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Louba der Spieler

Edgar Wallace: Louba der Spieler - Kapitel 4
Quellenangabe
pfad/wallacee/louba/louba.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
titleLouba der Spieler
publisherGoldmann Verlag
translatorCarl Wehner
editorFriedrich A. Hofschuster
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
printrun12. Auflage
isbn3442001633
year1982
created20111028
projectida7c69ec8
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3

Das Zimmer unterschied sich sehr wesentlich von einer Mietwohnung, wie sie im Londoner Westend üblich ist.

Orient-Teppiche und stickereiverzierte Seidenstoffe lagen verstreut umher, arabische Sitzkissen aus Leder gab es im Überfluß. Neben einer breiten Ottomane stand ein Nargileh, dessen blaßblauer Rauch sich langsam zur Decke emporkräuselte. Die süßlich duftenden Rauchringe einer parfümierten Zigarette, die ein auf dem Fußboden kauerndes Mädchen zwischen den Fingern hielt, vermischten sich damit.

Die einzige Beleuchtung spendete eine grotesk getriebene Bronzelaterne, die an Ketten von der Decke herabhing. Ihr melancholisches, düsteres Licht fiel auf die glänzend schwarzen Haare eines Mannes, der neben der Wasserpfeife hockte. Seine westeuropäische Kleidung wurde durch einen bestickten Kaftan verdeckt. Für das Mädchen, dessen Träume von dem Zauber des Ostens durch die bizarren Effekte um sie herum in Erfüllung gegangen schienen, war er eine Gestalt von echtester Romantik. Sein gebrochenes Englisch paßte zu ihm und erhöhte den Reiz noch erheblich.

»Sie scheinen Kairo schon zu kennen?« bemerkte er eben.

»Nein, nur das wenige, was mir Jimmy von der Stadt erzählt hat. Er wußte immer so interessante Dinge.«

»Aber jetzt sind sie nicht mehr interessant?« fragte Louba.

Sie schnitt eine reizende kleine Grimasse.

»Er sprach bald nur noch über Mord und Totschlag und seinen Polizeidienst – kein Wort mehr von Romantik und Kairo und Bagdad. Lassen wir ihn aus dem Spiel! Wenn ich hier in diesem Zimmer bin, möchte ich vergessen, daß um uns herum London und England liegt. Ich möchte die langweiligen Spießbürger und ihre faden Vergnügungen vergessen und wenigstens für ein paar Stunden in einem Traum leben.«

»Es ist nett von Ihnen, zu erklären, daß ich schöne Träume für Sie mache. Sie bedauern doch unsere Zusammenkünfte nicht? Oder sind Ihnen die kleinen Unannehmlichkeiten, die Sie dabei in Kauf nehmen müssen, zuviel?«

»Mir ist alles egal, wenn ich nur ab und zu ein wenig hierher flüchten kann.«

»Schade, daß Sie dazu jedesmal entfliehen müssen«, murmelte er. »Wäre es nicht viel schöner, wenn Sie die ganze Zeit im Orient leben könnten? Wenn Sie sich nicht durch ein Zimmer mit orientalischen Teppichen und Schnitzereien täuschen lassen müßten, sondern mitten im geheimsten Herzen des Orients selbst wären? Eingetaucht in die Tiefen seiner jahrhundertealten Geheimnisse ...«

»Bitte, nicht ...! Sie machen mich ganz unglücklich! Das werde ich ja doch nie erleben – und möchte es so gerne.«

»Warum sollen Sie es nicht erleben, Kate? Nur die Fesseln der spießigen Gesellschaft, die Sie selbst verachten, halten Sie zurück!«

»Wer kommt?« unterbrach sie ihn erschrocken und hielt die Zigarette steif von sich weg.

Die Klingel hatte geläutet, und er wandte den Kopf.

»Ich erwarte niemand«, sagte er. »Miller wird schon aufpassen.«

Sein Diener Miller öffnete gerade zwei Herren, die er nicht gut von sich aus abweisen konnte, die Tür. Er bat sie, einen Moment zu warten, während er sie anmeldete.

»Wer ist da?« rief Louba, als der Diener an der Tür klopfte.

Das Mädchen sprang entsetzt auf, als es die Namen hörte.

