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Louba der Spieler

Edgar Wallace: Louba der Spieler - Kapitel 24
Quellenangabe
pfad/wallacee/louba/louba.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
titleLouba der Spieler
publisherGoldmann Verlag
translatorCarl Wehner
editorFriedrich A. Hofschuster
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
printrun12. Auflage
isbn3442001633
year1982
created20111028
projectida7c69ec8
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23

Trainor entschloß sich, der Vermutung Hurley Browns nachzugehen, obgleich er ihr eigentlich nur geringen Wert beimaß. Er glaubte auch nicht recht daran, daß Brown da Costa selber in Verdacht hatte. Denn seitdem er damals kurz seinen Namen erwähnt hatte, war er nie mehr auf ihn zu sprechen gekommen. Selbstverständlich war es ein merkwürdiger Zufall, daß da Costa früher ein Konkurrent und Gegner und jetzt ein Nachbar Loubas war. Aber es konnte auch durchaus möglich sein, daß sie schon längst ihre Streitigkeiten miteinander begraben hatten. Leute wie diese beiden machten sich nichts daraus, wer ihr momentaner Geschäftspartner war wenn es nur in ihre Pläne paßte. Wenn sie sich auch in der Vergangenheit nicht vertragen hatten, so war es doch sehr wahrscheinlich, daß ihre Geschäftsinteressen sie mittlerweile wieder zusammengeführt hatten. Ihre Nachbarschaft brauchte also keineswegs etwas Schlimmes zu bedeuten. Wäre es anders gewesen, dann hätte Louba wohl als erster Verdacht geschöpft und sich recht vorsichtig verhalten.

Außerdem war auch den andern Bewohnern von Braymore House bekannt, daß da Costa schon einige Zeit vor dem Mord verreist war.

Immerhin, wenn man da Costa von der Liste der Verdächtigen strich, dann wurde wenigstens der Kreis um vieles enger.

Trainor ging von seinem Büro aus direkt in die Wohnung im zweiten Stock.

»Es ist eine dumme Sache, Sergeant, ich habe keinen Haussuchungsbefehl«, informierte er seinen Begleiter. »Aber ich möchte unbedingt in die Wohnung hinein. Bleibt nichts übrig, als es auf die eigene Kappe zu nehmen.«

»Aber wie kommen wir hinein, Inspektor?«

»Mr. Hurley Brown sagte, es sei keinerlei Dienerschaft da. Es an der Tür zu versuchen, hat also keinen Zweck. Am besten, wir probieren es durch das Fenster.«

Sie kletterten die in dieser Angelegenheit schon so häufig benutzte Feuerleiter hinauf, stiegen an Loubas Wohnung vorbei und machten am nächsten Stock halt.

Die Vorhänge in dem Zimmer da Costas waren fest zugezogen, und das Fenster ließ sich nicht öffnen. Der Sergeant preßte sein Gesicht gegen eine der Glasscheiben und blinzelte hinein, dann erklärte er, daß das Fenster mit einem Riegel gesichert sei.

»Hm – nichts zu machen«, brummte Trainor. »Wir müssen es doch an der Tür versuchen – ich werde das Schloß schon aufkriegen.«

Sie kletterten wieder herunter und gingen zurück in das Haus. Als sie die Treppe hinaufstiegen, hörten sie von oben die Stimme des Fahrstuhlführers rufen.

»He! He, mein Herr! Suchen Sie etwas?«

Man hörte das Trampeln schneller Tritte. Trainor stellte sich an die untersten Stufen des nächsten Treppenabsatzes und Weldrake lief ihm in die Arme.

Sofort versuchte er an dem Inspektor vorbeizuschlüpfen, und fast wäre es ihm auch gelungen, wenn ihn Trainor nicht mit einem eisernen Griff festgehalten hätte.

»Gehen Sie noch nicht – nicht gar so schnell, Sir«, sagte er. »Wir möchten Ihnen erst noch guten Abend sagen.«

»Aber ich habe es wirklich eilig«, erklärte der kleine Mann.

