Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Edgar Wallace >

Louba der Spieler

Edgar Wallace: Louba der Spieler - Kapitel 3
Quellenangabe
pfad/wallacee/louba/louba.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
titleLouba der Spieler
publisherGoldmann Verlag
translatorCarl Wehner
editorFriedrich A. Hofschuster
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
printrun12. Auflage
isbn3442001633
year1982
created20111028
projectida7c69ec8
Schließen

Navigation:

2

Die Aufgabe, Reggie Weldrakes Vater in Empfang zu nehmen, als er in Malta eintraf, war nicht gerade angenehm.

Der tote Offizier war unter den Mannschaften und Kameraden sehr beliebt gewesen; deshalb hörten alle mit Genugtuung, daß sein Vater erwartet wurde. McElvie drückte einen allgemeinen Wunsch aus, als er sagte, daß der alte Herr Weldrake hoffentlich ein kräftiger Mensch sei und die feste Absicht habe, mit Louba abzurechnen.

»Er kann ja aus keinem andern Grund die weite Reise gemacht haben«, bemerkte McElvie hoffnungsvoll. »Vergeßt nicht – er trägt keine Uniform und kann diesem Louba eins auswischen, daß ihm Hören und Sehen vergeht.«

Hurley Brown übernahm die Aufgabe, Mr. Weldrake senior zu begrüßen, mit einer gewissen Skepsis. Immerhin hielt auch er unwillkürlich nach einem großen und resoluten Mann, nach einer älteren und stärkeren Auflage Reggies, Ausschau. Er war sehr erstaunt, als sich ihm ein schmächtiger, verschüchterter Herr als der Vater seines toten Freundes vorstellte.

Hatte schon vorher allgemeine Entrüstung geherrscht, so waren die Leute beim Anblick des traurigen kleinen Mannes geradezu empört. Man sah ihm so deutlich an, daß sein Junge seine Welt und sein alles gewesen war und daß ihn der Tod Reggies furchtbar mitgenommen hatte.

Er klagte nicht und verlangte auch kein Mitleid. Er saß stundenlang mutterseelenallein im Zimmer des toten Offiziers herum, berührte dessen Habseligkeiten und las immer wieder seine letzten Aufzeichnungen. Eine kleine, einsame Gestalt, pilgerte er tagtäglich zu seinem Grab.

Die Sympathie, die man Reggie Weldrake entgegengebracht hatte, wurde auf seinen Vater übertragen. Der bloße Anblick des hilflosen alten Mannes war Brennstoff für das Feuer, das unter der Asche gegen Emil Louba glühte.

Da Costa entfachte die Flamme zu einer Riesenglut.

Eines Nachts traf er Weldrake, der ziel- und planlos in der Gegend umherirrte, sprach ihn an und zeigte ihm Loubas Haus.

»Wissen Sie, daß dies der Platz ist, an dem Ihr Sohn ruiniert wurde? Wissen Sie, daß der Mann, der ihn zum Selbstmord trieb, Emil Louba heißt?«

Weldrake wandte sich langsam der von roten Scheinwerfern beleuchteten Fassade des Vergnügungslokals zu.

Ohne da Costa einen weiteren Blick zu gönnen, ging er nach kurzem Zögern geradewegs auf das Lokal zu. Da Costa wußte, was für ein Empfang dem kleinen Mann bevorstehen würde, und rannte deshalb wie besessen in die Kaserne, um die Soldaten zu alarmieren.

»Mr. Weldrake ist zu Louba gegangen! Wahrscheinlich befördert ihn Louba auf die Bühne und läßt ihn für die Gäste tanzen. Los, helft ihm!«

Das genügte. Die Soldaten, die Freizeit hatten, liefen im Sturmschritt voraus – aber da Costa kam noch zeitig genug hinterher, um zu sehen, wie Weldrake mit einer Schramme quer über dem Gesicht weggeführt wurde.

