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Louba der Spieler

Edgar Wallace: Louba der Spieler - Kapitel 33
Quellenangabe
pfad/wallacee/louba/louba.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
titleLouba der Spieler
publisherGoldmann Verlag
translatorCarl Wehner
editorFriedrich A. Hofschuster
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
printrun12. Auflage
isbn3442001633
year1982
created20111028
projectida7c69ec8
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32

»Mein lieber Leamington!

Vor einigen Monaten, kurz bevor ich meine Ferienreise antrat, einen Urlaub, von dem zurückzukehren ich weder wollte noch beabsichtigte, sagten Sie mir ganz im Vertrauen, daß Sie alles daransetzen würden, dem wirklichen Mörder Emil Loubas zu helfen. Sie kannten die Schlechtigkeit Loubas so genau, daß Sie sogar sagten, Sie würden nicht zögern, dem, der ihn tötete, die Hand zu reichen. Aus diesem Grund, weil ich Ihre Aufrichtigkeit und Ehrenhaftigkeit kenne und volles Vertrauen zu Ihrer Verschwiegenheit habe, möchte ich Ihnen jetzt den genauen Bericht geben, wie Louba wirklich starb.

Zuerst muß ich mich selbst kurz erwähnen. Ich wurde in dem Dorf Buckfast-on-the-Moore in der Grafschaft Devonshire geboren. Mein Vater war ein kleiner Grundbesitzer, ein Mann, der sich nebenbei als geschickter Tierarzt eines guten Rufes erfreute. Meine Mutter stammte aus Gloucestershire, und ich kann sie mir heute noch als Vorbild einer wirklichen Dame vorstellen.

Nach meinem Studium auf der Universität Cambridge praktizierte ich als junger Arzt beim St.-Bartholomew-Hospital. Während ich dort war, starben mein Vater und meine Mutter kurz hintereinander und hinterließen ihr Vermögen zu gleichen Teilen mir und meinem lieben Bruder Philipp.

Philipp interessierte sich sehr für die Landwirtschaft und bewirtschaftete unser Gut weiter. Er machte das so geschickt, daß das Grundstück bald einen erheblichen Gewinn für uns beide abwarf.

Nach einiger Zeit kaufte ich mir eine Praxis in Exeter und war schon im Alter von fünfunddreißig Jahren einer der besten Ärzte in dieser Stadt.

Noch während ich studierte, heiratete Philipp ein sehr hübsches und liebenswürdiges Mädchen. Schon damals hatte ich um meinen Bruder Sorge, da er lungenkrank war.

Philipps Frau war mir vom ersten Augenblick an sehr sympathisch; als die beiden ein reizendes Töchterchen erhielten, war ich selbst der glücklichste Mensch. Philipp nannte das Mädchen nach unserer Mutter Kathleen. Hätte ich doch damals schon gewußt, was für ein Schicksal die arme Kleine erwartete ...

Elisabeth, die Frau Philipps, wurde nach der Geburt sehr krank und erholte sich nie mehr richtig. Kate war sieben Jahre alt, als ihre Mutter starb. Mein armer Bruder folgte ihr drei Monate später ins Grab, und ich nahm das verwaiste Kind in Obhut. Meine Praxis in Exeter gab ich auf und kaufte mir ein Haus in der Devonshire Street. In meinem Beruf hatte ich stets Glück, und auch in London füllte sich mein Sprechzimmer bald mit einer unaufhörlichen Kette von Patienten.

Das Gut war verkauft worden und hatte eine sehr große Summe eingebracht.

Kate blieb bis zu ihrem zehnten Lebensjahr bei mir, dann sandte ich sie in eine ausgezeichnete Schule nach Gloucestershire, wo sie sehr glücklich und zufrieden aufwuchs.

