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Lieder der Minnesinger

Karl Simrock: Lieder der Minnesinger - Kapitel 18
Quellenangabe
typepoem
booktitleLieder der Minnesinger
authorKarl Simrock
firstpub1857
year1857
publisherR. L. Friederichs
addressElberfeld
isbn
titleLieder der Minnesinger
pages
created20070301
sendergerd.bouillon
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11. Graf Konrad von Kilchberg.

Ein Reigen.

               

    Auf, der Mai kam in das Land,
Der da löst der Sorgen Band:
Kinder, Kinder, seid gemahnt,
Mannigfalte Wonne kommt zu schauen.
    Auf der lichten Haide breit
Sind die Blumen ausgestreut
Wie ein Teppich weit und breit:
So erscheint er grünen Waldesauen.
    Da hört man die Nachtigall
Auf dem blühnden Reise
Singen wonniglichen Schall.
Berg und Thal
Hat der Mai bekleidet sich zum Preise.
        Freuet euch, ihr Jungen,
        Die Blumen sind entsprungen.
        Nun singet den Reihen
        Und seid fröhlich froh des lichten Maien.

    Auf denn Kinder, Paar und Paar
Geh die freudenreiche Schar
Nach dem Anger rosenklar,
Wo die Blumen aus dem Grase dringen.
    Leget an der Ehre Kleid:
Wo sich Lieb bei Liebe freut,
Giebt der Mai viel Süßigkeit.
Lauschet, lauschet, wie die Vögel singen!
    Wie das sanft den Ohren thut:
Freut euch, stolze Laien.
Sah ich doch des Maien Bluth
Nie so gut:
Laßt dabei uns tanzen, laßt uns reihen.
        Freuet euch, ihr Jungen,
        Die Blumen sind entsprungen.
        Nun singet den Reihen
        Und seid fröhlich froh des lichten Maien.

    Ei, was säumst du, junger Mann?
Komm und kommt ihr all hindann
Zu den Kindern auf den Plan!
Allem Trauern wird die Kraft benommen.
    Siecher Mann wird bald gesund,
Der von Minne wurde wund:
Mancher rosenfarbne Mund
Lacht ihm Lust ins Herz, das muß ihm frommen,
    Wo man Blumen viel und Klee
Findet in den Auen:
Die sind wieder ohne Weh
Heur wie eh
Aufgedrungen in des Maien Thauen.
        Freuet euch, ihr Jungen,
        Die Blumen sind entsprungen.
        Nun singet den Reihen
        Und seid fröhlich froh des lichten Maien.

    Ei, die Liebe, wo sie sei,
Wär ich heut ihr nahe bei,
Seht, so würd ich sorgenfrei,
Die mir lieb war stäts vor allen Dingen.
    Fröhlich in des Maien Bluth
Bräch ich ihr den Schattenhut.
Ueber alle Güte gut
Ist sie ja, ihr Lob so will ich singen
    Gern um ihren Habedank.
Keusch und Tadelsreine
Ist die Liebe sonder Wank.
Ohne Dank
Sing ich der Geliebten, die ich meine.
        Freuet euch, ihr Jungen,
        Die Blumen sind entsprungen.
        Nun singet den Reihen
        Und seid fröhlich froh des lichten Maien.

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