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Luther in Rom

Levin Schücking: Luther in Rom - Kapitel 13
Quellenangabe
typefiction
authorLevin Schücking
titleLuther in Rom
publisherVerlag von Paul Müller
year1928
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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12. Das Handwerksgeheimnis.

Es war am andern Tage in der Nachmittagstunde. Egino hatte sich zur Siesta niedergelegt, ohne Schlummer zu finden. Die Tür öffnete sich leise; es mußte sein Diener sein, und ohne die Augen zu öffnen, sagte er leise: »Bring mir Wasser, Götz, ich will trinken.«

Er hörte Schritte, die über den Matten, welche den Boden bedeckten, sich wieder entfernten.

Nach einer Weile kehrten sie zurück und eine weiche Stimme sagte:

»Hier ist Wasser, Herr.«

Er schlug die Augen auf und sah Irmgard vor sich stehen ... in ihrem Knabenanzug.

»Irmgard«, rief er überrascht aus, »Du bist es?«

»Ich bin's, Herr, Ihr verlangtet zu trinken, hier ist ein Becher mit frischem Wasser.« Sie reichte ihm den Becher, den sie in der Hand trug und heftete ihr Auge dabei scharf in seine Züge.

»Ich danke Dir, Mädchen; ich dachte, es sei mein Diener, dem ich den Befehl gab. Weshalb blickst Du mich so forschend an? Und weshalb steckst Du noch immer in den Bubenkleidern?«

»Das Herr, würdet Ihr erfahren haben, falls Ihr einmal wieder die Güte gehabt hättet Euch nach Euren armen Landsleuten umzusehen«, antwortete sie mit dem Tone stillen Vorwurfs.

»Ja, ja, ich hatte Euch wahrhaftig vergessen. Vergib mir's!« sagte Egino mit einem Seufzer. »Da setz' Dich zu mir und sprich.«

»Und was Eure zweite Frage angeht, Herr, so sah ich Euch so scharf an, weil ich in Euren Zügen zu lesen glaubte, daß es Euch hier in der Fremde nicht viel besser gehe, als uns armen Leuten auch. Ihr seid krank, Ihr seid so bleich...«

»Bin ich? Nun ja, ich bin ein wenig krank, Du hast recht. Aber reden wir von Dir. Weshalb sagtest Du, daß es Euch nicht gut gehe? Was ist geschehen?«

»Nichts weiter, als daß man meinen armen Ohm Kraps auslacht, wo er sich blicken läßt und wo er nur den Mund auftut. Und was das Schlimmste ist, man lacht ihn auch und dann am meisten aus, wenn er mit seinem Verlangen kommt etwas Großes und Fürnehmes hier zu werden. Ein gutes Quartier bei einer redlichen Frau, die uns Wohnung und Essen gibt, haben wir, wie Ihr wißt, durch Donna Ottavias Güte gefunden, aber ein freundliches Gehör bei den Männern, zu denen man uns zu gehen, riet, nicht.«

»Und du gingest stets in diesem Anzug mit dem Ohm?«

»Kann ich anders?« antwortete Irmgard errötend. »Die Menschen, die jungen Männer und auch die älteren und die in geistlichen Trachten nicht am wenigsten, sind so unverschämt! Wenn ich als Mädchen allein über die Straße gehe, mit meinem fremden Aussehen und blonden Haar...« »Armes Kind!« sagte Egino seufzend und sich erhebend und in seinem Gemache langsam auf- und niederschreitend. »Ich fürchte, wir argloses deutsches Blut sind alle nicht zu unserem Glücke in diese römische Welt gekommen, weder Du, noch ich, noch vielleicht auch der wunderliche Mönch, der sich über die Bilder Meister Rafaels entsetzt!«

»Von welchem Mönch redet Ihr? Von demselben, von dem Ihr uns sagtet, daß er uns helfen könne?«

»Von demselben, dem Bruder Martin aus Wittenberg.«

»Um dessentwillen komme ich just, Herr, ich dachte mir, wenn ich Euch unsere Not klagte, würdet Ihr mir die Güte erweisen mich zu ihm zu führen, daß ich ihn bitte, mit seinem Ordensbruder im päpstlichen Palaste für uns zu reden.«

Egino schüttelte den Kopf.

