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Louba der Spieler

Edgar Wallace: Louba der Spieler - Kapitel 18
Quellenangabe
pfad/wallacee/louba/louba.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
titleLouba der Spieler
publisherGoldmann Verlag
translatorCarl Wehner
editorFriedrich A. Hofschuster
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
printrun12. Auflage
isbn3442001633
year1982
created20111028
projectida7c69ec8
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17

Beryl war eben die Treppe heruntergekommen, da wurde ihr gesagt, ein Herr wolle sie sprechen.

Mit einer hilflosen, gehetzten Geste wandte sie den Kopf.

Sie war gleich nach Trainors Besuch ins Bett gegangen und war auch eingeschlafen. Aber es war ein fürchterlicher Schlaf, voll von unruhigen Träumen, gewesen. Mit entsetzlichen Kopfschmerzen wachte sie auf.

Als sie sich ihre Unterhaltung mit Frank am gestrigen Abend noch einmal ins Gedächtnis zurückrief, war sie immer noch überzeugt davon, daß er ihr die Wahrheit gesagt hatte, als er abstritt, Louba tätlich angegriffen zu haben. Sie vermutete aber auch, daß er viel genauer Bescheid über den Mord wußte, als er ihr gegenüber zugab. Bestimmt hatte er Louba tot aufgefunden, und dies war der Grund für seine Kopflosigkeit. Auch war ihm völlig klar, daß man von anderen Menschen nicht erwarten konnte, seinen Worten so zu glauben, wie sie selbst es tat. Das Herz wurde ihr schwer, als jetzt ein Besucher angekündigt wurde.

»Ich komme sofort«, sagte sie schwach, und das Mädchen ging hinaus.

Sie war froh darüber, daß ihre Mutter morgens ihr Zimmer nicht verließ, und ging nun einige Minuten auf und ab, um sich zu sammeln. Sie würde ihren ganzen Mut gebrauchen, um dem Inspektor wieder gegenüberzutreten und ihm kühn ins Gesicht zu lügen. Aber es ging um Franks Leben.

Trotzdem war ihr Gesicht verstört und von einer unheimlichen Blässe, als sie die Tür zu dem Zimmer öffnete, in dem sie den Inspektor vermutete. Zu ihrem Erstaunen sah sie statt dessen einen harmlosen kleinen Mann, der ihr furchtsam zublinzelte.

»Aber ... aber ... Sie sind doch der Mann, den ich gestern abend traf!« rief sie. Sein Anblick beunruhigte sie, obwohl sie sich selbst zugeben mußte, daß unter anderen Umständen nichts hätte harmloser aussehen können als er.

»Ganz richtig, Miss Martin«, sagte er mit einer ungeschickten Verbeugung. »Ich wollte Ihnen nur gratulieren ... Jetzt brauchen Sie Mr. Louba nicht mehr zu heiraten!«

Er strahlte sie geradezu an, sein Gesicht machte einen ganz verklärten Eindruck.

»Was für ein glücklicher Morgen!«

Wenn Loubas Tod nicht eine Gefahr für Frank bedeutete, dann hätte sie das gleiche gedacht. Als sie sich das überlegte, kam ihr der kleine Mann gar nicht mehr so verrückt vor. Jetzt nahm sie ihm seine Glückwünsche nur wegen des Spottes übel, den sie damit verbunden glaubte. Immer noch tausendmal besser, Loubas Frau zu sein, als zu wissen, daß Frank für ihre Freiheit mit dem Leben bezahlte.

»Es tut mir leid«, meinte sie. »Aber für mich ist es kein besonders glücklicher Morgen. Ich bin in allergrößter Sorge. Haben Sie irgend etwas, was ...«

»Ja, natürlich. Sie sind in Sorge um diesen jungen Mann, Mr. Leamington?«

»Oh, keineswegs – nein, nein! Warum sollte ich in Sorge um ihn sein?«

»Warum? Nun, weil Louba ermordet wurde; und da er gestern abend dort war –«

»Er war nicht dort!« unterbrach sie ihn heftig. »Er war nicht einmal in der Nähe!«

Er lächelte sie gütig an, auf eine Art, die ihn direkt sympathisch machte.

