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Luther in Rom

Levin Schücking: Luther in Rom - Kapitel 16
Quellenangabe
typefiction
authorLevin Schücking
titleLuther in Rom
publisherVerlag von Paul Müller
year1928
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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15. Der Exerzitienmeister.

Egino mochte eine geraume Weile auf der alten Brunnenschale gesessen und durch die Dunkelheit gestarrt haben, als er ein Geräusch hinter sich hörte.

Er blickte rasch um sich und sah eine der weißen Mönchsgestalten sich hell von der nächsten dunklen Hecke abheben; jetzt trat sie näher und die Stimme, welche Egino anredete, war die des Pater Eustachius.

Seltsam, war der schweigsame Vater nicht da, wo alle die anderen Mönche in dieser Stunde waren? Entzog er sich der Ruhe, bloß um über seinen geistigen Schutzbefohlenen zu wachen?

Es schien fast so.

»Ihr meditiert, junger Herr?« fragte er in einem trockenen scharfen Tone.

Egino verwünschte ihn von ganzer Seele, aber er konnte nicht anders, als sich von dem Gegenstande, der ihn fesselte, abwenden und sich zu einer unbefangenen Antwort zwingend, sagte er:

»Ich freue mich der milden weichen Nachtluft.«

»Und das«, versetzte Vater Eustachius, sich im Sprechen wendend und so Egino auffordernd, mit ihm den Gang hinabzuwandeln, »– das stimmt die Seele ernst und mag eine gute Vorbereitung sein zu dem Werke, welches Ihr morgen hier beginnen werdet...«

»So ist es«, entgegnete Egino, der so wenig an dies Werk dachte und es so leicht nahm und sich jetzt mit einiger Beklommenheit sagte, daß dieser Vater Eustachius ganz der Mann sei es ihm sehr schwer zu machen.

»Ihr habt Euch zu Euren Exerzitien in unser Kloster begeben, Graf Egino«, fuhr der Mönch fort »und Ihr tatet es sicherlich mit bestimmten Gründen, die es Euch jedem andern Kloster vorziehen ließen...«

»Gewiß, gewiß, ich hatte die bestimmtesten Gründe...«

»Das spricht für die Schärfe Eurer Urteilskraft und für den vollen Ernst, mit dem Ihr der Heiligung Eurer Seele nachstrebt, für den tiefen Ernst Eurer Absicht«, sprach Eustachius. »Denn Ihr wißt, daß der Geist, der unter den Söhnen des heiligen Dominikus lebt, so ernst ist, wie das Grab. Auch die anderen Orden haben es wohl begriffen, daß die Menschheit in Nacht wandelt und mühselig dem kommenden Tag zuwandern muß. Sie stehen den Wandelnden bei und führen sie. Der unsere aber hat es zu seiner besonderen Aufgabe erhalten die in der Nacht Verirrten in ihrem Dunkel aufzusuchen und auf den rechten Weg zurück zu geleiten, freundlich und mild gegen die, welche folgen, streng und unerbittlich gegen die, welche störrisch den Irrpfad die rechte Bahn nennen ... und dies Amt ist ernst.«

»Wie jedes Strafamt!«

»Wie jedes Strafamt, ja, wo die Milde Sünde und die Güte Pflichtverletzung wird.«

»Und man wird Sünde und Pflichtverletzung den Söhnen Guzman's nicht vorwerfen!« konnte sich Egino nicht versagen mit scharfem Tone einzuschalten.

»Nein«, versetzte Vater Eustachius, das Ironische dieser Bemerkung überhörend – »wer die Geschichte unseres Ordens kennt, wird es nicht. Jede Gesellschaft und auch die christliche bedarf hingebender Männer, deren Selbstverleugnung so weit geht, daß sie eines der tiefgewurzeltesten Gefühle der nicht wiedergeborenen Menschennatur, das Mitleid und die Sympathie für das mitlebende Geschöpf, aus sich tilgen und an die Stelle des Herzens einen Gedanken setzen, der unerweichbar und unerbittlich ist; den Gedanken an das Gesetz, daß die Menschheit zu Gott wandeln soll auf dem Einen Wege und daß Schwert und Feuer sie strafen sollen, wenn sie abirrt von diesem Wege.«

