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Lieder der Minnesinger

Karl Simrock: Lieder der Minnesinger - Kapitel 68
Quellenangabe
typepoem
booktitleLieder der Minnesinger
authorKarl Simrock
firstpub1857
year1857
publisherR. L. Friederichs
addressElberfeld
isbn
titleLieder der Minnesinger
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29. Walther von der Vogelweide.

Leich.

               

    Gott, dein dreieinig Wesen,
Das du dir selbst erlesen
Und immer ist gewesen,
Das preisen wir dreifaltig,
Doch ewig eingehaltig.

    Dich Gott, den hohen, hehren,
Du selbst dir höchste Ehren,
Kann nicht der Tod versehren.
O send uns deine Lehren:
Verlocken und verkehren
Will uns das Herz zur Sünde
Der Fürst der Höllenschlünde.

    Sein Rath und fleischlich böse Gier
Entfremdeten, o Herr, uns dir.
Da dir zu dreist die beiden sind
Und ihre Macht vor dir zerrinnt,
So thus zu deines Namens Ruhm,
Daß wir mit dir zum Siegerthum
Gelangen und uns deine Hand
Verleihe Kraft zum Widerstand,

    Auf daß du seist geehret,
Dir Lob und Preis gemehret,
Er aber sei entehret,
Der uns nur Sünde lehret,

    Uns in das Netz der Sinne jagt:
Er steht vor deiner Kraft verzagt;
Des sei dir ewig Lob gesagt
Und auch der reinen süßen Magd,
Durch die das Licht uns hat getagt:
Der Sohn, der ihr zum Kind behagt.

    Magd und Mutter, schaue   der Christenscharen Noth,
Du blühnder Stab Aronis,   erglimmend Morgenroth,
    Ezechielens Pforte,   die nie ward aufgethan,
Durch die der hehre König   gieng aus und ein die Bahn:
    So wie die Sonne scheinet   durch Scheiben dicht und klar,
Also empfieng die Reine Christ,   die Magd und Mutter war.

    Ein Busch einst stand
In hellem Brand
Und ward doch nichts versengt daran:
    Voll und ganz
Verblieb sein Glanz
Nichts hatt ihm Feuers Glut gethan.
    Das war die reine
Magd alleine,
Die mit magdlichem Empfahn

    Kindes Mutter worden ist
Ohn eines Mannes Hülf und List,
Was immer Menschensinn ermißt,
Den reinen Christ
Gebar, der uns bedachte.
    Nun Heil ihr, daß sie den gebar,
Der unsers Todes Tödter war!
Sein reines Blut vertilgte gar
Der Sünden Schar,
Die Evens Schuld uns brachte.

    Auf hohem Throne
Von Salomone
Bist du, Frau, als waltende Gebieterin erhaben:
    Balsamite,
Margarite,
Vor allen Mägden bist du, Magd, die Magd mit Königsgaben.

    Gottes Amme,
Du gabst dem Lamme
Den Leib zum Schreine,
Drin das reine
Lamm alleine
Lieblich lag begraben.

    Dem Lamm fürwahr
Vergleicht sich gar
Der Mägdlein Schar:
Die nimmt sein wahr
Und kehrt, wohin es kehret.
    Das Lamm, es ist
Der wahre Christ,
Durch den du bist
Auf ewge Frist
Gehöhet und gehehret.
    Nun bitt ihn, daß er uns verleiht
Um deinetwillen Kraft zum Streit:
Du send uns Trost, o Himmelsmaid,
So wird dein Preis gemehret.

    O Magd, der Reinheit Krone,
Dem Fließ von Gideone
Gleichst du zweifelsohne,
Das Gott selbst begoß mit seinem Thaue.
    Da drang das Wort der Worte
Durch deiner Ohren Pforte,
Das süß von Ort zu Orte
Dich hat durchsüßet, süße Himmelsfraue.

    Was aus der Worte Wort entstand,
Ist frei von kindschen Sinnes Tand,
Es wuchs zum Wort und ward ein Mann;
Schaut Alle dieses Wunder an:
Der ewge Gott von Urbeginn,
Der ward ein Mensch mit Menschensinn:
Hier überwundert seine Macht
Die Wunder, die er je vollbracht!
Desselben Wunderthäters Schrein
War ein reines Mägdelein
Wohl vierzig Wochen oder mehr,
Ohn alle Sünden und Beschwer.

    Nun bittet im Vereine
Die Mutter mit dem Kind,
Den Guten und die Reine,
Daß sie uns gnädig sind.
    Man kann ohn ihre Bitte
Nicht hier noch dort gedeihn,
Und wer uns das bestritte,
Der müste thöricht sein.

    Wie schlecht besteht der Thor einmal,
Der nicht um seiner Sünden Zahl
Im Herzen fühlt der Rene Qual!
Nie tilgt der Herr der Sünde Mal,
Die nicht gereut zu aller Stund
Hinab bis auf des Herzens Grund.
Dem Weisen ist die Lehre kund,
Daß keine Seele wird gesund,
Die von der Sünde Schwert ist wund,
Schließt sie mit Reue nicht den Bund.

