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Liwûna und Kaidôh

Paul Scheerbart: Liwûna und Kaidôh - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
booktitleKometentanz
authorPaul Scheerbart
year1990
publisherSuhrkamp Taschenbuch Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-518-38152-0
titleLiwûna und Kaidôh
pages5-91
created20010907
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1902
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Sie schweben still zusammen weiter – immer zwischen den undurchsichtigen Bernsteinsäulen – die unzählig sind wie die Tropfen eines Meeres.

Und Liwûna sagt zögernd:

»In den Stunden des Lebens, die wir gewaltig nennen könnten, glauben wir oftmals, nahe daran zu sein, alle Rätsel der Welt mit einem Blick zu durchschauen. Es geht wohl was Großes mit uns vor. Eine geheimnisvolle Macht scheint uns mit fernen Sternen zu verbinden – und uns auch hinter alle Sterne zu führen – und wir nehmen gern an, daß wir mehr sind als sonst. Viele fasten und beten und kasteien sich, um zu solchen gewaltigen Stunden zu gelangen. Und die bleiben Vielen dennoch fremd. Man muß sich eben führen lassen wie Kaidôh und warten können. Wäre der Weg zum Gewaltigen so bequem, so hätten wir garkein Recht von einem ›Gewaltigen‹ zu reden – denn es würde bald was Alltägliches sein – und das Alltägliche ist nicht mehr gewaltig. Man muß sich also ruhig führen lassen von seiner Liwûna – eine Liwûna kann doch jeder haben – nicht wahr, mein lieber Kaidôh?«

Kaidôh empfindet so was wie Eifersucht, ihm kommt aber diese Empfindung gleich sehr lächerlich vor – er würde lachen – wenn er das noch könnte – er bemerkt in seiner Aufregung garnicht, daß Liwûna nur von ihren lieben Schwestern sprach.

Der stürmische Kaidôh will bloß noch mehr wissen – mehr von der gewaltigen Stunde, in der nach seiner Meinung der gewaltige Geist, der Alles umschließt, im Innern des Empfänglichen für ein paar Augenblicke auflebt und das ganze Dasein verändert.

Die Liwûna sagt still:

»Du sollst mehr wissen. Dazu habe ich Dich hierher geführt. Es giebt hier im Tempel noch so manche Flammenschrift. Blick nur scharf gradaus – auf einen Punkt – dann wirst Du schon was sehen.«

Und Kaidôh tut unwillig, wie ihm geheißen wurde, und er sieht plötzlich eine Wand von rot glühendem Eisen.

Und in dem rot glühenden Eisen entsteht eine Schrift aus flimmernden Opalen. Kaidôh kanns lesen und liest:

»Es umrauscht Dich ein wildes Meer, und tausend Stimmen schreien Dir die Ohren voll, und Du verstehst nicht, was sie sagen. Sie sagen, daß Alles, was lebt, nur Eines will: es soll nur wieder eine andere Seite des Daseins aufleuchten. Und das Dasein ist ein Brillant mit unzähligen Ecken und Kanten. Und Alles, was lebt, steckt in den bunten Strahlen, die hinausleuchten in die tiefe Finsternis, in der Alles, was lebt, aufflammen und vergehen soll. Es ist Alles nur ein bunter Schein.«

Und Kaidôh sagt scharf:

»Es ist Alles nur ein bunter Schein.«

Und die Schrift erlischt, und die glühende Eisenwand fällt in die Tiefe.

Und dicht vor Kaidôhs Gesicht entstehen hampelnde Gliederpuppen aus hellgrünem Chrysolith – die bilden auch Buchstaben in der Luft – und bald steht da vor der Finsternis in hellgrüner Schrift:

»Wir möchten auch so gerne das Ganze umfassen, es ist nur so schwer. Wir denken daher in allem Ernste daran, uns mit einzelnen Teilen der Welt zu begnügen. Wir wissen allerdings, daß uns die Teile eines unendlichen Ganzen als solche ebenso unbegreiflich sind – wie dieses selbst. Indessen – du lieber Himmel! Halten wir, was wir grade haben – obs nun Teile sind oder nicht. Man hat so doch immer noch Etwas – wenigstens scheinbar! Es lebe die Kirsche!«

Und mit Geknatter zergeht das grüne Puppenvolk.

Kaidôh bedauert, daß er nicht mehr lachen kann – was doch so lustig war.

Und er blickt seiner Liwûna ins große Antlitz, und siehe! – ihr springen plötzlich die Zähne aus dem Munde heraus und bilden auf den roten Lippen eine weiße Glanzschrift – die da sagt:

»Du kannst aber den Großen, der keinen Namen hat und viel größer als alle Unendlichkeit ist, dennoch – fühlen. Es zuckt Dir noch einmal eine Erkenntnis durch den ganzen Leib. Du wirst dann plötzlich nicht mehr hören und nicht mehr sehen wollen – denn Du wirst zufrieden sein, als wenn Du Alles wüßtest. Und Du wirst doch niemals sagen können, was Du weißt und was Du erkannt hast. Und es wird doch mehr als ein Traum sein. Und Du wirst zufrieden bleiben – solange Du Dein Leben lebst.«

Und Liwûna verschluckt ihre Zähne.