»Und San Dominikus' Söhne sind eben zu den Trägern des Schwerts und des Feuers ersehen!«

»So ist es«, sagte der Mönch; »das ist unser Beruf, dazu ist unser Orden als die Militia Jesu Christi contra Haereticos gestiftet; ihm ist die Inquisition übertragen, und seine Gerichtsbarkeit erstreckt sich über die Welt – über Hohe und Niedere, über den Laienbruder wie über den Bischof, über den Leibeigenen wie über den Fürsten..«

»Ich weiß«, fiel Egino fast erregt ein, »und der Orden hat das Vertrauen, das die Kirche, die ihm das Gewissensrichteramt übertrug, in ihn setzte, glorreich gerechtfertigt; er hat Ketten, Einmauerungen, Holzstöße und Foltern aller Art gehabt für – Verirrte und in den großen Albigenserkriegen hat er zehnfach mehr Unglückliche vertilgen müssen, als je christliche Märtyrer den Verfolgungen der heidnischen Kaiser erlegen sind... man könnte auf den Gedanken kommen, ob dem milden, die Liebe predigenden Christus ein solcher Kultus mit Menschenopfern, mehr als die Heiden je schlachteten, denn auch wohlgefällig sei? Allein die Kirche lehrt es und sie muß es wissen...«

Vater Eustachius nickte mit dem Kopfe.

»So ist es«, sagte er wieder trocken; »wir haben mancherlei Strafwerkzeuge für Halsstarrige und Verhärtete in Anwendung zu bringen gehabt, und daß wir es taten, dem dankt so manches Volk, Spanien, Frankreich vor allem, auch Italien das hohe Glück seiner Glaubenseinheit. Ihr kennt also unsern Orden. Ihr kennt ihn, sagt Ihr. Ihr wähltet ihn mit Vorbedacht...«

»So tat ich.«

»Und Ihr wollt Eurem Vorsatze treu bleiben?«

»Sicherlich; weshalb sollte ich nicht?«

Der Pater Eustachius antwortete nicht; er ging stumm neben Egino her. Dann, wie aus Gedanken auffahrend, sagte er:

»Wollt Ihr noch bleiben im Garten? Ich rate es Euch nicht; die Luft hier auf dem Aventin ist in der Nacht, ja selbst am Tage nicht sehr gesund, darum tut Ihr wohl, Euch in acht zu nehmen, Graf Egino. Wollt Ihr noch bleiben?«

Sie waren am Ende des Ganges und an der Treppe angekommen, welche auf die höher liegende Terrasse führte. Der Mönch sprach mit eigentümlicher Betonung seine letzten Worte, indem er den Fuß auf die Stufen der Treppe fetzte.

»Ich möchte noch eine Weile im Garten zurückbleiben, ehe ich mich zur Ruhe begebe, ehrwürdiger Vater«, antwortete Egino ruhig.

»Dann gute Nacht, Graf Egino. Wenn ich Euch morgen sehe, werde ich mit Euch über die Generalbeichte reden, die Ihr mir abzulegen habt. Gelobt sei Jesus Christus.«

Vater Eustachius ging über die Stufen hinauf, quer über die Terrasse und verschwand im Kloster.

Egino sah ihm ein wenig betroffen nach. Was hatte der Mönch gewollt? Hatte er seine Schritte ausspähen oder hatte er ihn gar warnen, ihm drohen wollen? War nicht in seinen Reden etwas wie ein Wink gewesen, mit seinem wie das Grab ernsten Orden nicht zu scherzen? Hatte er auf Eginos Stirn dessen Gedanken gelesen und erkannt, daß gar manche darunter seien, welche so waren, daß Vater Eustachius aus menschlicher Teilnahme für ihn wünschte, darüber nicht bei Gelegenheit einer Generalbeichte in eine Erörterung mit ihm zu treten zu brauchen?

Hatte er gar seine Absicht durchschaut?

Nein, das war nicht möglich!