    Nun fehlt uns wahre Reue;
Daß Gott sie uns aufs Neue
In unsre Herzen streue!
Sein Geist, der vielgetreue,

    Der kann wohl harten Herzen geben
Wahre Reu und reines Leben;
Dem sollte Niemand widerstreben:
Wo er die Reue gerne weiß,
Macht er die Reue glühend heiß:
Ein wildes Herz er also zähmt,
Daß es sich aller Sünde schämt.

    Uns sei vom Vater, sei vom Sohn der rechte Geist geschickt,
Daß er mit seiner süßen Flut ein dürres Herz erquickt;
    Wir sehen der Unchristlichkeit die Christenheit so voll:
Wo Christenthum im Siechhaus liegt, stehts nimmer wie es soll.

    Seht, wie es schmachtet,
Nach Lehre trachtet,
Wie ihm von Rom einst ward ertheilt:
Wer die ihm schänkte,
Es wieder tränkte
Wie einst, es würde bald geheilt.

    All seine Marter, seine Pein
Entsprang aus Simonie allein;
Auch ist sein Anhang viel zu klein,
Die des zu zeihn,
Die es in Schaden brachten:
    Christenthum und Christenheit,
Wer diese schnitt zu einem Kleid
In gleichem Maße lang und breit,
Wie Lust und Leid,
Der will auch daß wir trachten,

    Wie wir in Christo christlich leben:
Da Er zusammen uns gegeben,
So sollte nichts uns scheiden,
    Denn wer sich einen Christen heißt
Und das nicht mit der That erweist,
Der gleicht wohl halb den Heiden.

    Das ist unsre gröste Noth:
Das Wort ist ohne Werke todt;
Nun hilf uns, Gott, zu beiden,

    Und sei uns mild
Ein Hort und Schild,
Die sein Gebild
Wir heißen im Vereine:
Besänftge, Herrin, seinen Zorn,
Du auserwählter Gnadenborn,
Du lichte Rose sonder Dorn,
Du sonnenfarbne Reine.

    Dich lobt der hohen Engel Kreiß;
Doch nie gelang es allem Fleiß
Zu enden deines Namens Preis,

    So oft er ward gesungen,
Und wie er sich erschwungen
Von Stimmen oder Zungen,
Im Himmel und hienieden;
Nun gieb uns, Heilge, Frieden:

    Wir bitten dich für unsre Schuld
Um deine Gnade, deine Huld:

    Kommt Fürbitt uns geronnen
Aus der Erbarmung Bronnen,
So haben wir mit Wonnen
Erleichterung gewonnen

    Der Schuld, womit wir schwer beladen,
Die hilf uns, Herrin, wegzubaden,

    Im Quell der ewgen Reue
        um unsrer Sünden Last,
Die außer Gott nur du allein uns zu vergeben hast.

29. Walther von der Vogelweide.

2. Die verschwiegene Nachtigall.

    Unter der Linden
An der Haide,
Wo ich mit meinem Trauten saß,
    Da mögt ihr finden,
Wie wir beide
Die Blumen brachen und das Gras.
    Vor dem Wald mit süßem Schall
Tandaradei!
Sang im Thal die Nachtigall.

    Ich kam gegangen
Zu der Aue;
Mein Liebster kam vor mir dahin.
    Ich ward empfangen
Als hehre Fraue,
Daß ich noch immer selig bin.
    Ob er mir auch Küsse bot?
Tandaradei!
Seht, wie ist mein Mund so roth!

    Da gieng er machen
Uns ein Bette
Aus süßen Blumen mancherlei;
    Des wird man lachen
Noch, ich wette,
So Jemand wandelt dort vorbei.
    Bei den Rosen er wohl mag,
Tandaradei!
Merken wo das Haupt mir lag.

    Wie ich da ruhte,
Wüst es Einer,
Behüte Gott, ich schämte mich.
    Wie mich der Gute
Herzte, Keiner
Erfahre das als er und ich.
    Und ein kleines Vögelein,
Tandaradei!
Das wird wohl verschwiegen sein.

29. Walther von der Vogelweide.

3. Frühling und Frauen.

     

    Wenn die Blumen aus dem Grase dringen,
Gleich als lachten sie hinauf zur Sonne
Des Morgens früh an einem Maientag,
    Und die kleinen Vöglein lieblich singen
Ihre schönsten Weisen, welche Wonne
Hat wohl die Welt, die so erfreuen mag?
    Man glaubt sich halb im Himmelreiche.
Wollt ihr hören, was sich dem vergleiche,
So sag ich was mir wohler doch
An meinen Augen öfters that
        und immer thut, erschau ichs noch.