»Natürlich – Sie tun ganz recht damit, ihn zu schützen«, sagte er. »Aber ich fürchte, es ist schon bekannt, daß er dort war.«

»Wer weiß das? Wer?«

»Die Kriminalpolizei ... Wahrscheinlich hat man ihn schon heute morgen verhaftet.«

»Was sagen Sie da?« flüsterte sie zu Tode erschrocken. »Wie können Sie das behaupten?«

»Ich sah alle zu ihm hingehen: Inspektor Trainor, Mr. Brown, und auch –«

»Oh, setzen Sie sich – bitte!« stieß sie mühsam hervor und sank selbst in einen Sessel. »Sie sahen sie wirklich hingehen?«

»Ja, in aller Frühe. Aber verhaftet wurde er nicht.«

»Wissen Sie das ganz genau?« fragte sie hastig.

»Ganz genau – deshalb komme ich nämlich zu Ihnen. Man hat ihn im Augenblick nur deshalb geschont, weil er, soviel ich weiß, ein Freund von Mr. Brown ist. Aber, Miss Martin, das wird natürlich auf die Dauer nicht gehen. Im Polizeidienst geht die Pflicht über alles – auch über die Freundschaft. Aber was ich Ihnen noch sagen wollte, war ...«

Sie faßte wieder Mut.

»Bestimmt hat man ihn nicht verhaftet, weil seine Antworten den Verdacht gegen ihn beseitigten«, unterbrach sie ihn. »Er hat mit Mr. Loubas Tod nichts zu tun und hat das bewiesen.«

»Aber er kann es nicht vor Gericht beweisen, Miss Martin! Ich hörte, wie sie sich beim Fortgehen darüber unterhielten. Auch Dr. Warden war bei ihnen.

»Kennen Sie Dr. Warden?«

»Ich kenne jeden, der jemals etwas mit Louba zu tun hatte«, antwortete er sanft.

»Nun – und weiter, weiter. Was hörten Sie noch?«

»Man hat an seinem Anzug Blutflecken gefunden, und er hat daraufhin zugegeben, daß er nach Loubas Tod in der Wohnung war, das glaubten sie ihm auch, aber ...« Er schüttelte den Kopf. »Bringen Sie ihn in Sicherheit, Miss!«

Sie zuckte ängstlich zusammen.

»Wenn es notwendig wäre, daß er sich versteckt, hätten Brown und Warden ihm das sicher gesagt«, erklärte sie, obwohl sie selbst nicht recht daran glaubte.

»Ausgeschlossen, das konnten und durften sie nicht, es sind ehrliche Männer. Sie können seine Verhaftung in der Hoffnung hinauszögern, daß sich etwas entdecken läßt, das den Verdacht von ihm ablenkt – aber damit haben sie auch schon ihr möglichstes getan. Warten Sie nicht, bis es zu spät ist, Miss Martin. Wenn er tot ist, können Sie ihn nicht mehr ins Leben zurückrufen. Und da Sie fest daran glauben, daß er unschuldig ist, müssen Sie um so mehr darauf bedacht sein, ihn davor zu schützen, ins Gefängnis zu kommen.«

»Weglaufen wäre aber gleichbedeutend damit, seine Schuld einzugestehen.«

»Er soll ja nur bis zu dem Zeitpunkt verschwinden, wo seine Unschuld nachgewiesen ist. Sie halten ihn ja für unschuldig ... Selbst gesetzt den Fall, seine Unschuld kommt nie heraus, dann ist es immer noch besser für Sie, an irgendeinem erreichbaren Ort mit ihm zusammen glücklich zu sein – als daß er gehängt wird.«

»Nein, nein – reden Sie nicht so!« Sie schaute ihn entsetzt an. »Wie können Sie dieses furchtbare Wort benutzen.«

»Nun, man wird ihn ohne Zweifel hängen, wenn er für schuldig befunden wird. Und das wäre unrecht. Louba war ein gemeingefährlicher, verbrecherischer Mensch. Er hat hundertmal den Tod verdient, und es wäre eine Schande, wenn jemand seinetwegen verurteilt würde.«

»Frank könnte jetzt ja gar nicht mehr entkommen – selbst wenn er wollte«, murmelte sie. »Sobald bekannt wird, daß er geflohen ist, werden automatisch sämtliche Züge und Schiffe kontrolliert.«