Die Zeit, die nun folgte, verlief sehr ruhig. Mit vierzehn Jahren schickte ich Kate in eine der besten Mädchenoberschulen Englands nach Cheltenham. Sie war restlos glücklich. Schon damals entdeckte ich in ihrem Charakter eine sehr romantische Ader, die mich aber nicht sehr beunruhigte – sie war ja ein junges Mädchen. Vor allem liebte sie den Orient und alles, was damit zusammenhing. In ihren Ferientagen, die wir sehr vergnügt miteinander verbrachten, pflegte sie von nichts anderem als von den Wundern des Orients, des neuen und des alten, zu schwärmen. Die Dichter des Ostens kannte sie alle – Hafiz zitierte sie aus dem Handgelenk. Das alles machte mir Spaß – was hätte ich mir auch dabei denken sollen!

Mit sechzehn Jahren war sie eine reizende junge Dame. Die meisten Ferien, selbst die Sommerferien, verbrachte sie bei mir in der Devonshire Street.

Bei einem solchen Schulurlaub lernte sie Hurley Brown kennen, einen jungen Offizier im West Sussex Regiment, den Sohn eines meiner Exeter-Kollegen, einen anständigen, ordentlichen Menschen, wie man wohl selten einen trifft. Er war auf Urlaub von seinem Regiment, das damals in Ägypten stationiert war. Auch er war ein Bewunderer des Orients, und sie lauschte entzückt seinen farbenfrohen Geschichten aus dem alten Ägypten, seinen Erzählungen von Städten und Menschen des Fernen Ostens.

Obgleich sie erst sechzehn Jahre alt war und er schon zehn Jahre älter, verliebte er sich sofort in sie. Was Kate betrifft, so schwärmte sie wohl nur ein wenig für ihn – wahrscheinlich hauptsächlich wegen der Geschichten, die er ihr so schön erzählte. Zu ihr und auch zu mir sagte er nichts von seiner Liebe. Als er von seinem Großvater etwas Geld erbte, kehrte er nach England zurück. Da gerade das Gut, das wir früher einmal besessen hatten, zum Kauf angeboten wurde, erstand er es und versuchte es auch zu bewirtschaften. In London gehörte ihm eine kleine Wohnung, und hier hielt er sich immer in den Monaten auf, in denen Kate zu ihrem Schulurlaub nach Hause kam.

Natürlich begann ich die Dinge zu erraten, es bedurfte dazu wirklich keiner Sehergabe. Tatsächlich war meine Meinung: Verlobung in zwei, Heirat in drei Jahren. Kate hatte Jim gern – vielleicht nur nicht auf die richtige Art. Einmal sagte sie zu mir: ›Ach, ich wünschte, Jim wäre ein Radscha oder ein Großwesir oder so etwas Ähnliches – er erzählt jetzt gar nicht mehr von Bagdad und Kairo, sondern will sich immer nur über das Verbrechertum im Orient, über den Polizeidienst dort und andere langweilige Sachen mit mir unterhalten.«

Ich gab Jim damals einen Wink, und ich glaube, er verlegte sich sofort wieder auf orientalische Volkskunde bei ihr.

Zu der Zeit, als Kate eben für immer aus Cheltenham zurück nach Hause gekommen war, traf ich Emil Louba. Dr. Clark, ein Kollege von mir, hatte ihn wegen seiner Malariaanfälle behandelt. Aus gesundheitlichen Gründen mußte Clark seine Praxis aufgeben, und auf seine Bitte hin führte ich die Behandlung Loubas weiter und konnte ihn auch heilen. Auf eine gewisse Art hatte ich diesen Louba damals ganz gern – ich hatte ihn in derselben unpersönlichen Art gern, wie etwa die Sahara oder den Tower. Er war ein Kraftmensch, körperlich wie geistig. Er hatte Sinn für Humor und war orientalisch genug, daß ich mich ein wenig mit ihm beschäftigen mußte.

Ich fand, daß er ein recht großzügiger, toleranter Mensch war – nur in einem Punkt nicht. Er haßte Soldaten, besonders englische Soldaten, und am meisten wieder die englischen Offiziere.

»Nichts als Parasiten«, pflegte er zu sagen. ›Sie haben nichts zu tun, als Geld auszugeben und Geld zu borgen, und wenn man es zurückverlangt, dann schicken sie ihre Soldaten und lassen einem das Haus überm Kopf anzünden.«

An dem Tag, an dem Kate aus der Schule zurückkehrte sie kam unverhofft und einen Tag früher, als ich erwartet hatte –, war Emil Louba gerade zum Abendessen bei mir. Das war der Tag, den ich bald verfluchen sollte.

