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Luthers Sprichwörtersammlung

Martin Luther: Luthers Sprichwörtersammlung - Kapitel 101
Quellenangabe
typetratate
authorMartin Luther
titleLuthers Sprichwörtersammlung
publisher Weimar Hermann Böhlaus Nachfolger
year1900
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140607
projectidfa9dc5ac
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98. Ich mag yhr nicht. Sie sind saur schwartz

Wa IV 426 Schwarz 85 liest Sie sind schwartz ich mag sie nicht. Zur Erklärung der Ra hat Luther selbst hinzugefügt Ex fabula de uvis, piris, testiculis Castoris. In der bekannten Fabel (Romulus v. Österley IV 1 S. 79) sagt der Fuchs zur Traube, die ihm zu hoch hing: Nolo te acerbam et immaturam. Nach DWb 8, 1861 setzt Waldis 3, 73 statt der Traube Birnen ein:

Er sprach: fürwar, ich jr nit wil,
sein noch nit reiff, ja hart und sawr.

Doch ist schon den Alten die Liebhaberei des Fuchses für Birnen sprichwörtlich gewesen. Vgl. Otto S. 379 Tam facile vinces quam pirum volpes comest. Vgl. ferner Wa IV 1284 Traube 2. 8. 21. I 381 Birne 6. 7. 53. III 690 Mögen 2. IV 24 sauer 5.

Bei Luther finde ich die Ra nur EA 28, 380 Wie bitter ist ihnen das Stückle? Wie gern wollen sie es beissen. Aber keiner ist über König Heinzen Klugheit, der hat sich öffentlich bedinget; er wolle mir diesen Grund unberührt lassen. Ich weisz ihm aber kein Dank. Ich mag ihr nicht (sprach der Fuchs), sie sind schwarz. – Schwarze Trauben scheinen = unansehnliche, faule sein zu sollen. Vgl. Wa IV 1285 Traube 34 (35) Schwarze Trauben geben so guten Wein (sind so süsz) als die weissen. Doch kann ich die Wendung › sie sind schwarz‹ sonst nirgends belegen. Wenn nicht die eben angeführte Stelle aus Luther auf Trauben (Birnen?) wiese, würde man sie auf Testicula Castoris, Bibergeilen, beziehen. Dieser in der früheren Arzneikunst hochgeschätzte Stoff mußte von bräunlicher Farbe sein, schwarzer galt für gefälscht und minderwerthig. Von entsprechenden Fabeln kenne ich aber nur eine aus der Fabelsammlung, die Braune in der Vorrede zu Neudr. 104 S. XXX erwähnt: ›Fabularum quae hoc libro continentur interpretes ...‹, die mir von Dr. Jahr aus einer Ausgabe der K. Bibl. zu Berlin, Argentinae 1525, Bl. 75 a und 91 b mitgetheilt wurde. Sie trägt die Überschrift De Castore und erzählt, der Biber reiße sich, wenn er verfolgt werde und nicht entrinnen könne, um sich zu retten, die Geilen ab und werfe sie den Jägern hin, wohl wissend, daß man nur um ihretwillen ihm nachstelle. Dieselbe Fabel bei Waldis III 34 Von dem Biber. – Sollte Luther an eine ähnliche Fabel gedacht haben, so müßte freilich zum Schluß der Jäger die Verfolgung als aussichtslos aufgegeben und sich damit getröstet haben: Ich mag die Bibergeilen nicht, denn es waren schwarze, minderwerthige.

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