»Er kann zu mir kommen«, sagte der kleine Mann freundlich. »Ich habe eine bescheidene Wohnung in Balham im obersten Stock eines Hauses. Er könnte bei mir wohnen, ohne daß jemand etwas davon merkt – abends kann er ohne weiteres auf den Dachgarten gehen, damit er an die frische Luft kommt. Übrigens bin ich überzeugt davon, daß auch noch die Möglichkeit zur Flucht auf den Kontinent bestünde, wenn sie nur sofort in Angriff genommen wird. Aber vielleicht ist es doch zu gefährlich. Er soll es lieber nicht riskieren und zu mir kommen; bei mir ist er bestimmt in Sicherheit. Niemand besucht mich – ich bin ganz allein. In dem Haus sind lauter kleine Wohnungen, und kein Mensch kennt den anderen.«

»Warum sind Sie eigentlich so besorgt um ihn?« fragte sie. »Warum wollen ausgerechnet Sie die Gefahr auf sich nehmen, ihn bei sich zu verbergen?«

»Weil ich nicht will, daß er dafür leiden muß, daß er ... Er soll nicht wegen dem Mord an Louba verurteilt werden. Louba ist es nicht wert. Wer ihn auch ermordet hat – er war ein Wohltäter der Menschheit. Und ich möchte ihm beistehen.«

»Dann hat Frank Leamington durchaus keinen Anspruch auf Ihre Dankbarkeit!« versetzte sie. »Er hat Louba nicht ermordet!«

»Dann habe ich doch viel mehr Ursache dazu, ihn davor zu bewahren, noch nach dem Tod dieses Verbrechers sein Opfer zu werden. Wollen Sie ihn nicht aufsuchen und überreden, zu mir zu kommen? Wenn Sie nicht gleich gehen, ist es zu spät. Sie werden es Ihr ganzes Leben lang bereuen und das wird nichts mehr ungeschehen machen können.«

Ja, das war richtig. Man brauchte sie wahrhaftig nicht daran zu erinnern.

Der Wunsch, Frank Leamington in Sicherheit zu wissen, ging ihr über alles. Wenn sie jetzt zögerte, so nur deswegen, weil sie wußte, daß diese Flucht vielleicht noch schlimmere Folgen haben konnte, als wenn er blieb und die Sache ausfocht.

»Ich werde ihn auf alle Fälle aufsuchen und mit ihm sprechen«, entschloß sie sich schließlich und stand auf.

»Das ist recht«, sagte er und erhob sich befriedigt. »Soll ich Ihnen gleich meine Adresse geben? Oder vielleicht entschließt er sich doch noch dazu, das Land zu verlassen ...«

»Ja – geben Sie mir Ihre Adresse ... auf jeden Fall ...«, entgegnete sie und nahm die Visitenkarte, die er ihr hinhielt.

»Sie werden keine Zeit verlieren, nicht wahr?« mahnte er sie nochmals. »Es wäre nicht recht, Miss. Und nun alles Gute – ich hoffe, daß Sie ihn dazu bewegen können fortzugehen. Und ich bin jederzeit für Sie da. Guten Morgen.«

Er machte eine unbeholfene Verbeugung und ging.

Beryl hatte sich entschlossen und ging ohne weiter zu überlegen in Leamingtons Wohnung. Sie fand ihn dort vor dem Kamin sitzen und schwermütig in das leise knisternde Feuer starren.

»Ist etwas passiert?« rief er erschrocken, als er sie sah, und sprang auf.

»Frank, du hast Louba gestern abend gesehen – tot, ermordet! An deinen Kleidern war Blut – selbst meine Handschuhe waren blutig, weil ich dich angefaßt habe. Und du hast ihnen alles gesagt?« rief sie.

