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Luther in Rom

Levin Schücking: Luther in Rom - Kapitel 48
Quellenangabe
typefiction
authorLevin Schücking
titleLuther in Rom
publisherVerlag von Paul Müller
year1928
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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47. Durch!

Es war um Ave Maria, als Egino und Corradina ihren waglichen Weg antraten. Signor Callisto hatte, wie er erzählt, schon die Villa verlassen; Donna Ottavia hatte die Gräfin Corradina, nachdem sie sie in ein Mädchen aus dem Volke verwandelt, noch mit feuchtem Auge umarmt, ihr noch über das schwere Budgetto die grüne Schürze in Falten gezogen und die schweren Schuhe fester zugeschnürt und dann mit den herzlichsten und gerührtesten Segenswünschen Abschied von ihr und Egino genommen.

Und so, einige Minuten nachdem Callisto die Villa verlassen, traten Egino und Corradina durch das Tor derselben auf den Flaminischen Weg hinaus und wandelten lässig der Porta bei Popolo zu. Sie trugen abwechselnd einen mit Gemüse und frühreifem Obst gefüllten Korb. Das Stadttor schien frei. Nur als sie hindurch getreten, sahen sie im Innern, rechts wie links, auf Steinbänken eine Menge bewaffneter Wächter, vielleicht dreißig bis vierzig Männer, Soldaten und Sciocciaren, deren lange Feuerrohre an der Wand hinter ihnen lehnten.

Die Wächter hatten der Eintretenden nicht acht. Erst als diese einige Schritte an ihnen vorüber waren, sagte einer der Sciocciaren, ein graubärtiger Mann, ihnen nachschauend:

»Wer sind die Zwei?«

»Wer sollt' es sein, Lanfranco? Gärtner, die Gemüse in einen Palazzo bringen...« versetzte ein anderer im selben Banditenkostüm.

Lanfranco schüttelte den Kopf.

»Das hat nicht den Gang und den krummen Rücken von Gärtnersleuten«, sagte er und erhob sich, während er hinzusetzte:

»Lauf ihnen nach und schau ihnen ins Gesicht, Niccolo; Du mußt Eure Gräfin Corradina kennen...«

»Ah bah«, sagte Niccolo, »ich werde mich hüten unnütz zu laufen. Wir sollen achten, daß sie nicht zur Stadt hinauskommen, wenn sie noch drin sind. Sind sie draußen, so werden sie gewißlich nicht hereinkommen, Compadre.«

»Wer weiß es?« murmelte Lanfranco verdrießlich zwischen den Zähnen.

Dann rief er laut:

»He, Ihr da, la Gente! Hört doch!«

Egino wendete den Kopf. Corradina beeilte ihren Schritt und auch Egino schritt dann rascher weiter.

»Die Ragazza hat nicht Lust sich von Euch unters Kinn fassen zu lassen; Ihr seid ihr zu häßlich mit Eurem ungekämmten Graubart, Compadre Lanfranco!« rief Niccolo aus, und die anderen Wächter lachten.

Compadre Lanfraneo aber hatte nun einmal seinen Verdacht geschöpft und er ließ sich von seinen Gesellen darin nicht beirren. Er folgte dem Paare.

»Will doch sehen, wo sie bleiben!« murmelte er und schritt hinter den beiden drein, doch weit genug, daß er von ihnen unbemerkt bleiben konnte.

Seine Sandalen waren weich, die Straße ungepflastert, so blieb sein Schritt unhörbar. Auch gelangten sie bald in eine bevölkerte Straße, wo der Verkehr, wenn auch jetzt gering, doch darum nicht ganz erstorben war und es schwerer machte eine solche Verfolgung zu bemerken.

Egino und Corradina schritten rasch dahin. Sie gelangten endlich an den Fuß des Quirinalischen Hügels und stiegen langsameren Ganges empor. Zwei wie Banditen aussehende Burschen begegneten ihnen; beide plauderten lebhaft mit einander und hatten der Flüchtlinge nicht acht. Diese sahen schon die hohen Trümmerreste der Thermen Constantins dicht vor sich. Plötzlich aber hörten sie einen Ruf hinter sich.

Egino sah betroffen um, da er dieselbe Stimme, welche schon früher am Tore hinter ihm drein gerufen, zu erkennen glaubte. Er sah die beiden Banditen, die eben an ihm vorübergegangen, zu einem Dritten gesellt, sich nacheilen; was sie riefen, verstand er nicht.