»Heute wird's nicht gehen, Irmgard. Der Bruder Martin ist verstört; es hat ihm etwas die ganze Seele wie umgewendet.«

»Und was ist ihm geschehen, dem Bruder Martin?«

»Was ist ihm geschehen! Kann ich's Dir deutlich machen? Man sagt, wer die Wahrheit entschleiert und ihr ins Antlitz blickt, der müsse sterben. Der Mönch hat ins Antlitz der Schönheit geblickt und – ist wenigstens krank davon geworden.«

»Das ist öfter geschehen, nicht bloß armen Mönchen, beim Anblick einer Schönheit«, antwortete mit flüchtigem Lächeln Irmgard.

»Ja, ja, doch so ist's nicht gemeint. Der Mönch hat eine andere Schönheit erblickt und dabei die Entdeckung gemacht, daß ein Treiben, Wachsen und Gestalten in die Welt gekommen, das über sein Kirchendach hinauswächst..«

»Ich versteh's nicht«, antwortete Irmgard. »Aber was ist's denn, was Euch sagen läßt, auch Ihr wäret nicht zu Eurem Glücke hierher gekommen?«

»Bei mir ist's ein ander Ding ... und doch am Ende dasselbe.«

Sie schlug die Augen auf und beobachtete ihn wieder.

»Ihr seht aus, als hättet Ihr nächtelang nicht geschlafen. Für mich läge ein Trost darin, wenn Ihr mir's sagen wolltet, was Euch bedrückt, denn es zeigte mir, daß Ihr Vertrauen zu mir hättet.«

»Und wünschest Du mein Vertrauen, Irmgard?«

»Ich meine, Ihr wäret es mir schuldig.«

»Und weshalb schuldig?«

Sie sah ihn mit einem eigentümlichen Blicke an, in welchem etwas Fragendes, fast Verwundertes lag.

»Nun ja«, sagte sie dann nach einer Weile, – »mir ist es freilich so, aber Ihr habt recht, daß Ihr solche Reden anmaßend von mir findet. Von einer armen Dirne aus dem Volke. Ihr seht wenigstens, daß ich Euch vertraue, wenn ich so offen sage, was ich denke. Auch das Törichte!«

»Ich glaube, daß Du eine ehrliche treue Seele bist, Irmgard, und darum nenn' dich nicht eine arme Dirne aus dem Volk. Wozu die falsche Demut? Du bist reich, weil Du ein sinniges und warmes Gemüt hast. Höre mir zu: An einem Abende – es sind etwa zehn oder zwölf Tage jetzt – hat mich ein Freund mit sich genommen in den Palast eines großen Adelsgeschlechts hier, das sich Savelli nennt, oben auf dem Aventin – Du wirst die Burg da oben neben dem großen Dominikanerkloster von Santa Sabina gesehen haben –«.

»Ich war in Santa Sabina ... also dort?«

»Dort sollte ich dem Freunde als eine Art Zeuge dienen und eine Trauung ansehen. Ich habe die Trauung angesehen. Die Braut war ein zauberhaft schönes Weib und der Bräutigam war tot!«

»Tot ... der Bräutigam?«

»So sagte ich!«

»So wurde aus der Trauung nichts?«

»Doch, doch! Man traute die Lebendige dem Toten an!«

»Das ist unglaublich, was Ihr da sagt!«

»Und doch ist es so; in Rom am Ende auch so unglaublich nicht. Man traut auch den lebendigen Geist der Menschheit mit einer toten Satzung; da ist der Bräutigam lebendig und die Braut tot ... Du schaust mich an, Irmgard, glaubst Du, ich sei irre geworden?«

Egino lachte bitter auf.

»Beinahe muß ich's, Herr!«

»Vielleicht hättest Du auch so unrecht nicht. Ich bin irre geworden; meine Seele ist mir geraubt, seit dem Augenblicke, meine Gedanken sind nicht mehr mein, mein ganzes Denken und Trachten ist nur noch auf ein Einziges nur noch Eines in all' dieser Welt gerichtet ... ich möchte dieses lebendige Wesen von ihrem Toten befreien ... o mein Gott, laß mich nicht zerbrechen unter dieser Eisenwucht, mit der das Entsetzliche, die Ohnmacht auf mir liegt!«

Egino rief dies mit einem solchen Tone von Verzweiflung aus, daß Irmgard erschrocken auffuhr.

Schweigend folgte sie mit ihren Blicken seiner langsam auf- und abwandelnden Gestalt.

