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Luthers Sprichwörtersammlung

Martin Luther: Luthers Sprichwörtersammlung - Kapitel 15
Quellenangabe
typetratate
authorMartin Luther
titleLuthers Sprichwörtersammlung
publisher Weimar Hermann Böhlaus Nachfolger
year1900
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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12. Lesch mir den reym aus

Die Erklärung giebt Heyne DWb 8, 667. ›In Nürnberg stand ein Reim, der den Leser aufforderte, ihn auszuwischen, wenn er unter seinem Geschlecht keine Huren und Buben habe. Dieser Reim von Nürnberg war in sprichwörtlichen Wendungen weit bekannt: also sagt man wie uf ein zeit Kaiser Maximilianus gen Nurnberg kommen, do hab er dem reimen, darvon er darvor gehert, nachgefragt, und als er darzu gefurt und den gelesen, hab er gelechelt und gesprochen: nun, nun, der reim soll von mir nit uszthon werden. Zimmersche Chronik 3, 484, 14.‹

Diese Erklärung wird von Klaiber wiederholt ZfdPh. XXVI 37 und dazu werden 2 Nachweise aus Luther gegeben. EA 32, 17 Was kann der Kaiser, König und alle Welt dazu, dasz zuweilen aus einem löblichen Geschlechte ein ungerathen Kind und ein verlorner Sohn kompt. Es bleibt das Sprichwort wahr: lösche den Reim Kaiser Friedrichs aus. Und wie itzt gesagt, ist das gemeine Wort nicht von Gänsen oder vergebens erdacht: Verlorn Sohn, ungerathen Kind. Es ist der Unfall einer, dasz aus frommen Eltern Hurn und Buben kommen. – Luther schreibt hier also dem Kaiser Friedrich zu, was sonst von Maximilian erzählt wurde. Ohne bestimmten Namen anzuführen spricht Luther von dem kaiserlichen Reim De W V 35 So ist noch kein Stamm so gut, es trägt zuweilen einer ein ungerathen Kind. Und müssen den kaiserlichen [De Wette liest: krystelichen!] Reim unvertilget lassen etc. – Auf den Wortlaut des Reimes spielt Luther an EA 34, 263 Darumb wollen wir auch redlich bekennen, dasz sie beide [Juda und Thamar] grob genarret haben, wiewohl es ihnen Gott geschenkt hat, dazu dasz man sehe, wie Christus kommen sei umb der Sunder willen ihnen zu helfen und sich gar nicht schämet, dasz er Hurn und Buben in seinem Geschlecht hat und den Reim nicht auslöschen will, so müssen wir ihn auch wohl stehen lassen. Wittenb. Ausg. Tom. lat. V 2 b (1554) Ipse enim in sua genealogia non contemnit illum versum Germanicum: Wer nicht Hurn und Buben in seinem geschlecht hat etc. EA 15, 320 .. Erfahrung, dasz viel Buben in Kappen-Platten gefunden werden, wenn es aber Geist wäre, so müsste kein Bube darunter sein. 426 Denn wir sind alle aus dem Teige gebacken da Huren und Buben aus sind. – Eine Anspielung aus die Ra finde ich EA 2 18, 291 Er [Jesus] hat keine Sünde gethan und nie kein falsch Wort geredt und führet den Reim mit allen Ehren also, dasz er des Stucks im Vater Unser nicht bedurft hat: Vergieb uns unsere Schuld. 33, 201 Wer sich für einen Menschen hält, mag den Reimen wohl lassen stehen [das Dichten u. Trachten u.s.w.]. 15, 319 .. was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch. Da stehet nun unser Reim, den wir alle führen. Ganz verallgemeinert ist die Ra EA 40, 109 Darumb wer da will bleiben für der Welt Schrecken und Dräuen, .. der mag sich an diesen Vers halten und den itzigen Feinden des Evangelii Trotz bieten, dasz sie sich dran versuchen, ob sie die ersten seien, die ihn auslöschen werden. 2 18, 370 [die Papisten] waren so sicher und stolz, dasz ich schier Sorg hatte, unser Herr Gott würde drüber zum Lügner werden, der so stark verheissen hat, er wolle allein der Heiland sein und so hoch vermahnet und gesagt Psalm 146 (V. 3), man solle sich nicht verlassen auf Fürsten, denn sie können doch nicht helfen. Weil sie so die Köpf zusammen steckten, rathschlugen und beschlossen, wie sie uns wollten angreifen, als hätten sie es schon gewisz und trotzen mit Schrecken und Dräuen, als wollten sie diesen Reim rein auslöschen. Altenb. Ausg. V 1188; 1192; 1198 (Just. Jonas' Übers. von Pred. Sal.) der tilge (lösche) Salomo diesen Reimen aus und verwerfe dieses Buch. 1232 Kein König, Richter noch Gewaltiger hat noch Gott diesen Titel ausgelöschet, da er sich nennet ... einen höchsten Richter.

Wa bringt dieses Sprw. in Folge seiner fehlerhaften Abschrift an ganz falscher Stelle III 1634 Reihen 11 Lesch mir den reyen aus. Doch vgl. III 1635 Reim 1 Es stehet der Reyme zu Nürnberg noch ohn ausgeleschet, dann sich keiner noch zur Zeit dran wagen dörffen (Dietrich 370). – Den Reim setzt als bekannt voraus Agricola 346 er musz aber den reymen nicht auszwischen: Wer huren vnd buben nicht in seinem geschlecht hat etc. Vollständig bringt ihn Wa I 496 Bube 70 Wer nicht buben vnd huren in seinem geschlecht hat, der lösch ausz, was da geschriben staht (Henisch 544).

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