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Louba der Spieler

Edgar Wallace: Louba der Spieler - Kapitel 26
Quellenangabe
pfad/wallacee/louba/louba.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
titleLouba der Spieler
publisherGoldmann Verlag
translatorCarl Wehner
editorFriedrich A. Hofschuster
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
printrun12. Auflage
isbn3442001633
year1982
created20111028
projectida7c69ec8
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25

Nach seiner Teilnahme an diesem mißglückten Festnahmeversuch da Costas ging Dr. Warden in seinen Club, wo sich bald darauf auch Hurley Brown einfand. Browns Gesicht war düster, seine Miene die eines Menschen, der sich mit irgendwelchen Sorgen herumschlägt. Er sah Warden und kam langsam auf ihn zu.

»Ich fürchte, Sie hatten kein Glück«, sagte Dr. Warden. »Ich meine, in Ihrer selbstgestellten Aufgabe ...«

Hurley Brown gab keine Antwort, sondern kniff nur ein wenig die Lippen zusammen.

»Na, Sie sind nicht der einzige Mensch, dem der Nebel einen Streich gespielt hat«, fuhr der Doktor tröstend fort. »Trainor kocht vor Wut.«

»Warum?«

Brown sah neugierig auf.

»Ich habe bei einem kleinen Einbruch mitgeholfen und mich an einer Verfolgungsjagd beteiligt, wie sie nicht sein soll. Trainor durchsuchte heute morgen da Costas Wohnung, und jemand, er glaubt, es war da Costa selbst, machte sich davon und entwischte ihm.«

»War es denn wirklich da Costa?« fragte Brown schnell.

»Ich kenne ihn ja gar nicht.«

»War es jemand, den Sie kannten?«

»Bestimmt nicht – soweit ich das mit Sicherheit sagen kann. Es ging ja alles so schnell«, versetzte Warden und betrachtete ihn etwas überrascht. Hurley Brown wich seinem Blick aus.

»Und er ist entkommen?«

»Ja. Trainor hofft allerdings, ein paar Auskünfte von einem Mann zu erhalten, den er gestern abend anhielt.«

»Wo anhielt?«

»In Braymore House. Er kam anscheinend von der Wohnung da Costas und hatte etwas bei sich, was aus der Truhe in Loubas Zimmer stammt.«

»Davon weiß ich noch gar nichts. Wie heißt der Mann?«

»Weldrake. Sowohl Miss Martin als auch Leamington sahen ihn in der Mordnacht vor Braymore House.«

»Es ist also nicht Charlie?«

»Nein, nein.«

Brown biß sich auf die Lippen.

»Weldrake, sagten Sie?« fragte er. »Ich kannte einmal einen Mann dieses Namens, das ist aber schon lange her wahrscheinlich ist es nicht derselbe. Hat Trainor von ihm etwas Wichtiges erfahren?«

»Nicht besonders viel. Er ist eben zu ihm hingefahren, um zu sehen, was er noch aus ihm herausholen kann.«

»Ich fahre auch hin. Wissen Sie die Adresse?«

Warden gab sie ihm, und Brown wollte eben gehen, als ihn der Doktor zurückhielt.

»Der Weldrake, den Sie kannten, stand wohl in keiner Beziehung zu Louba?«

Brown fuhr so erschrocken herum, als ob ihm der Gedanke auch eben gekommen wäre.

»Doch, er stand in Beziehung zu ihm«, antwortete er nachdenklich. »Eigentlich habe ich erst durch ihn Louba kennengelernt.«

»Und hatte er Ursache, Louba zu hassen?«

»Gerade genug«, gab Brown zögernd zu.

Einen Augenblick herrschte Schweigen.

»Könnte nicht er den Mord begangen haben? Was halten Sie davon?« fragte Warden dann.

»Nein, der Gedanke ist absurd! Er – und Gewalt anwenden ... Großer Gott, nein!« rief er, als ihm die Erinnerung an die unscheinbare Gestalt Weldrakes ins Gedächtnis zurückkam.

»Dann haben Sie wohl auch keine Vermutung über seine Absichten?«

»Wahrscheinlich wäre es besser, ich würde ihn überhaupt nicht wiedererkennen«, antwortete Brown beruhigt. »Und doch, ich weiß nicht recht. Das könnte uns beiden auch allerhand Unannehmlichkeiten bringen. Es ist sehr unangenehm.« Mit einer Handbewegung scheuchte er die schlimmen Vorahnungen beiseite. »Ach was – ich glaube nicht, daß man ihn verdächtigen wird, wenn es derselbe Mann ist, den ich kenne. Im Grunde genommen nehme ich gar nicht an, daß es wirklich derselbe ist, aber sollte er es sein, dann wird er alles zur Zufriedenheit aufklären können.«

Er verließ den Club und trat auf die Straße hinaus. Die gelben Nebelschwaden waren schon wieder so dicht, daß die Straßenbeleuchtung angezündet worden war – als ob es elf Uhr nachts wäre, anstatt elf Uhr morgens.