»Ihr habt wohl recht«, sagte Irmgard nach einer langen Pause, »daß wir hierhergekommen, um innerlich verstört zu werden. Es scheint für uns aber doch nicht unmöglich aus der Verstörung herauszukommen. Entführt Euch Eure schöne Braut, da Ihr ein lebendiger Mann seid; ich entführe dann am besten meinen unglücklichen Ohm der Narrheit, die ihn hierherführte, auch, und so ziehen wir über die Berge heim, um manches, ja, um sehr viel klüger.«

»Du redest, wie Du's verstehst.«

»Zeigt mir, daß ich's nicht verstehe.«

»Wenn die Savelli etwa so Verbrecherisches, Ungeheuerliches tun, wie sie taten, als sie jenes Weib an einen toten Menschen trauten, so müssen sie zwingende Gründe haben, so zu handeln. Es muß ihnen viel, sehr viel daran gelegen sein, daß dies Weib den Namen Savelli führt. Zum mindesten wollen sie, daß sie, was sie besitzt, in das Haus trägt. Man wird ihr ganz sicherlich unmöglich zu machen wissen je einen andern Namen zu führen.«

Irmgard nickte mit dem Kopfe.

»Aber wenn sich ein Retter aus der Gewalt der Savelli für sie findet«, sagte sie nachdenklich, »ein Mann mutig genug...«

»Mutig genug«, fiel ihr Egino ins Wort, »was nützt hier der Mut? Ich weiß, daß ich ihnen gegenüber vollkommen ohnmächtig bin.« »Kennt Ihr niemand, der Euch als einen harmlosen Fremden in ihr Haus, in den Kreis der Familie einführte.«

»Dann müßt ich vor ihnen heucheln! Und darf ich daran denken, seit mich Signor Callisto, der Advokat des Hauses, als einen ihn begleitenden jungen Rechtsgelehrten in den Palast der Savelli eingeführt hat?«

»Und könnt Ihr nicht wieder so erscheinen, als ein junger Rechtsgelehrter?«

»Unmöglich ... schon deshalb unmöglich, weil, wenn ich es könnte, ich ihr, Corradina gegenüber nicht in einer erlogenen Maske auftreten wollte ... nichts würde mich dazu bewegen!«

»So habt Ihr schlechte Aussichten; mit offener Gewalt werdet Ihr's nicht durchführen können.«

»Sicherlich nicht.«

Irmgard stützte ihre Stirn auf die Hand. Sie biß fest ihre Lippen aufeinander; das stumme Spiel ihrer Mienen bewies ein innerliches Kämpfen, irgendein schweres Durchdenken.

Dann langsam das Gesicht erhebend, sagte sie mit einer erzwungenen Scherzhaftigkeit:

»Für den armen Heinrich fand sich eine Maid, die ihm ihr Blut gab ihn zu retten ... Euch, Graf Egino, soll man nicht nachsagen, daß sich nicht eine Maid gefunden, die ihm ihre innersten Gedanken hergegeben, um ihn zu retten, denn der Rettung scheint Ihr mir mehr zu bedürfen, als Eure ... Corradina.«

»Und was sind Deine innersten Gedanken, Maid Irmgard, die Du mir geben willst?« »Zuerst, wenn Ihr's nicht übel deuten wollt, daß ich Euch sehr hilflos und mutlos finde. Und daß man Euch also mit guten Anschlägen schon zu Hilfe kommen muß. Und daß Eure Leidenschaft für jenes Weib eine sehr kühle ist, wenn sie eine kleine Lüge, ein klein wenig Maskenspiel, das nötig wäre, um zum Ziele zu kommen, als ein nicht zu überspringendes Hindernis zwischen sich und ihrem Gegenstand betrachtet.«

»Eine Lüge?«

»Nun ja... ist die Corradina Euch nicht wert, daß Ihr Euren Stolz ihretwegen so weit demütigt zu lügen? Ist's doch so oft ein Muß wie ein andres auch! Könnt Ihr es überhaupt?«

»Nun, bei Gott, um der Corradina willen könnt' ich es versuchen. Ob es mir gelingen wird, weiß ich nicht.«

»So versucht es, denn ohne Lüge werdet Ihr nicht Euch Zutritt zu ihr verschaffen...«

»Und mit einer Lüge würde es gelingen? Und Du, Irmgard, wüßtest anzugeben, wie?«

»Ich weiß dazu zu helfen ... ja«, sagte sie, »wenn Ihr versprecht, mir dafür zu danken und uns um deswillen nicht zu verachten, was ich Euch vorher gestehen muß.«

