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Lieder der Minnesinger

Karl Simrock: Lieder der Minnesinger - Kapitel 131
Quellenangabe
typepoem
booktitleLieder der Minnesinger
authorKarl Simrock
firstpub1857
year1857
publisherR. L. Friederichs
addressElberfeld
isbn
titleLieder der Minnesinger
pages
created20070301
sendergerd.bouillon
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46. Der Tannhäuser.

2. Leich von den Frauen der Sage.

         

    Ich lob ein Weib, die ist noch beßer selbst als gut.
Schön ist sie und ist schöner viel und hochgemuth.
Vor allen falschen Dingen nimmt sie sich in Hut,
Kein Weib ward je so hoch gelobt als man sie thut.

    Isoldens Schöne wär gering,
Und Dionens, die doch Göttin hieß,
Medea, was die je begieng,
Frau Pallas sie drin unterwies.

    Juno gab Reichthum hin um Minne, hör ich sagen.
Was Dido hatte, ward vertheilt gar allzumal.
Latricia ließ sich heimlich sehn in alten Tagen,
Palatrica den Frauen viel der Kinder stahl.

    Helene, jene Königin,
Zu der kam einst Discordia:
Das brachte beiden Ungewinn;
Des entgalt auch Amarodia.

    Es schuf ein Weib, daß Troja ward
Zerstört, die hieß Frau Avenant.
Lunete war von hoher Art;
Ihr Vater der hieß Willebrand.

    Ein Apfel Venus ward gegeben,
Davon erhob sich große Noth:
Paris verlor darum sein Leben,
Da lag auch Menelaus todt.

    Sibylle war ein listig Weib
In der Amabilia:
Senatoren rieth sie an den Leib:
Das leider schuf Invidia.

    Frau Blanscheflur, die war an allen Dingen klug:
Der Waleis ward darum auf lange Zeit vertrieben.
Gawan, der den Anker stäts mit Würde trug,
Beklagt' es, daß im Walde Iwein war verblieben.

    Sarmenen schuf es Ungemach,
Daß Gahmuret so müßig saß:
Zu Curaß sie im Zorne sprach,
Als Lanzelet sich des vermaß,

    Er räche mich an Parzival,
Der Hectorn seine Veste brach.
Er nahm zu Karidol den Gral:
Achilles rächt' es nicht hernach,

    So räch es nun Galogreant
Was Opris mir zu Leide thut.
Thisbe war Elion bekannt;
Dem Pyramus war hold ihr Muth.

    Die klare Amie
Sprach zu ihrer Massenie so:
Meine Compagnie
Sei der Dinge frei und froh.

    Ginover aus Britannienland,
Die Artus sich zum Weib erkorn,
Die man in hoher Joie fand,
Der bracht aus Provenzal ein Horn

    Von Portugal ein Batschelier,
        das war so wunderlicher Art,
Wer daraus trank, nicht fehlerfrei,
        daß der damit begoßen ward.
Porchtram war von Lunders her:
Da schoß der Wigol nach dem Provenzal den Sper.

    Wigamur that vor Kanvoleis
Das Beste, haben wir vernommen.
Da ritt auf ihn Herr Wigaleis,
Der den Fraun zu Diensten war gekommen.

    Tristan erwarb die Königin
Von Marroch, wie wir hören sagen,
Die Heidin, ob sie schwarz auch schien.
Nun schweigen wir von alten Tagen

    Und loben nun die Gute,
Die reine wohlgemuthe,
Die da geht im Tanze
Mit ihrem Rosenkranze,
Darob ein ander Kränzlein,
Ein weiß gefalten Schwänzlein,
Die Haare gleich dem Golde
Wie Gott es gönnt zum Solde,
Kraus, gleich der Seiden:
Man möchte sie wohl leiden;
Wo Minne wär willkommen,
Da möchte sie wohl frommen.

    Vom Oriente
Zum Occidente
Ward nie ein schöner Weib geboren.
Drum ist die Gute,
Wohlgemuthe,
Mir immerdar zum Trost erkoren.

    Ihr Mund gewölbet,
Klar, ungefälbet
Wang und Hals dem schönen Weib.
Wenn ich sagte,
Mir behagte
Wo ihr rund sich wölbt der Leib,
    Davon will ich nicht melden,
        seht, es ziemte nicht;
Doch wer mit meinen Augen
        sieht ihr Angesicht,
Dem muß sie wohl gefallen
Zu Wunsch vor ihnen allen.

    Sie hat wohl Zucht und Güte
Und Treu, und Hochgemüthe;
Ihr Leib ist schön und wohlgestalt:
Wer mit ihr sollte werden alt,
Dem wär das Lob der Welt vertraut:
Sie ist so minniglich gebaut.
An ihr ist nichts vergeßen,
Zu Wunsch ist sie gemeßen. –

    Folge mir,
So thu ich dir,
Herzeliebe, reine, gute, süße!
Thust du so,
So werd ich froh:
Daß Gott dich segnen müße!

    Minne mich:
So thu ich dich,
Soll ich jemals Glück und Heil gewinnen,
Fraue mein,
Das könnte sein
Allein von deinen Minnen.

    Wohlgemuthe,
Laßt die gute
Euch behagen:
Sie soll nach angestammter Art der Ehren Krone tragen.

    Geht sie zu der Linden
Mit wohlgemuthen Kinden
Da ziemt ihr wohl das Reihen,
Sie zieret wohl den Maien,
Ihr ziemet wohl das Lachen,
So süß kann sie das machen.

    Ein traurig Herz erfreut sie bald,
Verjüngt es wieder, ward es alt.
Lobt Jemand beßer seine Fraun,
Nicht schel will ich darüber schaun.

    Nun will dir, »Tannhusäre,«
Zergehn des Leides Schwere.
Wenn die Liebe bei dir wäre,
Die freudenvolle, hehre,
Da würde wohl gesungen,
Getanzt und gesprungen.

    Nun heran,
Schauet an
Wo die Liebe springet:
Vor mir
Nach mir,
Wie meine Saite klinget. –

    Wo weilt nun Frau Juzze, die liebe, also lange?
Daß Elle bei dem Tanze
Nicht springt gedrange?
Nun wohlauf zur Linde, ihr Kinder, ihr jungen!
Da wird unterm Kranze
Zum Tanze gesungen.
Heia, Sommerfreuden,
Wer wollt euch uns verleiden?

    Hie nimmt der Tanz ein Ende:
Wer uns die Freude wende,
Den vermeiden Rosen
Und alle Zeitlosen,
Dazu der Vögelein Gesang.
Mich zwingt noch was mich immer zwang.
Nun sing ich wieder hei,
Heia, nun hei!
Da reißt der Fiedelbogen den Fiedeler entzwei.

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