»Es täte mir leid, wenn ich Sie mit Gewalt festhalten müßte – Mr. da Costa.«

Ganz sicher war er sich seiner Sache allerdings nicht, als er den Namen aussprach. Eigentlich konnte er nicht recht glauben, daß der Mann da Costa war.

»Sie sind im Irrtum«, entgegnete Weldrake auch sofort. »Ich versichere Ihnen, ich bin nicht Mr. da Costa. Bitte halten Sie mich doch nicht auf. Ich – ich muß noch zum Zug.« Während er sprach, hielt neben ihnen der Fahrstuhl an.

»Wer ist das hier?« fragte Trainor den Fahrstuhlführer.

»Keine Ahnung, Inspektor. Ich rief ihn an, weil ich ihn schon mehrere Male durch das Treppenhaus huschen sah. Er benutzte nie den Fahrstuhl und hat es immer sehr eilig – das schien mir etwas verdächtig.«

»Mr. da Costa ist es nicht, wie?«

»O nein, Inspektor. Kein Gedanke daran. Da Costa ist ein großer, kräftiger Mann mit schwarzen Augen, schwarzem Schnurrbart und einem roten Gesicht. Sieht ziemlich fremdländisch aus.«

»Haben Sie diesen Herrn jemals bei ihm gesehen?«

»Nein. Ich habe ihn überhaupt noch nicht gesehen, mit Ausnahme der beiden letzten Tage.«

Trainor wandte sich an Weldrake.

»Ich muß Sie schon bitten, ein paar Minuten mit mir hereinzukommen. Ich bin mit der Untersuchung der Mordsache Louba beschäftigt und interessiere mich für alle Besucher von Braymore House.«

»Aber ich habe in diesem Haus eigentlich gar nichts zu suchen, ich versichere Ihnen das. Es ist ein reiner Zufall – es ist so dunkel und neblig draußen, daß ich mich in der Haustür getäuscht habe und aus Versehen in dies Gebäude hineingelaufen bin.«

»Dann war das gestern und vorgestern also auch ein Irrtum?« bemerkte der Fahrstuhlführer.

Der kleine Mann schaute verzweifelt die Treppe hinab, als ob er daran dächte, doch noch zu entwischen. Aber Trainor hielt seinen Arm fest, und der Sergeant stand sprungbereit.

»Also schön«, sagte er ergeben und ging zur Tür von Loubas Wohnung. »Aber Sie irren sich wirklich!«

»Ist Ihr Name zufälligerweise vielleicht Weldrake?« fragte Trainor, dem anscheinend plötzlich ein Licht aufging. Er beobachtete scharf den kleinen Mann, der jetzt vor ihm in Loubas Wohnzimmer stand.

»Ja – ja, so heiße ich«, gab der kleine Mann widerwillig zu. »Aber Sie wissen so gut wie ich, daß nicht der geringste Grund vorhanden ist, mich festzuhalten. Mein ganzes Vergehen bestand darin, einem jungen Mann Unterkunft anzubieten ... einem jungen Mann, den ich für unschuldig halte!«

Von Anfang an hatte er linkisch versucht, seinen einen Arm zu verstecken und sich die größte Mühe gegeben, daß Trainor nicht auf das aufmerksam wurde, was er anscheinend in der Hand hielt. Es war ganz klar, daß er unter seinem Mantel irgendeinen größeren Gegenstand verbarg. Trainor tat bis jetzt so, als hätte er das noch gar nicht bemerkt.

»Ach so, deshalb haben Sie also seinerzeit Miss Martin aufgesucht?«

»Er war damals noch nicht verhaftet, erinnern Sie sich?«

»Das stimmt. Warum liefen Sie aber weg, als wir ihn verhafteten?«

»Was hätte es denn für einen Sinn gehabt, dazubleiben. Was hätte ich Ihnen auch nützen können?«

»Nun, immerhin hätte ich gerne von Ihnen erfahren, warum Sie in der Mordnacht vor Braymore House waren?«

»Oh, nichts als ein Zufall! Ich war ein ganz unbeteiligter Zuschauer, habe niemand etwas zuleide getan und hatte auch mit dem Mord nicht das geringste zu tun.«

»Merkwürdige Zufälle. Zuschauer wissen übrigens bekanntlich am meisten. Ich habe durchaus den Eindruck, daß Sie uns allerhand Interessantes erzählen könnten.«

»Nein, wirklich nicht«, versicherte Weldrake hastig.

