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Heinrich Heine: Lutetia - Kapitel 21
Quellenangabe
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typetractate
authorHeinrich Heine
titleLutetia
seriesGesamtwerk
volumeBand 3
firstpub1841
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
modified20181129
created20081118
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XX.

Paris, den 3. Oktober 1840.

Seit gestern abend herrscht hier eine Aufregung, die alle Begriffe übersteigt. Der Kanonendonner von Beirut findet sein Echo in der Brust aller Franzosen. Ich selber bin wie betäubt; schreckliche Befürchtungen dringen in mein Gemüt. Der Krieg ist noch das geringste der Übel, die ich fürchte. In Paris können Auftritte stattfinden, wogegen alle Szenen der vorigen Revolution wie heitere Sommernachtsträume erscheinen möchten! Der vorigen Revolution? Nein, die Revolution ist noch eine und dieselbe, wir haben erst den Anfang gesehen, und viele von uns werden die Mitte nicht überleben! Die Franzosen sind in einer schlechten Lage, wenn hier die Bajonetten-Mehrzahl entscheidet. Aber das Eisen tötet nicht, sondern die Hand, und diese gehorcht der Seele. Es kommt nun darauf an, wieviel Seele auf jeder Waagschale sein wird. Vor den Bureaux de recrutement macht man heute Queue, wie vor den Theatern, wenn ein gutes Stück gegeben wird; eine unzählige Menge junger Leute läßt sich als Freiwillige zum Militärdienst einschreiben. Im Palais-Royal wimmelt's von Ouvriers, die sich die Zeitungen vorlesen und sehr ernsthaft dabei aussehen. Der Ernst, der sich in diesem Augenblick fast wortkarg äußert, ist unendlich beängstigender als der geschwätzige Zorn vor zwei Monaten. Es heißt, daß die Kammern berufen werden, was vielleicht ein neues Unglück. Deliberierende Korporationen lähmen jede handelnde Tatkraft der Regierung, wenn sie nicht selbst alle Regierungsgewalt in Händen haben, wie z. B. der Konvent von 1792. In jenem Jahre waren die Franzosen in einer weit schlimmern Lage als jetzt.

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