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Louba der Spieler

Edgar Wallace: Louba der Spieler - Kapitel 7
Quellenangabe
pfad/wallacee/louba/louba.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
titleLouba der Spieler
publisherGoldmann Verlag
translatorCarl Wehner
editorFriedrich A. Hofschuster
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
printrun12. Auflage
isbn3442001633
year1982
created20111028
projectida7c69ec8
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6

»Erkennen Sie mich nicht mehr, Miller?«

Die Jahre waren nicht spurlos an Charles Berry vorübergegangen, aber trotzdem war Miller gleich über ihn im Bilde. Er hatte noch eine ganz persönliche Erinnerung an Mr. Berry, weil er einmal von Louba angefahren worden war, als er etwas über den Zweck von Berrys Besuchen hatte herausbekommen wollen.

»Wie geht es Ihnen, Miller?« fuhr Berry fort und streckte ihm leutselig die Hand entgegen.

»Danke, Sir. Und Ihnen?« fragte Miller zurück.

Es war offenkundig, daß sich Berry auf freundschaftlichen Fuß mit ihm stellen wollte.

Sie hatten sich eben vor Braymore House getroffen. Es war ein kalter, feuchter Abend.

»Bin gerade nach England zurückgekehrt«, sagte Berry. »Haben Sie etwas Besonderes vor?«

»Ich bringe Herrn Louba die Nachmittagspost in den Elect Club.«

»Hm – ist er dort?«

»Ja. Wollen Sie ihn sprechen?«

»Deswegen bin ich nach England zurückgekommen. Wahrscheinlich werde ich ihm aus verschiedenen Gründen die Hölle heiß machen. Hören Sie mal, wollen wir nicht ein Gläschen zusammen trinken – oder haben Sie's eilig?«

»Auf fünf Minuten kommt es mir nicht an.«

Sie gingen nebeneinander her. Der naßkalte Wind pfiff ihnen um die Ohren.

»Was haben Sie gegen Herrn Louba?« fragte Miller neugierig.

»Höchst einfach – er zahlt mir nicht, was er mir schuldet. Wie steht es nach Ihrer Meinung mit seinen Finanzen? Ist etwas faul?«

»Wie kommen Sie darauf?«

»Wissen Sie etwas?«

Sie schauten einander unsicher an.

»Reden wir nicht lange darum herum«, sagte Berry. »Es ist das vernünftigste, wir schenken einander gleich reinen Wein ein. Louba ist im Rückstand mit seinen Zahlungen an mich, und ich frage mich, ob ihm das Geld ausgeht. Wie steht es bei Ihnen?«

»Meinen Lohn hat er auch noch nicht bezahlt«, brummte Miller.

»Oho...!«

Berry begann zu grübeln. Dann wandte er plötzlich den Kopf und machte Miller auf einen kleinen Mann aufmerksam, der ihnen schon seit einiger Zeit gefolgt war.

»Kennen Sie den Burschen da?« fragte er. »Er kommt mir irgendwie bekannt vor...«

»Wie er heißt, weiß ich nicht, ich habe ihn hier schon öfters herumlungern sehen.«

An der Ecke war ein kleines Restaurant, und als sie es sich an einem der Tische bequem gemacht hatten, wurde Berry vertraulich.

»Offen gesagt – ich habe schon mit Louba gesprochen«, erklärte er.

»Was, seit Ihrer Rückkehr?«

»Ja. Sie waren gerade nicht da. Louba sagte mir, er sei pleite und wolle versuchen, aus dem Land zu verschwinden und dazu so viel Geld wie nur möglich zusammenzukratzen.«

Miller pfiff leise durch die Zähne.

»Feine Kiste! Und wie steht's mit meinem Lohn?«

Berry zuckte die Schultern.

»Erwarten Sie nicht, daß Louba sich darum kümmert!«

»Ich verstehe«, nickte Miller. »Er will mich hereinlegen...«

Berry lachte.

»Warum sollte er Sie besser behandeln als andere, Miller?« meinte er und sah dann plötzlich auf.

Der kleine Mann, den sie auf der Straße beobachtet hatten, betrat das Lokal und nahm an einem Nachbartisch Platz. Berrys unhöfliches Anstarren beantwortete er mit einem arglosen Blinzeln.

»Was will der Bursche nur?« murmelte Berry. Obwohl der Mann völlig harmlos aussah, war er ihm unbehaglich.

»Nach all den Jahren, die ich ihm gedient habe!« funkte Miller dazwischen, dessen Gedanken immer noch bei Louba und seinem persönlichen Groll gegen ihn waren. »Aber ich hatte schon die ganze Zeit über Verdacht...«

»Warum?«

»Ich weiß, daß seine Geschäfte ziemlich schlecht gehen und daß er eine Menge Geld verloren hat. Außerdem entdeckte ich vor einigen Tagen beim Aufräumen einen Paß... Ausgestellt auf einen falschen Namen, aber mit seiner Fotografie darauf.«

»Aha! Er will sich also tatsächlich aus dem Staub machen.«

Berry stürzte sein Glas hinunter und setzte es heftig auf den Tisch.

