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Luther in Rom

Levin Schücking: Luther in Rom - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
authorLevin Schücking
titleLuther in Rom
publisherVerlag von Paul Müller
year1928
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080401
projectidfd73c209
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13. Wie die Seelenpflanze wächst.

Vor wenig Wochen noch, noch an dem Tage, an welchem er Donna Ottavia in schwärmerischer Sprache die Eindrücke schilderte, welche Rom ihm machte, hätte Egino den Gedanken von sich gestoßen, auf den er jetzt so rasch, so begierig einging.

Unter einem falschen Vorwande sich in ein Haus einzuführen, zu lügen, ein religiöses Bedürfnis zu heucheln, das er nicht empfand; er hätte es unmöglich gefunden!

Aber seine Seele hatte in kurzer Frist einen ganzen Kreislauf der Entwicklung durchgemacht. Die Pflanze seiner Seele war in diesem Rom wie in ein treibendes Warmhaus gesetzt worden; sie hatte die Riesenschüsse einer Banane, einer wilden Rebe getan in der erhitzenden aufregenden Atmosphäre, worin er jetzt seit Monden gelebt.

Die blendende Größe der Erscheinungen Roms hatte ihn anfangs tief ergriffen, wie aus den Angeln gehoben und wie schwindlich gemacht. Aber neben dem, was ihn begeistert und ganz erfüllt, stand zu dicht, was ihn abstieß, empörte und entrüstete. Und nach seinem Erlebnis im Hause der Savelli war die Begeisterung zusammengesunken, zu Asche geworden. Es hatte einen Umschwung in seinem ganzen Wesen hervorgebracht. In den Stunden seines einsamen Umherirrens hatte er oft Anwandlungen tiefer Mutlosigkeit nachgegeben, oft mit grenzenloser Bitterkeit auf die Welt um ihn her, die ihn vor kurzem noch so entzückte, geschaut. Dagegen galt es dann wieder zu ringen. Sich aufzuraffen aus dem Schmerze, sich zu retten durch ruhiges klares Besinnen und gefaßtes Rechnen mit den Tatsachen. Er war dann stark genug gewesen diese Fassung zu finden. Aber es hatte für ihn kein Trost gelegen in dem, was das Rechnen ihn finden ließ. Er war zu jung, um sich wie Callisto mit dem verzichtungsvollen nil admirari zu trösten; er brütete über das Wie und Wozu einer Geschichte, deren Trümmer um ihn herumlagen, um einst mit den Schichten neuer Trümmer und Ruinen überschüttet zu werden. Was blieb unter dem allen, was war der ewige Kern und Gehalt dieser Erscheinungen; wozu schufen die Jahrhunderte an ungeheuren Bildungen, die dann wieder zusammenbrachen und versumpften, an Religionen, Staaten und Weltreichen, wie dies römische?

Egino floh vor seinen Gedanken in sein Gemüt, indem er Corradina liebte. Er floh aus einer kalten stürmischen Nacht in einen warmen Lichtkreis – war auch für ihn keine Hoffnung da in diesen warmen Lichtkreis einzudringen und darin sich bergen zu können, seine Seele strömte doch mit allen ihren Regungen in ihn hinüber, sein ganzes Herz flog doch demselben zu; sein Auge haftete doch nur an ihm, wie an seinem einzigen Heil auf Erden; – und in dem rücksichtslosen Drang zu ihr war all sein Tugendhochmut untergegangen. Und als Irmgards Rat ihm eine Hoffnung erweckte, da fühlte er: in seinem Gefühle lag sein Recht. Im Kampfe für dies Recht, das jede Waffe weihte, zu der er greifen konnte, dachte er nicht daran eine Rüstung zu verschmähen, die ihm diente, und war diese Rüstung auch eine Verkleidung, eine Maske, eine Lüge. Die Liebe nimmt nur von sich selber Gesetze an.

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