»Ich habe ihnen alles gesagt«, entgegnete er ruhig. »Ich habe Louba nicht getötet, und es ist besser, die Wahrheit zu sagen. Du weißt nicht, wie leid es mir tut, Beryl, dich mit in diese Sache hineingezogen zu haben. Ich bin dir auch so dankbar dafür, daß du...«

»Es geht hier nicht um mich! Ich möchte, daß du fortgehst, Frank. Es nützt ja gar nichts, daß dir deine Freunde vielleicht glauben – andere tun es nicht, wenn du keine Beweise hast. Wenn sie den Mörder nicht finden, wirst du dafür büßen müssen. Es ist zu gefährlich, Frank. Geh jetzt noch, solange es noch nicht zu spät ist. Auch wenn sich deine Unschuld nicht herausstellt ... dann behältst du wenigstens dein Leben.«

»Ich kann nicht, Beryl. Ich habe mein Ehrenwort gegeben.«

»Oh, Frank!« Jetzt, da sie wußte, daß es fast unmöglich war, ihn in Sicherheit zu bringen, wurde ihr Wunsch, die Gefahr für ihn abzuwenden, nur noch größer. »Dein Leben kann davon abhängen ... und der kleine Mann sagte, er würde dich verstecken, falls du nicht gerne außer Landes gehen willst.«

»Was für ein kleiner Mann?« fragte er scharf

»Der, von dem ich dir gestern abend schon erzählte. Ich traf ihn vor Braymore House, und er hat mich heute morgen aufgesucht.«

»Wer ist er nur? Er sprach mich gestern abend an. Ich glaube, er wußte, daß Louba tot war. Warum hat er dir dieses seltsame Angebot gemacht?«

»Er möchte nicht, daß irgend jemand wegen Loubas Tod in Schwierigkeiten kommt. Louba sei das nicht wert.«

»Ist das der einzige Grund? Hat er dir seine Adresse gegeben?«

»Ja – willst du hingehen, Frank?«

»Ich muß hierbleiben, wo man mich finden kann. Aber immerhin könnte sich die Polizei für die Adresse interessieren.«

»Oh, glaubst du vielleicht, daß er den Mord begangen hat?«

»Ich weiß es nicht. Ich weiß nur so viel, daß ich ihn nicht beging. Auf jeden Fall scheint er etwas damit zu tun zu haben. Wenn er unschuldig ist, kann er sich durch die Beantwortung einiger Fragen nicht im geringsten schaden.«

»Aber selbst wenn er unschuldig wäre, würde er Scherereien bekommen, weil er dich verstecken wollte.«

»Man braucht das ja gar nicht gleich anzugeben. Ich werde Hurley Brown persönlich die Sache mitteilen, und er wird dann den Mann besuchen und ganz unauffällig seine Feststellungen machen – ohne ihm zu nahe zu treten. Das heißt, falls alles in Ordnung ist. Du hast ihn nicht gefragt, was er weiß?«

»Es ist gar nicht so leicht, eine präzise Antwort von ihm zu bekommen – jedenfalls nicht, wenn man ihn über Louba ausfragt.«

»Hast du die Adresse bei dir?«

»Ach – ich glaube nicht. Es fällt mir gerade ein, daß ich sie in meine Tasche tun wollte, als ich zu dir ging, aber dann muß ich es doch vergessen haben und sie irgendwo hingelegt haben. Ich werde sie holen, Frank. Kannst du mich nicht begleiten?«

»Dafür gibt es eigentlich keinen Hinderungsgrund. Ich werde bei Mrs. Sitwell hinterlassen, wo ich hingehe, falls man mich braucht.«

Als sie gemeinsam das Haus verließen, stoppte am Randstein gerade ein Auto, und Trainor und ein Kriminalbeamter in Zivil stiegen aus.

»Bedaure, Mr. Leamington«, sagte Trainor, »aber ich muß Sie verhaften. Sie stehen unter dem dringenden Verdacht, Emil Louba ermordet zu haben.«

»Aber – aber«, stammelte Frank und wurde bleich. »Mr. Brown sagte doch...«

»Tut mir außerordentlich leid«, sagte Trainor und forderte ihn mit einer Handbewegung zum Einsteigen auf. »Aber Mr. Brown ist nicht die höchste Instanz.«

»Also gut«, sagte Frank und wandte sich an Beryl. »Sei tapfer, Beryl. Vielleicht klärt sich alles auf – hoffen wir es. Vergiß nicht festzustellen, was der kleine Mann eigentlich weiß. Wenn er vor Braymore House war, hat er möglicherweise auch den wirklichen Mörder gesehen.«

»Von wem reden Sie da?« fragte Trainor.

