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Lieder der Minnesinger

Karl Simrock: Lieder der Minnesinger - Kapitel 94
Quellenangabe
typepoem
booktitleLieder der Minnesinger
authorKarl Simrock
firstpub1857
year1857
publisherR. L. Friederichs
addressElberfeld
isbn
titleLieder der Minnesinger
pages
created20070301
sendergerd.bouillon
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29. Walther von der Vogelweide.

26. Das gelobte Land.

                 

    Nun erst leb ich ohne Fährde,
Seit sich meinem Auge weist
    Das hehre Land und auch die Erde,
Die man also lobt und preist.
    Mein ist was ich je erbat:
Ich bin kommen, wo den Pfad
Gott im Menschenbilde trat.

    Schöne Lande, segensreiche,
Hab ich Wandrer viel gesehn,
    Keines, das sich Dir vergleiche:
Was sind Wunder hier geschehn!
    Eine Magd ein Kind gebar
Hehr vor aller Engel Schar:
War das nicht ein Wunder gar?

    Hier ließ sich der Reine taufen,
Daß der Mensch gereinigt sei;
    Hier dann ließ er sich verkaufen,
Daß wir Eignen würden frei
    Und verloren nimmermehr.
Heil euch, Kreuz und Dorn und Sper,
Heidenschaft, des zürnst du sehr!

    Als er uns sich ließ erbarmen,
Litt er hier den grimmen Tod,
    Er der Reiche für uns Armen,
Daß wir kämen aus der Noth.
    Daß sein Blut uns kaufte los,
Ist ein Wunder übergroß,
Aller Wunder Wunderschooß.

    Nieder zu der Hölle Schlunde
Aus dem Grabe fuhr der Sohn,
    Dem der Vater war im Bunde
Und der Geist von Anfang schon.
    Niemand löset dieses Band:
Drei in einen Gott gewandt,
Wie ihn Abram hat erkannt.

    Als er dort den Feind bezwungen,
Wie kein Kaiser siegt' im Streit,
    Hat er neu sich hergeschwungen;
Da begann der Juden Leid:
    Daß er ihre Hut durchbrach,
Mit den Seinen gieng und sprach,
Den ihr Haß doch schlug und stach.

    Hier verblieb der Wunderreiche
Vierzig Tage, fuhr dann frei
    Heim zu seines Vaters Reiche;
Seinen Geist, der mit uns sei,
    Hat er uns herabgesandt:
Heilig ist dasselbe Land,
Wird vor Gottes Thron genannt.

    In dieß Land hat er gesprochen
Einen schreckensvollen Tag,
    Da die Wittwe wird gerochen,
Da der Waise klagen mag
    Mit dem Armen die Gewalt,
So sie litten mannigfalt:
Wohl ihm dort, der hier entgalt.

    Unsers Richteramts Gebrechen
Hemmt nicht mehr des Rechtes Lauf,
    Denn Er selbst kommt Recht zu sprechen,
Zieht der jüngste Tag herauf:
    Wer noch schuldet, weh ihm dann
Dort, wo der verlaßne Mann
Pfand noch Bürgen haben kann.

    Laßt ihr des euch nicht verdrießen
Was gesprochen hat mein Mund,
    Will ich jetzt die Rede schließen
Und euch kürzlich machen kund:
    Was der ewgen Weisheit Macht
Hat von Anbeginn gedacht,
Hier beganns und wird vollbracht.

    Christen sagen, Juden, Heiden,
Daß dieß Land ihr Erbe sei:
    Möge Gott den Streit entscheiden,
Er bei seinen Namen drei.
    Alle Welt hieher begehrt;
Uns nur ward ein Recht bescheert:
Recht ist, daß er Uns gewährt.

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