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Luthers Sprichwörtersammlung

Martin Luther: Luthers Sprichwörtersammlung - Kapitel 164
Quellenangabe
typetratate
authorMartin Luther
titleLuthers Sprichwörtersammlung
publisher Weimar Hermann Böhlaus Nachfolger
year1900
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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162. Rüme dich rüplin, dein Vater ist ein kolwürm

Kohlwurm ist eigentlich Raupe des Kohlweißlings, dann Raupe überhaupt (DWb 5, 1599). Luther braucht die Ra von den Sacramentsschwärmern, insbesondere von Karlstadt EA 29, 275. Diese Stelle hat Mathesius im Sinne (VII. Predigt) S. 141 Wie er auch der Schwermer spottet, die eyttel rhümen fürgaben, mit dem alten sprichwort: Rhüme dich Reuplein, dein Vatter war ein Kolwurm. – Wa III 1508 (Räuplein) weist die Ra nach aus Schuppius, Schriften I 850. Vgl. auch Höfer 1291 Rühm dich nicht, Räuplein, sagte der Maikäfer zur Raupe, dein Vater war ein Kohlwurm.

Offenbar wird mit dieser Ra das Berufen auf angeblich berühmte Vorgänger verspottet, die in Wirklichkeit so wenig werth sind als ihre Geisteskinder. Eine Beziehung auf Teufelskinder, wie sie DWb 5, 1599 in der Ra findet, scheint mir zu gesucht. Der Ra liegt eine auf ungenügender Naturerkenntnis beruhende Volksanschauung zu Grunde, die noch jetzt verbreitet ist und z. B. in Wittenberg und auch anderwärts beim Volke dem Kohlweißling (und seiner Raupe) den Namen Raupenscheißer eingetragen hat. Die Raupen werden nämlich häufig von einer Schlupfwespe heimgesucht, die ihre Eier in sie hineingelegt. Die auskriechenden Larven leben schmarotzend in der Raupe, verlassen sie aber, sobald sie ausgewachsen sind, und ihre kleinen gelben Cocons umgeben nun deren Leiche. Diese Cocons sieht aber das Volk wieder für Raupeneier an. Daß Luther diese Volksanschauung theilt, geht aus dem Schluß folgender Stelle der Tischreden hervor, Lösche, Analecta Nr. 476:

Papilio ita generatur; erstlich ist es eruca, ein raupe, henckt sich an ein wanndt, gewindt ein heuslein – undt kreucht ein papilio heraus; wen er nun sterben will, setzt er siech auf ein baum oder [blatt und druckt ein langen tractum eier vor sich, daraus werden] eittel raupen; also ist es generatio reciproca. Es ist eine raupe erstlich und wirdt wiederumb eine raupenn. Aber varia genera erucarum hab ich in dem garden gefunden, das ich glaub, das mir sie der Teufel hab herein gefueret. Erstlich habens gleich als hörner in der nassen; aber es sein eigentlich die schwermerey; den die rauppen habens schöne sylberne, guldene strimen, scheinen hübsch; inwendig seindt sie vol giefft unndt, wen sie sterben, lassen sie viel eyer hinder sich unndt wirdt aus einer viel; sic et Schwermerey. Vgl. auch De W IV 545 Ideo in ipsum [den Erasmus] urgendus est impetus, qui ceu papilio in hortum Ecclesiae tales cacavit erucarum copias; es ist ut Saxones nominant Schietrupe.

Verwandt ist EA 48, 272 wenn es Christus will rühmen, er sei das Licht der Welt, da saget man balde: Rühme dich Kräutlin, deines Vaters Kohl wäre gerne grosz; und es musz allda ein böser Ruhm sein.

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