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Lieder der Sehnsucht nach den Alpen

Johann Ladislaus Pyrker: Lieder der Sehnsucht nach den Alpen - Kapitel 12
Quellenangabe
typepoem
booktitleLieder der Sehnsucht nach den Alpen
authorJ. L. Pyrker
year1845
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Tübingen
titleLieder der Sehnsucht nach den Alpen
pagesIV-VII, 1-67
created20040328
sendergerd.bouillon
firstpub1845
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11. Der Jäger auf der Alpe.

Auf Gemsen.

                Aufring' ich am Abend vom düsteren Thal
Zu Höhen, erhellet vom rosigen Strahl
    Der sinkenden Sonne –
    Ein Schaubild der Wonne!

Dort forsch' ich aus Gletschern umher in dem Schnee:
Ob ich nicht die Fährten der Gemsen erseh',
    Und ruh' an den Mauern,
    Sie dort zu erlauern.

Es herrschen ergreifende Stille umher,
Hell strahlet der Sterne unzähliges Heer;
    Kühl säuseln die Lüfte
    Durch mosige Klüfte.

Kaum tagt es im Osten, kaum dämmern die Höhn',
So ruf' ich zu Gott auf mit leisem Gestöhn':
    Er gebe mir Segen
    Auf schwindligen Wegen!

Dann werf' ich den Stutzen am Rücken zurück,
Und klett're nun aufwärts mit sicherem Blick,
    Und kräftigen Füßen,
    Die nie mich verließen.

Doch wehe, nun hemmt mich die thürmende Wand,
Ich steh' an des Felsens zerbröckeltem Rand,
    Und kann mich nicht wenden –
    Mein Leben muß enden!

Da ragt aus der Mauer ein zähes Gesträuch'
Tief unten, doch annoch in meinem Bereich',
    Ich beuge mich nieder,
    Ermuthiget wieder,

Und fass es, und schwinge mich hurtig hinab
In jenes weit gähnende, luftige Grab;
    Doch hätt' ich's versehen,
    War's um mich geschehen!

Ich stand auf des Felsens vorragendem Riff,
Auf dem ich schon früher ein Stündchen verschlief –
    In schußrechter Weite,
    Und harrte der Beute.

Dort winkt mir entgegen die finstere Schlucht,
Durch welche die Gemsen ergreifen die Flucht,
    Und oft auf dem Rasen
    Ganz unbesorgt grasen.

Ich halte das Schußrohr mit Vorsicht gespannt.
Nun kommen wohl sieben herunter die Wand:
    Sie schauen, sie stutzen –
    Da kracht schon mein Stutzen.

Es sinket der Bock in die Tiefe hinab;
Ich springe von Felsen zu Felsen bergab,
    Und jauchze dem Funde
    Der glücklichen Stunde!

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