung, daß der Pilgermantel manchen Betrüger und Bösewicht decke.

Luther hat zwei Zusätze gemacht, vermutlich doch, um diesem bekannten Sprw. eine besondere Anwendung zu geben. Er erklärt: Sic religiosos (hereticos) fallit specie pietatis. Ich verstehe: So betrügt er die Schwärmer mit dem Scheine der Frömmigkeit. Luthern lag jedenfalls in den Jahren, denen die Sammlung angehört, der Kampf mit ihnen näher als das wenigstens in seiner Umgebung bereits überwundene Mönchsthum. Daher deutete er das Sprw. um. Da die Schwärmer nicht durch bestimmte Tracht sich auszeichneten, dürfte der Mantel nicht mehr im eigentlichen Sinne verstanden werden, sondern nur im übertragenen als Sinnbild der Frömmigkeit. Daher auch der Zusatz: idest fürs caput. Wie durch einen vor den Kopf gehängten Mantel blendet der Teufel den Schwärmern Sinn und Verstand, daß sie glauben Wunder wie fromm zu sein, während der Teufel ihnen Schaden und Schande anthut. Ein Mantel dient auch dem Gaukler für seine Künste, vgl. DWb 6, 1610.

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