»Verachten ... ich Euch verachten? Und wie sollt' ich denn...«

»Hört mir zu. Mein Ohm Kraps, wißt Ihr, ist ein Glockengießer seines Zeichens.«

»Ich weiß, ich weiß.«

»Und Ihr wißt auch, daß, wenn in einer Stadt daheim das Metall zu einem Glockenguß im Schmelzofen ist, die alten Mütterchen und die frommen Leute kommen und allerlei Silbergeschirr bringen, damit es, zum Erz getan, einen besseren Klang gebe; sie glauben, das sei ein Gott besonders wohlgefälliges Opfer.«

»Auch das weiß ich.«

»Aber nicht, daß es Aberglauben ist! Das Silber tut nichts zum reinen Klang. Es verdirbt ihn nur. Siebenundsiebzig Teile Kupfer, einundzwanzig Teile Zinn und zwei Teile Wismut, das gibt den richtigen Klang. Aber was wollt Ihr, die Leute lassen sich's nicht nehmen, daß es ohne ihr Silber nicht gehe und daß ohne solche Opfer die Glocken niemals würden den rechten Dienst tun und die Gewitter wegläuten können und was sie sonst alles tun sollen. Und so, Herr, ist's denn eines von den Handwerksgeheimnissen .. jedes Handwerk, wißt Ihr, hat seine Geheimnisse und ererbten Griffe, die andere Leute, die nicht dazu gehören, nicht zu kennen nötig haben; eines von den Handwerksgeheimnissen der Glockengießer also ist es, daß sie das Silber, welches man ihnen bringt, nicht dazu verwenden den Ton ihrer Glocken damit zu verderben. Sie nehmen das Silber und schleudern es durch den Rauchfang ihres Schmelzofens anscheinend in die Metallmasse hinein – vor der Leute Augen; in der Tat aber geben sie ihm im Werfen eine Wendung, daß es seitwärts schräg in das Aschenloch unter der Feuersglut fällt.«

»Ah, ich verstehe«, rief Egino aus; »also darum ist Ohm Kraps so reich?«

Irmgard beobachtete mit einem ein wenig scheuen Aufblick den Ausdruck seiner Züge.

»Ihr müßt darum nicht schlecht von ihm ... von uns denken, Herr ... es ist eben ...«

»Handwerksgeheimnis!« unterbrach sie lächelnd Egino. »Beruhige Dich, Irmgard; ich finde, daß Ohm Kraps sehr weise gehandelt hat den alten Weibern von Ulm nicht offen etwas einzugestehen, was sie bei jedem Gewitter einer großen Angst ausgesetzt hätte, und nun fahre fort.«

»So«, sagte Irmgard, »haben wir allerlei Silbergeräte bekommen, darunter denn manches war, was dem Ohm Kraps zum Einschmelzen zu gut schien; er ist ein Mann wie ein Kind, wißt Ihr, und wenn er irgendein Stück erhielt, das ihm gefiel, so war's ihm wie ein Spielzeug, das er sich nicht entschließen konnte, aus den Händen zu geben.«

Egino nickte mit dem Kopfe, sah aber Irmgard dabei höchst fragend und gespannt, wo sie mit diesem allen eigentlich hinauswolle, an.

»Ihr verwundert Euch, was ich mit meinem Silberzeuge will«, schaltete sie lächelnd ein, »hört nur weiter. Unter den Sachen nun, die dem Ohm gefielen, so daß er sie uneingeschmolzen ließ und mit einigen ziselierten Schalen und Figuren von Heiligen und getriebenen Arbeiten hieher mitgebracht hat, ist ein kleiner Altaraufsatz mit zwei Flügeln zum Zusammenklappen gemacht; auf dem Mittelstück, nicht größer als eine Mannsfaust, ist in schöner Arbeit, kunstreich getrieben, der heilige Dominikus zu sehen, wie er vor der Mutter Gottes mit dem Kinde kniet und diese ihm das weiße Ordenskleid mit schwarzem Scapulier und dem daran hängenden Käppchen zeigt, in welchem die Dominikaner gehen. Auf den Flügeln des Altärchens ist auf dem einen der Traum der Mutter des Heiligen, von dem kleinen Hunde mit der Fackel, welche die Welt erleuchtet, in der Schnauze, und auf dem andern der Heilige, wie er den toten, unter einem verschütteten Hause erschlagenen Baumeister wieder lebendig macht, dargestellt.«