»Fliehen wir, fliehen wir!« flüsterte Corradina angstvoll.

»Nein, nein«, sagte Egino, »nur nicht das! Sie würden uns einholen und dann wär's um so schlimmer. Wir müssen ruhig bleiben und sie zu täuschen suchen; aber Ihr müßt mit ihnen reden, weil meine durch Fremdartigkeit auffallende Sprache uns verraten könnte.«

Sie gingen anscheinend ruhig weiter ihres Weges und kamen fast bis an eine hochragende schwarze Mauerecke der Thermen, die hier bis an den Weg vorsprang. Noch ehe sie bis ganz an die Stelle gelangt, wo der Weg sich um diese Mauerecke herumwarf, hatten die drei Männer sie eingeholt, rufend und scheltend; sich zu ihnen umwendend, sagte, während Egino den Griff des Dolches in seiner Brusttasche umfaßte, Corradina:

»Was wollt Ihr von uns, Leute? Wenn Ihr Galantuomini seid, laßt uns gehen und diese Früchte in den Palast Colonna bringen; wir sind arme Gärtnersleute, das seht Ihr ja...«

»Demonio«, rief der eine der drei, niemand anders als Lanfranco, der in den beiden anderen gute Freunde gefunden und sie nun mit sich genommen zu haben schien, um die langwierige Verfolgung zu beenden und sich zu vergewissern, ob sein Verdacht gegründet oder nicht: »Demonio, ich will Euer Gemüse da ungekocht und den Korb obendrein hinunterschlingen, wenn es wahr ist!«

Damit legte er die Faust auf Corradinas Schulter und sah, dicht vor sie tretend, ihr ins Gesicht, während die zwei anderen nach Eginos Armen griffen, um ihm sofort eine Verteidigung unmöglich zu machen. Egino riß sich von ihnen los, während Lanfranco fortfuhr:

»Glaubt Ihr, ich erkenne Euch nicht, Donna Corradina, glaubt Ihr, der alte Lanfranco sei so dumm...«

Lanfranco konnte nicht enden, denn er fühlte in diesem Augenblicke schon die Hand Eginos am Kragen, der ihn von Corradina zurückschleuderte und mit der anderen Hand den Dolch hervorriß und ihn erhob, um sich damit die beiden anderen Banditen vom Leibe zu halten, die nun mit halblaut ausgestoßenen Flüchen wieder auf ihn eindrangen.

Corradina stieß einen Angstruf aus; sie warf sich auf Lanfranco, der im Augenblick, wo Egino sich wider die letzteren wendete, nach seinem Unterarm griff, um ihm denselben wehrlos zu machen und den Dolch zu entwinden. Stumm die Zähne zusammenpressend, rang Egino dawider mit einer zähen Kraft, die der des alten Banditen völlig gewachsen gewesen wäre; die beiden anderen aber stürzten sich so heftig auf ihn, daß sie ihn aufs Knie niederrangen. Corradina sah, daß sie ihn, ehe wenige Sekunden vergehen würden, überwältigt haben mußten.

In diesem Augenblicke aber fuhren zwei völlig unerwartete Erscheinungen in die zu einem Knäuel geballte, im Dunkel miteinander ringende Gruppe hinein. Es ward plötzlich dicht in ihrer Nähe Pferdehufschlag und Klirren von Waffen und Geschrei laut: zwei schnaubende Rosse warfen ebenso plötzlich einen dunkleren Schatten auf die Kämpfenden und eine halblaute Stimme rief:

»Accidente, was geht hier vor? Auseinander da, oder ich haue Euch in die Schädel, Gesindel!«

Der Mann, der das von einem der Rosse herabrief, ließ dabei eine breite und lange Klinge über die Köpfe der Banditen und mit einem flachen Hiebe auf den Rücken Lanfrancos niederfahren.

Corradina hatte sich schon ihm entgegengeworfen und die Knie des Reiters umfassend, rief sie aus:

»Herr, rettet uns von diesen Banditen, beim Erlöser, rettet uns!«

»Corpo de la Madonna, geht zum Henker!« schrie Lanfranco dawider an. »Was habt Ihr Euch dreinzumischen? Wir sind keine Banditen, wir sind Saveller Dienstleute und dies sind unsere Gefangenen. Steht uns bei sie festzumachen!«

»Wer sind sie?« sagte der Reiter, wie betroffen.