»Hm – was verstecken Sie zum Beispiel unter Ihrem Mantel?« erkundigte sich Trainor nun plötzlich.

Weldrake wurde ganz offensichtlich verlegen und trat unruhig von einem Fuß auf den andern.

»Ich verstecke doch nichts«, protestierte er. »Ich halte nur etwas sehr fest, damit ich es nicht verliere.«

»Etwas Wertvolles?«

»Nein, gar nicht. Aber es ist nicht gut eingepackt.«

»Kann ich's mal sehen?«

»Lieber nicht.«

»Wo haben Sie es denn her?«

»Gekauft ... Kurz bevor ich hierherkam.«

»Und es ist nicht besonders gut eingewickelt? Seltsam. Wir werden Ihnen etwas Papier und Schnur besorgen, damit Sie es besser tragen können. – Miller!«

»Oh, machen Sie sich doch keine Mühe«, flehte Weldrake aufgeregt. »Ich kann es ganz gut tragen, so wie es ist.« Er machte einen Schritt auf die Tür zu. »Wenn Sie mich etwas über die bewußte Nacht fragen wollen – eigentlich kann ich Ihnen gar nicht viel darüber berichten – dann werde ich morgen früh wiederkommen. Oder ich sage Ihnen meine Adresse, und Sie können mich dann aufsuchen.«

Sein geradezu fieberhafter Wunsch fortzukommen wäre selbst dem Unbeteiligtsten nicht entgangen.

»Mr. Weldrake, ich muß Sie bitten, mir das Paket zu zeigen«, sagte Trainor in einem Ton, den man nicht gerade höflich nennen konnte.

Eine kleine Pause trat ein. Das Gesicht des kleinen Mannes sah jetzt völlig bekümmert und niedergeschlagen aus.

Langsam knöpfte er seinen Mantel auf und nahm ein dickes, in Zeitungspapier eingewickeltes Paket heraus. Zögernd überreichte er es dem Inspektor.

Trainor entfernte das Papier und betrachtete dann sehr verwundert das bunte, glasperlenbesetzte Kästchen, das zum Vorschein kam.

»Rufen Sie Miller«, sagte er zu dem Sergeanten.

Er war nicht sehr im Zweifel, ob das Ding da unter den Raritäten in der Messingtruhe gewesen sein konnte. Das kam ihm schon deshalb merkwürdig vor, weil das Kästchen anscheinend keinerlei praktischen Sachwert hatte, und weil ein Dieb, der nur einen einzigen Gegenstand genommen hätte, doch bestimmt etwas möglichst Wertvolles ausgesucht haben würde.

»Haben Sie das da schon einmal gesehen, Miller?« fragte er, als der Diener eintrat.

»Ja, natürlich, Herr Inspektor! Ich erinnere mich sehr gut daran«, entgegnete Miller sofort. »Es stand allerdings niemals herum, sondern war immer in der Truhe, aber dort habe ich es mehr als einmal gesehen. Ich täusche mich keinesfalls. Der Gegenstand fiel mir auf, weil er so völlig wertlos ist, und ich fand es sehr komisch, daß ihn Mr. Louba aufhob.«

»Warum haben Sie mir nicht gesagt, daß das Kästchen in der Truhe fehlte, wenn Sie so sicher sind, daß es immer dort war?«

Miller sah ihn verlegen an.

»Ich dachte eben nicht mehr daran, bis ich es jetzt wieder zu sehen bekam«, antwortete er ziemlich mürrisch.

