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Luther in Rom

Levin Schücking: Luther in Rom - Kapitel 44
Quellenangabe
typefiction
authorLevin Schücking
titleLuther in Rom
publisherVerlag von Paul Müller
year1928
correctorreuters@abc.de
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43. Callistos Nachrichten.

Es war am folgenden Morgen. Callisto hatten seine Geschäfte in die Stadt geführt, auch das Verlangen sich Kunde von dem zu verschaffen, was man heute drinnen von den Ereignissen im Hause Savelli rede und was sich sonst ereignet. Donna Ottavia, seine Gattin, saß auf dem Ruhebette, welches gestern noch Egino eingenommen. Seine Wunde war im Vernarben begriffen; was ihn schwach und matt gehalten, war nur die furchtbare Gemütspein, die qualvolle Sorge um Irmgard, um Corradinas Schicksal, die Schreckensbilder, die ihn in der Haft erfüllt. Die Ereignisse der Nacht, welche ihm die Befreiung gebracht, hatten ihn alsdann neu auf das heftigste erschüttern müssen. Jetzt aber hatte seine elastische Jugendkraft ihn wieder zu durchströmen begonnen und er zog aufatmend die laue Luft mit dem ganzen Wonnegefühl wiederkehrender Kraft ein, so wenig frei noch von Druck und Sorge auch seine Brust sich heben konnte. Es waren im Gegenteil Gründe genug da, um eine Lage wie die seine ziemlich verzweiflungsvoll zu finden; die drohende Gefahr, die über ihm wie über Corradina schwebte, der Zustand Irmgards, an die er mit so viel Sorge dachte; die Gefahr, in welche er seine edlen Gastfreunde gebracht und noch fortwährend erhielt; die Gewißheit jene Angelegenheit seines Bruders, um deretwillen er hiehergekommen, gründlich verdorben zu haben; und mehr als alles, die Zukunft Corradinas, die doch eigentlich nur er so gewaltsam aus ihren Verhältnissen gerissen, um sie einer Zukunft zuzuführen, die wie ein chaotischer Traum vor ihm lag, alles das war hinreichend ihn schmerzlich bewegt zu Donna Ottavia sagen zu lassen:

»Ich bin sehr ratlos in diesem Augenblick, Donna Ottavia.«

»Seid Ihr? Und weshalb, Graf Gino?« fragte Donna Ottavia.

»Ahnt Ihr es nicht selbst? Ich habe kein Hehl aus der tiefen Leidenschaft gemacht, welche mich für Corradina erfüllt hat seit dem Augenblick, in welchem ich sie zum erstenmale sah.«

»Und Ihr wagt nun dennoch nicht um sie zu werben, Graf Egino?« fragte Donna Ottavia, ihre Blicke nachdenklich und halb wie zerstreut auf Egino richtend.

»So ist es«, entgegnete Egino. »Ich fühle mich zu arm dem inneren Reichtum in ihr gegenüber; ich versenke mich in alles das, was sie erlebte, ich durchlebe es aufs neue mit ihr, ich folge den Gedanken, den Empfindungen, womit es ihre Seele erfüllen, ihren Geist erweitern, und wie es sie mit ihrer inneren Welt zu den Menschen und der Welt außer ihr stellen mußte – und dann sag' ich mir verzagt und hoffnungslos: Was kann ich ihr sein, wie kann ich die dunklen Schatten, welche ihre Erlebnisse auf ihre Seele warfen, entfernen?«

Wenn Graf Egino im Stillen die Hoffnung gehegt hatte, daß Donna Ottavia ihm widersprechen und seine Verzagtheit aus grundloser Bescheidenheit hervorgegangen nennen würde, so hatte er sich geirrt, denn sie antwortete nachdenklich:

»Der Gräfin Sinn mußte umdüstert werden durch das, was sie erlebte, darin habt Ihr recht, Graf Egino. Sie mußte alle Männer hassen lernen, sie mußte zu dem Entschlusse kommen nie einem Mann anzugehören – alles das ist natürlich...«

»So natürlich – es wäre ein Wunder, wenn es anders wäre!« fiel Egino ein.

