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Louba der Spieler

Edgar Wallace: Louba der Spieler - Kapitel 6
Quellenangabe
pfad/wallacee/louba/louba.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
titleLouba der Spieler
publisherGoldmann Verlag
translatorCarl Wehner
editorFriedrich A. Hofschuster
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
printrun12. Auflage
isbn3442001633
year1982
created20111028
projectida7c69ec8
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5

»Liebe Kate, ich weiß mir kein größeres Vergnügen, als dich mit meinen vielen Fehlern zu verschonen! Wenn es mir nicht gelingt – rege dich nicht darüber auf. Ich bitte dich inständig!«

Abgestumpft und fast gleichgültig schaute sie ihn an. Sein hämisches Lächeln, sein frecher Blick, selbst die offene Verachtung in seinen Augen konnten sie längst nicht mehr aufregen.

Mit halboffenem Mund wartete sie auf die Fortsetzung seiner Rede. Der Spott in seinem Ton, seine gehobene Laune bedeuteten nichts Gutes. Das wußte sie aus bitterer Erfahrung.

»Ich habe das Mißgeschick, dir schon seit einiger Zeit zu mißfallen«, fuhr er endlich fort. »Das quält mich..., und ich will unbedingt dein Glück vor meinem eigenen berücksichtigen.«

Er zündete sich sorgfältig eine Zigarre an und warf das Streichholz in den dunklen Garten hinaus.

Im Zimmer war kein Licht. Sie standen sich in dem matten gelben Schein gegenüber, der durch die Glasscheibe der Tür fiel.

Sie war eben aus den hellerleuchteten Räumen geflohen, in denen Louba sein altes Geschäft betrieb – sich auf Kosten anderer Leute zu bereichern. In diesem kleinen Zimmer auf der Rückseite des Lokals saß sie abends gewöhnlich stundenlang.

»Hast du vorhin wirklich den jungen Amerikaner beim Spiel betrogen?« fragte sie.

»Sei nicht so zimperlich, liebste Kate«, versetzte er höhnisch. »Dein Verhalten war – zum mindesten unbesonnen und hätte zweifellos Folgen gehabt, wenn ich nicht so geschickt reagiert hätte. Im übrigen – sei lieber ruhig... Du bist mir nicht einmal im Geschäft eine Hilfe! Dabei habe ich dich aus lauter Rücksicht auf deine gute Erziehung nicht einmal gebeten, im Kabarett als Tänzerin aufzutreten. Ich habe nicht mehr und nicht weniger von dir verlangt, als daß du an den Spieltischen präsidierst und möglichst hübsch aussiehst.«

Gelangweilt zog er die Schultern in die Höhe.

»Vielleicht kannst du tatsächlich nichts dafür, daß du nicht mehr hübsch bist – aber das ist noch lange kein Grund, meine Kundschaft mit deinem unfreundlichen Gesicht anzuöden.«

»Nun, und weiter...?« fragte sie. Es war ihr klar, daß dies alles nur die Einleitung war.

»Da ich dich nicht mehr glücklich machen kann, habe ich beschlossen, dich an jemand abzutreten, der es bestimmt fertigbringt.«

»Abtreten... mich...?« Sie lehnte sich weit vor. Ihr weißes Gesicht zeichnete sich im Lichtschimmer, der durch die Tür fiel, scharf gegen die Dunkelheit des Zimmers ab.

Er hob die Hand.

»Nur keine Mißverständnisse, Kate! Ich spreche von einem Gatten für dich, und ich werde höchstpersönlich dafür sorgen, daß die Ehe glücklich wird.«

Sie griff sich an den Hals, konnte aber keine Worte hervorbringen.

»Keine Angst, keine Angst – ein alter Freund von dir ... Charles Berry ist der Glückliche. Du liebst ihn doch, wie?« fragte Louba im sanftesten Tonfall und mit verstecktem Spott.

»Ich soll Charles Berry heiraten?« Sie rang nach Atem. »Niemals!«

»Doch, liebe Kate. Du heiratest ihn bestimmt – weil ich es will!«

»Und ich will es nicht!«

»Das sagst du mir, sozusagen deinem Vormund? Wie könnte ich je wieder nach England zurückkehren, wenn ich dich unbeschützt hier lassen müßte? Glaubst du, ich hätte kein Gewissen?«

Die Situation bereitete ihm ein köstliches Vergnügen. Aber bevor er fortfahren konnte, wurde die Tür hinter ihnen aufgerissen, und ein Mann stürzte herein.

»Louba, sind Sie hier?« fragte eine heisere Stimme.

»Ja. Wer sind Sie?«

»Vacilesco. – Verstecken Sie etwas für mich, Louba! Nur so lange, bis ich meine Verfolger los bin...«

Er brach ab und lauschte. Vom Gang her hörte man Schritte.

»Sie sind mir schon auf den Fersen! Hier, verstecken Sie dies – ich beteilige Sie am Erlös, Louba!«

Er drückte Louba etwas in die Hand, sprang auf das niedrige Fensterbrett, von dort in den Garten und rannte in Richtung der Gartenmauer davon.

Louba konnte den Gegenstand eben noch blitzschnell unter dem nächsten Kissen verstecken, als die Tür von neuem aufflog.

»Was ist denn schon wieder los? Wer seid Ihr?« herrschte er die Eindringlinge an und drehte den Lichtschalter.

Kate erblickte drei ziemlich finstere Gesellen, von denen der eine hastig hervorstieß:

»Hier kam jemand herein... Wo ist er?«

Louba zeigte wortlos nach dem Garten, und ohne auf weitere Erklärungen zu warten, schwangen sich die Männer durch das Fenster und waren gleich darauf in der Dunkelheit verschwunden.