Kaidôh sagt hastig:

»So sollte es möglich sein? Unser Leben könnte schließlich nur aus gewaltigen Stunden bestehen? Wenn das möglich ist, so soll es wirklich sein – ich wills!«

»Was schreist Du so!« bemerkt kalt die Liwûna, deren Zähne wieder an der richtigen Stelle sind, »glaubst Du vielleicht, daß es sehr geistreich wäre, wenn in unsrem Leben eine Stunde der andern ähneln würde – wie ein Ei dem andern? Immer wieder neu und anders müssen alle Stunden sein – auch die gewaltigen Stunden.«

»Dann«, versetzt Kaidôh barsch, »muß auch eine Stunde gewaltiger als die andre sein, und es muß eine gewaltigste geben. Und welche Stunde könnte nun die gewaltigste sein? Doch nur die, in der das Einzelwesen mit dem Allwesen ganz und gar verbunden wird. Und die Stunde nennt man die Todesstunde.«

Liwûna fragt sanft: »Suchtest Du den Tod?«

Kaidôh hört nicht mehr – sein ganzes Wesen leuchtet auf in einem Gedanken – er denkt sich mit dem Geiste, der Alles ist und keinen Namen braucht, für ewig vereint.

Und Alles, was den Kaidôh umgiebt, verliert jede Bedeutung für ihn – auch Liwûna verliert ihre Bedeutung für ihn.

Und sie fliegen in einen großen Saal, in dem so viele duftende Rauchwolken sanft emporwirbeln, daß die Beiden von den Wänden nichts gewahr werden.

Sie sind in dem kleinen Saal des Schweigens, in dem jeder durch die duftenden Rauchwolken am Sprechen verhindert wird.

Sie fliegen lange Zeit, und Kaidôh versucht wiederum eine Faust zu machen.

Und nach langer Mühe gelingt es ihm, eine Faust zu machen – mit der rechten Hand – mit der linken gehts noch nicht.

Kaidôh freut sich und fühlt sich dem Herzen des Alls ganz nahe und möchte sprechen.

Er kann aber nicht sprechen – und fährt schweigend durch die Rauchwolken dahin wie ein Gewaltiger.

Und Liwûna findet einen Ausweg aus dem Saale des Schweigens.

Und sie schweben bald in freier Luft unter einer weiten Kuppel, die ganz aus Glas besteht.

Kaidôh schreit:

»Führe mich in den Tod. Ich will das Gewaltigste. Ich will die Vereinigung mit dem Geiste, der Alles ist.«

»Was weißt Du«, versetzt die Liwûna, »von den gewaltigen Stunden des Lebens und des Sterbens!«

Und Kaidôh sieht seitwärts im dunkelvioletten Kuppelglase eine zitternde Schneeschrift – diese Worte:

»Wir wissen über Geburt und Tod so viel wie Garnichts und reden doch davon. Das ist die Macht des Unbekannten, die uns zum Reden reizt. Wer aber über Dinge redet, die er nicht kennt, wird leicht zum Schwätzer. Oh, hütet Euch vor dem salbadrigen Geschwätz – wenns auch manchmal stürmisch klingt! Ihr könnt so leicht da drinnen kleben bleiben – wie die Fliege im Fliegenleim.«

Kaidôh will die Augenbrauen zusammenziehen und ein böses Gesicht machen; er hat ja noch nicht geschwatzt.

Während er ärgerlich sich abwendet und weiter möchte, schweben schaukelnde bunte Laternen aus der Kuppelhöhe hernieder und bilden ein paar Beruhigungssätze.

Kaidôh buchstabiert und liest:

»Du brauchst keine Furcht vor dem Tode zu haben. Wer sich eins weiß mit dem Geiste des Alls, kann die Todesstunde nicht mehr fürchten, denn was sie auch bringen mag – sie bringt immer nur das, was der Geist, der Alles ist, will. Das, was der Namenlose will, kann nicht unsre Sache sein. Wer sich, obschon er Garnichts weiß, mit dem Allgeist eins weiß, wird allzeit ganz ruhig sein – einverstanden mit Allem, was geschieht. Todesfurcht kann nur der haben, der zu viel Freude an seiner Selbstherrlichkeit hatte.«

Kaidôh schreit wütend:

»Ich habe doch keine Furcht vor dem Tode! Ich habe doch Sehnsucht nach dem Tode!«

Schauerlich hallen diese Wutworte durch die großen bunten Glasgewölbe. Die bunten Laternen brechen klirrend entzwei und sinken in die Tiefe, die grau ist wie ein Wolkenbett.

