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Louba der Spieler

Edgar Wallace: Louba der Spieler - Kapitel 10
Quellenangabe
pfad/wallacee/louba/louba.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
titleLouba der Spieler
publisherGoldmann Verlag
translatorCarl Wehner
editorFriedrich A. Hofschuster
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
printrun12. Auflage
isbn3442001633
year1982
created20111028
projectida7c69ec8
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9

Sehr zufrieden mit den Ereignissen dieses Abends kehrte Louba nach Braymore House zurück. Es war das erste Mal, daß er allen Ernstes daran dachte, eine Frau zu heiraten. Aber Beryl Martin war es wert – ganz abgesehen von dem guten Geschäft, das er sich von dieser Ehe erhoffte.

»Ich brauche Sie nicht mehr, Miller«, sagte er aufgeräumt, als er in die Wohnung kam. Er zündete sich eine Zigarre an und lehnte sich an den Kamin, wo er paffend die Situation überdachte.

Mit seinen Finanzen war es eine Zeitlang nicht zum besten gestanden, aber die Krise schien jetzt überwunden zu sein.

Nach einer Weile wurde er sich der Stille in dem halbdunklen Raum bewußt. Er hatte plötzlich ein unbestimmtes Gefühl der Unsicherheit und schaute unruhig im Zimmer umher. Stirnrunzelnd entsann er sich Beryls Behauptung, daß sie in Marshleys Haus ein Gesicht vor dem Fenster gesehen habe.

Ärgerlich über seine eigene Nervosität ging er mit ein paar langen Schritten zu dem hinter ihm liegenden Fenster, dessen bis zum Boden reichende Vorhänge er beiseite schob, um sich zu vergewissern, daß das Fenster geschlossen war.

Mit einem unartikulierten Laut prallte er zurück – hinter dem Vorhang stand ein Mann.

»Da Costa!«

»Na, und?« fragte da Costa zurück und fuhr mit der Hand vielsagend nach der hinteren Hosentasche.

»Nicht schlecht, nicht schlecht«, rief Louba schnell gefaßt und bedeutete ihm durch eine Bewegung, die Waffe stecken zu lassen.

»Dürfte ich Sie höflichst fragen, was Sie hier in meiner Behausung suchen?«

»Oh, ich wollte nur warten, bis Sie ins Bett gehen, Louba.«

»Und was dann?« fragte Louba so scharf, daß da Costa zu lachen begann.

»Keine Angst. Ich hatte nicht die Absicht, Sie zu ermorden.«

»Aha! Sie wollten also nur stehlen?«

»Um genau zu sein – momentan wollte ich warten, bis Sie sich schlafen gelegt hatten, und mich dann durchs Fenster auf den Heimweg machen.«

»Sie sind mir der richtige Dieb. Ich weiß längst, daß Sie um meine Wohnung herumspionieren, und diesmal scheinen Sie meine Abwesenheit gut ausgenützt zu haben.«

Da Costa zuckte die Schultern.

»Ich hatte in Ihrem Zimmer geschäftlich zu tun«, meinte er. »Warum stören Sie mich eigentlich?«

Louba packte ihn heftig beim Arm und riß ihn herum, bis das Licht voll in sein Gesicht fiel.

»Du hast gefunden, was du hier suchtest«, knurrte er, »sonst wärst du nicht so frech und unverschämt!«

»Und wenn ich dir etwas weggenommen hätte, würdest du es doch nie bei mir finden«, lachte da Costa.

Louba schüttelte ihn.

»Was hast du genommen? Los – 'raus damit!«

»Gibst du mir vielleicht das wieder, was du mir während eines langen Zeitraums auf die verschiedenste Weise abgeknöpft hast?« fragte da Costa zurück. Plötzlich lächelte er. »Natürlich mußt du es mir wieder geben – es bleibt dir gar nichts anderes übrig!«

Louba betrachtete ihn düster von oben bis unten.

»Du kommst aus diesem Zimmer nicht heraus, bevor du nicht hergibst, was du geklaut hast«, sagte er.

»Wie du meinst«, stimmte da Costa ganz gemütlich zu. »Bitte – durchsuche mich.« Er hob einladend beide Arme hoch.