Miller folgte seinem Beispiel, und Berry bestellte für jeden noch einen Doppelten.

Je mehr sie tranken, desto schändlicher fühlte sich Miller behandelt, und Berry pflichtete ihm eifrig bei. Er war sehr zufrieden mit dem augenblicklichen Geisteszustand des Dieners. Als er einmal zufällig aufsah, entdeckte er, daß ihnen der kleine Mann mit geradezu unverfrorener Neugierde zuhörte.

»Freundchen«, sagte Berry vernehmlich. »Erzählen wir uns etwas, was Sie interessiert?«

»Entschuldigen Sie vielmals«, entgegnete der kleine Mann. »Aber ich hörte zufällig, daß Sie von Herrn Louba sprachen.«

»Freund von Ihnen?«

»Um Gottes willen, nein, nein! Aber ich interessiere mich sehr für ihn.«

»Ach, warum denn?«

Der kleine Mann zog seinen Stuhl an ihren Tisch.

»Ich habe festgestellt, daß da Costa eine Wohnung im Braymore House hat, die über der Loubas liegt.«

»Das stimmt«, erklärte Miller. »Aber deswegen ist er noch lange kein Freund Loubas.«

»Ich weiß, ich weiß«, gab der kleine Mann zurück. »Deshalb hoffe ich ja auch so stark...«

»Was haben Sie eigentlich mit Louba zu tun?« fragte nun Berry.

»Oh, nicht viel«, erwiderte der kleine Mann sanft. »Ich traf ihn vor Jahren – es ist schon lange her. Ich habe inzwischen nie die Hoffnung verloren, daß... Besonders hoffe ich auf da Costa. Sie hatten wieder Streit miteinander. Daß sie Konkurrenten sind, wissen Sie ja. Da Costa vergißt nicht so leicht!«

»Was, zum Teufel, hat denn das alles mit uns zu tun?«

»Oh, verzeihen Sie, vielleicht gar nichts. Ich interessiere mich eben für alles, was Louba betrifft. Es hilft mir... Nicht, daß ich je die Hoffnung verlöre«, flüsterte er und stand auf. »Ich habe davon seit Jahren gezehrt. Und ich kann warten...«

Er machte eine linkische Verbeugung und ging.

Berry tippte sich an die Stirn und wandte sich wieder an Miller.

»Total verrückt«, sagte er. »Aber nun hören Sie mal, Miller – können wir nicht verhindern, daß dieser Louba sein ganzes Geld zusammenrafft und sich aus dem Staub macht?«

»Ich wüßte nicht wie!«

»Hm – wir können nicht verhindern, daß er ausreißt, aber wir könnten uns wenigstens vorher einen Teil seiner Beute sichern. Sie sind doch mit ihm in derselben Wohnung...«

Miller setzte sein Glas so hastig ab, daß ein Teil des Whiskys auf die marmorne Tischplatte überschwappte.

»Was soll das heißen? Halten Sie mich für einen Dieb?«

»Dann würde ich mich überhaupt nicht mit Ihnen unterhalten«, antwortete Berry mit etwas übertriebener Großspurigkeit.

»Was soll dann diese Andeutung, daß ich in derselben Wohnung mit Louba bin?«

»Nun, Sie könnten immerhin dafür sorgen, daß er nicht allein von dem Geld profitiert, das er von anderen ergaunert hat«, erklärte Berry mit gespielter Entrüstung. »Diesem Kerl das Geld wegzunehmen, das ihm überhaupt nicht gehört, ist geradezu eine gute Tat! Ich sage Ihnen, ich würde mir nichts daraus machen, einen Schurken wie Louba auch einmal hereinzulegen.«

»Hm, in der Theorie sieht das ganz gut aus«, brummte Miller. »Da stimme ich Ihnen bei. Aber wenn es zur Praxis kommt...« Er schüttelte den Kopf. »Ich will das Risiko nicht übernehmen, einem Richter den Unterschied zwischen Recht und Unrecht klarzumachen.«

»Nur keine Sorge, das eigentliche Risiko übernehme ich schon selbst«, versprach Berry. »Sie haben nichts zu tun, als die Augen offenzuhalten – sofort wenn eine größere Summe im Haus ist, sagen Sie es mir. Das Ding drehe ich dann allein, wenn nur Sie die Gelegenheit ausbaldowern. Und wir teilen fifty-fifty, als ob Sie genausoviel Risiko übernommen hätten. Na, was halten Sie davon?«

Miller sagte eine ganze Weile überhaupt nichts. Eigentlich war er viel zu furchtsam, um den Vorschlag überhaupt ernsthaft zu diskutieren. – Aber er fuhr fort zu trinken, und je mehr er trank, desto mehr verdüsterte sich sein Gesicht, denn die Ungerechtigkeit seines Herrn wuchs in seinen Augen kongenial zu der Menge des vertilgten Whiskys.

Charles Berry verlor nicht die Geduld und ließ ein frisches Glas nach dem anderen auffahren.

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