Hastig spricht Kaidôh zur Liwûna, deren Gesicht sehr rot wurde:

»Warum höre ich kein klares Wort über die Todesstunde? Warum nicht?«

»Geliebter«, entgegnet die Rote schnippisch, »was Du bloß zu verlangen beliebst! Man hätte viel zu tun, wenn man alle denkbaren Möglichkeiten, die beim Tode und nach dem Tode eintreten könnten, erörtern wollte. Und man würde doch nie zum Rande kommen. Eine Formel, mit der man Alles lösen kann, findet man nicht – in der gewaltigen Welt.«

Dem Kaidôh wird so traurig zu Mute. Er glaubt, daß man ihn absichtlich mißversteht. Er möchte vor lauter Unruhe beinahe weinen – kanns aber nicht. Er ist ja viel zu groß zum Weinen. So schnell sind seine Tränendrüsen nicht in Tätigkeit zu versetzen. Es ist nur ein Wunder, daß er immer noch sprechen kann.

»Du hörst nicht mehr auf mich!« sagt er bitter.

»Du hörst auch nicht mehr auf mich!« sagt auch sie bitter.

Und während sie weiterziehen, sehen sie sich die mächtigen Bogen der reichgegliederten Glaskuppel an, von der sie natürlich nur ein kleines Stück sehen können, das keinen Begriff vom Ganzen erzeugt.

Und schillernde Paradiesvögel setzen sich auf eine hohe türkisblaue Scheibe, und auch diese bunten kleinen Vögel, von denen Tausende da sind, bilden eine Schrift – in verschiedenen Absätzen.

Der oberste Absatz lautet:

»Mit dem Prophetentum ist die Sache immer man mau. Jeder Prophete wird so leicht zum Hallunken. Weil aber auch diese von den gewaltigsten Dingen sprechen, so soll man ja nicht glauben, daß alles Gewaltige bloß qualmender Mumpitz ist. Alles Ernste will auch sein Widerspiel in seinem Gegensatze haben. Und die Hallunken sind doch so – spaßig.«

Die Paradiesvögel zwitschern mächtig.

Der unterste Absatz lautet:

»Da das, was in der einen Gegend lebt, gleichzeitig immer noch wo anders lebt, müssen wir annehmen, daß alles Leben niemals im Einzelnen erstickt werden kann – es wird immer noch wo anders sein.«

Kaidôh wendet sich wieder ärgerlich ab, da er nichts davon versteht, doch die Liwûna spricht schnell:

»Kaidôh, in der Mitte steht doch noch ein sehr wichtiger Absatz.«

Da steht nämlich:

»Die Sternriesen haben noch keinen ihrer Brüder sterben sehen und glauben nicht mehr, daß sie sterben könnten. Sie halten daher den Tod nur für eine Wesensverwandlung, die bei sehr unentwickelten Lebewesen eine Berechtigung hat.«

Kaidôh staunt darüber und wird verwirrt.

»Sagtest Du nicht«, fragt er, »daß wir im Todestempel der Sternriesen seien?«

»Das kann ich«, erwidert sie, »nicht gesagt haben, denn bei den Sternriesen spielt der Tod garkeine Rolle. Die großen Sternriesen verändern sich, ohne dabei gleich zu sterben. Die Inschriften, die Du kennen gelernt hast, sind nicht für die Sternriesen. Wir befinden uns hier immer noch in den äußersten Vorhallen. Du würdest viele Sternjahre brauchen, wenn Du Dir von der Tempeleinrichtung, die sich in ungeheuren Tiefen befindet, ein ungefähres Bild machen wolltest. Das Sinnbildliche würde Dir zudem ganz unfaßbar bleiben.«

»Dann komm raus!« sagt Kaidôh.

Das geht aber nicht so geschwinde.

Die Liwûna fliegt mit ihrem Kaidôh durch ein Perlkettenfenster in einen andern Saal. Und in dem ist die Kuppel so himmelhoch, daß Kaidôh müde wird bei dem Gedanken, da oben durch zu müssen.

Es ist still und geheimnisvoll ringsum.

In dem Saale sind nur ein paar Lichter sichtbar – das sind große Sterne, die an fernen Säulen leuchten. Die Säulen sind als solche garnicht wahrzunehmen, da ihr Umfang viel zu groß ist.

»Wir müssen immerzu emporsteigen!« sagt leise die Liwûna.

Und sie steigen immerzu empor.

Ihnen ist so, als schwebten sie zwischen großen dunklen Blasen in die Höhe. Die Blasen haben weichgebogene Lappenform; goldbraune und dunkelviolette Wellen schwimmen auf der Blasenhaut hin und her – wie auf Seifenblasenhaut.

Es ist ziemlich dunkel ringsum.

An der einen Seite wirds aber immer heller, die Blasen verschwinden, und ein kirschrotes Licht leuchtet den Beiden ins Auge. Vor dem kirschroten Lichte, das in einem Nebensaale zu leuchten scheint, sehen sie eine lange Reihe von schwarzen Säulen, die wie Knochengerippe wirken und doch wieder Buchstaben sind.