    Denkt, ein edles, schönes Fräulein schreite
Wohlgekleidet, wohlbekränzt hernieder,
Sich unter Leuten wandelnd zu ergehn,
    Hochgemuth in fürstlichem Geleite,
Etwas um sich blickend hin und wieder
Wie Sonne neben Sternen anzusehn:
    Der Mai mit allen Wundergaben,
Kann doch nichts so wonnigliches haben
Als ihr viel minniglicher Leib;
Wir laßen alle Blumen stehn
        und blicken nach dem werthen Weib.

    Nun wohlan, wollt ihr Beweise schauen,
Gehn wir zu des Maien Lustbereiche,
Der ist in seiner ganzen Fülle da.
    Schauet ihn und schauet edle Frauen,
Was dem Andern wohl an Schönheit weiche,
Ob ich mir nicht das beßre Theil ersah.
    Ja wenn mich Einer wählen hieße,
Daß ich eines für das Andre ließe,
Ach wie so bald entschied ich mich:
Herr Mai, ihr müstet Jenner sein,
        eh ich von meiner Herrin wich!

29. Walther von der Vogelweide.

4. Maienwonne.

       

    Wollt ihr schauen, was im Maien
Wunder man gewahrt?
    Seht die Pfaffen, seht die Laien,
Wie das stolz gebahrt!
    Ja, er hat Gewalt!
Ob er Zauberlist ersonnen?
Wo er naht mit seinen Wonnen,
Da ist Niemand alt.

    Und wird Alles wohl gelingen:
Laßt uns diese Zeit
    Lustig tanzen, lachen, singen,
Nur mit Höflichkeit.
    Ei, wer wär nicht froh?
Da die Vögelein nun alle
Singen mit dem schönsten Schalle,
Thäten wir nicht so?

    Wohl dir Mai, wie du beglücktest
Alles weit und breit,
    Wie du schön die Bäume schmücktest,
Gabst der Haid ein Kleid.
    War sie bunter je?
»Du bist kürzer, ich bin langer,«
Also streiten auf dem Anger
Blumen mit dem Klee.

29. Walther von der Vogelweide.

5. Trost im Leide.

       

    Drückt dich heimlich Sorg und Leid,
So gedenke guter Fraun: du wirst erlöst;
    Und gedenke lichter Zeit:
Stäts hat der Gedanke Muth mir eingeflößt.
    Hab ich oft in schlimmen Tagen Noth,
Nehm ich mir ein Beispiel an der Haide,
Die sich schämt im Leide:
Sieht sie den Wald ergrünen, wird sie immer roth.

    Herrin, wenn ich denk an dich,
Was für Huld in dir und reine Tugend thront,
    O laß ab! du rührest mich
Mitten an das Herze, wo die Liebe wohnt.
    Lieb und lieber, beides mein ich nicht:
Du bist mir das Liebste, das ich meine;
Du bist mir alleine
Vor aller Welt, o Herrin, Trost und Zuversicht.

29. Walther von der Vogelweide.

6. Deutschlands Ehre.

       

    Heißt mich froh willkommen sein,
Der euch Neues bringet, das bin ich.
    Eitle Worte sinds allein,
Die ihr noch vernahmt; jetzt fraget mich
    Wenn ihr Lohn gewähret
Und den Sold nicht scheut,
Will ich Manches sagen was die Herzen freut
Seht, wie ihr mich würdig ehret.

    Ich verkünde deutschen Fraun
Solche Dinge, daß sie alle Welt
    Noch begierger wird zu schaun:
Dafür nehm ich weder Gut noch Geld.
    Was wollt ich von den Süßen?
Sie sind mir zu hehr:
Drum bescheid ich mich und bitte sie nichts mehr
Als daß sie mich freundlich grüßen.

    Lande hab ich viel gesehn,
Nach den Besten blickt ich allerwärts.
    Uebel möge mir geschehn,
Wenn sich je bereden ließ mein Herz,
    Daß ihm wohlgefalle
Fremder Lande Brauch:
Wenn ich lügen wollte, lohnte mir es auch?
Deutsche Zucht geht über alle.

    Von der Elbe bis zum Rhein
Und zurück bis an der Ungern Land,
    Da mögen wohl die Besten sein,
Die ich irgend auf der Erden fand.
    Weiß ich recht zu schauen
Schönheit, Huld und Zier,
Hilf mir Gott, so schwör ich, sie sind beßer hier
Als der andern Länder Frauen.

Züchtig ist der deutsche Mann,
Deutsche Fraun sind engelschön und rein;
    Thöricht, wer sie schelten kann,
Anders wahrlich mag es nimmer sein:
    Zucht und reine Minne,
Wer die sucht und liebt,
Komm in unser Land, wo es noch beide giebt.
Lebt' ich lange nur darinne!

29. Walther von der Vogelweide.

7. Die Zauberin.

   

    Wunder nimmt mich immer, was erblickt
Wohl dieß Weib an mir,
    Daß ihr Zauber eben Mich bestrickt?
Wie geschah das ihr?
    Hat sie denn nicht Augen?
Oder trügt sie ihr Gesicht?
Aller Männer Schönster bin ich nicht,
Leugnen will nicht taugen.

