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Lieder der Sehnsucht nach den Alpen

Johann Ladislaus Pyrker: Lieder der Sehnsucht nach den Alpen - Kapitel 10
Quellenangabe
typepoem
booktitleLieder der Sehnsucht nach den Alpen
authorJ. L. Pyrker
year1845
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Tübingen
titleLieder der Sehnsucht nach den Alpen
pagesIV-VII, 1-67
created20040328
sendergerd.bouillon
firstpub1845
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9. Der Jäger auf der Alpe.

Auf Hirsche.

        Die SulzSulz, ein, außer dem Walde, auf Wiesengründen von Lehm und Salz bereiteter, und mit niedrigem Gesträuch umgebener Fleck, wohin die Hirsche früh Morgens zu lecken kommen. ist wohl bereitet
    Auf einem Wiesenplan,
Der jäh zur Tief' entgleitet
    Vom dunklen Buchwald an:
Ein Salz- und Lehm-Gemenge,
    Von Laub im Kreis' umhüllt,
Daß nicht die Sonne senge
    Die Sulz dem Hochgewild,
Die mir am frühen Morgen,
    Wenn auch der Nebel fiel,
Im Laubgehölz verborgen,
    Dann dient zum sichern Ziel.
Doch muß ich lange harren,
    So scharf der Ostwind sey,
Bis fern die Zweige knarren,
    Gedrängt vom Hirschgeweih;
Bis Tritte näher schallen,
    Das dürre Laub aufrauscht,
Und Steinchen, rollend fallen,
    Wenn's Wild, gewendet lauscht.
Doch endlich tritt der SpießerSpießer, einjähriger, mit sehr spitzigem, gerade aufsteigendem Geweih versehener Hirsch.
    Vom Hanbuttstrauch hervor.
Die größere Schar verließ er –
    Nun horcht sein starres Ohr.
Sein helles Auge schauet
    Den weiten Plan, erschreckt,
Der jetzt von Perlen thauet,
    Womit das Grün sich deckt.
Dann lockt die Sulz ihn näher;
    Er schreitet langsam hin;
Mich däucht schon, als erspäh' er
    Mich durch des Waldes Grün.
Doch leckt er mit Behagen
    Am salzgedüngten Grund.
Da darf ich es denn wagen –
    Sein Schüttern gibt mir's kund.
Die Büchs' ist angeschlagen,
    Der Hahn ist scharf gespannt.
Ich drücke los – es heulet,
    Und donnert rings das Thal:
Der Hirsche Schar enteilet –
    Der eine ächzt im Fall.
Die beiden Koppelhunde
    Lass' ich noch eilig los,
Und manche Viertelstunde
    Harr' ich, und horche blos,
Ob ich nichts mehr vernehme?
    Ob mir nicht, scharf und hell,
Ihr Bellen naher käme –
    Zuletzt ihr Heulen grell
Mir in dem Ohr erklinge?
    Das ist der Freude Laut!
Ich schreite vor, und dringe:
    Denn recht hatt' ich vertraut –
Die Fährt' erkennt mein Spürer –
    Bis an des Waldes Rand.
Der sechzehnend'ge Führer,
    Den jener, schnoppernd, fand,
Von seiner Schar getrennet,
    Und beugend sein Geweih
Zum Rücken, naht, und rennet
    Mit Blitzes Flug vorbei –
Dann quer den Plan hinüber;
    Die Hund ihm nach! Vor Lust
Wird schon mein Auge trüber;
    Doch meines Glücks bewußt,
Lass' ich das Rohr erkrachen.
    Der Stolze stürzt in's Gras;
Ihm strömt vom Hals' und Rachen
    Das Blut, und macht es naß.
Die müden Hunde stillen
    Den Durst an seinem Blut,
Ich und der Aelpler füllen
    Mit Laub ihn wohlgemuth,
Nachdem er ausgeweidet
    Vor unsern Augen liegt.
Und weil die Achs' es leidet,
    Da zentnerschwer er wiegt,
Lass' ich ihn auf dem Darren
    Heim mit dem Spießer ziehen.
Wie nun die Räder schnarren,
    Die Vögel vor uns flieh'n,
Erheben Jubellieder
    Sich in die blaue Luft.
Wir sehen uns nun wieder
    Daheim im Abendduft!
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