»Und so kann ich«, fuhr Donna Ottavia fort, »Euch Nur recht geben, wenn Ihr zagt um sie zu werben.«

»Und doch, und doch«, brach Egino in Heller Verzweiflung aus, »wüßte ich nicht von ihr zu lassen und mein Herz bräche entzwei, mein ganzes Leben wäre vernichtet, meine Zukunft ein langer Jammer, wenn ich dem Gedanken an sie entsagen müßte!«

»Die Zeit ist der Menschen größte Wohltäterin, Graf Egino. Verzagt darum nicht. Die Zeit wird Euren Schmerz in Wehmut verkehren und die Wehmut untergehen in der Befriedigung, welche Ihr einst empfinden werdet, daß Ihr durch kein Band irgendeiner Art mehr gefesselt seid an römische Dinge und Verhältnisse.«

Graf Egino schwieg. Er starrte zu Boden; seine Züge waren bleicher geworden unter dem Drucke, mit dem die Worte der Donna Ottavia seine sich in Hoffnungslosigkeit verlierende Seele noch mehr belastet hatten.

»Aber sie?« fragte er mit bebender Lippe nach einer Pause. »Was wird aus Corradina?«

»Sorgt nicht um sie«, versetzte Ottavia. »Sie wird in ein Kloster gehen und im Schutze desselben sich leicht glücklicher fühlen, als sie es im Hause der Savelli war. Das Kloster wird diese zwingen ihr Vermögen auszuliefern – die Klöster haben schon Mittel und Wege dazu ihren Angehörigen zu ihren Rechten zu verhelfen und lieben die Erbinnen. Ihr Name und ihr Reichtum werden sie rasch fördern. Sie wird bald die Vorsteherin, die Herrin solch eines Ordenswesens und seines Gebiets sein.«

»Sie, sie eine Nonne! Niemals wird dies geschehen! Was wäre eine Nonne ohne Glauben!« rief Egino aus.

»Was heute tausend Nonnen aus den edelsten Geschlechtern sind...«

In diesem Augenblick trat Callisto ein, rasch und erhitzt.

»Ihr müßt fliehen, Graf Egino, noch in dieser Nacht!« sagte er. »Noch haben Euch zwar die Leute Savellis nicht entdeckt, aber ich weiß, daß sie mein Haus umspähen lassen, während zwei Trupps Reiter Euch nachgesendet sind, schon ehegestern, der eine auf dem Wege nach Civitavecchia, der andere auf der Straße nach Norden. Sie halten für das Wahrscheinlichste, daß Ihr in der Richtung nach Viterbo, auf der Straße in Eure Heimat, entflohen seid. Kommt der Trupp nun ohne Spuren von Euch entdeckt zu haben, zurück, und ebenso der, welcher Euch meerwärts verfolgt, so werden sie schließen, daß Ihr noch hier seid und bei mir einbrechen, des könnt Ihr gewiß sein.«

»Ihr habt recht«, sagte Egino, sich erhebend, mit gepreßter Stimme, »ich muß fliehen – fliehen – und Ihr, Donna Ottavia, sagt selbst, ob ich es kann? O mein Gott, ich kann es nicht!« setzte er mit einem Aufschrei des Schmerzes hinzu, die Hände zusammenkrampfend und dann sein Gesicht mit ihnen bedeckend.

Callisto sah bei diesem Ausruf und dieser Bewegung seines jungen Freundes seine Gattin verwundert an. Donna Ottavia legte Egino die Hand auf die Schulter und sagte:

»Mut, Mut, Graf Gino; was er als das Richtige erkannt hat, muß ein Mann auch die Kraft auszuführen haben.«

»Ich will alles für Eure Flucht rüsten«, fuhr Callisto fort. »Für Euren Prozeß laßt mir Eure Vollmachten und vertraut auf mich, daß ich darin erwirke, was irgend zu erwirken ist. Sobald die Nacht da, soll mein Klepper für Euch gesattelt und gerüstet werden. Donna Ottavia wird sorgen, daß es an Kleidung, und ich, daß es an Geld nicht im Felleisen gebricht...«

»Ich dank' Euch zu tausendmalen, Callisto, für all Eure Güte, ich dank' Euch aus tiefstem Herzensgrunde, aber...«

