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Louba der Spieler

Edgar Wallace: Louba der Spieler - Kapitel 21
Quellenangabe
pfad/wallacee/louba/louba.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
titleLouba der Spieler
publisherGoldmann Verlag
translatorCarl Wehner
editorFriedrich A. Hofschuster
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
printrun12. Auflage
isbn3442001633
year1982
created20111028
projectida7c69ec8
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20

Für einen Londoner war Dr. Warden geradezu ein Frühaufsteher. Aber er hatte auch eine große ärztliche Praxis und war ein gewissenhafter Arbeiter.

Im Augenblick saß er gerade bei seinem Frühstück und überflog die Zeitungsspalten, die von der Mordtat berichteten. Im Innersten war er froh, daß sein Name nicht genannt wurde. Zwar mußte Dr. Warden bei der gerichtlichen Untersuchung seine Aussage noch zu Protokoll geben, aber er freute sich doch über die Atempause bis dahin. Er machte sich nun einmal nichts daraus, von neugierigen Reportern ausgefragt zu werden.

Als das Mädchen einige Zeit darauf einen Besucher ankündigte, war er schon in seinem Laboratorium mit einigen Versuchen beschäftigt.

»Führen Sie den Herrn herein, Mary.«

Es war Miller, Loubas Diener.

»Guten Morgen, Miller. Ich kann mir schon denken, warum Sie kommen. Das Ganze ist eine sehr heikle Angelegenheit, und es tut mir sehr leid um Sie. Ich vermute, Sie stehen auch unter Verdacht. Na, das passiert bei einem solchen Fall vielen, also machen Sie sich nichts daraus«, setzte er hinzu, als er die Bestürzung in dem Gesicht des Mannes bemerkte. »Haben Sie irgend etwas Neues zu berichten?«

»Nein, Herr Doktor, nur daß die Polizei diesen Charlie bis zu einem Hotel verfolgt hat. Aber als sie hinkamen, war er schon weg.«

»Das habe ich schon gelesen«, entgegnete der Doktor. »Man nimmt an, daß er noch in London ist.«

»Herr Doktor ...« Miller stockte. »Dürfte ich Ihnen etwas erzählen? Sie entsinnen sich doch noch genau daran, daß ich Sie einige Zeit allein ließ, um meiner Braut mitzuteilen, daß ich unsere Verabredung verschieben müßte?«

»Ja«, sagte der Doktor. »Sie blieben eine Viertelstunde weg. Wenn Sie wollten, hätten Sie genügend Zeit gehabt, die Feuerleiter hinaufzusteigen«, meinte er scherzhaft.

»Um Gottes willen, setzen Sie ihnen nur nicht diese Idee in den Kopf!« rief Miller nervös.

Dr. Warden lachte.

»Ich habe ja nur einen Scherz gemacht – vielleicht ein etwas unangenehmer Scherz, wie? Na ja, Spaß muß sein. Also, was wollen Sie denn nun eigentlich?«

Miller holte tief Luft.

»Herr Doktor, wissen Sie auch, daß das Haus beobachtet wurde?«

»Ich habe gehört, daß ein Mann namens Weldrake dort gesehen wurde, ein Mann, den niemand kennt und den man auch nicht finden kann«, entgegnete der Doktor.

»Nein, den meine ich nicht. Es ist jemand, der uns beiden gut bekannt ist.«

»Meinen Sie Mr. Leamington? Haben Sie ihn gesehen?«

»Nein, Herr Doktor, nicht Mr. Leamington. Aber der letzte Mensch auf Gottes Erdboden, den ich zu sehen erwartet hätte – Mr. Hurley Brown.«

»Was!«

»Ja, Mr. Hurley Brown. Ich sah ihn ganz deutlich.«

»Aber das ist ja fast unmöglich, Miller. Ich war doch mit dem Captain zusammen in meinem Club ... Er war dort, als ich hinkam, und ich ging auch von Louba wieder direkt dorthin zurück.«

»Keine Ahnung, Herr Doktor, wie das möglich ist«, meinte Miller verstört. »Aber es war Mr. Brown. Er stand hinter dem Gartentor von Braymore House, als ich fortging.«

»Allein?«

»Ja, Herr Doktor. Ich sprach mit dem Diener von der Wohnung unter uns, und auch er sagt, daß er einen Mann an der Tür hat stehen sehen – und dieser Mann sei Mr. Brown gewesen. Der Diener kennt ihn genau und hat ihn sogar auch aus noch viel kürzerer Entfernung gesehen als ich.«

»Warum nennt die Polizei den nächtlichen Besucher eigentlich Charlie?«

»So nannte ihn Mr. Louba in meinem Beisein. ›Kommen Sie herein, Charlie‹, sagte er. Ich erzählte das schon Inspektor Trainor. Der Diener hat übrigens sowohl Mr. Brown als auch Charlie beobachtet. Er sah, wie der Captain diesem Charlie aufmerksam mit Blicken folgte. Meine Meinung ist, Herr Doktor« – Millers hageres Gesicht zuckte vor Aufregung, als er seine große Theorie erklärte –, »daß man zwei und zwei zusammenzählen soll. Wenn jemand weiß, wer den Mord wirklich begangen hat, dann ist dieser Jemand Mr. Hurley Brown.«

Dr. Warden sah den Mann sprachlos an.

»Davon bin ich felsenfest überzeugt, Herr Doktor – Mr. Brown weiß über diesen Mord mehr als...«

»Was fällt Ihnen ein, Miller!« polterte der Doktor ärgerlich los. »Wie können Sie es wagen, einen solchen Verdacht überhaupt nur auszusprechen – Mr. Hurley Brown! Ein Polizeikommissar! Das ist doch eine Ungeheuerlichkeit! Genausogut könnten Sie mich beschuldigen – ich war doch allein in der Wohnung, wenigstens eine Viertelstunde lang. Mr. Brown! Na, wissen Sie ...«

»Es tut mir ja leid, Herr Doktor«, murmelte der Mann niedergeschlagen. »Ich wollte ganz bestimmt auch nichts Böses anrichten. Aber gestern war er den ganzen Tag in der Wohnung und suchte nach etwas. Er ließ das Unterste zuoberst kehren.«

»Aber natürlich! Das ist doch seine Pflicht, Miller! Was soll er denn als Polizeibeamter sonst tun – er muß doch nach Spuren suchen.«

Miller ließ beschämt den Kopf hängen.

Immer noch konnte er sich nicht zum Gehen entschließen, obgleich er doch anscheinend alles gesagt hatte, was er hatte sagen wollen.

»Alle möglichen Leute besuchten Mr. Louba seinerzeit«, brummte er schließlich noch.

»Wen meinen Sie denn jetzt wieder?«

»Beispielsweise Sir Harry Marshley, auch Lady Marshley. Und wenn ich richtig darüber nachdenke, dann kommt es mir so vor, als ob dieser Charlie ihn ebenfalls öfters besucht hätte. Ich kann mich zwar nicht genau auf ihn besinnen, aber die Art, wie er ging, kam mir so bekannt vor.«

Der Doktor sah den Diener mit einem scharfen Blick an.

»Es kommt mir so vor, als ob Sie etwas wüßten, was Sie mir ganz gerne mitteilten«, meinte er. »Wollen Sie es mir nicht endlich sagen – oder, noch besser, es gleich der Polizei mitteilen?«

Leider wurde Miller beim Erwähnen der Polizei wieder außerordentlich nervös. Er murmelte noch etwas, entschuldigte sich dann hastig und eilte davon.

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