»Und diese Silberarbeit?«

»Diese Silberarbeit sollt Ihr gehen am Altare des heiligen Dominikus in seinem Kloster Santa Sabina zu opfern, um Euch dafür die Mönche von Santa Sabina zu Euren besten Freunden zu machen.«

»Ah ... und dann?«

»Und wenn Ihr alsdann dem Prior von Santa Sabina die Bitte vortragt, für drei oder vier Wochen in sein Kloster aufgenommen zu werden, um darin Exerzitien zu machen, so könnt Ihr sicher sein keine abschlägige Antwort zu bekommen.«

»Ich ... Graf Egino von Ortenburg... soll Exerzitien bei diesen Hunden des Herrn machen?« fiel Egino gepreßt auflachend ein.

»Weshalb nicht ... wenn Ihr's nicht im Glauben, daß es zu Eurem Seelenheil gereiche, tun wollt, so tut's im Glauben, daß Ihr im Laufe von vier Wochen gewiß eine Gelegenheit findet das Weib zu sehen und zu sprechen, das Euch bezaubert hat und das mit diesen »Hunden des Herrn« ja beinahe unter einem Dache wohnt, vielleicht täglich in denselben Gärten sich ergeht wie sie.«

»In der Tat, Irmgard, Dein Gedanke ist vortrefflich ... er ist gut, sehr gut ... und sei's drum«, rief Egino erregt aus, »ich will tun, wie Du sagst ... ich will, wenn's nötig, mich zum Mönch machen unter diesen schwarz-weißen Menschenverbrennern, ich will ihre Homilien über mich ergehen lassen, ohne mit einer Miene zu verraten, was ich von all diesem Mönchtum denke ... Gib mir Deine kunstreiche Tafel, ich will sie dem Ohm Kraps zahlen, als ob sie an Gold wiege, was sie an Silber wiegt.«

»Weshalb?« fragte Irmgard, die seine Erregung mit einem Blicke beobachtete, aus welchem etwas wie Kummer oder Niedergeschlagenheit sprach. »Weshalb?« fragte sie kühl.

»Weil Dein Rat unbezahlbar ist.«

»So betrachtet ihn so und gebt auf ihn mir bezahlen zu wollen.«

»Dir nicht, Deinem Ohm.«

Irmgard antwortete nicht.

»Kann es nicht gleich heute sein?« rief Egino aus.

»Wenn Ihr Euch so nach dem Klosterleben sehnt«, versetzte sie schmerzlich lächelnd, »weshalb nicht? Ich gehe Euch das Kleinod zu holen«, sagte sie dann, sich erhebend.

»Geh', geh' ... hol' es. Wenn wir die Zeit benutzen, kann ich diese Nacht schon in einer Zelle in Santa Sabina schlafen. Während Du gehst, will ich meinem Götz seine Weisungen geben.«

Irmgard reichte ihm flüchtig die Hand; er wollte ihr mit einem warmen Drucke sagen, wie sehr sie ihn verpflichtet habe, aber sie entzog sie ihm hastig wieder; sie vermied seinen von Freude und Hoffnung leuchtenden Augen zu begegnen und war im nächsten Augenblick aus dem Gemach verschwunden.

Als sie draußen in der Straße war, ging sie langsam, die Blicke an den Boden heftend; vor der Kirche von San Silvestro am Ende der Straße, wo Egino wohnte, blieb sie einen Augenblick stehen, dann wendete sie sich dem Portal derselben zu, hob den schweren Ledervorhang, der den Eingang bedeckte, empor und trat in den dunklen kleinen Vorraum ein, der durch ein hohes Gitter von dem Schiffe der Kirche abgetrennt war. Wollte sie da beten, in dem kühlen dämmerigen Raum? Es schien nicht; sie setzte sich auf eine dunkle Holzbank, die an der Mauer angebracht war, faltete schlaff und wie ermüdet die Hände im Schöße und starrte so in die Kirche hinein, aber wie in eine leere Ferne.

Das Rundbogenfenster über dem Altare ihr gegenüber war mit einem grünen Stoffe verhangen. Es mußte der Widerschein dieser Farbe sein, der Irmgards Züge so erschreckend bleich machte.

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