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Louba der Spieler

Edgar Wallace: Louba der Spieler - Kapitel 25
Quellenangabe
pfad/wallacee/louba/louba.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
titleLouba der Spieler
publisherGoldmann Verlag
translatorCarl Wehner
editorFriedrich A. Hofschuster
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
printrun12. Auflage
isbn3442001633
year1982
created20111028
projectida7c69ec8
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24

Am nächsten Morgen tauchte in der Wohnung im zweiten Stock Dr. Warden auf. Er wollte sich mit Trainor unterhalten. Vor allem hätte er gern erfahren, ob Miller dem Detektiv seine, Hurley Brown betreuende, Theorie wiederholt hatte, und welche Bedeutung Trainor dieser Vermutung beilegte. Er hatte zwar absolutes Vertrauen zu Brown, wußte aber, daß es merkwürdig aussah, wenn Brown den von der Polizei gesuchten Charlie verfolgte, ohne dies offiziell mitzuteilen.

Der Doktor fand Trainor gerade im Begriff, in da Costas Wohnung einzudringen.

»Eigentlich wollte ich schon gestern abend hinein, aber wir wurden abgelenkt, und deshalb begnügte ich mich damit, an beide Ausgänge Posten zu stellen«, erklärte er. »Ich glaube zwar nicht, daß überhaupt jemand oben ist, aber ich hätte gerne herausgefunden, ob vielleicht mein kleiner Mann dort gewohnt hat, was mir sehr wahrscheinlich vorkommt.«

»Um was für einen kleinen Mann handelt es sich denn?« fragte Warden.

»Mr. Weldrake.« Trainor erzählte, was vorgefallen war. »Sie haben von Louba wohl nie etwas über ein Perlenkästchen gehört? Sehen Sie es sich einmal an«, sagte er zum Schluß.

»Ich kann mich nicht darauf besinnen. Verrückt von diesem Weldrake, sich sozusagen über Ihrem Kopf einzulogieren, nur um Sie von einem Besuch in seiner eigenen Wohnung abzuhalten.«

»Das schon, aber er ist überhaupt ein merkwürdiger Kerl. Möglich, daß er noch irgend etwas anderes hier zu suchen hatte. Ich weiß es nicht ... Gestern abend konnte ich nicht mehr aus ihm herausbringen, als daß er den Gegenstand da in der Wardour Street gekauft hätte.«

»Kann ich Sie nach oben begleiten?«

»Selbstverständlich, kommen Sie mit, Doktor, wollen mal sehen, was da zu finden ist. Ich habe mich beim Hausmeister erkundigt, aber er hat keinen Schlüssel. Wir werden die Tür wohl aufbrechen müssen.«

Trainor beauftragte den Sergeanten, die Feuerleiter zu beobachten, stieg mit seinem Begleiter nach oben und läutete an da Costas Wohnung. Wie zu erwarten, erhielt er keine Antwort. Kein Laut war von drinnen zu hören.

Ohne zu zögern nahm Trainor aus seiner Rocktasche einen Bund Dietriche. Innerhalb fünf Minuten öffnete er das Hauptschloß, aber als sie die Tür aufdrücken wollten, widerstand sie weiter allen ihren Bemühungen.

»Zugeriegelt!« stieß Trainor hervor. »Von innen zugeriegelt ... Begreifen Sie, Doktor?«

Aufgeregt gingen sie wieder nach unten und stiegen aus Loubas Fenster. Den Sergeanten schickten sie zur Beobachtung vor da Costas Wohnung. Dann kletterten sie hinauf. Kurz entschlossen schlug Trainor eine Fensterscheibe ein und zog den Riegel zurück, der das Fenster sicherte.

Als erstes ließen sie den Sergeanten ein und postierten ihn zwischen dem Haupteingang und dem Fenster. Den Arzt bat Trainor, in dem Zimmer zu bleiben, in das sie durch das zerbrochene Fenster eingestiegen waren, während er sich selbst auf die Suche machte, die eigentlich nicht von langer Dauer sein konnte.

»Na, ich glaube, ich werde bald etwas entdecken«, bemerkte er, »Machen Sie sich auf etwas gefaßt. Alle Eingänge von innen verriegelt – das spricht Bände. Da, schauen Sie her« – er deutete auf den Tisch –, »eine erst vor kurzem eingenommene Mahlzeit, das Brot ist noch ganz frisch.«

Es war klar, daß hier jemand vor ganz kurzer Zeit gegessen hatte.

Trainor umspannte mit den Händen die Kaffeekanne.

