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Louba der Spieler

Edgar Wallace: Louba der Spieler - Kapitel 12
Quellenangabe
pfad/wallacee/louba/louba.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
titleLouba der Spieler
publisherGoldmann Verlag
translatorCarl Wehner
editorFriedrich A. Hofschuster
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
printrun12. Auflage
isbn3442001633
year1982
created20111028
projectida7c69ec8
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11

Hurley Brown streckte seine Beine so aus, daß sie mehr von der Wärme abbekamen, die der offene Kamin im Rauchzimmer ausstrahlte; gedankenvoll betrachtete er seine elegant polierten Schuhe.

»Ihre Ansichten sind von Grund auf unmoralisch, Louba, das heißt, daß Ihr Sinn für Recht und Unrecht von normalen Gepflogenheiten in jeder Beziehung abweicht.«

Emil Louba kicherte. Seine große, breitschultrige Figur, sein massiver Körperbau, verbunden mit den groben Gesichtszügen, boten einen erstaunlichen Kontrast zu der eleganten, sportlichen Erscheinung seines Gegenübers. Beide Männer hatten sich seit der Zeit, in der sie sich zum erstenmal begegnet waren, kaum verändert – nur daß ihnen damals der gesellschaftliche Kodex eines englischen Clubs noch keine solche Zurückhaltung auferlegt hatte.

Für Louba war es ein Triumph, in demselben Club zu verkehren wie dieser Mann, der ihn einst so verächtlich behandelt hatte. Außerdem freute er sich darüber, daß ihre gemeinsame Bekanntschaft mit Dr. John Warden den Captain zu einer Zuvorkommenheit verpflichtete, die sehr verschieden von seinem Louba gegenüber früher zur Schau getragenen Benehmen war.

»Ansichtssache«, antwortete Louba und paffte ruhig an seiner Zigarre. »Stimmt, ich habe Menschen ruiniert, weil das der einzige Weg war, um reich zu werden. Um Geld zu bekommen, ist es notwendig, zu verletzen. Ich brauche Geld deshalb verletze ich. Verstehen Sie, bester Captain?«

»Ich verstehe«, sagte Captain Brown ohne Überzeugung.

Es war ein nebliger Samstagnachmittag im Dezember, und im Rauchzimmer des Elect Club befand sich niemand außer den beiden und Dr. Warden, dem berühmten Arzt, der wegen einer Operation in der Stadt aufgehalten worden war. Der Doktor klebte eben einen Brief zu, den er gerade beendigt hatte, übergab ihn einem Clubdiener zum Einwerfen und schlenderte dann zu ihnen, beim Näherkommen seine Pfeife stopfend.

»Wären Sie doch schon vorher dagewesen, Dr. Warden. Der Mann hier hat soeben seine Lebensanschauung entwickelt.« »Die Ihnen natürlich unangenehm war, Captain«, antwortete der Doktor schmunzelnd. »Ich habe nie so richtig herausbekommen, ob nun Louba wirklich der schlechte Kerl ist, der er zu sein vorgibt, oder ob seine Ansichten nur dazu da sind, bei anderen Leuten Anstoß zu erregen.«

»Na, um mich zu schockieren, bedarf es allerhand«, meinte Hurley Brown trocken. »Selbst Scotland Yard und die kriminalistische Arbeit haben das nicht fertiggebracht.«

Louba grinste.

»Dennoch könnte ich Ihnen Dinge erzählen, Dinge ... Ich habe mein Geld in der Levante gemacht, wie Sie vielleicht wissen«, sagte er unverfroren, mit einem Seitenblick auf Browns unbewegliches Gesicht. »Ja – ich könnte Ihnen Dinge erzählen!«

»Lieber nicht«, brummte der Doktor gemütlich. »Erzählen Sie uns statt dessen was Nettes. Ich habe drei Stunden lang Chloroform und alle möglichen Antiseptika eingeatmet und möchte etwas zur Beruhigung hören.«

Louba verzog das Gesicht.

»Entsetzlich«, sagte er. »Doktor, das erinnert mich an meine Schmerzen. Hier ...« Er zeigte auf eine Stelle oberhalb der Leistengegend. »Sie müssen mich nächstens einmal untersuchen – leider habe ich Angst davor. Wenn es etwas Schlimmes ist, möchte ich es gar nicht wissen!«

Dr. Warden lachte gutmütig.

»Ich komme heute noch bei Ihnen vorbei, Louba. Habe zufälligerweise sowieso nichts anderes vor. Wahrscheinlich werden Sie lediglich zu fett! – Bleiben Sie übers Wochenende in der Stadt, Brown?«

Hurley Brown nickte.

»Wir sind gerade mit der Aufklärung des Juwelendiebstahls vom Berkeley Square beschäftigt, und ich werde in der Angelegenheit heute nacht wahrscheinlich eine Verhaftung vornehmen müssen. Genial angelegt, die ganze Sache ... muß ein schlauer Kopf gewesen sein – aber das haben Sie ja sicher alles in der Zeitung gelesen.«

Louba schaute auf die Uhr und erhob sich gemächlich.

»Ich erwarte Sie gegen 7 Uhr, Doktor.«

»In Ordnung, werde um diese Zeit bei Ihnen sein.«

Als Louba gegangen war, schaute Hurley Brown den Arzt an und verzog ein wenig das Gesicht.

»Ich kann den Menschen nicht ausstehen, John!«

»Nicht?« sagte der Doktor lässig. »Ich glaube, daß er gar nicht so schlimm ist, wie er tut. Vor allem ist er ungewöhnlich reich und ungewöhnlich orientalisch. Seine Mutter war eine Türkin, der Vater Malteser und wiederum der Sohn eines Griechen und einer Frau aus Smyrna.«

»Kennen Sie ihn eigentlich schon lange?« fragte Brown.

»Na, eine ganze Reihe von Jahren. Er ist wirklich gar nicht so schlimm. Und einmal hat er mir sogar sehr beigestanden, als ich in einer äußerst kritischen Lage war – das vergesse ich ihm nie.«

»Wissen Sie, daß Louba heiratet?«

Der Doktor blinzelte erstaunt. »Im Ernst?«

»Ja, er heiratet Beryl Martin, ein wirklich hübsches Mädel.«

»Ist Miss Martin nicht mit dem jungen Leamington verlobt?«

»Der Meinung war ich auch, Doktor. Aber anscheinend ist die Verlobung gelöst worden. Louba heiratet auf Grund einer Sondererlaubnis schon am nächsten Mittwoch, und anschließend will das glückliche Paar die Flitterwochen in Paris verbringen.«

Der Arzt kratzte sich gedankenvoll am Kinn.

»Sonderbar«, meinte er schließlich. »Hätte nie gedacht, daß Louba jemals heiratet.«

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