Mißtrauisch sah ihn Louba an und ließ dann mit einer Geschicklichkeit, die langjährige Übung bewies, seine Hände durch die Taschen des anderen gleiten.

Da Costa verfolgte die vergeblichen Bemühungen seines Rivalen mit heller Freude. Louba nahm seine Sache genau, aber schließlich mußte er doch einsehen, daß selbst in den Schuhen da Costas nichts versteckt war.

»Entweder du rückst jetzt mit der Sprache heraus, oder ich ziehe andere Saiten auf«, drohte Louba wütend und sprang unvermittelt auf da Costa los.

Er packte ihn am Kragen, stieß ihn zurück, so daß sein Oberkörper auf der Brüstung des offenen Fensters lag, und drückte ihm unbarmherzig den Hals zusammen.

»Also ... wie steht es?« murmelte Louba. »Was hast du weggenommen – oder soll ich dich hinunterwerfen?«

»Laß los«, keuchte da Costa, »nichts habe ich genommen laß los, laß los, oder ...« Durch eine geschickte Wendung bekam er seinen Hals frei, duckte sich zusammen und versetzte Louba mit dem Kopf einen solchen Stoß vor den Magen, daß dieser rückwärts taumelte, über einen Stuhl stürzte und polternd mit dem Kopf am Boden aufschlug.

»So«, sagte da Costa atemlos, »merk dir das! Wenn du noch einmal handgreiflich wirst, dann hat dein letztes Stündchen geschlagen.«

Louba raffte sich mühsam auf.

»Du Hund ...!«

»Und wenn ich auch noch nicht habe, was ich hier suche«, unterbrach ihn da Costa, »so weiß ich jetzt wenigstens, wo ich danach schauen muß.«

»Ich werde die Polizei anrufen«, knirschte Louba und griff nach dem Telefonhörer.

»Ruf sie nur«, spottete da Costa. »Fragt sich nur, für wen von uns beiden das unangenehmer wäre. Die Polizei könnte zum Beispiel fragen, wo du das Etwas herhast, das ich suche, Louba. Denk drüber nach. Gute Nacht.«

Er drehte sich um, kletterte gewandt durchs Fenster und stieg kaltblütig auf den eisernen Stufen der Feuerleiter zu seiner eigenen Wohnung hinauf, die ja direkt über der Loubas lag.

Louba runzelte die Stirn. Was hatte der Kerl nur in seinem Zimmer gesucht? Er prüfte sorgfältig alles nach – seinen Schreibtisch, seine Wertgegenstände, aber nichts fehlte.

In einer alten Truhe hatte er verschiedene Andenken und Raritäten von relativ geringem Wert. Als er den Deckel öffnete, sah er sofort, daß da Costa hier herumgewühlt hatte.

Ganz oben lag aufgeklappt das glasperlenverzierte Kästchen, das ihm seinerzeit in Kates Gegenwart in die Hände gefallen war. Er berührte die Feder am Boden des Kästchens und betrachtete den leeren Raum darunter.

Plötzlich begann er übers ganze Gesicht zu grinsen. War es möglich, daß da Costa glaubte, er, Louba, hätte einen solchen Gegenstand in Händen, ohne das einfache Geheimnis der verborgenen Feder entdeckt zu haben? Glaubte da Costa wirklich, daß der Schatz, den das Kästchen wahrscheinlich einmal enthalten hatte, immer noch darin war?

Diese gute Gelegenheit konnte er sich nicht entgehen lassen, da Costa zu ärgern.

Er legte das Kästchen wieder in die Truhe zurück. In den falschen Boden aber steckte er einen Zettel, auf den er eine Bemerkung für da Costa kritzelte:

Hätte ich gewußt, was Sie wollten, dann hätte ich Sie höflichst um die Annahme eines solch kleinen Beweises meiner Hochachtung für Sie gebeten.

»So ein Dummkopf«, murmelte er dann vor sich hin, als er in sein Schlafzimmer ging. »Nicht nötig, das Fenster zu schließen, wenn das alles ist, was er will!«

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