»Geht's Euch an? Es sind die, welche wir suchen, die...«

»Aber Ihr kennt uns ja!« rief jetzt laut Egino, der dem Reiter, weil seine Stimme ihm bekannt getönt, forschend in die Züge geblickt hatte. »Seht uns nur einmal genau an, Ihr kennt uns ja!«

Der Reiter beugte sich herab, um, so gut es ging, in Eginos und dann in Corradinas Züge zu spähen und sagte dabei erschrocken:

»Iddio... Ihr... Ihr seid's? Und dies«, fuhr er, rasch sich aufrichtend und nachdem er dem andern Reiter neben ihm ein paar Worte zugeflüstert, fort – »dies wollen Saveller Dienstleute sein? Banditen seid Ihr, Galgenfutter, Halsabschneider, räudige Hunde, Gesindel, das auf die Galeere gehört! Hau dazwischen, Gregorio, wenn sie nicht machen, daß sie fortkommen!«

Dabei holte er mit seiner langen Klinge aus, als ob er sie auf Lanfrancos Schädel niederfahren lassen wollte.

Die Banditen prallten zurück.

Lanfranco stieß einen Fluch aus, der andere Reiter aber drang ebenfalls mit seinem Pferde und gezogener Klinge auf ihn ein; wenn er nicht niedergetreten sein wollte, mußte er sich zur Flucht wenden und die anderen beiden folgten ihm, den steilen Pfad hinunterstolpernd.

»Aber um Gotteswillen«, sagte tief aufatmend Egino, »wie kommt Ihr hierher, so im rechten Augenblicke unser Lebensretter zu werden, Beppo? Wie seid Ihr überhaupt zu einem Reiter geworden?«

»Folgt mir, folgt mir«, versetzte hastig der in einen Reiter verwandelte Beppo und warf sein Pferd herum. »Ich will Euch retten, Euch und die Donna dort; um der armen Irmgard willen will ich Euch retten, aber eilt!«

Egino und Corradina folgten ihm, während der andere Reiter neben ihnen blieb.

Als sie nach wenigen Schritten um die Ecke der Mauertrümmer kamen, sahen sie eine ganze Gruppe von Reitern, vielleicht zehn oder fünfzehn, im dunklen Schatten der Ruine halten. Beppo sprach einige Worte mit dem ersten von ihnen, dann winkte er Egino mit der Hand und, während der zweite Reiter bei dem Trupp blieb, ritt Beppo weiter über eine dürre Grasfläche; Egino und Corradina hatten Mühe neben ihm zu bleiben.

Sie kamen an dem Agavenzaun, der Frau Giuliettas Gärtchen einfaßte, vorüber.

»Beppo«, rief hier Egino aus, »ist nicht das Eurer Mutter Haus, nicht das Irmgards Wohnung? Wohin führt Ihr uns? Wir kamen um Irmgard zu sehen. Wir sind auf der Flucht; vorher wollten wir Irmgard sehen!«

»Irmgard ist tot!« antwortete Beppo, halblaut und gepreßt. »Dort in der Kammer, Ihr seht das Licht durch die Läden schimmern, dort liegt sie!«

»Tot? O mein Gott!«

»Sie ist vor wenig Stunden gestorben.«

Corradina ergriff Eginos Arm, wie um ihn zu unterstützen oder wie in einem heftigen Erschrecken.

Egino war stehen geblieben; ein jäher Schmerz durchzuckte ihn. Er stand wie an den Boden geheftet.

»Vorwärts, vorwärts!« rief Beppo, von seinem vorschreitenden Pferde herab sich zurückwendend. »Ich will Euch retten, Euch beide, um ihretwillen! Sie wäre ja umsonst gestorben, würdet Ihr nicht gerettet. Aber Ihr müßt eilen!«

»Wohin denn führt Ihr uns?« fragte Corradina jetzt, Egino sich nachziehend.

Beppo wies mit der Hand auf eine starke Truppe, welche in diesem Augenblicke, wie sie sich um eine Ecke der hohen Mauer der Colonnesischen Gärten wendeten, vor ihnen sichtbar wurde. Vor dem Tore, welches noch heute aus diesen Gärten auf den Monte Cavallo, den Rücken des Quirinalischen Hügels, führt, hielten vielleicht fünfzig Reiter, teils hoch zu Roß, teils neben den Pferden stehend. Als sie näher kamen, gewahrten sie, daß alle diese Männer gewaffnet waren, viele wie richtige Kriegsleute, mit Brustharnischen und Helmen, Faustrohren und Schwertern, viele nur mit Helmen und langen Stoßdegen. Doch trugen auch die letzteren fast sämtlich starke Wämser von Büffelleder und hoch zum Knie hinaufgezogene Reiterstiefel, dasselbe Kostüm, in dem auch Beppo auf seinem schwarzen Gaule saß.