Da steht geschrieben in schwarzer Riesenschrift auf kirschrotem Lichtgrunde:

»Glaube nicht, daß es immer gut ist, wenn Du oft zur Besinnung kommst. Viele verlieren dadurch ihre ganze Kraft und ihr ganzes Lebensglück, selbst das Todesglück kann dabei in die Brüche gehen.«

Kaidôh sagt kalt:

»Diese Worte gehen mich garnichts an.«

Das Licht verschwindet, und die Schrift ist nicht mehr zu sehen.

Die Beiden steigen höher, und abermals wird ein Nebensaal hell – der strahlt in citronengelbem Licht. Und schwarze Säulenlettern davor sagen:

»Unsres Lebens Anfang und Ende ist uns verschleiert, daß wir glauben können, es gäbe Beides nicht. Unser Leben soll wohl ein Sinnbild der Unendlichkeit und Ewigkeit sein. Wir können unser Leben auch ein unaufhörliches Sterben nennen – wir werden immerzu was Andres. Wir sollen uns eben immer inniger ins Ganze einschmelzen. Und wenn wir das tun, wird unser Leben aus lauter gewaltigen Stunden bestehen.«

Da geht ein Zittern durch Kaidôhs ganzen Körper, und er spricht leise wie zu sich selbst:

»Ich aber will den Abschluß – ganz eins will ich sein mit dem Geiste, der Alles ist. Und so muß ich den Tod wollen – den Tod, der keine weitere Veränderung hinter sich zuläßt.«

Mit einem krachenden Donnerschlag spritzt das citronengelbe Licht nach allen Seiten und verfliegt.

Es wird ganz finster, und dabei geht ein wimmernder Luftzug durch die Gewölbe. Der Luftzug dreht den Kaidôh um sich selber und reißt ihn rasend rasch empor – immer höher – immer höher – daß ihm der Atem stockt – daß er denkt, die letzte Stunde seines Lebens sei gekommen – daß er aufjauchzt – und nun des großen Augenblicks harrt – und die Augen weit aufreißt – um sehen zu können – mit einem Blick – das ganze All.

Und ein lilienweißes Licht springt auf und leuchtet auf allen Seiten. Und vor dem lilienweißen Licht steht in schwarzer Säulenschrift viele Male auf allen Seiten die große Frage:

»Was ist die Unendlichkeit?«

Und darunter steht:

»Kaum ein Finger des Unnennbaren.«

Und Liwûna schwebt mit ihrem Kaidôh durch einen goldenen Sternzackenkranz, der eine runde Öffnung der großen Tempelkuppel umsäumt, ins Freie hinaus – in einen braunen Nachthimmel, der mit weißen schmalen ovalen Sternen übersäet ist.

Draußen ist es kühl.

Und Kaidôh fühlt, daß ein starker Arm seinen ganzen Körper wagerecht legt, sodaß er nicht mehr die weißen Sterne sieht – sondern nur noch die Kuppeln.

Die Liwûna neben ihm liegt auch wagerecht in der Luft mit dem Gesicht nach unten wie er.

Und so schweben sie empor rückwärts – also daß sie immer mehr von den Kuppeln und Dächern der Sternriesentempel sehen.

Die Beiden schwebten, während ihre Gewänder rauschten und knatterten, neben Türmen und Säulenhallen immer höher – so schnell, als wenn die Beiden von Riesenmäulern, die oben Luft einsogen, hinaufgezogen würden.

Und dann liegt das ganze Tempelreich in aller seiner Herrlichkeit unter ihnen.

Kaidôh ist ganz berauscht von diesem gewaltigen Anblick.

In der Mitte thront ein Kuppeldach, das einer goldenen Riesenperle gleicht; das Gold windet sich in Schlangenlinien hin und her – gekörntes Gold, blankes Gold und getriebenes Gold.

»Das sind natürlich lauter bewegliche Sternriesen!« erklärt die Liwûna.

Die Goldkuppel ist von hellblauen und dunkelblauen Zackenringen umrändert. Die Ränder sind aber breit.

Ein Kranz von kleineren spitzen Silbertürmen umzäunt die Zackenringe.

Um diesen Mittelpunkt sind nun hellgrüne und dunkelgrüne Riesenwürfel herumgestreut – die liegen wie Steinfelder da – bilden aber gleichfalls einen regelrechten Ring – einen so breiten allerdings, daß es schwer fällt, ihn als solchen zu überschauen.

Und um die grünen spitzen- und kantengroßen Würfel hat sich ein breiter grauer Wolkenring gelagert. Der Wolkenring ist im Innern sehr unregelmäßig und zeigt viele tiefe Täler, in denen das Wolkengrau beinahe schwarz erscheint.