Louba war glänzender Laune, und in einer solchen Stimmung konnte er geradezu bezaubernd sein. So groß und ungeschliffen er auch war, er hatte ein gewisses Etwas ... Ich bemerkte – und war, Gott verzeih mir, wieder nur amüsiert –, daß Kate völlig von ihm fasziniert war. Mitten während des Essens wurde ich zu einem Patienten gerufen. Während meiner Abwesenheit, so kurz sie auch war, muß Louba völlig unvermittelt Kate eine Liebeserklärung gemacht haben. Als ich zurückkam, fielen mir ihre heißen Wangen und ihre leuchtenden Augen auf. Mit einer Verschlagenheit und Geschicklichkeit, gegen die ich nichts ausrichten konnte, hatte er es verstanden, das erste geheime Zusammentreffen mit ihr zu vereinbaren, und diese Zusammenkünfte sollten später eine solch furchtbare Folge haben.

James Hurley Brown kam erst am nächsten Tag. Er hatte sich von Kate getrennt, als sie fast noch ein Kind war; jetzt fand er eine Erwachsene vor. Ihre Einstellung zu ihm hatte sich verändert. Ich selbst merkte es, fand aber Gründe dafür, die in Wirklichkeit weit daneben trafen. Und dann kam für den armen Jim der Höhepunkt seines Unglücks. Als er sie bat, seine Frau zu werden, wurde er fast mit einer brutalen Entschiedenheit zurückgewiesen.

›Ich habe ja Jimmy sehr gern‹, erklärte mir Kate daraufhin einmal. ›Aber er ist ein so praktisch veranlagter Mensch, das genaue Gegenteil von – nun von mir und meinen Idealen.‹

Damals hegte ich noch nicht den mindesten Verdacht. Jimmy ging auf seine Farm zurück, und von seinen veränderten Absichten hörte ich erst, als er mir mitteilte, daß er das Anwesen verpachtet und sich um eine Offiziersstelle im malaiischen Polizeidienst beworben hätte.

Kate tat es leid, daß er ging. Aber sie blieb fest.

Eines Tages traf ich Emil Louba im Club. Er war bester Laune und fragte nach Kate, als ob er sie seit jenem Abend nie wiedergesehen hätte.

›Ein wundervolles Mädchen‹, sagte er begeistert. ›Sie wird bestimmt einen Mann einmal sehr glücklich machen. Ist sie eigentlich verlobt?‹

Der Wahrheit zuwider erklärte ich ihm, sie sei so gut wie verlobt mit einem Freund von mir, Mr. Hurley Brown. Ich bemerkte sofort eine Veränderung in seinen Zügen.

›Hurley Brown!‹ wiederholte er. ›Ist das derselbe Brown, der auf Malta war?‹

Ich sagte, das sei leicht möglich.

Merkwürdigerweise entsann ich mich dieser Unterhaltung später nicht, nicht einmal als Jimmy eines Tages nebenbei erwähnte, daß er einen alten Groll gegen Louba wegen irgendeines Vorfalles auf der Insel hege.

Jimmy kam, um sich zu verabschieden, und Kate legte eine fast grausame Unbekümmertheit an den Tag, obwohl sie später weinte, als er fort war.

Eines Tages traf ich Loubas alten Arzt, Dr. Clark. Er drückte den Wunsch aus, seinen ehemaligen Patienten zu besuchen, und wir ließen uns bei ihm in Braymore House melden. Miller war ein wenig verwirrt, als er uns sah. Er erklärte, sein Herr sei beschäftigt, aber er gebe unsere Karten ab.

Es dauerte eine ziemliche Weile, bis Louba uns vorließ. Das Zimmer war ein wenig in Unordnung. Über den Stühlen hingen seltene und schöne Gewebe des Orients. Eine goldene Wasserpfeife stand am Boden neben der Couch. Es sah aus, als hätten wir eine Gesellschaft gestört.

