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Lügengeschichten und Dialoge

Lukian von Samosata: Lügengeschichten und Dialoge - Kapitel 93
Quellenangabe
typenarrative
booktitleLügengeschichten und Dialoge
authorLukian von Samosata
translatorChristoph Martin Wieland
year1985
publisherGreno Verlagsgesellschaft
addressNördlingen
isbn3921568153
titleLügengeschichten und Dialoge
pages3-611
sendergerd.bouillon@t-online.de
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XVII.

Das Netz des Vulkanus.

Apollo und Merkur.

Apollo. Was lachst du so, MerkurIch hoffe von denen, die das Original lesen können, leicht Verzeihung zu erhalten, daß ich mir in diesem Dialog etwas mehr Freyheit als gewöhnlich erlaubt habe. Es war gleich nöthig, bald deutlicher, bald undeutlicher im Ausdruck zu seyn als Lukian; und, auch außerdem, wäre es ohne eine gewisse Freyheit nicht möglich gewesen, dieses Stück der Chronique scandaleuse des Himmels mit der gehörigen Laune zu erzählen.?

Merkur. Über etwas sehr lächerliches, das ich gesehen habe, Apollo.

Apollo. So laß hören, damit ich dir lachen helfen kann.

Merkur. Venus ist mit ihrem Mars über der That ertappt worden, und Vulkan hat sie so künstlich gefangen, daß sie gar nicht los kommen können.

Apollo. Wie machte er das? das muß eine lustige Geschichte seyn!

Merkur. Er merkte schon lange was, denke ich, und lauerte nur auf eine gute Gelegenheit, das künstliche Netz (wovon ich dir neulich sagte) anzubringen; und da er sie gefunden zu haben glaubte, legte er's um sein Bette, und that als ob er sich, einer Arbeit wegen, nach seiner Werkstätte zu Lemnos begeben müsse. Kaum war er fort, so kommt mein Mars, der sich keiner Hinterlist vermuthen war, in aller Stille angeschlichen: er wird aber vom Helios erblickt, der dem Vulkan sogleich davon Nachricht giebt. Inzwischen besteigen unsere Verliebten das Bette, und – verwickeln sich (du kannst dir einbilden wie?) in dem unsichtbaren Jagdnetze, daß es eine Freude war. Auf einmal kommt Vulkan in eigener Person dazu. Die arme Frau, die sich im Stand der puren Natur befand, hätte vor Schaam vergehen mögen, daß sie nichts hatte, womit sie sich bedecken konnte; der Galan aber hoffte anfangs seine Fesseln zerreissen zu können und sich mit der Flucht zu retten; wie er aber merkte, daß es unmöglich war, legte er sich aufs Bitten.

Apollo. Und was that Vulkan? wickelte er sie loß?

Merkur. Nein, so leicht läßt er sie nicht davon kommen. Er hat alle Götter zusammengerufen, um sie zu Augenzeugen seines Glücks im Ehestande zu machen. Du kannst dir die Verlegenheit und Beschämung der beyden Hauptpersonen, in den Umständen und der Attitüde, worinn sie zusammengestrickt sind, besser vorstellen, als ich sie beschreiben könnte; es ist ein sehenswerthes Schauspiel, das versichere ich dich!

Apollo. Aber schämt sich denn der Grobschmidt nicht, seine eigene Schande so weltkundig zu machen?

Merkur. O zum Jupiter, er steht dabey und lacht noch lauter als alle andern! Ich für meine Person, wenn ich die Wahrheit gestehen soll, konnte mich nicht enthalten, den Mars, wie ich ihn mit der schönsten aller Göttinnen so zusammengeschlungen sah, noch sehr beneidenswürdig zu findenS. die bey diesem Dialog zum Grunde liegende Erzählung dieser erbaulichen Geschichte im VIIIt. Buche der Odyssee. .

Apollo lächelnd. Du wolltest dich also um diesen Preis auch binden lassen?

Merkur. Und du etwa nicht, Apollo? Komm nur und sieh selbst, und wenn du nicht auf den ersten Blick meiner Meinung bist, dann will ich deiner Weisheit eine große Lobrede halten.

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