Trainor verhörte Weldrake gerade, als er ankam. Ein Blick auf den hilflosen kleinen Mann genügte, seine Überzeugung zu festigen, daß es absurd war, ihn auch nur der Beihilfe an dem Mord zu verdächtigen. Übrigens erkannte ihn Weldrake sofort wieder, wodurch Brown der Entscheidung enthoben wurde, wie er sich ihm gegenüber zu verhalten habe.

»Captain Brown kennt mich«, erklärte Weldrake dem Inspektor. »Er wird Ihnen sagen, daß ich ein anständiger Mensch bin. Sie erinnern sich doch noch an mich, Captain?«

»Aber natürlich«, sagte Brown und schüttelte ihm die Hand. »Dies ist der Vater eines Freundes und ehemaligen Kameraden von mir, der vor einigen Jahren starb.«

»Und Sie haben sich seitdem wieder einmal getroffen?«

»Das zwar nicht«, versetzte Weldrake, »aber ich habe mittlerweile bestimmt nicht die Verbrecherlaufbahn eingeschlagen.«

»Ich habe diesen Herrn gerade verhaftet. Können Sie sich denken warum?« wandte sich Trainor an Brown.

»Ja«, erwiderte Brown. »Ich sprach soeben mit Warden. Können Sie uns eine Erklärung geben, Mr. Weldrake?«

»Ich habe mein Wort gegeben, daß ich an dem Mord vollkommen unbeteiligt bin und daß ich nicht weiß, wer ihn beging«, antwortete er.

»Sie erklärten doch, da Costa sei verreist. Trotzdem fanden wir ihn heute morgen in seiner Wohnung«, sagte Trainor.

»Und hat er Ihnen vielleicht gesagt, daß ich mit ihm in Verbindung stand und wußte, daß er zu Hause war?« fragte Weldrake zurück.

Trainor antwortete nicht sogleich, und Brown merkte sofort, daß er sich in einer ziemlich schwierigen Lage befand.

»Ich glaube, Inspektor, es ist das beste, wenn Sie Mr. Weldrake alles sagen«, meinte er. »Sicher ist er dann Ihnen gegenüber genauso ehrlich. Ich bin eigentlich sicher, daß Sie nichts zu verbergen haben, Mr. Weldrake. Da ist es doch besser, man spricht ganz offen miteinander.«

Trainor war eigentlich selber der Meinung, daß der Mann nur deshalb nichts aussagte, weil er einen anderen schonen wollte.

»Von da Costa wissen wir gar nichts«, erklärte er deshalb. »Er ist uns entkommen und befindet sich noch in Freiheit.«

Weldrake verbarg keineswegs seine Genugtuung über diese Nachricht. Selbst Brown bemerkte sie mit einiger Überraschung.

»Wollen Sie uns jetzt alles sagen, was Sie wissen?« fragte Trainor.

»Ja, gerne«, entgegnete der kleine Mann nun bereitwillig. »Sie wissen doch, daß ich Mr. Leamington bei mir ein Versteck anbot. Ich war einfach nicht der Ansicht, daß er verdiente, gehängt zu werden – selbst wenn er Mr. Louba ermordet hätte. Ich wußte auch, daß da Costa in der Wohnung über Louba wohnte und daß er mit ihm vor Jahren einen Streit gehabt hatte. Ob er mit dem Mord etwas zu tun hat, weiß ich nicht – aber für den Fall, daß er irgendwie beteiligt gewesen war, wollte ich ihm beistehen. Leamington konnte ich doch nicht mehr helfen, und so ging ich also zu da Costas Wohnung. Er öffnete mir das erste- und zweitemal nicht, obgleich ich ihm jedesmal einen Brief hinterließ, in dem ich ihn an unsere frühere Begegnung erinnerte. Außerdem warf ich ihm Lebensmittel durch den Briefkastenschlitz, weil ich annahm, er könnte sie gebrauchen. Gestern abend dann öffnete er endlich. Er versicherte mir, daß er mit dem Mord nichts zu tun habe. Er hatte nur große Angst, in den Verdacht der Täterschaft zu geraten, weil er aus bestimmten Gründen eine Abreise vorgetäuscht hatte, ohne daß er wirklich abgereist war. Worüber er sich am meisten Gedanken machte, das war das Kästchen, das er von Louba am Mordtag selbst gekauft hatte. Das kann nicht lange vor der Ankunft des Mannes, den Sie suchen – Charlie – gewesen sein. Miller konnte darüber nicht Bescheid wissen, weil da Costa die Feuerleiter herunterkam. Louba ließ ihn durch das Fenster herein und auch auf dieselbe Weise aus der Wohnung wieder heraus; das Fenster schloß er hinter ihm.«

»Eine wirklich merkwürdige Art, Raritäten zu kaufen«, bemerkte Trainor spöttisch.