    Hat ihr Jemand was von mir gelogen,
Schaue sie doch her:
    An meiner Schönheit ist sie arg betrogen,
Denn die wiegt nicht schwer.
    Schaut den Kopf nur, schauet,
Der ist nicht zu wohlgethan;
Sie betrügt fürwahr ein eitler Wahn,
Wenn sie dem nicht trauet.

    Tausend Männer weilen, wo sie weilt,
Schöner von Gesicht;
    Kunst ward mir ein wenig zugetheilt,
Aber Schönheit nicht.
    Ist die Kunst geringe,
Thu ich doch nicht karg damit.
Mancher freut sich, der an Kummer litt,
Wenn ich Lieder singe.

    Nimmt sie Kunst für schönes Angesicht,
Daran thut sie gut;
    Will sie das, so tadl ich fürder nicht
Was sie an mir thut.
    So will ich mich neigen
Und ihr ganz zu Willen sein.
Was bedarf es aber Zauberein?
Ich bin doch ihr eigen.

    Nun vernehmt von ihrer Zauberlist:
Damit steht es so:
    Sie ist ein Weib, die schön und ehrbar ist,
Und mit Andern froh.
    Daß sie mehr ersonnen
Wider mich, das kann nicht sein:
Ihres Wesens Lieblichkeit allein
Schafft mir Schmerz und Wonnen.

29. Walther von der Vogelweide.

8. Das Halmmeßen.

       

    In Zweifelsucht und trübem Wahn
War ich befangen und gedachte
    Zu laßen ihren Dienst fortan,
Als mich ein Trost ihr wieder brachte.
    Trost mag es wohl nicht heißen, sei es drum –
Ja ists auch nur ein kleines Tröstelein,
So klein, verkünd ichs euch, ihr spottet mein,
Doch freut sich selten Jemand, der nicht weiß warum.

    Mich macht' ein kleines Hälmlein froh:
Es sagt, mir solle Gnade kommen;
    Ich maß dasselbe kleine Stroh,
Wie ichs bei Kindern wahrgenommen.
    Nun höret All und merket denn, ob sie es thu:
Sie thut, thuts nicht, sie thut, thuts nicht, sie thut:
Wie oft ich maß, stäts war das Ende gut:
Das ist mein Trost nun: da gehört auch Glaube zu.

29. Walther von der Vogelweide.

9. Schönheit und Liebreiz.

       

    Herzgeliebte Herrin mein,
Gott leih dir heut und ewig Heil!
    Könnt ich beßern Preis dir leihn,
Dir würd auch dieses Lob zu Theil.
    Doch was kann ich sagen mehr
Als daß dir Niemand holder ist als ich? das macht mein Leid so schwer.

    Viele schelten mich, daß ich
Nicht höher wende meinen Sang.
    Die verkennen sicherlich
Was Liebreiz ist ihr Lebenlang.
    Nein, sie kannten Liebreiz nie:
Die nach dem Gut und nach der Schönheit minnen, weh wie minnen die!

    Oft ist Haß in schöner Brust,
Drum jagt nach Schönheit nur ein Thor;
    Liebreiz giebt dem Herzen Lust,
Drum geht der Schönheit Liebreiz vor.
    Liebreiz giebt auch schönen Leib:
Das kann die Schönheit nimmermehr: nie macht sie liebenswerth ein Weib.

    Ich vertrage und vertrug
Und will noch Widerspruch vertragen:
    Du bist schön und hast genug:
Was will denn solcher Tadel sagen?
    Mag er doch: ich bin dir hold
Und nähm dein gläsern Fingerlein für aller Königinnen Gold.

    Hast du Treu und Stätigkeit,
So bin ich aller Sorg erwehrt,
    Daß mir jemals Herzeleid
Mit deinem Willen widerfährt.
    Hast du aber diese nicht,
So müßest du mir nimmer werden: weh mir dann mein Herz zerbricht!

29. Walther von der Vogelweide.

10. Walther und Hildegunde.

       

    Die mir diesen Winter manche Lust benommen,
Es sei ein Weib, es sei ein Mann,
    Diese Frühlingszeit mag ihnen wohl bekommen.
O weh, daß ich nicht fluchen kann!
    Aber leider kann ich immer
Nur den übeln Fluch » unselig«. Nein, das wär ein allzu schlimmer.

    Noch zwei fürchterliche Flüche kann ich auch,
Den Flüchen bin ich hold gesinnt:
    »Mögen sie den Esel hören und den Gauch
Frühmorgens, wenn sie nüchtern sind.«
    Ach, wie dauern mich die Armen!
Wüst ich, daß sies noch bereuten, wollt ich mich um Gott erbarmen.