Und um daß Andere kümmerte sich Egino nicht viel. Er eilte zu seinem früheren Standpunkt, zu der Steinschale zurück. Die Gestalt aber auf dem Altan an der Savellerburg war verschwunden, das Licht erloschen. –

Am andern Morgen in der Frühe wurde Egino durch den Bruder Alessio geweckt, der ihm sagte, daß es Zeit sei am Frühgottesdienst der Mönche in der Kirche von Santa Sabina teilzunehmen. Es war sehr früh noch. Egino folgte dem Bruder ziemlich widerwillig und ließ sich in der Kirche in einer Ecke auf dem Chor der Mönche einen Platz anweisen.

Nach dem Gottesdienste wurde das Frühmahl im Refektorium eingenommen, das, noch frugaler als das Nachtmahl, aus Milch und Brot bestand. Dann, als Egino sich kaum in seine Kammer zurückgezogen, erschien Vater Eustachius.

Vater Eustachius war schweigend eingetreten und nahm schweigend den Stuhl ein, den Egino ihm herbeitrug. Er blickte eine Weile zu Boden, dann plötzlich scharf die dunklen feurigen Augen zu ihm aufschlagend, sagte er:

»Ihr wisset, daß die Exerzitien mit einer Generalbeichte beginnen, die sich über Euer ganzes Leben, von dem Augenblicke an, wo mit der Erkenntnis von gut und böse Eure moralische Verantwortlichkeit für Eure Handlungen begann, zu erstrecken hat. Vorher aber beantwortet mir eine Frage – falls Ihr vorbereitet seid darauf zu antworten«, setzte er mit scharfem, fast spöttisch klingenden Tone hinzu, und dabei stand er auf und ging, um das offene Fenster zu schließen. Dann sprach er weiter:

»Sie lautet: Weshalb seid Ihr in dies Kloster gekommen, Graf Egino?« »Bedarf es einer Vorbereitung auf diese Frage zu antworten?«

»Es scheint doch, da Ihr sie nicht zu beantworten wisset, weil Ihr gelernt habt, daß es eine Todsünde ist in der Beichte zu lügen.«

»Ich lüge nicht, weder in noch außer der Beichte«, versetzte Egino stolz.

»So antwortet die Wahrheit.«

»Daß ich kam, war doch – Ihr werdet es am wenigsten behaupten – keine Sünde, also braucht auch in meiner Beichte keine Rede davon zu sein.«

»Und wenn ich Euch sage, Graf Egino, daß Euer Kommen eine Sünde war?«

»So leugne ich es ...«

»Leugnet es nicht, Ihr ändert nichts dadurch. Ihr kamt nicht um Eurer Exerzitien willen! Sie sind ein Vorwand. Es ist ein anderer Zweck, der Euch herführt, ein Zweck, den Ihr hartnäckig verfolgt, denn ich finde Euch noch hier trotz der Warnungen, die ich gestern an Euch richtete und die Ihr verstehen mußtet. Nun redet... Ihr redet zu Eurem Beichtvater.«

»Ich habe Euch nichts darüber zu sagen«, entgegnete Egino, »als daß Ihr irrt, wenn Ihr in meinem Kommen etwas sehet, das einer Sünde gleichsähe und deshalb in den Beichtstuhl gehörte...«

»Und ich sage Euch«, fiel Pater Eustachius fast drohend ein, »der Mensch ist sündhaft ganz und gar, und jedes Eurer Werke, Eurer Worte, Eurer Gedanken gehört in das Ohr dessen, der Euch von der Sünde lösen kann. Darum redet, zu welchem Ende kamt Ihr und welche Aufgabe hat dabei das Weib, welches Ihr in dies Kloster einführtet, das verkleidete Weib, das Ihr Euren Pagen nanntet, und das, indem es die geheiligte Schwelle dieses Gotteshauses, die Klausur, überschritt, die Fülle ewiger Strafen auf sich zog?«

»Ihr habt ein scharfes Auge, Padre Eustachio«, antwortete Egino betroffen.

»Ich habe es, und dies scharfe Auge hat auf Euch aufmerksamer geruht als Ihr ahnt.«

»Es scheint«, versetzte Egino, mit zornigem Schmerz es fühlend, daß sein Plan kläglich zu scheitern im Begriffe stehe und diese Unterredung mit einer schmählichen Austreibung aus dem Kloster für ihn enden mußte. Und wider eine solche Schmach und wider das Aufgeben der Hoffnung, in der er gekommen, bäumte sich doch alles in ihm auf.

