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Lieder der Sehnsucht nach den Alpen

Johann Ladislaus Pyrker: Lieder der Sehnsucht nach den Alpen - Kapitel 11
Quellenangabe
typepoem
booktitleLieder der Sehnsucht nach den Alpen
authorJ. L. Pyrker
year1845
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Tübingen
titleLieder der Sehnsucht nach den Alpen
pagesIV-VII, 1-67
created20040328
sendergerd.bouillon
firstpub1845
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10. Der Jäger auf der Alpe.

Auf Bären.

            Sieh' da, der plumpe Bär,
    Wie schreckt mit seinem Grimme
    Und seiner groben Stimme
Das Volk er rings umher!
    Er hat den Stier zerrissen,
    Und manche Hirten missen
Der Rinder jetzt noch mehr.

Fangeisen legt man ihm,
    Mit jenen blut'gen Stücken
    Ihn klüglich zu berücken,
Doch weiß bei all dem Grimm
    Er Jägerslist zu meiden;
    Es raubt, wo Rinder weiden,
Nur Nachts das Ungethüm.

Doch endlich wird's zu arg,
    Man will im Kreis' ihn treiben:
    Nicht soll er dort mehr bleiben,
Wo er seither sich barg.
    Der Förster stellt die Schützen,
    Und ist mit Auges Blitzen
Mit Warnungen nicht karg.

Ich stand zuhöchst am Kamm,
    Und sah die Ander'n stehen
    Dort still zum Himmel flehen,
Gelehnt an einen Stamm.
    Die Büchsen sind geladen,
    Das Blei im Blut zu baden,
Wenn's dort zum Schusse kam.

Nun endlich wird es laut:
    Die scheuen Hunde bellen,
    Daß mir die Ohren gellen,
Und fast im Busen graut.
    Doch keiner wagt von Allen
    Das Untier anzufallen,
Wie's grimmig um sich schaut.

Ein scharfer Schuß geschieht:
    Ich hör' ein leises Brummen
    Durch Föhr' und Fichten summen –
Er ist getroffen? – Flieht? –
    Noch herrscht ein tiefes Schweigen,
    Und alle Blicke zeigen,
Daß er sie auf sich zieht.

Hilf Gott! er naht mir da!
    Er will vorüber eilen, –
    Nicht möcht' er hier verweilen!
Ist's Blut, was ich da sah?
    Die Wunde ist noch offen,
    Er ist am Hals getroffen,
Sein Ende scheint mir nah!

Mir stand es auch nicht fern!
    Den zweiten Schuß zu wagen
    Ist schlimm, wie Jäger sagen!
Befiehl den Geist dem Herrn,
    Dacht' ich, und schoß hinüber.
    Die Welt ward um mich trüber –
Verhüllt mein Augenstern.

Er hob sich wild empor
    Auf beiden Hinterfüßen,
    Und seine Tatzen stießen
Von sich mein Feuerrohr,
    Um dann sogleich, mich Armen,
    Entsetzlich zu umarmen.
Der Tod stand mir bevor!

Vertraun' macht Alles gut!
    Das Blei war recht entsendet,
    Sein Wüthen war geendet:
Er lag in seinem Blut.
    Ein Siegeszeichen schmückte.
    Weil mir das Wagniß glückte,
Nun meinen Jägerhut.

Die Schützen nah'n heran
    Mit allem Volk. Es rühmte
    Den Sieger, wie's geziemte,
Und stimmt' ein Loblied an.
    Es war in allen Gauen
    Das FellGewöhnlich zieht der glückliche Alpenschütz mit dem Fell des erlegten Bären im Lande herum, und wird durch Spenden gelohnt. darauf zu schauen,
Mein Ruhm lebt nun fortan!

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