    Zeigt man sich geduldig wider Ungeduld,
So ists den Unverschämten leid;
    Wen die Bösen haßen ohne seine Schuld,
Der dankt es seiner Würdigkeit:
    Fänd ich Trost nur bei der Guten,
Die mich einzig trösten kann, nicht sollte mich ihr Neid entmuthen.

    Laut beschwören will ichs bei der Holden Leib;
Sie hör es selbst aus meinem Mund:
    Ist mir eine lieber, Mägdlein oder Weib,
So schlinge mich der Hölle Schlund.
    Fehlt ihr nun nicht alle Treue,
So getraut sie meinem Eide, daß sie endlich mich erfreue.

    Liebe Herrn und Freunde, helfet mir bei Zeit,
Denn sicherlich, dem ist nun so:
    Euch entbiet ich meinen minniglichen Streit;
Wohl werd ich niemals wieder froh.
    Meines Herzens tiefe Wunde,
Die muß immer offen stehn bis sie mich küsst mit Freundesmunde.
    Meines Herzens tiefe Wunde,
Die muß immer offen stehn, bis Sie es heilet ganz von Grunde.
    Meines Herzens tiefe Wunde,
Die muß immer offen stehn, wird sie nicht heil von – Hildegunde.

29. Walther von der Vogelweide.

11. Der Kaiser als Spielmann.

       

    Frau, ihr habt ein gut Gewand
Euch angelegt, den reinen Leib.
    Ein beßer Kleid ich nirgend fand,
Ihr seid ein wohlgekleidet Weib.
    Sinn, Heil und Segen sieht man holdgestickt darin.
Getragnes Kleid, nie nahm ichs zwar:
Dieß nähm ich für mein Leben gern.
Der Kaiser würd ihr Spielmann gar,
Erglänzt' ihm solch Geschenk von fern;
So spiele, Kaiser! Nein, Herr Kaiser, anderswo.

29. Walther von der Vogelweide.

12. Das letzte Lob.

    Die Herren gebens Schuld den Frauen,
Daß der Welt Verfall so groß:
Sie sähen nieder in den Schooß
Und wagtens kaum empor zu schauen.
    Klagen hab ich auch gehöret,
All ihre Freude sei zerstöret,
    Längst schon seien sie verzagt
Wie am Glücke, so am Leben,
Trost woll ihnen Niemand geben:
Richtet nun: hier ist geklagt.

    Die Herrin scherzt mir zu empfindlich:
Sie sagt, ich habe ausgelobt;
Sie irrt, ich glaube gar, sie tobt!
Noch niemals lobt ich so verbindlich:
    Dürft ich vor den Ungetreuen
Die Guten sollte Lob erfreuen;
    Aber davon kehrt den Muth:
Nimmermehr lob ich sie alle,
Wie's den Losen auch missfalle,
Werden sie nicht alle gut.

    Ich kenn ein Weib, die es nicht neidet,
Lobt man sonst ein reines Weib:
So rein ist ihr holdselger Leib,
Daß sie der Guten Lob wohl leidet.
    Schönheit und ein reines Leben
Hat ihr der sie schuf gegeben:
    Der die zwei zusammenschloß,
Ei wie künstlich konnt er schließen!
Immer sollt er Bilder gießen,
Der dieß eine Bildniss goß.

29. Walther von der Vogelweide.

13. Der siebente Tag.

       

    Minne, die hat einen Brauch,
Wenn sie den vermeiden wollte,
Würd ich wieder froh.
    Damit kränkt sie Manchen auch,
Den sie nimmer kränken sollte;
Weh, wie thut sie so?
    Ihr sind vierundzwanzig Jahr
Viel lieber als ihr vierzig sind
        und stellt sich übel an, erblickt sie graues Haar.

    Minne war mir einst so hold,
Gönnte mir ein voll Vertrauen,
Gönnt es jetzt nicht mehr:
    Wirbt ein Jüngrer nun um Sold,
Pflegt sie schel mich anzuschauen,
Von der Seite her.
    Armes Weib, was träumt sie sich?
Fürwahr, obwohl sie Schminke braucht
        und Thoren täuscht, sie ist viel älter doch als ich.

    Nun gewöhnt sich Minne gar
Thoren alle Gunst zu schenken
Wie ein thöricht Kind.
    Ist sie guten Sinnes bar?
Was die Närrin wohl mag denken?
Sie ist gar zu blind.
    Stellte sie ihr Rauschen ein,
Und gieng' als ein bescheiden Weib!
        sie stößt sich noch, daß es mir schafft im Herzen Pein,

    Minne nehm es mir für gut,
Während sie sich müht und ringet,
Setz ich mich hieher:
    Hab ich doch so hohen Muth
Als Einer, der gewaltig springet.
Nun, was will sie mehr?
    Ich dien ihr sonst, wo ich vermag;
Sie sorge für die Sechse nur:
        von mir hat sie die Woche nur den siebten Tag.