Und ganz breite funkelnde Glastürme ragen auf allen Seiten hinter den grauen Wolken in den Nachthimmel hinauf.

Und die Glastürme sind ganz hell, als wären sie sämtlich innerlich erleuchtet; an den vielen rechteckigen Kanten der Türme funkeln die Regenbogenfarben wie an Brillanten. Kaidôh kann nicht über die Türme hinüberschauen; sie steigen alle rechteckig als breite Massen auf, die sich oben nicht verjüngen; sie tragen auf ihrer ganz stumpfen Spitze auf ganz flachem Dach unzählige kleinere Türme, die wie Schornsteine aussehen und noch stärker funkeln als die breiten rechteckigen Türme, die das Grundgemäuer bilden.

Kaidôh schwebt noch schneller aufwärts – immer höher und höher. Der Mittelpunkt – das sieht er nun ganz deutlich – leuchtet in seinem eigenen Licht. Die goldene Mittelkuppel leuchtet wie heftige Sonnen. Milder leuchten die blauen Zackenringe und ganz milde die grünen Würfel; die silbernen Türme zwischen beiden glimmen nur so wie Phosphor im Dunkeln. Die grauen Wolken erhalten ihre Helligkeit von den grünen Würfeln und den Glastürmen.

Die ungeheuren Lichtmassen erscheinen in ihrer Wirkung so klein – da die Entfernungen so furchtbar groß sind.

Und Kaidôh gelangt allmählich in so ferne Höhen, daß er auch über die Glastürme hinwegsehen kann.

Und hinter den Glastürmen sieht er nun einen runden Reifen von gewaltigen Pyramiden – ein Diadem aus gelben Topasen und lilafarbigen Amethysten, die sich abwechselnd folgen.

Das Pyramidendiadem liegt weit hinter den Glastürmen.

Und der Pyramidenring wird wieder von Perlenfeldern umrahmt. Es sind aber schwarze sehr höckrige Perlen, zwischen denen vereinzelt wie Tränentropfen kugelrunde rosafarbige Perlen schimmern.

Und Kaidôh schwebt noch höher und empfindet das Ganze als großen Tortenstern.

Hinter den schwarzen und roten Perlen recken sich aber noch in der Runde in regelmäßigen Abständen sieben weiße Zungen vor, deren lange lange Spitzen hoch aufragen – wie die Spitzen der Schnabelschuhe.

Die spitzen Zungen sind weiß wie weißer Sammet und übersäet von vielkantigen dunkelrot glühenden Granaten; das Weiße herrscht aber wie Schnee leuchtend vor – so viele Granaten sinds nicht.

Neben den Zungen ist tiefschwarze Nacht ohne Stern.

Ein siebenzackiger Tortenstern liegt unter Liwûna und Kaidôh.

Von den Glastürmen sind nur die Kappen der balkenförmigen kleineren Türme zu sehen – die sprühen aber ihr buntes Licht in Scheinwerfern durch das graue Wolkenreich, so daß das auch zuweilen ganz bunt wird – bunter als alles Andre.

Der Wolkenring wechselt jetzt immerzu die Farben – öfters ist er schwarz und weiß gestreift.

Auf den Spitzen der sieben weißen Schnabelzacken sitzen wie feine hohe Federsträuße blutrote Kometenschweife.

Durch die hochaufragenden Schnabelzungen mit den weit hinaus ins Weltall steigenden Blutkometen erhält das ganze Tempeldächerreich von oben gesehen die Form einer seltsamen Himmelsblüte.

»Du hast wohl schon«, sagt Liwûna, »ganz und gar vergessen, daß Du das Gewaltigste suchtest – nicht so, Kaidôh? Du wolltest Dich mal mit dem Unnennbaren, der Alles ist, vereinen. Das liegt nun hinter Dir, nicht wahr? Du mußt nicht so maßlos in Deiner Gier sein. Verbinde Dich doch mit dieser Himmelsblüte!«

Kaidôh sieht die Tempeldächer noch lange an, läßt das Gold und das Silber, das Blau und Grün, die Würfel Perlen Pyramiden Kometen Granaten und die Wolken mit den bunten Glaslichtern so recht fest in seinen Augen wirken und erwidert dann langsam:

»Diese Himmelsblüte ist ein großes Glanzwunder – aber sie umschließt nicht Alles. Sie zeigt die Mannigfaltigkeit der Welt in sehr stark vereinfachter Form mit vereinfachtem Farbenspiel; durch Regelmäßigkeit ist Alles vereinfacht.«

»Die Welt ist«, spricht da hart die große Liwûna, »so entsetzlich großartig, daß sie selbst von Sternriesen nur in einem vereinfachten Sinnbilde zu erfassen ist. Bedenke nur, was schon alles aus der bloßen Vermischung von Farben und Formen entsteht.«

»Ich empfinde«, fährt nun Kaidôh fort, »diese Tempeldächer als Bestandteile von Häusern. Und alles Hausartige hat für mich etwas Schneckenartiges. Daß selbst Sternriesen noch des Hauses bedürfen, verkleinert sie in meinen Augen um ein ganz Beträchtliches. Ich liebe es – ganz frei im All zu sein – ohne beengende Kruste, die uns doch bloß die Aussicht ins All – ins Ganze – versperrt. Ich will nun mal im Ganzen aufgehen – und nicht in neuen Kapseln. Und daher fürchte ich, daß ich selbst dann, wenn ich mich mit dieser Himmelsblüte unlöslich für ewig verbunden hätte, genau dieselbe Sehnsucht haben könnte – wie bisher.«

Nach diesen Worten ist es still im weiten All.

