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Lügengeschichten und Dialoge

Lukian von Samosata: Lügengeschichten und Dialoge - Kapitel 74
Quellenangabe
typenarrative
booktitleLügengeschichten und Dialoge
authorLukian von Samosata
translatorChristoph Martin Wieland
year1985
publisherGreno Verlagsgesellschaft
addressNördlingen
isbn3921568153
titleLügengeschichten und Dialoge
pages3-611
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Kurzes Schema
der Verwandschaft der Griechischen Götter
und des alten und neuen Götterhofes
zum Behuf der Lukianischen Göttergespräche.

Das erste Götterpaar, war Uranos und Ge, d. i. Himmel und Erde, denen man den Äther und die Hemera, so wie diesen Chaos und die Finsterniß (Achle) zu Eltern gab. Weiter wollte sich der Stammbaum der Götter nicht hinaufführen lassen. Vom Himmel und Erde stammt die Familie der Titanen ab, die in ihren verschiedenen Zweigen, beynahe alle griechischen Götter in sich begreift.

Die bekanntesten unter den Titanen sind: Oce anus, Cöus, Hyperion, Iapetus und Kronos, oder wie ihn die Lateiner nennen, Saturnus: die vornehmsten Titaniden: Tethys, Rhea, Themis, Phöbe, Mnemosyne, Dione und Theia. Diese Titanen und Titaniden sind insgesammt Kinder des Himmels und der Erde, und also Brüder und Schwestern. Ausserdem hatten Uranos und Ge (wie es scheint) noch eine Schwester Thalassa (das Meer) genannt; auch hatte Ge von dem Äther einen Sohn, Nahmens Pontus. Dieser zeugte mit Thalassa den Nereus, den Vater der unter dem allgemeinen Nahmen der Nereiden bekannten Meergöttinnen.

Oceanus zeugte mit seiner Schwester Tethys eine unzählige Menge von Töchtern, unter welchen hier nur Amphitrite, Doris, und Metis, zu bemerken sind. Die erste vermählte sich mit Neptun, die zweyte mit Nereus, und die dritte war Jupiters erste Gemahlin, und gewißermaßen die Mutter der Minerva. (S. Das 8te Göttergespräch.)

Der Titan Cöus zeugte mit seiner Schwester Phöbe die Latona, welche Jupitern zum Vater von Apollo und Dianen (Artemis) machte;

Hyperion mit seiner Schwester Theia den Helios (Sol), die Selene (Luna) und die Aurora.

Iapetus wurde durch Clymene, eine Tochter des Oceanus, Vater von Prometheus, dem Menschenschöpfer, und von Atlas, mit dessen Tochter Maja Jupiter in der Folge den Merkurius (Hermes) zeugte.

Kronos, oder Saturnus, wiewohl der jüngste unter den Titanen, fand Mittel, mit Hülfe seiner Brüder sich des Thrones zu bemächtigen. Er vermählte sich mit seiner Schwester Rhea, und Jupiter (Zeus), Neptun (Poseidon) und Pluto, nebst Juno (Here), Ceres (Demeter) und Vesta (Hestia) waren die Früchte dieser Ehe.

Alle zuvor benannten Kinder, Enkel und Urenkel des Uranos machten den Hof des Saturnus oder den alten Götterhof aus, und die verschiedenen Departements der Weltregierung waren unter einige derselben vertheilt.

Aber Jupiter spielte mit seinem Vater Kronos die nehmliche Tragödie, welche dieser mit dem seinigen gespielt hatte; er stieß ihn vom Throne, bemächtigte sich der Regierung, machte große Veränderungen in derselben, und besetzte die Haupt-Departements theils mit seinen Brüdern, theils in der Folge mit seinen Söhnen und Töchtern, so daß nach und nach die alten Götter von ihren Ämtern verdrängt wurden, und z. B. Neptun an die Stelle des Pontus, Apollo an den Platz des Helios, Diana an die Stelle der Selene kam, die alten Titanen aber, die mit diesen Neuerungen nicht zufrieden waren, in den Tartarus verstoßen wurden.

Jupiter zeugte (ausser seinen schon benannten Kindern) mit seiner Schwester und Gemahlin Juno, den Mars (Ares) und Vulcan (Hephästos), mit der Ceres die Proserpina (Persephone), mit Dione die Venus, mit Mnemosyne die Musen, mit Themis die Horen, u. s. w. und mit einer Menge anderer Nymphen und Sterblichen eine unendliche Menge Halbgötter und Heroen, wovon einige, als Bacchus und Herkules in der Folge den Göttern vom ersten Range beygefügt wurden.

Die zahllose Familie der Nymphen, deren hier noch erwähnt werden muß, theilte sich in zwey Hauptclassen: die Oreaden, Napäen, Dryaden und Hamadryaden, und die Nereiden und Najaden. Alle diese Göttinnen vom zweyten Range waren theils Töchter des Nereus und der Doris, theils andern, bekannten oder unbekannten, Ursprungs. Ihnen correspondirten die Meer- Fluß- und Waldgötter und die Götter der Winde welche, wie leicht zu erachten, es nach dem Beyspiel ihrer Obern nicht an sich fehlen ließen, das Göttergeschlecht mit sterblichen und unsterblichen Schönen ins Unendliche zu vermehren.

Unter den alten Göttern, welche Lukian in seinen Gesprächen aufführt, ist einer, der ohne jemals Tempel oder Altäre gehabt zu haben, es, was den Adel seiner Geburt betrifft, mit Jupitern selbst aufnehmen konnte. Dieß ist Momus, ein Sohn der Nacht (sein Vater ist ungewiß) und also, da diese für eine Schwester des Äthers, oder (was wenigstens schicklicher wäre) der Hemera des Tages ausgegeben wird, Geschwisterkind mit Uranus; welche hohe Abstammung vermuthlich auch die Ursache ist, warum die übrigen Götter und Jupiter selbst sich bey Gelegenheit die derbsten Wahrheiten und bittersten Sarkasmen mit der größten Geduld von ihm sagen lassen.

Ausser diesem sind noch einige alte Götter zu bemerken, die nicht vom Titanischen Geschlechte, sondern Kinder der Nacht oder Finsterniß, und also gleichsam gebohrne Bewohner des Hades oder Todtenreichs sind, worin ihnen die vulgare Theologie der Griechen verschiedene Ämter und Verrichtungen angewiesen hat. Die vornehmsten derselben sind die Parzen, oder Schicksalsgöttinnen, Erinnyen oder Furien, per euphemiam Eumeniden genannt, Hekate, eine sehr geheimnisvolle Gottheit, über deren Abstammung und Natur ihre Verehrer selbst ungewiß waren, und Charon, der Fährmann der Todten über den Stygischen See. Über sie alle scheint Erebus, ein Sohn des Chaos (nach dem Hesiodus) geherrscht zu haben, bis nach der Entthronung Saturnus und bey der Theilung der Welt zwischen Jupitern und seinen Brüdern, der jüngste derselben, Pluto, die Regierung der unterirdischen Welt zu seinem Antheil empfing. Wie aber Tartarus, eine andere ebenfalls aus dem Chaos entstandene Höllengottheit, vom Erebus verschieden sey, oder ob sie nicht beyde, als bloße Personificationen des zunächst ans Nichtseyn angrenzenden Zustandes der Todten oder ihres Aufenthalts, im Grunde für ein und eben dieselbe allegorische Person zu achten seyen, ist schwerlich auszumachen; wenigstens ist hier nicht der Ort zu solchen Untersuchungen.

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