29. Walther von der Vogelweide.

14. Vergängliche Freude.

       

    Mancher trauert, der doch glücklich ist;
Mich sieht man immer wohlgemuth,
    Ob mein Herz gleich wahre Freude misst:
Das kommt mir eben so zu Gut.
    Herzensfreude hab ich viel gekannt, doch ach!
Stäts war Herzeleid dabei:
Ließen mich Gedanken frei,
So wüst ich nicht um Ungemach.

    Nimmer gieng auch nur ein halber Tag
In ungetrübter Lust mir hin:
    Wenn ich jemals ganzer Freude pflag,
So flieht sie jetzo meinen Sinn.
    Alle Freuden dieser Erde, sie vergehn
Wie der lichten Blumen Schein:
Darum soll das Herze mein
Nicht mehr nach falschen Freuden stehn.

29. Walther von der Vogelweide.

15. Das täuschende Bild.

                   

    O fänd ich frohe Himmelfahrt!
Ich habe Manchem mit Gesang
Das Herz erfreut mein Leben lang;
Hätt ich dabei mich selbst bewahrt!
    Preis ich des Leibes Minne, ists der Seele leid:
Sie sagt, erlogen, Wahnsinn seis.
Die wahre Minne lebe fort in Ewigkeit,
Beglücke stäts und täusche nie.
    Leib, flieh ein Glück so trügerisch,
Nur stäte Minne halte werth;
Mich dünkt, die du bis jetzt begehrt,
Sei nicht bis auf die Gräte Fisch.

    Ich hatt ein schönes Bild erwählt:
O weh, daß ich es je gekannt.
So manches Wort daran gewandt,
Da nun ihm Reiz und Sprache fehlt.
    Drin wohnt' ein Wunder, das entwich ins leere Blau:
Das Bildniss schwieg mir fürderhin.
Sein lilienrosig Antlitz ward so kerkergrau,
Verloren gieng ihm Duft und Schein.
    Bild, bin ich denn gekerkert hier
In dich, so bitt ich, gieb mich frei,
Damit mein Weilen zwangslos sei:
Nicht scheiden kann ich doch von dir.

    Welt, wie du lohnst, hab ich gesehn:
Was du mir giebst, das nimmst du mir.
Wir scheiden Alle bloß von dir;
Schäm dich, soll mir es so ergehn.
    Ich habe Seel und Leib (das war zu viel)
Tausendmal gewagt um dich;
Zu alt ward ich indess, nun dien ich dir
Zum Spiel! Zürn ich darum, so lachest du:
    Lach du nur eine Weile noch,
Dein Jammertag wird endlich kommen,
Der nimmt dir was du uns genommen
Und brennt dich dann zur Strafe doch.

29. Walther von der Vogelweide.

16. An die Jungfrau.

   

    Maria, Magd, du hochgelobte Frau, du süße,
Hilf mir zu deines Kindes Ruhm, daß meine Sünd ich büße.
    Hochschwellend Meer der Gnade, Tugend, aller Güte,
Der süße Gottesgeist aus deinem edeln Herzen blühte.
    Dein Schöpfer, Vater, Kind ist zu dir eingegangen!
Uns Allen Heil, daß du ihn hast empfangen!
Den Höhe, Breite, Tiefe, Läng umfienge nimmermehr,
Dein kleiner Leib, mit süßer Keuschheit barg ihn der.
Vor allen Wundern ist dieß Wunder hehr:
Der Engel Königin, du trugst ihn ohne Schmerz und Bangen.

29. Walther von der Vogelweide.

17. Der Engel Gabriel.

       

    Am Freitag wurden wir vom Höllenzwang gefreiet
Durch den, der sich dreifaltiglich aus Einem hat gedreiet.
    Der Engel Gabriel der Magd die Botschaft kündet,
Die mit großen Freuden Erd und Himmel hat entzündet.
    Er sprach zu ihr Ave, das minnigliche Grüßen:
Durch ihr Ohr empfieng sie ihn, den Süßen,
Der ewig ohne Ende bleibt und war ohn Anbeginn.
Des sei dir Lob und Dank gesagt, Maria, Königin:
Du gabst Ihn uns zum Trost, der alles Leid der Welt will büßen.

29. Walther von der Vogelweide.

18. Das jüngste Gericht.

   

    Mir sagen, die der Weisheit voll,
Daß ein Gericht ergehen soll,
Wie noch keines ward so ernst und strenge.
    Da spricht der Richter gleich zur Hand:
»Zahl ohne Bürgschaft, ohne Pfand.«
Da findet man sich rathlos in der Enge.
    Will man uns dort nicht ferner borgen,
So hilf mir, Frau, es hier besorgen,
Bei der höchsten Freude dein,
Die deinem Ohr der heilge Engel brachte
Als er dir Des Empfängniss kündete,
Durch den sich deine Freud entzündete,
Der ewig unser Heil soll sein:
Der dir dieß Glück von jeher zugedachte,
Des Trost sei bei dem Ende mein.