»Von einem Mann, den wir beide, Miss Martin und ich, gestern abend vor Braymore House sahen. Miss Martin weiß seine Adresse.«

Sie nickte. Plötzlich deutete sie zur nächsten Ecke.

»Dort – dort ist er!« rief sie. »Jetzt rennt er um die Ecke ...!«

Der Kriminalbeamte lief ihm nach, kehrte aber schon nach fünf Minuten wieder zurück. Der kleine Mann war wie vom Erdboden verschwunden.

»Nehmen Sie an, daß er irgend etwas über das Verbrechen weiß – oder etwa selbst damit zu tun hat?« fragte Trainor.

»Nein. Das kann ich keinesfalls behaupten. Ich weiß nur, daß er dort war und daß er mich in das Haus gehen sah. Da ist es doch durchaus möglich, daß er auch noch andere Leute gesehen hat.«

»Können Sie mir seine Adresse geben, Miss Martin?«

»Ich habe sie nicht bei mir, aber ich werde Sie sofort antelefonieren, wenn ich zu Hause bin«, antwortete sie. Dann winkte sie Frank noch einmal zu und biß sich auf die Lippen, als der Wagen fortfuhr.

*

Der Besuch Trainors in der winzigen Wohnung in Belham förderte jedoch nichts zutage. Niemand hatte auf sein Klingeln geöffnet, und die Tür war verschlossen. Der kleine Mann kehrte auch nicht zurück, obgleich man ihn mit einigem Interesse erwartete.

Auf den Wunsch Trainors öffnete der Hausmeister zwar die Wohnung, aber auch die Untersuchung der drei kleinen Zimmer förderte nichts zutage. Man fand keinerlei Anhaltspunkte, aus denen hervorging, was der Wohnungsinhaber eigentlich trieb. Nachforschungen ergaben nur, daß er ein ruhiger, freundlicher Mensch sei, der seine Miete prompt bezahlte.

»Wie wurden Sie eigentlich mit ihm bekannt, Miss Martin?« fragte Trainor, der sie am Abend noch einmal aufsuchte.

»Er kam heute morgen zu mir und erklärte, er würde Frank mit Freuden aus der Patsche helfen«, sagte sie.

»Hm – welcher Art sollte denn diese Hilfe sein?« forschte Trainor. »Sagte er das nicht?«

Sie hatte sich mittlerweile an das Verhörtwerden gewöhnt und behielt die Fassung.

»Nein«, erklärte sie ruhig.

Verraten wollte sie den Mann keinesfalls. Immerhin war er doch der einzige, der Frank einen Unterschlupf angeboten hatte.

»Wie erklärte er eigentlich seinen unvermittelten Besuch und sein Angebot?«

»Er hielt es für eine Schande, daß Loubas Tod einen unschuldigen Menschen ins Verderben stürzen sollte.«

»Er haßte also Louba?«

»Das sagte er nicht. Er ist ein sehr harmloser kleiner Mann, Mr. Trainor. Ich glaube keinesfalls, daß er auch seine Hand im Spiel hatte. Louba wäre doch mit ihm fertig geworden.«

»Immerhin stand er vor dem Haus ... Es kann genauso gut sein, daß er dort Schmiere stand, während sein Komplice in die Wohnung eindrang.«

»Er versuchte aber bestimmt nicht jemanden im Haus zu warnen, während ich in der Nähe war. Ganz im Gegenteil – er sprach mich an und schien es auch keineswegs eilig zu haben.«

»Warum rannte er weg, als Sie ihn heute morgen an der Straßenecke entdeckten?«

»Vielleicht deshalb, weil er sah, daß schon ein Unschuldiger verhaftet wurde.« Dies sagte sie mit einem bitteren Ton in der Stimme. »Und dann nahm er an, niemand sei seiner Haut sicher, der sich in der Mordnacht im Umkreis von einem Kilometer um Braymore House aufgehalten hatte.«

»Nun«, entgegnete Trainor und wandte sich zum Gehen, »Mr. Leamington war dem Haus näher als einen Kilometer. Das dürfen wir nicht vergessen!«

»Ich weiß«, gab sie zu. »Ich weiß, wie schwarz alles für ihn aussieht ..«

Trainor widersprach nicht.

In der Tat sah der Fall für Frank Leamington sehr schwarz aus. Er wäre der letzte gewesen, das abzulehnen.

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