»Sie ist noch warm«, rief er triumphierend. »Drehen Sie alle Lichter an!«

In Anbetracht des trüben Tages war diese Maßnahme durchaus angebracht.

Dann ging er vorsichtig in das Schlafzimmer.

»Im Bett hat jemand geschlafen«, rief er den anderen zu und öffnete einen großen Kleiderschrank – nichts. Er schaute unter das Bett – auch nichts.

Nun ging er in die übrigen Zimmer, fand aber auch dort niemanden. Er betrat die kleine Küche, wo er schmutzige Teller und eine leere Sardinenbüchse fand. Der Sergeant deutete auf eine große Kommode, die, wenn sie keine Schubfächer enthielt, sich gut zum Versteck eignen mußte. Trainor nickte, und sie öffneten beide das Möbel.

Im Speisezimmer hatte Trainor eine breite Couch übersehen, die in der dunkelsten Ecke des Zimmers an der Wand stand. Hätte er die Figur da Costas gekannt, dann würde er diesen Diwan sogar absichtlich übersehen haben. Aber trotz seiner Körpergröße hatte da Costa sich tatsächlich daruntergequetscht. Und außerdem umklammerte seine Hand mit festem Griff auch noch einen Hut. Trotz seiner Aufregung hatte er sich gesagt, daß ein Mann ohne Hut, noch dazu ohne Mantel und an einem Wintertag, als Flüchtling allgemeine Aufmerksamkeit erregen mußte. Falls ihm die Flucht gelang, dachte er verzweifelt, mußte er wenigstens einen Hut bei sich haben!

Nachdem er sich eine Zeitlang im Zimmer umgesehen hatte, wandte sich der Doktor dem Fenster zu und starrte grüblerisch in die dichten Nebelschwaden hinaus.

Da Costa, der ihn vorsichtig beobachtet hatte, verlor keine Zeit. Er wand sich unter seinem Diwan hervor, kam im nächsten Augenblick auf die Beine, behielt den Rücken des Doktors im Auge, stülpte sich den Hut fest auf den Kopf und sprang mit einem mächtigen Satz auf das Fenster zu.

Dr. Warden schrie auf und taumelte erschreckt zur Seite, als ihn da Costa anstieß. Aber er riß sich noch rasch genug zusammen, um den Flüchtling wenigstens beim Rockzipfel zu erwischen. Im nächsten Augenblick jedoch stolperte er über die Ecke eines Teppichs und verlor das Gleichgewicht.

Trainor und sein Gehilfe stützten auf den Schrei hin sofort herbei und sahen gerade noch da Costa durch das Fenster verschwinden. Der Doktor hatte sich wieder aufgerafft und wurde sofort erneut umgerissen, als er mit den beiden, die schleunigst auf das Fenster zurannten, zusammenstieß.

Als sie sich endlich frei gemacht hatten und zum Fenster hinausgestiegen waren, war da Costa schon auf der unteren Plattform angelangt und stieg das letzte Stück der Leiter mit erstaunlicher Behendigkeit hinunter. Die Einbrecherglocke schrillte, gerade als sie an den Fenstern des zweiten Stockwerks ankamen, und Miller stürzte heraus.

»Aus dem Weg!« brüllte Trainor den Diener an, der schon auf der Leiter stand. Miller drückte sich ängstlich zur Seite und geriet dadurch dem Sergeanten direkt in die Quere, der ihn nun seinerseits wieder wegzuschieben versuchte, wodurch er nochmals gegen Trainor fiel.

»Zum Teufel mit euch allen!« zeterte Trainor und rutschte nun fast die Leiter herunter.

Unten angelangt, wurde er von dem atemlosen Hausmeister sofort gepackt und festgehalten.

»Lassen Sie mich gehen, Sie Esel!« schnaubte Trainor und riß sich von ihm los.

»Verzeihung, Sir, aber die Alarmglocke ...«, keuchte der Mann.

»Ach – wir haben rein gar nichts gehört!« knurrte Trainor mit schneidender Ironie und rannte wie besessen in Richtung des Tores.

Auf der Straße trennten sie sich und liefen in verschiedenen Richtungen. Der Sergeant pfiff mit aller Kraft auf seiner Trillerpfeife. Von dem Flüchtling war schon nichts mehr zu sehen. Der Nebel war für ihn ein Geschenk Gottes.

Als die Pfeife des Sergeanten schrillte, kam da Costa gerade an einem Polizisten vorbei. Er hatte den großen Mut und die große Frechheit, stehenzubleiben und den Beamten zu fragen:

»Ist was nicht in Ordnung, Wachtmeister?«

»Haben Sie was gesehen? Ist jemand davongelaufen?« fragte der Polizist und erwiderte den Pfiff auf seiner eigenen Pfeife.