29. Walther von der Vogelweide.

19. Morgengebet.

                     

    Mit Sorgen laß mich heut erstehn,
Herr Gott, in deinem Schutze gehn
Und reiten, wohinaus mein Weg sich kehre;
    Herr Christ, an mir gieb an den Tag
Was Deiner Güte Kraft vermag
Und steh mir bei zu Deiner Mutter Ehre,
    Wie ihr der Engel half, der gute,
Und Dir, der in der Krippe ruhte,
Jung als Mensch, als Gott so alt,
Demüthig vor dem Esel und dem Rinde:
Und doch mit himmlisch treuem Sorgen
Hielt Dich Gabriel geborgen
Vor Gefahren mannigfalt:
So schütz auch mich, daß man nicht falsch mich finde,
Noch gegen Deine Liebe kalt.

29. Walther von der Vogelweide.

20. Die Kreuzigung.

I.
              Sünder, du sollst der großen Noth gedenken,
Die Gott um uns erlitt und sollst dein Herz in Reue senken.
    Mit scharfen Dornen ward sein süßer Leib versehret:
Noch mannigfalt ward seine Marter an dem Kreuz gemehret:
    Man schlug drei Nägel ihm durch Füße und durch Hände.
Mariens Schmerz war ohne Maß und Ende,
Als sie des Kindes Blut zu beiden Seiten fließen sah.
Von dem Kreuze Jesus trauernd sprach er da:
Dein Ungemach, o Mutter, das ist ja
Mein zweiter Tod: Johann, du sollst der Lieben Tröstung spenden.
 
II.
    Der Blinde sprach zu seinem Knechte: Du sollst kehren
Den Sper zu seinem Herzen und der langen Marter wehren.
    Da wandte man die Waffe gen den Herrn der Erde;
Maria vor dem Kreuze stand mit schmerzlicher Geberde:
    Da verlor sie Farb und Kraft in bitterlichen Nöthen,
Als sie so jämmerlich ihr Kind sah tödten
Und Longin den Sper ihm in die reine Seite stach.
Ohnmächtig sank sie hin und hörte nicht noch sprach;
In diesem Jammer Christi Herz zerbrach:
Das Kreuz begann sich da mit seinem süßen Blut zu röthen.

29. Walther von der Vogelweide.

21. Gefährdetes Geleite.

    Ich saß auf einem Steine,
Da deckt' ich Bein mit Beine,
Darauf der Ellenbogen stand;
Es schmiegte sich in meine Hand
Das Kinn und eine Wange.
Da dacht ich sorglich lange
Dem Weltlauf nach und irdschem Heil;
Doch wurde mir kein Rath zu Theil,
Wie man drei Ding erwürbe,
Daß ihrer keins verdürbe.
Die zwei sind Ehr und zeitlich Gut,
Das oft einander Schaden thut;
Das dritte Gottes Segen,
An dem ist mir gelegen:
Die hätt ich gern in einen Schrein.
Ja leider mag es nimmer sein,
Daß Gottes Gnade kehre
Mit Reichthum und mit Ehre
Je wieder in dasselbe Herz;
Sie finden Hemmung allerwärts:
Untreu liegt auf der Lauer,
Gewalt bedrängt den Bauer,
So Fried als Recht sind todeswund:
Die dreie haben kein Geleit, die zwei denn werden erst gesund.

29. Walther von der Vogelweide.

22. Der Waise.

    Ich hört ein Waßer rauschen
Und gieng den Fischen lauschen,
Ich sah die Dinge dieser Welt,
Wald, Laub und Rohr und Gras und Feld,
Was kriechet oder flieget,
Was Bein zur Erde bieget,
Das sah ich und ich sag euch das:
Da lebt nicht Eines ohne Haß.
Das Wild und das Gewürme,
Die streiten starke Stürme,
So auch die Vögel unter sich;
Doch thun sie eins einmüthiglich,
Sie schaffen stark Gerichte,
Sonst würden sie zu nichte,
Sie wählen Könge, ordnen Recht
Und unterscheiden Herrn und Knecht.
So weh dir, deutschem Lande,
Wie ziemet dir die Schande,
Daß nun die Mücke hat ihr Haupt
Und du der Ehren bist beraubt!
Bekehre dich! Nicht mehre
Der Fürstenkronen Ehre.
Die armen Könge drängen dich:
Philippen setz den Waisen auf, so weichen sie und beugen sich.

29. Walther von der Vogelweide.

23. Der Leitstern.

     

    Die Kron ist älter als der König Philipp ist:
Drum scheints ein Wunder jedem Auge, das ermißt
Wie ihr der Schmied das rechte Maß verliehen.
    Sein kaiserliches Haupt geziemt ihr also gut,
Daß wer sie scheiden will als ein Verräther thut:
Keins mag dem andern Schein und Glanz entziehen.
    Sie leuchten beid einander an,
Die edeln Steine mit dem jungen süßen Mann:
Der Anblick muß den Fürsten wohlgefallen.
Wen nun nach andern Herrn verlangt,
Der schaue, Wem der Waise überm Scheitel prangt:
Der mag ein Leitstern sein den Fürsten allen.

