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Lügengeschichten und Dialoge

Lukian von Samosata: Lügengeschichten und Dialoge - Kapitel 77
Quellenangabe
typenarrative
booktitleLügengeschichten und Dialoge
authorLukian von Samosata
translatorChristoph Martin Wieland
year1985
publisherGreno Verlagsgesellschaft
addressNördlingen
isbn3921568153
titleLügengeschichten und Dialoge
pages3-611
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Göttergespräche.

I.

Befreyung des Prometheus.

Prometheus, Jupiter.

Prometheus. Laß mich los, Jupiter, du hast mich lange und schrecklich genug leiden lassen.

Jupiter. Dich sollt' ich loslassen, dich, der immer noch zu gelinde bestraft wäre, wenn ich dich mit dreymal schwerern Fesseln belegt, und dir den ganzen Kaukasus auf den Kopf gewälzt hätte? Dich, dem sechzehn Geyer für einen nicht nur die Leber sondern die Augen ausfressen sollten, um dich nach Verdienen dafür zu bestrafen, daß du uns eine so widersinnische Art von Thieren wie die Menschen auf die Welt gesetzt, das Feuer vom Himmel gestohlen, und, was noch das ärgste ist, die Weiber erschaffen hast! Denn wie du mich selbst bey der Austheilung des Opferfleisches betrogen, da du mir nichts als Knochen mit Fett bedeckt versetztest und das Fleisch für dich behieltest, davon mag ich gar nicht redenS. den vorhergehenden Dialog..

Prometheus. Bin ich nicht genug dafür gestraft, daß ich schon so viele tausend JahreDie Zeit mag einem in der Lage des armen Prometheus freylich sehr lang vorkommen: indessen waren es doch nach Hygins Angabe, nicht über dreißig Jahre. Nach dem Äschylus, der bis zu seiner Befreyung durch den Herkules dreyzehn Generationen rechnet, hätte er doch immer über 400 Jahre leiden müssen. Aber wer wollte chronologische Richtigkeit in die Mythologie zu bringen versuchen?, an den Kaukasus angeschmiedet, diesen verdammten Adler mit meiner Leber füttern muß?

Jupiter. Und doch ist es nur der kleinste Theil dessen was du zu leiden verdient hast.

Prometheus. Ich verlange meine Freyheit nicht umsonst, Jupiter; ich will dir etwas dafür entdecken, das von der größten Wichtigkeit für dich ist.

Jupiter. Du willst mir was weiß machen, Prometheus?

Prometheus. Was könnte mir's helfen? Du würdest gewiß nicht vergessen, wo der Kaukasus liegt, und es würde dir nicht an Fesseln fehlen, wenn herauskäme, daß ich dir nur eine Nase gedreht hätte.

Jupiter. Erst will ich wissen, was du mir denn entdecken kannst, das eine solche Gnade werth sey?

Prometheus. Wenn ich dir sage wohin du jetzt gehest und was du vorhast, wirst du mir dann glauben was ich dir weissagen will?

Jupiter. Warum nicht?

Prometheus. Du eilest zur Thetis, in der Absicht, sie – wie deine Gemalin zu behandelnσυνεσόμενος αυτη̃. Von Heurathen konnte nicht die Rede seyn, denn Jupiter war schon lange zuvor mit seiner Schwester Juno vermählt. .

Jupiter. Das hat er getroffen! – Aber was nun weiter? Bald sollt' ich glauben, daß du mir die Wahrheit sagen werdest.

Prometheus. Nimm dich vor dieser Nereide in Acht! Denn wird sie von dir schwanger, so hast du von dem Sohne, den sie gebähren wird, das nehmliche zu erwarten, was du deinem Vater Kronus gethan hast.

Jupiter. Das soll so viel sagen als, er werde mich der Regierung berauben?

Prometheus. Das sey ferne, o Jupiter! Aber daß die Verbindung, die du mit ihr vorhast, dich damit bedrohet, ist gewiß.

Jupiter. Um diesen Preis danke ich für die schöne Thetis! – Dich soll Vulkan für die Warnung wieder in Freyheit setzen.

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