Im Lokal war die Hölle los, die Kapelle spielte wie wild, wahrscheinlich, um das Durcheinander zu übertönen. Leute standen auf den Tischen, andere protestierten aufgeregt und trampelten mit den Füßen. In der Saalmitte versuchten die Kellner und einige Tänzerinnen mit vereinten Kräften, einen Haufen aufgeregter und wütender Soldaten zurückzuhalten.

»Wo ist Louba? Heraus mit ihm!« schrien sie immer wieder.

»Louba hatte überhaupt nichts mit dem alten Weldrake zu tun«, rief ein Mädchen. »Er hat ihn nicht einmal zu sehen gekriegt, weil er oben beschäftigt war.«

»Er hat den Befehl gegeben, ihn hinauszuwerfen!«

»Stimmt nicht! Der kleine Mann war unverschämt und wollte unter keinen Umständen weggehen. Wir haben ihn zuerst ganz sanft vor die Tür gesetzt, aber er kam immer wieder herein.«

»Wo ist Louba?«

Das Stimmengewirr hatte seinen Höhepunkt erreicht, als Louba auftauchte.

»Meine Herren, meine Herren, ich bitte Sie!«

Seine geschmeidigen Manieren gossen nur Öl ins Feuer.

Immer mehr Soldaten strömten in das Lokal. Da Costa, der im Hintergrund eifrig schürte, sah seine Absicht gelingen. Vorerst ließ sich Louba allerdings nicht einschüchtern und sparte nicht mit höhnischen Bemerkungen.

Als er mit der entsprechenden Betonung erklärte, daß furchtbar viel Lärm um einen degenerierten jungen Narren gemacht werde, der nicht einmal Ehre genug im Leib gehabt hätte, seine Schulden zu bezahlen – da wurde der erste Schlag ausgeteilt.

Louba schlug sofort zurück. Seine Leibgarde mischte sich in die Keilerei – die Soldaten empfingen sie mit hochgekrempelten Ärmeln.

»Wir schlagen das ganze Lokal kaputt!«

Die Drohung wurde mit Begeisterung aufgenommen und durch einen lauten Krach unterstrichen – eine Weinflasche zersplitterte an einem der glitzernden Wandspiegel.

Sofort rissen eifrige Hände jeden einigermaßen zum Werfen geeigneten Gegenstand an sich, Teller, Gabeln, Stuhlbeine – alles flog durch die Luft. Ein ohrenbetäubender Lärm ließ erkennen, daß jedes Stückchen Glas in dem Lokal im Begriff war, in Scherben zu gehen.

Von der Straße kamen immer neue Leute hereingelaufen und vermehrten das Durcheinander nach Kräften.

»Nach oben, Jungs, und schmeißt seinen Plunder aus dem Fenster!«

»Werft den Kerl samt seinem Geld ins Meer!«

Die Spieler an den Roulettetischen im ersten Stock widersetzten sich dem Eindringen der Menschenmengen. Sie hatten keine Ahnung, um was es eigentlich ging, und der Tumult wurde immer größer.

Da Costa huschte über die Bühne und erreichte mit ein paar Sprüngen den winzigen Ankleideraum, der dahinter lag. Das Zimmerchen war leer.

An den Wänden hing eine Reihe hauchdünner Chiffonkostüme, der Ankleidespiegel war mit einem Seidenvorhang drapiert – da Costa hatte ein elegantes Feuerzeug, und die Flammen züngelten im Nu an den dünnen Stoffen hoch.

Als er wieder in den Saal kam, war er fast leer; die Menge drängte sich am Treppenaufgang, um sich den übrigen im ersten Stock anzuschließen. Da Costa ließ einen Sprühregen von brennenden Streichhölzern im Saal los, besonders dort, wo sich Alkohollachen aus zerbrochenen Flaschen in den Teppich einsaugten.