29. Walther von der Vogelweide.

24. An König Friedrich.

       

    Schirmvogt von Rom, Apuliens König, habt Erbarmen,
Daß man mich bei reicher Kunst so läßt verarmen;
Gerne möcht ich, könnt es sein, am eignen Heerd erwarmen.
    Hei! wie lustig wollt ich von den Vöglein singen,
Von den Blumen aus der Haide, wie vor Jahren schon.
Gäb mir ein schönes Weib dann süßen Minnelohn,
Ließ ich ihr Lilien und Rosen aus den Wangen dringen.
    Nun komm ich spät und reite früh; Gast, weh dir, weh!
Da mag der Wirth wohl singen von dem grünen Klee:
Die Noth bedenket, milder Herr, daß eure Noth zergeh.

29. Walther von der Vogelweide.

25. Ermordung Engelberts von Köln.

       

    Den ich im Leben pries, des Tod muß ich beklagen.
Drum weh ihm, der den edeln Fürsten hat erschlagen
Von Köln! O weh, daß ihn die Erde noch mag tragen!
    Ich kann ihm seiner Schuld gemäß noch keine Marter finden:
Ihm wäre zu gelind ein eichner Strang um seinen Kragen,
    Ich will ihn auch nicht brennen, vierteln oder schinden,
Noch mit dem Rad zermalmen noch darüber binden:
Ich hoff, er werde lebend noch den Weg zur Hölle finden.

29. Walther von der Vogelweide.

26. Das gelobte Land.

                 

    Nun erst leb ich ohne Fährde,
Seit sich meinem Auge weist
    Das hehre Land und auch die Erde,
Die man also lobt und preist.
    Mein ist was ich je erbat:
Ich bin kommen, wo den Pfad
Gott im Menschenbilde trat.

    Schöne Lande, segensreiche,
Hab ich Wandrer viel gesehn,
    Keines, das sich Dir vergleiche:
Was sind Wunder hier geschehn!
    Eine Magd ein Kind gebar
Hehr vor aller Engel Schar:
War das nicht ein Wunder gar?

    Hier ließ sich der Reine taufen,
Daß der Mensch gereinigt sei;
    Hier dann ließ er sich verkaufen,
Daß wir Eignen würden frei
    Und verloren nimmermehr.
Heil euch, Kreuz und Dorn und Sper,
Heidenschaft, des zürnst du sehr!

    Als er uns sich ließ erbarmen,
Litt er hier den grimmen Tod,
    Er der Reiche für uns Armen,
Daß wir kämen aus der Noth.
    Daß sein Blut uns kaufte los,
Ist ein Wunder übergroß,
Aller Wunder Wunderschooß.

    Nieder zu der Hölle Schlunde
Aus dem Grabe fuhr der Sohn,
    Dem der Vater war im Bunde
Und der Geist von Anfang schon.
    Niemand löset dieses Band:
Drei in einen Gott gewandt,
Wie ihn Abram hat erkannt.

    Als er dort den Feind bezwungen,
Wie kein Kaiser siegt' im Streit,
    Hat er neu sich hergeschwungen;
Da begann der Juden Leid:
    Daß er ihre Hut durchbrach,
Mit den Seinen gieng und sprach,
Den ihr Haß doch schlug und stach.

    Hier verblieb der Wunderreiche
Vierzig Tage, fuhr dann frei
    Heim zu seines Vaters Reiche;
Seinen Geist, der mit uns sei,
    Hat er uns herabgesandt:
Heilig ist dasselbe Land,
Wird vor Gottes Thron genannt.

    In dieß Land hat er gesprochen
Einen schreckensvollen Tag,
    Da die Wittwe wird gerochen,
Da der Waise klagen mag
    Mit dem Armen die Gewalt,
So sie litten mannigfalt:
Wohl ihm dort, der hier entgalt.

    Unsers Richteramts Gebrechen
Hemmt nicht mehr des Rechtes Lauf,
    Denn Er selbst kommt Recht zu sprechen,
Zieht der jüngste Tag herauf:
    Wer noch schuldet, weh ihm dann
Dort, wo der verlaßne Mann
Pfand noch Bürgen haben kann.

    Laßt ihr des euch nicht verdrießen
Was gesprochen hat mein Mund,
    Will ich jetzt die Rede schließen
Und euch kürzlich machen kund:
    Was der ewgen Weisheit Macht
Hat von Anbeginn gedacht,
Hier beganns und wird vollbracht.

    Christen sagen, Juden, Heiden,
Daß dieß Land ihr Erbe sei:
    Möge Gott den Streit entscheiden,
Er bei seinen Namen drei.
    Alle Welt hieher begehrt;
Uns nur ward ein Recht bescheert:
Recht ist, daß er Uns gewährt.

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