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Louba der Spieler

Edgar Wallace: Louba der Spieler - Kapitel 30
Quellenangabe
pfad/wallacee/louba/louba.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
titleLouba der Spieler
publisherGoldmann Verlag
translatorCarl Wehner
editorFriedrich A. Hofschuster
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
printrun12. Auflage
isbn3442001633
year1982
created20111028
projectida7c69ec8
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29

Kate stolperte und wäre beinahe hingefallen.

»Ich will nicht mehr weiter«, sagte sie. »Dieser Nebel ist ja entsetzlich. Wir wollen umdrehen, Charles.«

»Vorwärts!« zischte ihr Begleiter. »Tu doch nicht so – auf der andern Seite der Brücke ist es ganz hell.«

Sie ging wieder neben ihm her, und so schritten sie langsam in die Nacht hinaus.

»Hier ist ein Randstein«, sagte er. »Anscheinend überqueren wir die Straße. Steck das in deine Tasche.«

»Was ist das?« fragte sie und nahm das Papier in die Hand.

»Das Geständnis«, erwiderte er. »Es ist gut, wenn wir es gleich loswerden, da wir nun doch schon einmal unterwegs sind.«

Die Frau blieb stehen.

»Ich gehe jetzt keinen Schritt weiter«, erklärte sie mit einer bei ihr ganz ungewöhnlichen Entschlossenheit. »Merkst du denn nicht, daß wir verfolgt werden? Jemand geht dauernd hinter uns her, warte wenigstens, bis er vorbei ist.«

Sie blieben stehen. Berry strengte Augen und Ohren an, konnte aber nichts feststellen.

»Du lügst ja«, sagte er. »Wenn du nicht gerne mit mir allein bist, dann beeile dich eben. In fünf Minuten sind wir in der High Street in Greenwich.«

»Ich habe ganz bestimmt Schritte gehört«, sagte sie. Und dann, als sie ein kurzes Stück weitergegangen waren: »Hör doch – jemand folgt uns!«

Die Nerven des Mannes waren bis zum Äußersten gespannt.

»Verdammt, komm schon weiter!« zischte er völlig außer sich. »Und wenn schon jemand hinter uns geht ... Haben denn wir allein das Recht, im Nebel herumzulaufen?«

»Laß uns doch umdrehen«, flehte sie. Er lachte nur.

»Weißt du vielleicht allein den Weg zurück?« fragte er höhnisch. »Sei nicht so kindisch, Kate. Wir sind schon beinahe an der Brücke.«

Er nahm sie am Arm und führte sie weiter. Sie spürte, daß sie jetzt nicht mehr auf dem Asphalt der Straße gingen, sondern auf einem schmutzigen Pfad. Einmal trat sie in eine Pfütze und schrie erschrocken auf, als das Wasser hochspritzte.

»Wo gehen wir denn nur hin?« fragte sie ängstlich.

»An das Flußufer. Dort läuft immer noch ein halbes Dutzend Polizisten herum, und du brauchst dich wirklich nicht zu fürchten«, setzte er hinzu.

Sie konnte nur den Kopf schütteln über diese unlogische Handlungsweise, die Polizei geradezu aufzusuchen.

Zum drittenmal blieb sie plötzlich stehen.

»Es folgt uns ganz bestimmt jemand. Ich hörte es gerade wieder ganz deutlich.«

»Sei ruhig – komm hierher, an die Seite des Pfades«, flüsterte er.

Sie lehnten sich an das Holzgeländer, das den Weg zum Fluß hin abgrenzte. Kein Laut war zu hören.

»Du willst mir wohl Angst machen, wie?« knurrte er höhnisch. »Warum willst du mich eigentlich durchaus glauben machen, daß jemand uns verfolgt?«

Am Arm zerrte er sie weiter, und durch eine Lücke des Geländers stolperten sie gemeinsam die Uferböschung hinab. Plötzlich blieb er stehen. Auch er hatte jetzt die leisen Fußtritte gehört.

»Warte hier«, sagte er nervös und ging einige Schritte zurück.

In diesem Augenblick hatte aber auch das Geräusch wieder aufgehört.

»Wahrscheinlich ist es nur das Wasser, das gegen die Böschung klatscht«, meinte er, als er zurückkam. »Jetzt hier herum.«

Er fühlte mit der Hand und schob sie zwischen einigen Pfosten durch, direkt auf den kleinen betonierten Damm, gegen den die Wellen schlugen.

»Der Fluß ist ja direkt neben mir«, sagte sie plötzlich, und ihre Stimme zitterte noch mehr. »Ich kann die Kälte spüren, die vom Wasser aufsteigt. Sind wir denn immer noch nicht weit genug gegangen?«

»Ja, jetzt reicht es dann«, versetzte er. »Komm – bleiben wir hier ein wenig stehen.«

»Ich mag nicht mehr!«

Sie versuchte verzweifelt, sich an ihm vorbeizudrängen.

Er packte sie und erstickte mit der Hand ihren wilden Aufschrei.

»Du wolltest doch immer so gerne sterben.« Seine Stimme war nur noch ein heiseres Knurren. »Du hast doch immer gesagt, daß du so gerne tot sein möchtest – jetzt ist es gleich soweit! Sie werden dich und dein Geständnis finden, verstehst du?«

Sie wehrte sich mit aller Kraft, war aber gegen seinen Griff machtlos. Mit seiner großen Hand verschloß er ihr den Mund und hielt sie mit dem andern Arm eisern umschlossen. Sie wankte und wäre gleich gestürzt ... Da sah sie plötzlich hinter Berry im Nebel einen Umriß – einen dunklen Schatten, der Charles zurückriß.

Sie hörte ein leichtes ›plopp‹ – und gleich darauf noch einmal denselben Laut. Ein Laut, als ob der Korken aus einer Weinflasche gezogen würde.

Charles Berry sank in die Knie, schwankte einen Augenblick hin und her und fiel dann lautlos in sich zusammen. Kate hatte atemlos die beiden Blitze gesehen, die den Nebel zerrissen hatten, und rannte jetzt auf ihren unbekannten Retter zu.

»O Gott! Ich danke Ihnen! Ich danke Ihnen!«

»Kit!«

»Du bist es – du«, stieß sie hervor und sank in seine Arme.

»Liebe, liebe Kit!« murmelte der Mann und hielt sie fest.

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