Dann aber hört Kaidôh ein donnerndes Lachen neben sich.

Und er fragt verwundert:

»Kann Liwûna lachen?«

Doch das Lachen tönt so laut, daß seine Worte von dem Lachen verschluckt werden.

Und während des fortwährenden Lachens neben sich wird die Himmelsblüte kleiner und kleiner – ziemlich rasch.

Kaidôh steigt noch schneller empor.

Ihm ist dabei so, als drückten tausend Bleiwelten auf seinen breiten Rücken.

Und bald ist die Himmelsblüte nur noch ein bunter funkelnder Lichtpunkt, der sich allerdings sehr scharf von den andern weißen Sternen, die schmale ovale Form haben, unterscheidet.

Das Gelächter verhallt nach allen Seiten – geht unter in fernen Echos – die so bellen – wie Hunde bellen.

»Ist das Deine Sehnsucht, die da so bellt?«

Also fragt neben Kaidôh eine spitze Stimme, er sieht aber seine Liwûna nicht neben sich und fragt traurig:

»Ist Liwûna fort?«

Und er hört die spitze Stimme sagen:

»Die Liwûna ist doch Deine Sehnsucht.«

Gleichzeitig merkt er einen Druck oben auf dem Kopf – und er fliegt mit dem Kopfe vorn gradaus wie eine Lanze.

So blitzschnell gehts, daß ihm viele Kopfhaare ausgerissen werden.

Die schmalen ovalen Sterne, die so weiß sind wie weiße Greisenhaare, fliegen klingend rechts und links an dem großen Kaidôh vorbei – wie Schneeflocken im Sturm.

Und er kommt in ein andres Reich, in dem ganz andre Weltgebilde leben.

Die Luft ist da heiß und flimmert – als flatterten überall kleine weiße Flügel.

Die Helligkeit der ganzen Gegend nimmt immerfort ab und zu – ab und zu – als flackerten große Lichter kurz vorm Erlöschen noch einmal mit aller Wildheit rauf und runter – rauf und runter.

Es lebten in der heißen Luft lauter geflügelte Drachen mit weiß glühenden Lichtleibern. Die Drachen schwebten nur so schnell dahin – wie weiße Glanzlichter auf Wasserwellen. Die weißen Flügel zitterten und die weißen Lichtleiber ebenfalls – und zwar so heftig, als befänden sich die Lichtdrachen in zuckenden Lichtkrämpfen.

Ohn Unterlaß ging ein zitterndes Wetterleuchten durch die heiße Luft. Zuweilen sahs aus, als bestünden die Tiere nur aus weißen Nordlichtern; weißglühende Strahlensplitter flogen wie Pfeile hin und her.

Zuweilen spannten sich zackige Regenbogen aus Gelb und Olivgrün durch die ganze Himmelsgegend; die vergingen immer wieder so schnell – wie sie vorkamen.

Und alle diese fabelhaften Gestalten, deren Formen sich fortwährend veränderten, hatten nichts Körperhaftes, denn sie gingen alle blitzschnell durcheinander durch, ohne sich zu schaden – als wären die weißen Lichtgestalten nur Schattengeister.

Und Kaidôh sauste – immer mit dem Kopfe voran – durch diese zuckende Glanzwelt durch und kam in eine Feuerwelt hinein.

Da loderten tausend rote blaue und grüne Flammen knisternd knackend und knallend nach rechts und nach links. Und die bunten Funken stoben empor und wirbelten mit rasenden Feuerstürmen in Kaidôhs Gesicht, daß der zusammenschrak.

Ein blauer Funkenpolyp tanzte wie ein Hampelmann dem großen Kaidôh voran, als wenn er ihm den Weg durch das Flammenreich weisen wollte.

Der blaue Funkenpolyp sprach in knirschenden Lauten, während ihm immer mehr blaue Funken sprühende Glieder aus Brust und Hinterkopf herauswuchsen:

»Fürchte Dich nicht, mein tapferer Kaidôh! Ich bin Deine tapfere Liwûna und führe Dich! Ich bin ja immer Dein Führer gewesen. Gefällt es Dir hier? Ist Dir diese Feuerwelt maßlos genug? Du bist ja immer die verkörperte Maßlosigkeit gewesen – demzufolge mußt Du Dich doch hier wie zu Hause fühlen.«

Und der Funkenpolyp platzte knirschend auseinander und ging auf in der Flammenwelt.