»Es sind Hand- und Saumpferde da« fuhr Beppo fort; »für den Fall, daß uns einige unserer Tiere erschossen oder erstochen werden, haben wir Pferde zum Ersatz mitgenommen... kommt nur, ich schaff' Euch beiden eins!«

Er ritt weiter und führte Egino und Corradina mitten in den Haufen der Reiter hinein; hier gab es ein kurzes Hin- und Herreden zwischen Beppo und einem hohen, stark gebauten Mann, der ein schwarzes Barett auf dem bärtigen Haupte trug, während sein Helm am Sattelknopfe niederhing; der Mann schien Einwürfe zu machen.

»Was hilft uns ein Mann, der kein Schwert hat, aber statt dessen ein Weib mit sich führt!« hörte Egino ihn sagen.

Beppo eiferte:

»Aber er ist ein Kriegsmann und ein Schwert wird sich auch noch finden, und wenn Ihr Ferraresen uns, die wir der Colonna Klienten sind, nicht zur Hilfe wollt, so habt Ihr's nur zu sagen; wir gehen dann heim und lassen Euch sehen, wir Ihr durchkommt!«

Der andere murrte etwas in seinen Bart, Beppo aber war schon abgesprungen und hatte einem Reiter sein Tier übergeben. Er holte aus dem Kreis ein leeres Pferd herbei, auf das er Corradina hob, dann rasch eine zweites für Egino. Corradina war des Reitens zu gewohnt, um sich nicht bald bequem und fest im Sattel zu fühlen; Egino hatte sich ohne Bügel im Augenblick aufgeschwungen. Beppo eilte nun zu seinem Tiere zurück und wollte eben sein Faustrohr von seinem Sattel, woran es hing, lösen, um es Egino hinüberzureichen, während dieser mit der Rechten nach dem Zügel von Corradinas Pferd hinübergriff, um es dichter zur Seite zu ziehen.

In diesem Augenblick aber ertönte ein kurzer schriller Pfiff aus dem Garten heraus; in dem Tore desselben erschienen gleich danach mehrere bewaffnete Männer, die heraustretend Befehle zu geben schienen und sich auf, so viel die Dunkelheit erkennen ließ, reicher geschirrte Pferde, welche ihnen vorgeführt wurden, schwangen. Aus kurzer Entfernung herüber schallte Hufschlag; er verriet, daß der hinter der Mauerecke haltende Trupp, zu dem Beppo Egino zuerst geführt, als Vortruppe schon davon sprenge; der Mann im Barett, mit dem Beppo sich eben gestritten, rief:

»Avanti!«

Und der ganze Haufen setzte sich in Bewegung, anfangs im Schritt, dann im raschesten Trab. Es ging über den Rücken des Quirinals dahin, demselben Wege nach, den Bruder Martin gewandelt war, als er, von Frau Giuliettas Hause kommend, zur Porta del Popolo gegangen war, immer den bellenden Hund zur Seite.

Während die schweren und hohen Rosse jetzt dahinbrausten, hinderten ihre heftigen Bewegungen jedes Sprechen, wenn es auch möglich gewesen wäre sich trotz des Klirrens von Geschirr und Waffen und der Hufschläge auf dem harten trockenen Boden verständlich zu machen. Aber man hatte bald die Stelle des Weges erreicht, wo er sich zur unteren Stadt hinabsenkte und man mit verkürzten Zügeln im Schritt reiten mußte. Egino sah jetzt Beppo an seiner Seite und rief nun tiefatmend aus:

»Aber ich bitt' Euch, Beppo, jetzt erklärt uns, unter welchen Leuten wir sind, wer uns so davonführt, als wären wir in einem Traum befangen ...«