Sein ganzer Trotz erwachte.

Sollte er diese Mönche fürchten? Weshalb? Hatten sie nicht auch am Ende ihn zu fürchten? Er warf stolz das Haupt zurück und rasch gefaßt sagte er mit fester und entschlossener Stimme:

»Wohl denn, da ich sehe, daß man Euch nicht entgeht, so will ich Eure Frage, was mich trieb zu den Söhnen des heiligen Dominicus zu kommen, beantworten. Vernehmt denn, es liegt eine Schuld auf mir, und sie ist es, die ich eine Zeitlang in weltentrückter Einkehr bereuen und so sühnen möchte.«

»Und diese Schuld, bei deren Büßung Ihr eines verkleideten Mädchens bedürft, welche ist sie?«

»Das verkleidete Mädchen ist harmloser als Ihr denkt, Padre Eustachio – aber lassen wir sie aus dem Spiele, sie soll nicht wieder erscheinen, da Ihr nun einmal des wunderlichen Glaubens lebt, daß, wenn ein weibliches Wesen, sie mag so unschuldig sein wie Sanct Peters Tochter Petronella und so fromm wie Sanct Augustins Mutter Monica, über Eure Schwelle tritt, ihr reiner Atem die Atmosphäre Eurer moderigen Klostergänge verunreinige. Meine Schuld ist folgende: Wir Grafen von Ortenburg sind, oder waren unserer Drei. Mein ältester Bruder Bruno, der Herr und Erbe; mein zweiter Udo, und ich, der jüngste, wie Udo als nachgeborner von dem Stammerbe ausgeschlossen. Ich war für des Kaisers Dienst bestimmt; für Udo sollte gesorgt werden durch die Vermählung mit einer Verwandten, deren Vormund mein verstorbener Vater war, deren großes Erbgut an das unsere stieß. Aber mein Bruder Udo war ein wilder und roher Gesell. Ulrike, die Verwandte, liebte ihn nicht und sie weigerte sich hartnäckig ihm die Hand zu reichen; sie wurde deswegen von uns gequält, gepeinigt, bestürmt in jeder Weise; wir hielten sie gefangen, wir ersannen alle Mittel, das, was wir ihre Hartnäckigkeit nannten, zu brechen, denn wir waren entschlossen ihr reiches Erbgut uns nimmermehr entgehen zu lassen. Da plötzlich fuhr ein entscheidender Schlag in diese Lage der Dinge – mein Bruder Udo starb. Ein Siechtum führte ihn rasch hinweg, bevor wir Ulrike ihm hatten vermählen können, und das Erbgut derselben, das wir längst als das unsere betrachtet, wohl auch zum Teile schon entfremdet, verbracht hatten ...«

»Es durfte nicht in andere Hände fallen, indem Eure Verwandte Ulrike sich einem andern Manne vermählte«, unterbrach ihn der Mönch mit einem spöttischen Zucken der Mundwinkel, »und darum blieb Euch nichts zu tun übrig, als die Verwandte mit Gewalt dem Toten, dessen Tod Ihr verheimlichtet, anzutrauen. Nach einigen Tagen wurde der Tod bekannt gemacht; die Verwandte war nun Eures Bruders Udo Witwe, als seine Witwe blieb sie in der Gewalt Eures Familien-Oberhauptes und Ihr, Ihr Grafen von Ortenburg, wollt nun den sehen, der sie und ihr Gut Euch entreißt!«

»Bei Gott, so war es«, rief Egino erstaunt über des Mönchs rasches Verständnis, aber entschlossen ihm völlig den Handschuh hinzuwerfen, aus; »ja, wir zwangen das Weib, wir fanden einen Mönch, einen Mönch Eures Ordens, Padre Eustachio, der sich bestechen ließ und sie dem Toten traute ... und meinen Anteil an diesem Frevel, dieser himmelschreienden Gewalttat komme ich zu Euch zu sühnen, und auch mir bei Euch Rats zu holen, ob ich den abscheulichen Mönch, der sich dazu hergab, seinen Oberen, ja dem Papste anzeigen soll, oder ob ich dies um des Rufes des Ordens, um des ungeheuren Ärgernisses willen, den es der Welt gäbe, die Euch von Tag zu Tag feindseliger wird und ohnehin Euch so viel nachzureden weiß, unterlassen muß.«