»Ihr dürft«, fuhr der Rechtsgelehrte erregt fort, »nicht den geraden Weg über den Ponte Molle einschlagen ... die Brücke, wie auch die vor der Porta Salara ist besetzt; wir müssen, denn ich werde selbst Euren Wegweiser machen, durch Porta Sant Agnese zum Ponte Mammolo, um über den Anio zu kommen, und dann linksab, um mit einer Fähre über den Tiber zu setzen...«

»Aber mein Gott, kann ich's, kann ich's denn?« rief Egino wie zerschmettert aus. »Ist es denn möglich, daß ich davonziehe auf Nimmerwiederkehr, auch nicht einmal mit der Hoffnung, daß ich je erfahre, was aus Corradina geworden...«

Callisto sah ihn betroffen an und dann wieder fragend in Donna Ottavias Züge.

»Dira necessitas!« sagte er dann leise. »Darein werdet Ihr Euch zu ergeben wissen. Das stolze Hohenstaufenblut wird Euer Weib nicht werden wollen und nicht können, Graf Egino. Ihr könnt eine Palme nicht zwischen Eure Eichen und Kiefern pflanzen.«

Egino war von seiner Krankheit noch zu geschwächt, zu reizbar, um seine Selbstbeherrschung behalten zu können; er warf sich in einen Sessel und die Hände vor sein Gesicht gedrückt, brach er in einen Strom von Tränen aus.

Donna Ottavia verließ das Gemach und stieg in die oben im Hause liegende Kammer Corradinas hinauf, während Signor Callisto alles anwendete durch Zureden den Schmerz seines jungen Freundes zu beschwichtigen. Nach einer Weile kam Donna Ottavia zurück.

»Die Gräfin«, flüsterte sie ihrem Gatten zu, »war sehr erschrocken durch die Nachrichten, die ich ihr eben brachte. Sie stimmte bei, daß Graf Gino fliehen müsse...«

»Sie sendet mich fort – sie auch sendet mich also fort!« rief Egino, der die letzten Worte gehört hatte, aus. »Und so werde ich denn gehen, ich werde gehen, aber ich bitte Euch, laßt sie mich nicht wiedersehen; ein Abschied würde mir das Herz brechen. Nur zu Irmgard werde ich gehen, von ihr will ich Abschied nehmen, ihr will ich sagen...«

»Aber ich bitt' Euch, Graf Egino, Ihr werdet nicht daran denken Euch wieder in die Stadt zu wagen!« unterbrach ihn Callisto.

»Was wag' ich dabei?« fiel ihm Egino ins Wort. »Für eine Pflicht mein Leben. Das ist viel Großes, wenn das Leben so unwert und elend geworden...«

»Und doch sollt Ihr nicht«, rief Callisto zornig erregt, »bei Gott, Ihr dürft nicht ...«

Donna Ottavia legte ihm die Hand auf die Schulter.

»Sei ruhig, Callisto, er wird es nicht«, sagte sie. »Die Gräfin Corradina verlangt nach dem deutschen Mönche; wir sollen ihn zu kommen bitten. Sie glaubt wohl, daß er am besten unseren Freund zu trösten verstehen wird; er wird auch verstehen Graf Egino abzuhalten solch einen vermessenen Vorsatz auszuführen.«

»Und ich«, rief Egino aus, »sage Euch, daß just er mir beistehen und erkennen wird, daß ich nicht gehen kann, ohne dem armen braven Mädchen, das so Großes für mich tat, die Hand gedrückt zu haben...«

In diesem Augenblicke öffnete sich die Tür des Gemaches und Corradina trat ein. Ihr Gesicht mit den feingemeißelten Zügen, das gewöhnlich eine gleichmäßige matte durchsichtige Farbe zeigte, war von einem zarten Rot, wie der inneren Erregung, überhaucht. Ottavia hatte nie diesen Ausdruck wunderbarer seelischer Schönheit auf ihrem Antlitze gesehen. Vor Egino stand wieder ganz jene Hohenstaufentochter, vor der er gekniet, als er die erste Unterredung mit ihr gehabt, die so stolz und doch so bewegt ihre Stirn der seinen zugebeugt.