Doch die Flammen wurden plötzlich alle blau.

Und Liwûna rief:

»Siehst Du nicht, daß ich jetzt größer geworden bin? Ich bin jetzt eine blaue Feuerwolke.«

Und die Feuerwolke ballte sich zusammen und erhielt die Form eines Igels; die blauen Stachel waren Stichflammen.

Die Flammenstachel leuchteten wie brennender Schwefel.

Der Igel sagte:

»Jetzt bin ich aufgegangen in dieser Feuerwelt. Das ist so gut wie ein Tod und eine Auferstehung. Das ist ein Beitrag zur Geschichte vom seligen Ende. Es kommt immer noch was nach. Man vereint sich nicht so ohne Weiteres mit dem großen Ganzen; man vereint sich immer bloß mit dem Größeren und wird dann was Andres. So bin ich jetzt ein blauer Feuerigel geworden. So kann sich Deine Sehnsucht verwandeln, die mal vor langer langer Zeit einem Weibe nicht ganz unähnlich sah. Und Deine Sehnsucht wird sich noch recht oft verwandeln. Und jedes weitere Ende wird auch gleich wieder ein seliger Anfang sein. Es ist eben Alles endlos in der endlosen Welt – auch die Anzahl der Verwandlungsgeschichten, in denen sich das ganze Leben offenbart. Wie also sollte es eine endgiltige Vereinigung mit dem All geben? Es giebt eben unendlich viele Vereinigungen mit immer größeren Stücken vom All. Die Stücke werden aber nicht einmal die Unendlichkeit ausfüllen – in der giebts schon kein Ende. Entschuldige, daß ich beim Reden auch kein Ende finden konnte.«

Mit diesen Worten sank der blaue Feuerigel, während seine blauen Flammenstachel glitzerten wie lachende Email-Gesichter, in die Tiefe.

Und Kaidôh flog, als wäre durch den Fall ein luftleeres Weltloch geschaffen, so schnell mit dem Kopfe gradaus und im Bogen hinunter, daß ihm Hören und Sehen verging und er zu sterben vermeinte.

Er aber war bloß in eine märchenhafte Gaswelt geraten und kam gar bald wieder zu sich.

Er hatte jedoch die Empfindung, in der Gaswelt auf dem Kopfe zu stehen oder mit dem Kopfe vorn runterzufallen; begreiflicher Weise fühlte er sich dadurch sehr beunruhigt.

Er versuchte, die Arme, die immer noch steif an seinen beiden Körperseiten hafteten, abzuschieben; seine beiden Fäuste waren noch immer fest zusammengeballt.

Das Abschieben der Arme schien allmählich zu gelingen.

Unzählige bunt schimmernde Blasen flogen um Kaidôhs Kopf, und die Form der Blasen veränderte sich unablässig; bald waren sie schlauchartig, bald kantig, bald becherförmig und bald wie Fliederblüten.

Kaidôh konnte den ewigen Verwandlungen nicht mehr folgen.

Die Gasmassen gingen immer durcheinander durch, ohne daß ihre Art dabei beeinflußt wurde.

Kaidôh sagte:

»Das sind wohl garkeine Gasmassen.«

Oft schossen alle diese Welten in einen helleren Mittelpunkt und bildeten da ein funkelndes Kaleidoskop, das dann plötzlich wieder mit dumpfem Gepuff auseinanderflog.

Und unzählige Kometen, die aus festeren Luftstoffen zu bestehen schienen, schwirrten außerdem noch überall durch.

Die Kometenschweife waren häufig so lang, daß sie die ganze Gegend als Glanzstriche durchquerten.

Ein paar sehr heftige Kometen drehten sich so rasch um sich selbst, daß sie währenddem großen Lichtscheiben glichen und für Augenblicke alle Aussicht versperrten.

Und Kaidôh flog kopfüber durch alle diese Welten durch und glaubte, in einen endlosen Abgrund gestürzt zu sein; es gab garkein Halten.

Da dringt ein Flüstern an sein Ohr, und er hört wieder die Liwûna sagen:

»Jetzt bin ich eine geflügelte Eidechse und durchsichtig wie reines Wasser.«

Und er sieht die Eidechse vor sich – durchsichtig ist sie wie Wasser – ihre Flügel aber sind so fein und zart, daß sie nur so wie Schatten hin- und herpendeln – wie ganz hellgraue Schatten.