»Nein, nicht in dieser Richtung.«

Der Polizist rannte los.

»Man könnte glauben, dieses neblige Wetter wäre speziell von dem Mörder und seinen Komplicen bestellt worden!« erklärte Trainor wütend, als er in die Wohnung zurückkehrte. »Haben Sie ihn genau gesehen, Doktor?«

»Nein. Es ging alles so schnell ... Wahrscheinlich war es dumm von mir, mit dem Rücken gegen das Zimmer zu stehen, aber ich dachte im Grunde genommen gar nicht im Ernst daran, daß er hier, in diesem Zimmer sein könnte«, entgegnete Warden.

»Nein, natürlich nicht. Ich vermutete ihn auch in einem andern Teil der Wohnung. Wenn dieser Miller uns nicht noch in den Weg gekommen wäre, hätten wir ihn gefaßt.«

»Miller wurde wahrscheinlich durch die Alarmklingel auf den Plan gebracht?«

»Natürlich, das war's ja. Wir waren alle so erpicht darauf, ihn festzunehmen, daß wir uns gegenseitig im Weg waren.«

»Haben Sie ihn denn gesehen?«

»Ich sah seinen Rücken – ein großer Kerl, ziemlich massiv gebaut, ohne Mantel. Aber er hatte einen Hut auf. Wenn ich daran denke, daß er die ganze Zeit über hier im Zimmer war ...!«

»Sie halten ihn also für den Richtigen. Aber wie konnte er denn von außen in Loubas Wohnung gelangen, wo doch das Fenster geschlossen war?«

»Weiß ich's?« gab Trainor kurz angebunden zurück.

Er überlegte sich, ob Miller die Verfolgung da Costas nicht absichtlich behindert hatte ... Denn als Tatsache blieb bestehen: Wenn der Mörder einen Komplicen in der Wohnung gehabt hatte, dann konnte dieser Komplice kein anderer als Miller sein.

Mühsam schluckte Trainor seinen Ärger hinunter und nahm die Durchsuchung der Wohnung wieder auf. Einer der Gegenstände, die er sich dabei vornahm, war der Briefkasten. Briefe waren zwar keine drin, dafür entdeckte er etwas anderes:

»Brotkrumen!« rief er und ließ die kleinen Brocken in die Handfläche der anderen Hand fallen.

»Er hat also Lebensmittel durch den Briefkasten zugesteckt bekommen, was?« fragte Dr. Warden.

»Sieht so aus. Aber warum gerade durch den Briefkasten?«

Miller war durch das Fenster hereingeklettert und schaute sich neugierig im Zimmer um.

»Ich glaube, Weldrake weiß darüber Bescheid«, sagte Trainor. »Den haben wir wenigstens sicher.«

»Haben Sie heute schon mit ihm gesprochen?« fragte Warden.

»Nein, aber ich gehe jetzt zu ihm hin.« Er wandte sich an Miller. »Was tun Sie noch hier?«

»Nichts, Herr Inspektor. Übrigens – an einem so nebligen Tag wie heute ist es ja kein Wunder, daß Sie ihn nicht erwischen konnten.«

»Wir hätten ihn gefangen, wenn Sie nicht dazwischengekommen wären.«

»Aber Herr Inspektor«, verteidigte sich nun Miller, »wenn ich im Zimmer geblieben wäre und nicht versucht hätte, den Mann auf der Feuerleiter aufzuhalten, dann hätten Sie auch etwas auszusetzen gehabt. Wie konnte ich wissen, daß ich Ihnen direkt in den Weg lief? Außerdem hätte ich ihn vielleicht sogar erwischt, wenn Sie und der Sergeant mich nicht beinahe die Leiter heruntergeworfen hätten.« Er sagte das mit außerordentlich gekränkter Miene.

»Er hat ganz recht«, stimmte Dr. Warden bei.

»Nun, ich werfe Ihnen ja auch nichts vor, Miller«, meinte Trainor beschwichtigend. »Aber es ist schon aufreizend, wenn man den Kerl auf diese Weise entkommen sieht.«

»Ja, das glaube ich schon«, gab Miller zu und schaute sich wieder in der Wohnung um. »So, hier hat er also die ganze Zeit gehaust«, murmelte er.

»Wer?« fragte Trainor prompt.

»Nun, natürlich der Mörder«, versetzte Miller, und der Detektiv wandte sich mit einem enttäuschten Blick ab.

Dr. Warden betrachtete Miller sehr verwundert.

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