Sie warf einen Blick auf Egino, dann wendete sie sich zu Donna Ottavia.

»Hattet Ihr die Güte zu Fra Martino zu senden?« fragte sie.

»Ich gehe, um ihn bitten zu lassen, daß er komme«, sagte Donna Ottavia und verließ das Zimmer.

Callisto rief: »Ihr kommt gerade recht! Verbietet unserem Freunde eine grenzenlose Torheit zu begehen; er wird nur Euren vernünftigen Vorstellungen gehorchen ...«

»Ich will sie nicht sparen«, unterbrach ihn Corradina. »Wollt Ihr mich mit Graf Egino allein lassen, Signor Callisto?«

Der Rechtsgelehrte verbeugte sich und ging.

»Graf Egino«, sagte sie nun, auf ihn zuschreitend und ihm die Hand entgegenstreckend, »Donna Ottavia sagt mir, wie der Augenblick gekommen, daß Ihr fliehen müsset, der Augenblick der Trennung für uns, wie sie sagt. So muß ich denn zu Euch reden und Euch das aussprechen, was ich vermieden habe, um Euch Halbgenesenen nicht innerlich zu erregen und Eurer Heilung zu schaden ...«

»Müßt Ihr es aussprechen?« entgegnete Egino mit bitterem Tone und sich abwendend. »Ist es denn nötig, daß es gesprochen werde, das Wort der letzten Trennung, der starräugigen Hoffnungslosigkeit? Ist es denn nötig, daß Ihr mich in diese Versuchung führt in einen letzten Sturm der Leidenschaft auszubrechen und mich vergeblich zu Euren Füßen niederzuwerfen, um Euch mein Herz auszuschütten ...«

»Graf Egino«, unterbrach sie ihn, »Ihr wißt nicht, was Ihr redet! Ich fordere von Euch, daß Ihr ruhig bleibt, ruhig anhört, was ich Euch zu sagen habe. Setzt Euch dort und hört den vernünftigen Vorstellungen zu, die ich, wie Signor Callisto sagt, Euch zu machen habe. Zeigt mir, ich bitte Euch, in dieser Stunde nicht, daß Ihr nicht besser seid wie die Männer, die ich hasse, die nichts können, als uns mit ihrer entsetzlichen Leidenschaft ängstigen und verfolgen. Zeigt mir, daß in Euch ein anderes Blut rollt, ein treues, warmes Blut, nicht eins, das bald wild erhitzt, siedet und tobt, bald zu Eis gerinnt.«

Graf Egino hatte sich auf die Ruhebank gesetzt, Corradina hatte seine Rechte ergriffen und stand vor ihm, während sie weiter sprach:

»Seht, Graf Egino, ich liebe Euch nicht – nicht mit dem Gefühl, das ich von den Männern Liebe nennen hören mußte und vor dem ich mich entsetzen würde, wenn ich es je mit seinem verzehrenden Feuer, seinem sinnbetörenden Wahnsinn mich erfassen fühlte ...«

»Ihr seid sehr gütig, daß Ihr mir es sagt!« stammelte Egino mit bleicher Lippe.

»Das bin ich Euch schuldig«, entgegnete sie. »Ich bin Euch schuldig Euch mein Gefühl für Euch klar darzulegen. Ich sehe in Euch einen Freund, einen Bruder – ich höre Eure Stimme gern, ich freue mich Eurer Nähe, mein ganzes Gemüt hängt an Euch und ich fühle, daß Ihr es vermögen würdet mich besser zu machen als ich bin.«

»Freilich, ich muß zufrieden damit sein!« flüsterte Egino niedergeschlagen und bitter.