»Papa und Jimmy! Um Gottes willen – lassen Sie mich weg! Wie komme ich hinaus?«

»Die Treppen können Sie nicht mehr benützen. Bleibt nur das Fenster. Vielleicht ist es besser, ich empfange die Herren erst gar nicht«, beruhigte sie Louba.

»Das geht nicht! Jimmy schöpft sofort Verdacht. Wie kann man durch das Fenster entkommen?«

»Über die Feuerleiter. Allerdings wird die Alarmvorrichtung läuten ... Wenn Sie unten ankommen, müssen Sie schnell um die Hinterfront des Hauses herumlaufen, damit Sie niemand sieht. Keine Angst, es wird schon gutgehen.«

Er hatte das Fenster aufgeklinkt und zog wie besessen daran, um es zu öffnen. Alle Kraftanwendung nützte nichts, und er rannte zur Tür, vor der Miller wartete.

»Was ist mit dem Fenster los, Miller?« rief er hinaus.

»Der Riegel, Sir, der Riegel am unteren Rahmen!«

Louba lief zurück zu dem Fenster, vor dem schluchzend das Mädchen stand.

»Ist es nicht doch besser, wenn ich die Herren wegschicke?« flüsterte Louba und riß sich dabei die Finger blutig bei dem vergeblichen Versuch, den verklemmten Riegel zu lockern.

»Nein, nein!« Das Mädchen war völlig kopflos vor Aufregung. »Jimmy sah, wie wir einmal ein paar Worte miteinander wechselten – er wird etwas erraten. Ich muß fort, und wenn wir das Fenster einschlagen müssen!«

Endlich gelang es ihm, den Riegel hochzuziehen und das Fenster aufzustoßen. Ohne ein Wort des Abschieds stieg sie hastig auf den Sims und kletterte in wilder Eile die Feuerleiter hinunter. Die letzten Sprossen übersprang sie, nur einen kurzen Moment schrillte die zur Sicherung gegen Einbrecher dort angebrachte Alarmklingel, dann stand sie auf der Erde und verschwand gleich darauf in der nebligen Dunkelheit des Londoner Abends.

»Miller, lassen Sie die Leute herein«, rief Louba und öffnete die Tür.

Hastig wickelte er sich ein Taschentuch um den verletzten Finger und ging dann den Gästen entgegen.

»Entschuldigen Sie, daß ich Sie so lange warten ließ! Ich war ein wenig eingeschlafen ..., aber ich freue mich sehr, Sie zu sehen – treten Sie doch näher.«

Die Besucher schienen etwas anderes erwartet zu haben, und nach ganz kurzer Zeit verabschiedeten sie sich wieder ziemlich verlegen.

Gleich nachdem die Tür zugefallen war, verflog die Höflichkeit auf Loubas Gesicht und machte einem mürrischen Ausdruck Platz. »Miller!«

»Jawohl, Sir«, der Diener erschien sofort.

»Warum war der Fensterriegel so verklemmt? Ich habe mir einen Nagel abgebrochen, bevor ich ihn verschieben konnte.«

»Ich hatte ihn mit dem Hammer festgeschlagen, Sir. Im Hinblick auf die Feuertreppe vor dem Fenster erschien mir das sicherer.«

»Mußten Sie das so machen, daß ich fast das ganze Gebäude aus dem Fundament heben mußte, um das Fenster öffnen zu können?« fragte Louba ärgerlich.

»An einem nebligen Abend wie heute kann man die Wohnung nicht fest genug verschließen, Sir«, entgegnete Miller mit einem schwachen Versuch, die Sache auf die leichte Schulter zu nehmen. Die schlechte Laune seines Herrn wurde dadurch nicht besser.

»Was soll denn das heißen?« rief Louba mißtrauisch.

»Nichts Besonderes«, erwiderte der Diener mit dem unschuldigsten Gesicht der Welt. »Ich meinte nur, daß Sie sich vor Einbrechern schützen sollten.«

Louba knurrte ungeduldig und ging ins Zimmer zurück.

Er blickte aus dem Fenster, verfolgte mit den Augen die schwachen Konturen der Feuertreppe. Allerdings, auf diesem Weg konnte man leicht einbrechen ...

Langsam schloß er die Fensterflügel, zog die Vorhänge ganz dicht zu und ging dann zur Zimmermitte – dort blieb er stehen und kaute nachdenklich an einem Finger.

Er war ein vielgehaßter Mann. Es gab Leute ... Ach was! Verächtlich zuckte er mit den Schultern.

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