Vater Eustachius hatte Egino mit blitzenden Augen durchbohrt, während dieser sprach; auf seinem gelben Gesichte war flüchtig eine Röte wie die von hellem Zorn aufgeflammt, und dann wieder verschwunden. Vater Eustachius besaß offenbar eine merkwürdige Gewalt über sich selber, denn mit der ruhigsten Stimme sagte er jetzt:

»Wenn Euch solch ein außergewöhnliches und mit all seinen Umständen schwer zu verstehendes Handeln beunruhigt und drückt, so tatet Ihr freilich wohl hierher zu kommen. Ich hoffe, daß Ihr hier Euren Zweck erreichen und in Eurer Seele und in Eurem Gewissen völlig beruhigt, diese Mauern verlassen werdet. Zunächst aber muß ich Euch sagen, daß Ihr von mir keinen Rat verlangen dürft, ob Ihr in Eurem Gewissen verpflichtet seid jenen bestochenen Mönch seinen Oberen anzuzeigen oder nicht; denn da er, wie Ihr angebt, von meinem Orden ist, so kann ich nicht unparteiisch in dieser Sache sein. Ein Anderer soll Euch hierin raten.«

»Ein anderer? Und wer? Macht Ihr Euch so wenig daraus, daß noch ein anderer, ein Dritter von dieser Schandtat Eures Ordensbruders erfahre?«

»Schandtat... seid nicht so rasch mit Euren Worten, Graf Egino – der andere, der Euch raten soll, weiß ohnehin von dem, worüber wir reden – er ist darin völlig eingeweiht, ja, er ist am meisten dabei beteiligt... es ist die getraute Verwandte selbst.«

»Was sagt Ihr?«

»Die Witwe des Toten...sie ist uns ja so nahe!«

»Das ist sie... und sie ...«

»Sie soll Euch raten. Ihr sollt sie sehen und sie befragen!«

»Ich soll sie sehen, sie sprechen... Ihr wolltet das vermitteln?« rief Egino mit einer Bewegung aus, welche Vater Eustachius nicht entgangen wäre, hätte Egino sie auch viel mehr zu verbergen gesucht, als er daran dachte es zu tun. »Ihr werdet mich zu Ihr begleiten«, erwiderte der Mönch, ihn scharf fixierend, ruhig und sehr langsam.

»Und wann soll dies geschehen?«

»Das hat die Signora zu bestimmen. Ich werde zu ihr senden, um bei ihr anfragen zu lassen, oder selber zu ihr gehen.«

Egino ging außer sich vor Erregung in seiner Zelle auf und ab. Vater Eustachius folgte ihm mit den kleinen tiefliegenden Augen, in denen doch etwas Mattes, Erloschenes andeutete, daß er jetzt in Gedanken mit etwas Anderem als dem Betragen des jungen Mannes beschäftigt war.

»Was still und friedlich geschlichtet werden kann«, sagte er endlich sich erhebend, »das soll man nicht im Zorne schlichten. Und diese Sache, um derentwillen Ihr, wie ich sehe, nicht wie ein Büßer, sondern trotzig und fehdedurstig gekommen, kann, denk ich, friedlich geschlichtet werden, zu Eurer Beruhigung, zu des armen Mönchs, den Ihr anzuklagen und zu verfolgen bereit seid, Rechtfertigung. Ich will nicht allein jenem armen Mönch, als meinem Ordensbruder, wohl, sondern auch Euch, Graf Egino, glaubt mir das. Mit diesem Wohlwollen redete ich gestern zu Euch, als ich Euch den Wink gab, Ihr tätet besser unser Kloster zu verlassen. Und mit demselben Wohlwollen für Euch, schlage ich, so trotzig Ihr Euch gebahrt und so herrisch Ihr auftretet, heute den Weg der Milde in dieser Sache ein. Ich lasse Euch allein, bis ich zurückkehre, um Euch zu der Frau zu führen, die – Euch raten soll!«

Vater Eustachius ging.

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