Die Flammen züngelten von einem Brandherd zum andern und fraßen sich an den Vorhängen schnell in die Höhe. Schon hörte man den ersten schrillen Warnungsschrei.

Kein Mensch dachte an Löschen. Jeder rettete sich schleunigst aus dem brennenden Haus.

Da Costa erreichte als einer der ersten die Straße und lief, bis er in sicherem Abstand war.

Von dort beobachtete er, wie sich das Feuer ausbreitete vom flackernden Glühen bis zu einer mächtigen Flamme, die den Himmel blutrot beleuchtete.

Leute rannten an ihm vorbei; Offiziere und Militärpolizei in Autos sausten vorüber. Auch Captain Hurley Brown war darunter. Daß Loubas Lokal brannte, war ihm zwar einerlei, doch hatte er Sorge um seine Soldaten.

Endlich sah da Costa einen Menschen, dem er seine Freude mitteilen konnte. Es war ausgerechnet der arme Mr. Weldrake, dem er frohlockend verkündete:

»Loubas Lokal brennt ab!«

Als das Feuer schwächer wurde und ein schwarzer Rauchvorhang sich davorlegte, kehrte Hurley Brown zurück und blieb einen Augenblick bei Weldrake stehen. An ihnen vorbei zogen Mannschaften zurück in die Kaserne. Ohne Rock, mit rußverschmiertem Gesicht, trat plötzlich Louba auf sie zu.

»Das wird eine Kleinigkeit kosten, Captain Brown!« rief er drohend. »Wollen sehen, was Ihre Militärbehörde dazu sagt!«

»Falls du ein bißchen Grütze im Kopf hast, Louba, dann fährst du ab und läßt die Sache auf sich beruhen«, warf da Costa ein. »Die Militärbehörde könnte dir einige sehr unangenehme Fragen stellen.«

»Ah, du bist auch da? Ich weiß schon, daß du deine Hand im Spiel gehabt hast, da Costa! Eugénie hat dich gesehen!«

»Jetzt kommt sie gern mit mir zurück nach Tripolis, was?« höhnte da Costa.

»Vielleicht ... und vielleicht begleite ich sie sogar. Kein schlechter Gedanke! Ich habe dich aus Port Said vertrieben, und ich werde dich auch aus Tripolis hinausbefördern.«

»Nur keine Drohungen, Louba! Ich bin dir überlegen, merk dir das. Und was du mir in der Vergangenheit geschadet hast, das wirst du schon noch bereuen.«

»Ich bereue niemals«, gab Louba hochmütig zurück und kehrte ihm den Rücken zu. »Und wenn Sie denken, Captain Brown, daß dieses Feuerchen da mich aus Malta vertreibt, dann irren Sie sich!«

»Ich sagte Ihnen, Sie würden gehen, Louba – und Sie werden gehen«, versetzte Brown bestimmt. »Auch dieser Abend kommt auf Ihr Konto.«

»Es soll Ihnen noch leid tun, Captain ...«

»Das einzige, was mir leid tut, ist, daß du nicht mitsamt deiner Bude verbrannt bist«, mischte sich da Costa wieder ein.

Louba sah ihn aus den Augenwinkeln an.

»Nur die Ruhe«, murmelte er. »Ich habe Zeit ...«

Weldrake war schweigsam geblieben und hatte die Szene ohne ein äußeres Zeichen von Genugtuung betrachtet. Dies war erst ein Teil der Vergeltung, und ohne ein Wort schlüpfte er davon.

Eine Stunde danach, während Hurley Brown besorgt nach ihm Ausschau halten ließ, kniete er in der Dunkelheit am Grab seines toten Jungen.

»Keine Sorge, Reggie«, flüsterte er in beruhigendem Ton. »Du wirst gerächt. Ich denke daran. Ich vergesse es nicht. Ich bleibe nicht zu Hause, bis er gebüßt hat ... Keine Sorge, Reggie. Du wirst gerächt ...«

 << Kapitel 2  Kapitel 4 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.