Wir verabschiedeten uns bald wieder und fanden unten den Portier in heller Aufregung. Jemand hatte die Feuertreppe benutzt und dadurch die Einbrecherklingel in Gang gesetzt. Der Portier war gerade in diesem Augenblick damit beschäftigt, Mieter im Fahrstuhl nach oben zu bringen, und als er wieder zurückkam, war nichts mehr zu sehen.

Ich kam nach Hause und fand Kate in ihrem Zimmer. Das war mir gerade recht, denn sie konnte mir bei einer Laboratoriumsarbeit helfen, die ich ohne meinen Assistenten ausführen wollte. Ich hatte einen gewissen Charles Berry angestellt, der sehr ehrgeizig, aber anscheinend nicht besonders ehrlich war. Verschiedene Male verschwanden wertvolle Laboratoriumsgeräte.

Ich war stets der Meinung gewesen, Kate hätte eine Abneigung gegen ihn, aber in letzter Zeit hatte ich eine Veränderung in ihrem Benehmen ihm gegenüber bemerkt. Sie war sehr höflich zu ihm, und einmal hörte ich sogar, daß sie sich flüsternd mit ihm unterhielt. Damals schenkte ich diesem Umstand aber keine besondere Beachtung.

Im allgemeinen frühstückte ich um neun Uhr, und als ich eines Morgens etwas früher als gewöhnlich herunterkam, erfuhr ich zu meiner Überraschung von der Haushälterin, daß Kate schon ausgegangen sei. Sie wolle sich mit einer Freundin treffen und einige Besorgungen machen. Zum Mittagessen würde sie wahrscheinlich noch nicht zurück sein. Auch das beunruhigte mich nicht weiter, da Kate immer etwas exzentrisch war und mich schon öfter hatte allein frühstücken lassen.

Als ich recht mitgenommen von den Anstrengungen des Tages nach Hause kam, war es fast sechs Uhr. Meine Haushälterin kam mir mit sorgenvollem Gesicht entgegen und begrüßte mich mit den Worten: ›Miss Kate ist noch nicht zurück, Herr Doktor.‹

›War sie den ganzen Tag nicht da?‹ fragte ich erstaunt.

›Nein, Herr Doktor. Heute nachmittag kam aber ein Brief für Sie – ich glaube, er ist von ihr.‹

Ich fand den Brief auf meinem Schreibtisch und erkannte sofort die Handschrift Kates. Der Stempel lautete: zehn Uhr fünfzehn, Dover.

Mit dem Gefühl eines nahenden Unheils öffnete ich das Kuvert und zog einen Briefbogen heraus. Es waren nur ein paar Zeilen:

 

Lieber Papa!
Schon lange liebe ich heimlich Charles Berry, aber ich wagte nie, es Dir einzugestehen. Ich wußte mir keinen anderen Weg – wir sind miteinander davongegangen und werden uns morgen trauen lassen. Versuche trotzdem, nur Gutes zu denken von Deiner Dich liebenden Tochter                                          Kate.

 

Als ich mich von meinem Entsetzen einigermaßen erholt hatte, setzte ich sofort alle Hebel in Bewegung, um den beiden auf die Spur zu kommen. Ich hoffte eigentlich dabei auf Erfolg und dachte auch, Kate ließe wieder etwas von sich hören. Aber kein Brief kam mehr. Ich stellte Privatdetektive an und ließ das Haus von Charles Berry bewachen, aber weder ich noch seine Mutter erhielten irgendwelche Nachrichten.

In allen englischen und ausländischen Zeitungen ließ ich Inserate erscheinen, worin ich die beiden beschwor, zurückzukehren und ihnen meine volle Verzeihung versprach – ergebnislos. Der einzige Mensch, der mir in dieser schrecklichen Zeit hätte beistehen können, war unterwegs nach dem malaiischen Archipel.