Und die Liwûna sagt leise, während sie mit einem ihrer kühlen Molchfinger Kaidôhs Ohr berührt:

»Sieh da drüben das große Heer von himbeerroten Gasbällen – die sind drollig! Die werden Dir was erzählen. Höre nur zu. Du wirst sie verstehen!«

Und Kaidôh hört, wie sie ganz deutlich im Chore sagen, während kleinere himbeerrote Bälle aus ihren Vulkanen herausspringen:

»Wir lassen immerfort neue Weltbälle entstehen. Aber untergehen tun die nicht. Sie verwandeln sich wohl – das bringt sie aber nicht um. Der Tod ist uns gänzlich unbekannt. Wir müssen uns sehr wundern, daß die Artveränderung in anderen Weltwinkeln durch das sogenannte Sterben vor sich geht. Wir kennen so was garnicht. Und daher haben wir auch nicht die geringste Sehnsucht nach einer Auflösung. Die Veränderung unsres Wesens geht ja immerzu vor sich – sogar ohne unser Zutun. Das Erzeugen neuer Weltgestalten ist uns schrecklich geläufig – aber das Vernichten und Vernichtetwerden wird uns wohl für alle Zukunft ein Rätsel bleiben. Es schadet das nicht. Es giebt ja so viele Rätsel.«

»Da hörst Du es!« ruft die Eidechse vor Kaidôhs Augen.

Die himbeerroten Gasbälle, aus denen fortdauernd kleinere Gasbälle vorspringen, rollen puffend und piepsend an Kaidôh vorüber; und eine Kometenjagd schießt ihnen nach. Die Kometen ähneln schaumartigen Silberkronen und sausen bald so schnell dahin, daß Kaidôh schließlich den ganzen Himmel nur mit dickeren und dünneren Silberstreifen durchzogen sieht.

Liwûnas Eidechsenleib reckt sich und schrumpft zusammen – ihre Flügel sind bei dem scharfen Silberlicht unsichtbar geworden.

Die Kometen sind jedoch nach kurzer Frist verschwunden, und Kaidôh stürzt weiter kopfüber in einen riesigen Trichter, dessen Wandungen aus ungezählten krallenartigen Gaspolypen bestehen – das sind unheimliche krötenbunte Sternwelten mit sehr vielen Radaugen, deren Speichen wie Phosphorquallen gleißen.

Kaidôh stürzt immer mit dem Kopf voran nach unten und sieht, daß lange zappelnde Polypenarme ihn umhalsen, und fühlt sich um sich selbst gedreht gräßlich rasch und glaubt wieder, seine Todesstunde sei gekommen.

Und er will noch sehen, und er will noch hören.

Er sieht aber nur, daß alle diese Gaswelten mit den krötenbunten zappelnden Krallen auf ihn eindringen, daß er glaubt, ersticken zu müssen. Und er hört in seinen Ohren eine fremde Stimme – die tönt wie lauter kleine Silberglocken:

»Leben heißt: vorhersterben. Sterben heißt: vorherleben.«

»Was vorherleben?« fragt Kaidôh.

»Das Nächste!« tönt es wider.

Kaidôh denkt, ein Ungeheuer nahe.

Er sieht was auf seiner Nase – ein dickes, schwarzes Tier ist es – mit zwei langen durchsichtigen Hörnern.

Das Tier sagt:

»Ich bin Liwûna! Und ich werde Dich wieder in die richtige Lage bringen. Ich kann mich auch in kleinere Weltstücke verwandeln. Ich kann Alles. Erkennst Du nun, wie vielgestaltig Deine Sehnsucht ist? Deine Sehnsucht ist wirklich nicht in einem fort sehr groß. Bilde Dir das nicht ein. Ich werde nun zur Dampfwolke werden. Paß auf!«

Und Kaidôh sieht und fühlt plötzlich lauter heißen weißen Dampf um sich. Er bemerkt, daß seine Fäuste schon weitab von seinen Körperseiten sind.

Und er nimmt wahr, daß seine Beine mit großer Schnelligkeit durch die Welt fliegen, während sein Kopf stille steht.

Und der große Kaidôh hat die Empfindung, seinen Kopf wieder oben zu haben.

Und da sieht er ganz vergnügt in die Dampfwolken, die auf- und abwirbeln – und Liwûna sind – was ihm unbegreiflich zu sein scheint.

»Sollte meine Sehnsucht ebenfalls unbegreiflich sein?«

Also fragt er sich selbst.

Und er hört aus den Wolken ein tausendstimmiges ›Ja!‹ erschallen.

»Das klingt ja so«, ruft er nun erstaunt, »als wenn Liwûna aus unzähligen Wesen bestände. Ist meine Liwûna in der Mehrzahl da?«

Und wiederum tönt ihm das tausendstimmige ›Ja!‹ um die Ohren.

»Was ist verständlich in dieser Welt?«

Also fragte flüsternd Kaidôh – der Riese. Und ihm wurde so kalt in dem weißen heißen Dampf, und er sagte zusammenschauernd:

»Nur Narren denken über Alles nach.«

Er wollte nicht mehr nachdenken.

Die Dampfwolken verzogen sich langsam, und ein gelbes grelles Licht drang körperhaft wie Wasser von allen Seiten rieselnd auf ihn ein.

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