»Unter welchen Leuten Ihr seid«, fiel ebenso schwer von dem scharfen Ritt aufatmend Beppo ein, »ahnt Ihr das nicht? Die Herren da hinter uns sind der Herzog von Ferrara und der erlauchte Fabricio Colonna; die Schar von Kriegsmännern um uns sind des Herzogs Alfonso reisige Leute, in deren Geleit er hergekommen ist, und wir anderen, wir sind die Klienten Colonnas, die aufgeboten sind zu ihrer Unterstützung. Wir haben den Bargello mit seinen Gesellen, die den Palast bewachten, drüben an Sant' Apostoli überfallen und geknebelt und auf den Hof des Palastes geschleppt; unser Weg jetzt führt zur Porta del Popolo, an der wir uns werden durchhauen müssen, und zum Ponte Molle, den wir ebenfalls im Sturm zu nehmen haben werden; es gilt eben den Herzog von Ferrara in Freiheit und Sicherheit zu bringen. Der Heilige Vater will ihn in der Morgenfrühe in die Engelsburg bringen lassen und wir bringen ihn heute Nacht in die Freiheit... der Maestro di Casa unseres Herrn Fabricio hat heute die Waffentüchtigen der Klienten und alles von uns, was reiten kann, im Stillen aufgeboten und für Pferde und Wehren gesorgt; ganz im Geheim ist es abgemacht, drum sind unserer im ganzen auch nicht mehr denn sechzig, aber ich denke, wir werden genug sein um durchzukommen. Nun wißt Ihr's.«

»Und daß Ihr uns vorhin just so im rechten Augenblicke wider die Briganten zu Hilfe kamet...«

»Ich war bei dem Vortrupp«, fiel Beppo ein; »wir hielten still hinter der alten Mauer, als wir das Rufen und Euer Ringen mit den Briganten dicht in unserer Nähe vernahmen, und so kam ich just recht Euch zu retten...«

»Und wie sollen wir Euch danken«, fiel hier Corradina ein, »daß Ihr uns unter Euch aufgenommen habt und nun in so stattlichem sichrem Schutz davonführt!«

»Ihr braucht mir nicht zu danken, edle Frau«, versetzte Beppo. »Ich rette Euch, weil die arme Irmgard Euch gerettet sehen wollte, die jetzt bei den Engeln ist da droben. Die arme Irmgard! Dort von diesem dunklen, mit Sternen übersäeten Himmel herab wird sie auf uns niedersehen! Sie wird Euch sehen und auch mich sehen. Sie wird wie eine Heilige sein, die alles sieht und jedes Gebet hört, das ein armer Mensch an sie richtet – wird sie nicht?«

»Gewiß«, sagte Egino, »und sie wird auch sehen, wie dankerfüllt unser Herz für Euch ist, Beppo!«

»O, Dank!« rief Beppo fast unwillig aus. »Sollt' ich Euch hier fangen lassen von diesen Leuten der Savelli? Redet mir nicht von Dank, sondern setzt Euch lieber fest in den Bügeln; Ihr hört, wie sie am Tore eben aneinandergeraten.«

In der Tat klang Rufen und Waffenlärm von da herüber durch die Nacht; der Vortrupp mußte in diesem Augenblicke mit der Torwache zusammenstoßen.

»Avanti!« rief noch einmal laut der Anführer der Reiterschar.

Die Rosse wurden gespornt, der ganze Haufen sprengte dicht zusammengeballt auf das Tor los; man hörte Rufen und Schreien von dort zwischen dem Rasseln zusammenklirrender Waffen. Über den dunklen Körpern sich bäumender Pferde ließen sich zum Hiebe ausholende Schwerterklingen, geschwenkte Partisanen und Hellebarden wahrnehmen; jetzt blitzten auch Feuerrohre auf, das Krachen der schweren Schüsse hallte von der Fronte der Kirche von Santa Maria und den nächsten Mauern wieder; doch schien die Wache, überrascht und überrumpelt von dem plötzlichen Angriff, bereits zu weichen, als der Haupttrupp zur Stelle kam und die Waffen schwang, um, sich vordrängend, in den Kampf einzugreifen.

Die Voraufgekommenen stießen schon ein lautes: »Hoch Este! Hoch Colonna!« aus.

Das Tor war genommen, die Wächter waren flüchtig auseinandergesprengt bis auf ein halbes Dutzend Männer, die umringt waren und die nun mit den vorgehaltenen Klingen und mit flachen Hieben gezwungen wurden, das beim ersten Lärm von ihnen niedergelassene Fallgitter wieder emporzuziehen.

Als dies geschehen, rasselte der ganze Schwarm wie ein Sturmwind weiter die Flaminische Straße hinab, an der dunkel daliegenden Villa Callistos vorüber. Eine Zeit von einer Viertelstunde noch und die schwächer als das Tor besetzte Tiberbrücke war mit leichter Mühe genommen; mit dem jenseitigen Ufer war die Freiheit gewonnen die Freiheit für den Herzog von Ferrara, wie für Egino und das Weib seiner Liebe.

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