»Aber jetzt haben Sie nicht mehr den geringsten Zweifel?«

»Nein. Ich weiß genau, daß das Ding da in der Truhe lag.«

»Können Sie auch noch sagen, wann Sie es zum letztenmal gesehen haben?« warf Weldrake ein. »Mr. Louba verkaufte es nämlich vor einiger Zeit, und ich erstand es heute in einem Antiquitätengeschäft.«

»Wo?«

»In der Wardour Street.«

»Sollen wir wirklich in allen Geschäften dort nachfragen?« fragte Trainor skeptisch, und Weldrake schaute ihn kummervoll von der Seite an.

»Sie erinnern sich nicht mehr daran, wann Sie es zum letztenmal sahen?« wandte sich der Inspektor an Miller.

»Nein. Ich weiß es nicht mehr.«

Der Diener schaute Weldrake aufmerksam an, und plötzlich griff er sich an den Kopf.

»Aber ich kann Ihnen sagen, wann ich diesen Mann hier schon einmal gesehen habe!« rief er.

»Oh! Sie kennen ihn«, sagte Trainor. Weldrakes verlegenes Aussehen bestätigte den Ausruf Millers.

»Ja. Ich sah ihn an dem Mittwoch, bevor Mr. Louba ermordet wurde. Er folgte mir in ein Restaurant, mir und ... einem meiner Freunde«, fuhr er hastig fort. Plötzlich entdeckte er, daß er jetzt selbst in eine Falle geraten war und wurde verlegen. »Er setzte sich an unsern Tisch und redete allerhand Blödsinn ... wirklich ganz merkwürdiges Zeug.«

»Worüber redete er?«

»Über da Costa. Und darüber, daß er schon seit zwanzig Jahren warte. Alles, was er sagte, war nicht gerade klar. Um aufrichtig zu sein – ich dachte wirklich, er hätte einen kleinen Klaps«, bekannte Miller.

»Worauf wartete er seit zwanzig Jahren?«

»Nun, ich nahm an, darauf, mit Louba abzurechnen, aber ich kann es nicht beschwören. Es ist nur eine Vermutung von mir.«

»Und sonst können Sie sich an nichts mehr erinnern?«

Miller ärgerte sich von neuem über den ungünstigen Kommentar, mit dem Trainor sein Erinnerungsvermögen bedachte.

»Er sprach ja nur ein Dutzend Worte mit uns«, gab er zurück. »Wir kannten ihn ja schließlich gar nicht und nahmen ihn auch gar nicht ernst.«

Trainor widmete sich wieder Weldrake.

»Haben Sie dazu etwas zu bemerken?« fragte er.

»Ich wollte damals ja nur sagen, daß ein schlechter Mensch wie Louba eines Tages ganz bestimmt einen gewaltsamen Tod sterben wird«, erklärte Weldrake.

»Und darauf warteten Sie wohl?«

»Ja. Ich wartete darauf ... Das ist aber auch alles, was ich tat!«

»Hm – nicht schlecht ...«

Trainor versuchte vergeblich, aus Weldrake klug zu werden. Eigentlich konnte er in ihm nichts anderes sehen, als einen sanftmütigen, aufgeregten kleinen Mann, der gerne seine Ruhe gehabt hätte.

»Wann haben Sie da Costa zum letztenmal gesehen«, fragte er.

»Oh ... kurz bevor er abreiste.«

»Waren Sie eben in seiner Wohnung?«

»Ich läutete bei ihm. Ich glaubte, er sei vielleicht zurückgekommen. Aber das ist leider nicht der Fall.«

»Was wollten Sie denn bei ihm?«

»Ich ... ich wollte ihm gerne dieses Kästchen verkaufen.«

»Wo haben Sie es eigentlich her? Haben Sie es aus diesem Zimmer?«

»Aber keineswegs. Ich gebe Ihnen mein Wort – ich war noch niemals in meinem Leben in diesem Raum.«

Trainor schaute ihn völlig verwirrt an.

»Na«, meinte er. »Ich hoffe um Ihretwillen, daß Sie das auch beweisen können.«

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