»Du bleibst hier und gibst auf das Ding acht!« befahl Louba der zitternden Frau. Dann folgte er den Männern. Aus Teilhaberschaften hatte er sich noch nie viel gemacht ...

Vorsichtig eilte er dem Laut der Schritte nach, die er deutlich vor sich auf dem kiesbestreuten Gartenweg hörte.

Kurz vor der hohen Mauer, die den parkartigen Garten des Hauses umgab, erreichten die Verfolger ihr Opfer. Louba kauerte sich in den Schatten eines Gebüsches.

Er sah die miteinander ringenden Gestalten, hörte das Schurren der Füße, das Keuchen ... Dann plötzlich ein halberstickter Schrei und – Stille...

Scharf spähend unterschied er, wie die drei sich an dem am Boden liegenden Mann zu schaffen machten, nach kurzer Zeit aufstanden, einen Moment beratschlagten und dann in der dem Loubaschen Hause entgegengesetzten Richtung davonliefen.

Nach ein oder zwei Minuten schlich er zu der stillen, an der Erde liegenden Gestalt und untersuchte sie kurz.

Mit leisen Schritten kehrte er dann zum Haus zurück.

Kate saß noch so da, wie er sie verlassen hatte.

»Was ist passiert?« fragte sie schnell, durch die vielsagende Art, mit der er seine Hände und seine Kleider auf Blutflecken untersuchte, erschreckt.

»Ich fürchte, die Burschen haben Vacilesco erstochen. Aber das geht uns nichts an – verstehst du? Wir wissen von nichts!« entgegnete er drohend. »Daß du mir ja keinen Fehler machst, Kate!«

Er schloß die Fenster und zog die Vorhänge zu, bevor er seine Beute unter dem Kissen hervorholte und untersuchte.

Es war ein mit bunten Glasperlen aller Art verziertes Holzkästchen. In der Mitte einiger zu Ornamenten verschlungener Perlenreihen trug es jeweils ein paar Simili-Edelsteine.

Erwartungsvoll klappte er den Deckel auf und war enttäuscht, als er es leer fand.

»Vacilesco ist anscheinend zu spät damit fortgerannt«, brummte er zynisch. »Sonderbar...«

Das Kästchen war innen mit weißem Seidenstoff ausgeschlagen, nur der Boden war wie auf der Außenseite mit Glasperlen und farbigem Glas belegt. Als er seine Finger darübergleiten ließ, entdeckte er zufällig eine Feder, durch die der falsche Boden sich öffnen ließ.

Einen Moment grinste er vergnügt, aber schon der nächste Blick zeigte ihm, daß auch der Raum darunter leer war.

Stirnrunzelnd überlegte er eine Weile... Dann zuckte er gleichgültig mit den Schultern.

»Na, Vacilesco hat dafür gezahlt – nicht ich!«

Er stellte das Kästchen auf den Tisch und nahm sich eine Zigarre.

»Du wolltest mir vorhin etwas mitteilen«, sagte Kate und beobachtete ihn scharf. »Was soll das heißen: ich soll Charles Berry heiraten?«

»Genau das soll es heißen, und nichts anderes. Wir trennen uns, du und ich; aber zuerst verheirate ich dich. Der zweite Stock von Braymore House in London, wo du so angenehme Stunden verbracht hast, gehört noch mir – ich werde bald dorthin zurückkehren. Aus Gründen, die du nicht erraten kannst, ist es mir lieb, dich als Frau Berry hierzulassen.«

»Ist das dein Ernst...? Das ist doch selbst für dich fast zu schmutzig und gemein!« stieß sie hervor.

»Schmutzig? Gemein? So eine Undankbarkeit! Denk nur daran, wie ich dich hätte sitzenlassen können! Ja...«

Er brach plötzlich ab, als seine Augen zufällig auf das Kästchen fielen.

»Jetzt weiß ich es wieder!« rief er triumphierend. »Ich habe das Ding schon einmal gesehen. Ja, ja – es war...«

»Ich will nichts davon hören!« schrie sie. »Bleib bitte bei unserer Unterhaltung!«

»Oh, ich sah das Kästchen zu einer Zeit, an die du dich sehr gerne erinnerst«, spottete er. »Entsinnst du dich nicht, daß wir während unserer, ach so schönen, Flitterwochen einmal zusammen im Bazar waren und beobachteten, wie jemand einen unerhörten Preis für ein Kästchen zahlte...?«

»Sei ruhig!« Sie hielt verzweifelt die Hände vors Gesicht.

Er lachte.

»Wie schade, daß solche Zeiten nicht ewig dauern, Kate, wie?«

»Ich erinnere mich eben an einen Mann, der mich warnte«, erwiderte sie bitter. »An jenem Tag ... ich schlug seine Warnung in den Wind.« Sie wandte ihr Gesicht ab.

»An jenem Tag? Ich wüßte nicht, wer damals mit dir gesprochen hätte... Aber das ist ja auch gleichgültig. Ich muß zurück zu meinen Gästen – meinen Opfern, wenn du das lieber hörst.«

Wieder fiel sein Blick auf das Kästchen.

»Ich will es als Andenken an dich aufheben, o geliebte Kate ... als Andenken an unsere bezaubernde Idylle.«

Er ging grinsend zur Tür, konnte sich aber einen letzten Hieb nicht versagen.

»Du brauchst natürlich kein solches Andenken! Das Kompliment kann ich mir schon machen, daß du mich bestimmt nie vergißt.« Lachend schlug er die Tür hinter sich zu.

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