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Lieder aus dem Rinnstein

Hans Ostwald: Lieder aus dem Rinnstein - Kapitel 88
Quellenangabe
authorVerschiedene Autoren
editorHans Ostwald
titleLieder aus dem Rinnstein
publisherKarl Henckell & Co.
year1903
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20180126
projectid9ad00744
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Im Tanzlokal.

Sahst du sie jauchzen? Flog nicht ihr Haar
sonnenstrahlengeschwinde –
und sie ist doch so elend und trostesbar
und bangt nach ihrem Kinde.

Aus der Vorstadt kam sie mit tapferem Blick
und arbeitsmutigen Händen
und traf ihr trauriges Mädchengeschick:
Armselige Liebesspenden.

Im Tanzsaal ... ein schwarzer Kommis ...
zehn kurze Nächte ... ein Morgen,
wo ihre beleidigte Weibheit schrie – –
und – bitterste Muttersorgcn.

Es langte nicht hin, es langte nicht her,
sie war wie ein Wild, ein gehetztes –
da ward ihr Denken so arm und schwer,
da stahl sie sich selbst ihr Letztes.

Sie verschenkte des eigenen Schoßes Frucht –
nur die Nächte nicht weinend mehr wachen ...
Die Jahre fliehen in ewiger Flucht –
und es ist lustig, zu lachen.

Sie lernte das Lachen am Straßensaum,
das harte Lachen der Schenken,
den wüsten Tanz im lustheißen Raum
und das weintolle Röckeschwenken ...

Siehst du sie jauchzen? Fliegt nicht ihr Haar
sonnenstrahlengeschwinde?
Und sie ist doch so elend und trostesbar
und dürstet nach ihrem Kinde.

Margarete Beutler.

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