»Und könnt Ihr das nicht? Ist es Euch nicht genug zu Eurem Glück?«

»Nein, nein, und abermals nein!« fuhr Egino heftig auf. »Von dem Gedanken, von der Hoffnung Euer Herz, Eure Liebe zu erringen, habe ich gelebt seit all dieser Zeit ...«

»Haltet ein, haltet ein«, rief Corradina aus, »keinen Sturm, keine Leidenschaft in dieser Stunde! Ihr müßt Euch drein fügen, Egino nur mit ruhiger Vernunft zu mir zu reden, und wenn Ihr –«

»Aber ich kann es nun einmal nicht, dies ruhige Verzichten auf mein Glück, auf mein Leben, auf all meine Erdenzukunft, die mir nun zur Hölle werden wird ...«

»Ihr seid ein Tor, wie die Männer alle«, fiel ihm Corradina entrüstet ins Wort. »Ich kann Euch nicht mehr Glück gewähren!« setzte sie fast zornig hinzu. »Und fragt Ihr Euch denn gar nicht, welches Glück Ihr mir gewähren werdet, wenn Ihr so töricht seid mehr von mir zu verlangen, als ich Euch gewähren kann, für jetzt wenigstens gewähren kann? Ein Weib will das Bewußtsein haben, daß sie den Mann, dem sie sich zu eigen gibt, glücklich macht. Darin besteht ihr Glück, nur ausschließlich darin. So wenigstens fühl' ich's. Und wenn ich nun Euch sage: ich will Euer Weib werden, mit Euch in Eure Heimat ziehen ...«

»Ihr – mein Weib?« rief Egino aus, in die Höhe schnellend und ihre beiden Hände ergreifend. »Ja, wolltet Ihr es denn – Ihr wolltet mein Weib werden?!«

Sie sah ihn mit einem großen Blicke an, in welchem Egino nur Überraschung lesen konnte.

»Habt Ihr denn daran gezweifelt?« sagte sie. »Das ist seltsam, Graf Egino. Ich denke, fester wie eines Priesters Segen es könnte, hatte uns das Schicksal zusammengefügt! Es gibt Dinge, die ein edles Weib nur für ihren Gatten tun kann. Aus ihrem Hause mit einem Manne fliehen, allein mit ihm durch die Nacht auf und davon gehen, pflegend am Lager eines Mannes sitzen und tagelang mit ihm zusammenbleiben – das kann ich nur tun, wenn ich diesem Manne gehöre und sein Weib bin für Zeit und Ewigkeit!«

»Corradina!« stammelte Egino.

»Und wollt Ihr nun noch über Euer Glück klagen? Wohl denn, wenn ich Euch nicht das Glück gewähren kann, das für Euch in dem Geständnis einer Leidenschaft, wie Ihr sie verlangt, liegt, so kann ich Euch doch das geben, das ein anderes Geständnis Euch gewähren muß. Das ist: daß ich immer in Euch meinen Retter sehen werde, den Mann, der mich aus unerträglichen Verhältnissen gelöst hat, und den, der mich in ein besseres Land führt, nach welchem ich gelernt habe mich zu sehnen, wie nach dem Lande der Freiheit und wie nach meiner Heimat, dem Lande meiner Väter und dem meinen.«

»Haltet ein, Corradina!« rief Egino aus, indem er vor ihr niederkniete und ihre Hände an sein glühendes Gesicht drückte. »O, wie wenig hab' ich Euch verstanden! Ihr gebt mir so viel Glück, daß es mich tötet!«

»Faßt Euch, Egino«, sagte sie, ihm eine ihrer Hände entziehend und sie auf seinen Arm legend, »wir haben beschlossen, daß diese Stunde vernünftiger Überlegung gewidmet sein soll. Wir bedürfen all unserer Vernunft, um der Gefahr, die uns umgibt zu entkommen. Überlegen wir unsere Flucht. Ich habe Bruder Martin bitten lassen zu kommen. Euer Freund soll unser Verlöbnis einsegnen in Signor Callistos Gegenwart, der uns als öffentliche Rechtsperson ein Zeugnis geben wird, daß meine Trauung mit Luca Savelli ein wesenloser Schein und eine nichtige Handlung war. Dann, als Eure eingesegnete Braut kann ich mit Euch fliehen. Wird Euch Callisto nicht die Mittel zur Reise geben können, so kann ich aushelfen; ich habe, ehe ich mit Livio Savelli Euch zu befreien ging, mich mit Geld vorgesehen. Wir werden uns, haben wir erst Rom hinter uns, entweder Maultiere oder Pferde kaufen.«

Sie wurden unterbrochen, denn schon trat Bruder Martin in das Zimmer.

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