Sechs Monate später erhielt ich einen kurzen Brief von Kate. Sie schrieb, daß sie sehr glücklich sei, und bat mich, ich solle mir keine Gedanken um sie machen. Sie hoffe, mich eines Tages wiederzusehen. Der Brief war in Wien aufgegeben, doch die Wiener Polizei, mit der ich mich sofort in Verbindung setzte, war nicht in der Lage, sie zu finden.

In den Jahren, die nun folgten, klammerte ich mich verzweifelt an die einzige Hoffnung, die mir verblieben war – daß sie wirklich glücklich sei. Louba traf ich nicht. Wie ich hörte, war er in Ferien; außerdem wäre ich auch gar nicht auf den Gedanken gekommen, ihn ins Vertrauen zu ziehen. Erst kurz bevor Kates zweiter Brief ankam, sah ich Louba wieder und erzählte ihm seltsamerweise doch die ganze Sache. Eigentlich war er es, der die Geschichte aufs Tapet brachte, indem er mich fragte, wie es ihr ginge. Ich sagte ihm, sie sei verheiratet und wohne irgendwo auf dem Kontinent, und ich würde nach wie vor alles nur Menschermögliche aufbieten, um sie ausfindig zu machen. Es muß diese: Warnung gewesen sein, die das Schreiben Kates hervorrief – wie ich jetzt weiß, wurde es auf Loubas Befehl verfaßt.

An Hurley Brown schrieb ich nur, daß Kate verheiratet sei. Den Namen des Mannes teilte ich ihm mit und hoffte dabei im stillen, daß der arme Jimmy nicht wußte, mit was für einem Menschen Kate verheiratet war. In seinem Antwortschreiben schien er überrascht zu sein, aber alles mit philosophischer Ruhe hinzunehmen.

Jetzt weiß ich, was damals wirklich passierte. Louba hatte Kate mit ins Ausland genommen, zum Teil weil er in sie verliebt war, zum andern Teil um sich an dem Mann zu rächen, von dem er glaubte, daß er mit Kate verlobt sei. Mit den beiden war Charles Berry abgereist. Er war für Louba sozusagen eine Ausrede und ein Schutzschild, und als Emil Louba schließlich seines neuen Spielzeugs müde wurde, trat er es an Charles Berry ab, bestand aber auf einer Heiratszeremonie. Sie wurden vor dem britischen Konsul in Bukarest getraut, und Louba setzte ihnen eine kleine Monatsrente aus.

Ich möchte nicht von den schrecklichen Jahren sprechen, in denen Kate zuerst Tänzerin war, dann, als ihre Anziehungskraft nachließ, Kellnerin in einem schmutzigen Café in Bukarest. Mir ist es heute noch unverständlich, wie sie alle diese Erniedrigungen überleben konnte. Der einzige glückliche Umstand war, daß Charles Berry sie wenigstens mit seiner Liebe verschonte. Gut war auch, daß er sich sehr vor Louba fürchtete und sich deswegen ihr gegenüber doch etwas zurückhielt.

Loubas Geldanweisungen kamen regelmäßig bis etwa gegen Ende des letzten Jahres, dann blieben sie plötzlich aus. Nach einiger Zeit teilte Louba mit, er habe nun jahrelang bezahlt und denke gar nicht daran, dies weiterzuführen. Er rate Charles Berry, seine Frau etwas gewinnbringender auszubeuten, als er es bisher getan hätte.

Berry erschrak. Seine Frau war ihm von jeher nur eine Last gewesen, und er wußte auch nicht, wie er aus ihr, bei ihrem immer noch stolzen Charakter, irgendwie hätte Geld herausholen können.

Kurz entschlossen kam er nach London und brachte Kate gleich mit. Zu jener Zeit wußte er noch nichts davon, daß Kate regelmäßig an Louba geschrieben und ihn gebeten hatte, sie doch aus ihrem schrecklichen Dasein zu befreien. Im letzten dieser Briefe hatte sie auch die Deptforder Adresse mitgeteilt, die ihr Berry als Ziel angegeben hatte.

Kate schrieb diese Adresse als Absender an den Anfang des einen Briefes. Allein sie wohnten zunächst gar nicht in der Little Kirk Street, sondern zogen vorerst in ein kleines Hotel.

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