»Auf diese Weise hat er Louba öfters besucht«, sagte Weldrake. »Er hatte nämlich gewisse Privatgeschäfte mit ihm er übernahm einen Teil seiner Geschäftsinteressen, und Louba wollte nicht gerne, daß jemand davon erfuhr, daß er sie abstieß.«

»Und hatte dieses wertlose Kästchen auch etwas mit Geschäftsinteressen zu tun?«

»Nein, aber Louba kannte seinen Wert nicht, und da Costa hatte Schwierigkeiten; es zu bekommen, ohne daß Louba Verdacht schöpfte.«

»Wieviel soll dieses Glasperlending eigentlich wert sein?«

»Ich weiß nicht. Das hat er mir nicht gesagt. Er bat mich nur, es mitzunehmen und für ihn aufzuheben. Er hatte Angst, es würde verdächtig aussehen, wenn man den Kasten bei ihm fände.«

»Und Sie wollten ihm helfen, weil Sie glaubten, daß er möglicherweise Louba ermordet hat?«

»Ja«, antwortete Weldrake mit einer Offenheit, die seine Zuhörer wieder völlig verblüffte.

»Sie wünschten tatsächlich, daß Louba ermordet wurde?«

»Ja.«

Trainor blieben die Fragen fast im Hals stecken.

»Warum, verflixt noch mal?« brachte er schließlich heraus.

»Weil er meinen Sohn umgebracht hat.«

»Jeder, der Louba genauer kannte«, warf Hurley Brown ein, »weiß, daß er nur die gerechte Strafe erhalten hat.«

»Möglich«, stimmte Trainor bei. »Aber es besteht immer noch ein Unterschied zwischen Hoffen und Wünschen und praktischer Beihilfe.«

»Ich habe niemals irgendwelche Beihilfe geleistet«, sagte Weldrake. »Ich wartete nur.«

»Und hofften?«

»Ja.«

»Was taten Sie an jenem Abend vor Braymore House?«

»Es war durchaus nicht das erstemal, daß ich dort stand und das Haus beobachtete, besonders seit ich wußte, daß da Costa über Louba wohnte. Es war mir auch bekannt, daß Miss Martin wegen Louba ihre Verlobung mit dem jungen Leamington gelöst hatte. Ich hatte Leamington gesehen, als er die Feuerleiter untersuchte. Das war am Abend vor dem Mord. Am nächsten Morgen kam er schon wieder, und ich vermutete, was er vorhatte. Deshalb kam ich auch in der betreffenden Nacht ziemlich früh und wartete sehr lange. Dann sprach ich Miss Martin an, die mir leid tat.«

»Und was sahen Sie alles?«

»Ich sah Mr. Leamington hineingehen und herauskommen. Und dann sah ich Sie alle eintreffen, nachdem das Verbrechen entdeckt war.«

»Und sonst sahen Sie niemand in die Wohnung eindringen?«

»Sonst niemand.«

»Sie sahen auch nicht, wie Charlie fortging?«

»Nein.«

»Sie wohnen nur einen Teil des Jahres in London, wurde uns in Balham gesagt. Wo halten Sie sich während der übrigen Zeit auf?«

»Dort, wo sich Louba aufhielt. Ich war immer nur dann in London, wenn auch er da war.«

»Was?« rief Brown. »Wollen Sie damit sagen –«

»Seitdem mein Sohn ermordet wurde, verfolge ich seinen Mörder. Ich versprach Reggie, ich würde nicht nach Hause gehen, bevor er nicht gerächt sei. Deshalb folgte ich Louba.«

»Überallhin?« rief Brown.

»Fast überallhin. Für längere Zeit habe ich ihn nie aus den Augen verloren.«

Brown hätte noch eine ganze Menge Fragen gehabt, und Trainor wartete darauf, daß er sie stellen würde. Aber anscheinend waren es Fragen, die er lieber zurückhielt, obgleich es klar war, daß ihm dies nicht leichtfiel. Trainors Gesicht wurde um noch einen Grad düsterer, als er seinen Vorgesetzten anschaute – die Kluft zwischen ihnen hatte sich nicht verringert.

»Hm – Sie sind also seit Jahren hinter Louba her, immer nur mit der einen Hoffnung beschäftigt, daß er ermordet würde ... Und nun wollen Sie uns weismachen, daß Sie an der ganzen Sache unbeteiligt sind?« fragte Trainor.

»Ja.«

»Und Sie wissen auch nicht, wo da Costa hin ist?«

»Nein, bestimmt nicht.«

»Ist das die Wahrheit?«

»Die volle Wahrheit, wirklich.«

Er schaute Hurley Brown flehend an. »Darf ich jetzt nicht endlich gehen?« fragte er. »Ich möchte so gerne nach Hause und mich ausruhen. Früher fand ich dort kaum Schlaf, aber seitdem Louba tot ist ...«

»Jammerschade, daß Sie nicht schon früher heimgegangen sind«, konnte sich Trainor nicht versagen zu spötteln.

»Ich fühlte genau, daß ich dem helfen mußte, der Louba ermordet hatte – wer es auch gewesen war.«

»Weil sie seinen Tod wünschten und demjenigen dankbar waren, der ihn ermordete? Verhält es sich so?«

»Ja«, erwiderte der kleine Mann gelassen.

Trainor blickte Brown an.

War der kleine Mann nun sehr einfältig oder sehr durchtrieben?

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